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Walther von der Vogelweide - Alterslyrik am Beispiel: Fro welt ir sult dem wirte sagen (Lachmann 100,24)

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1998, 21 Pages
Author: Klaus Ludwig Hohn
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1998
Pages: 21
Grade: 3
Language: German
Archive No.: V6164
ISBN (E-book): 978-3-638-13800-0

File size: 412 KB


Excerpt (computer-generated)

Katholische Universität Eichstätt
Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl für Ältere deutsche Literaturwissenschaft

Hauptseminararbeit

Thema:

Walther von der Vogelweide - Alterslyrik
am Besipiel ,,Frô Welt, ir sult dem wirte sagen"
(Lachmann, 100,24)

Verfasser: Klaus Hohn

Lehramt Gymnasium D/Ek
5. Fachsemester

Seminar: HS Walther von der Vogelweide, ´Alterslyrik`

Semester: Wintersemester 1997/98
Abgabetermin: 31.3.1998

 

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung Seite 3

1. Die handschriftliche Überlieferung und ihre Übertragung ins Neuhochdeutsche
1.1. Die handschriftliche Überlieferung Seite 4
1.2. Text nach der Handschrift C Seite 5
1.3. Übertragung ins Neuhochdeutsche Seite 8

2. Formal-stilistische Aspekte Seite 9

3. Interpretation
3.1. Versuch einer textimmanent-historisch-rezeptiven Interpretation Seite 11
3.2. Der Zusammenhang zwischen Frô-Welt-Motiv in der darstellenden Kunst und mittelalterlicher Literatur Seite 16
3.3. Deutungsaspekte des Begriffs ´Ze herberge varn´ Seite 18

4. Verzeichnis über benutzte und zitierte Literatur Seite 20

 

Vorbemerkung

Das literarische Gesamtwerk Walthers von der Vogelweide lässt sich im wesentlichen in folgende drei Bereiche unterteilen: Minnesang, Sangspruchdichtung und verschiedene Lieder. Der Komplex ´verschiedene Lieder´ umfasst einen sog. Leich, diverse Lieder zum Thema Kreuzzug bzw. Heiliges Land und die Alterslyrik, also Gedichte aus Walthers späterer Schaffenszeit. Aus dieser sind besonders die ´Weltklagelieder´ hervorzuheben. Diese ,,Spätdichtung entzieht sich teilweise der üblichen Unterscheidung von Minnelied und Spruch. Das beruht nicht so sehr auf der Fragwürdigkeit dieser Kategorien als auf der Reife eines persönlich gewordenen dichterischen Vermögens, das die Grenzen überspielt und kühn die verschiedenen Bereiche sich transzendieren und berühren lässt, vor allem auch: Geistliches und Weltliches neu in Beziehung setzt und als Ganzes zu verantworten sucht."1, so Max Werli. Die ´Weltklage´ ist kein fester Stofftypus, sondern ein vielmehr ein Komplex von Motiven, welche in wechselnder Beleuchtung erscheinen und gerade in dieser Bedeutungsbreite erlauben, sich über gattungstypische Grenzen hinwegzusetzen und so zu einer neuartigen poetischen Selbstbesinnung zu kommen. In Walthers Alterslyrik gibt es mehrere Lieder, in denen der Dichter seine Sicht und Einstellung gegenüber der Welt kundtut.
Walther von der Vogelweide kann ohne Zweifel als der erste Dichter gesehen werden, der das Bild von der doppelseitigen ´Frau Welt´ des hochmittelalterlichen Menschen, von der höfischen Vorderseite und der negativen Kehrseite2 , in die deutsche Dichtung einführte.
Im Rahmen dieser Abhandlung wird Walthers Weltabsagelied ,,Frô Welt ir sult dem wirte sagen", Lachmann 100,24 näher untersucht, da sich dieses Gedicht durch die Personifikation der ´Frau Welt´ im wesentlichen von den übrigen ´Weltklageliedern´ unterscheidet.
Den Schwerpunkt dabei bildet eine möglichst textgetreue Übertragung ins Neuhochdeutsche und die Interpretation der einzelnen Strophen, sowohl textimmanent, als auch im historischen Kontext. Des Weiteren stehen eine metrische Analyse sowie der Blick auf die Rezeptionsgeschichte insbesondere im Bereich der darstellenden Kunst, der Frau-Welt-Motivik im Zentrum dieser Arbeit.

1. Die handschriftliche Überlieferung und ihre Übertragung ins Neuhochdeutsche

1.1. Die handschriftliche Überlieferung

Das Weltabsagelied 100,24 ´Frô Welt ir sult dem wirte sagen´ ist in drei Handschriften überliefert, vollständig jedoch nur in der Großen Heidelberger Liederhandschrift´. In der ´Kleinen Heidelberger Liederhandschrift´ sind lediglich die erste Strophe des Gedichtes, in der fragmentarischen Handschrift wx nur die ersten zweieinhalb Zeilen tradiert.
Zum besseren Verständnis werden im folgenden die einzelnen Handschriften kurz charakterisiert3, in welchen dieses Lied jeweils vorkommt.

A/a = `Kleine Heidelberger Handschrift`: Universitätsbibliothek Heidelberg cpg 357. Pergament, 45 Blätter 18,5 x 13,5 cm, Ende des 13. Jahrhunderts wahrscheinlich im Elsass (Strassburg?) geschrieben. Sie enthält Texte von 151 Strophen unter Walthers Namen, dazu einige weitere unter anderen Namen oder ohne Namensnennung bzw. Autorenzuweisung, die in anderen Handschriften jedoch Walther zugeschrieben werden.

C = `Große Heidelberger bzw. Manessische (früher: Pariser) Liederhandschrift`: Universitätsbibliothek Heidelberg cpg 848. Pergament, 426 Blätter. 35,5 x 25 cm, 138 Miniaturen, in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts wohl in der Schweiz (Zürich?) geschrieben. Die Handschrift C bildet die größte Sammlung von Walther-Texten.

wx= Landeskirchliches Archiv Braunschweig H 1a (ehemals: Wolfenbüttel): 2 Fragmente einer offenbar im 13. Jahrhundert im Raum Köln entstandenen Handschrift mit einem Textumfang von 7 Strophen, die an anderen Stellen Walther zugeordnet werden.

Analyse der handschriftlichen Umgebung4:

[...]

1 Wehrli, Max: Geschichte der deutschen Literatur. Band I. Vom frühen Mittelalter bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Stuttgart 1980, S.389.

2 Vgl. Thiel, Gisela: Das Frau Welt-Motiv in der Literatur des Mittelalters. Saarbrücken 1956, S. 98-111.

3 Vgl. Brunner H., Hahn G., Müller U. und Spechtler F. V.: Walther von der Vogelweide. München, 1996. S.31-34. 

4 Edwards, Cyril: Kodikologie und Chronologie: Zu den ´letzten Liedern´ Walthers von der Vogelweide. In: Honemann, Volker, Palmer, Nigel (Hg.): Deutsche Handschriften 1100-1400. Oxforder Kolloquium 1985. Tübingen 1988. S.307.


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