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Scholary Paper (Seminar), 2004, 24 Pages
Author: Christina Quast
Subject: History - Postwar Period, Cold War
Details
Institution/College: Ruhr-University of Bochum
Tags: Debatte, Neugestaltung, Gedenkstätte, Buchenwald, Debatte, Jahren, Vergleichbarkeit, Systems, Systemen
Year: 2004
Pages: 24
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-55077-2
File size: 178 KB
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Abstract
Das Gelände Buchenwald war durch zwei aufeinanderfolgende Diktaturen geprägt, ehe es durch die Wiedervereinigung mit einer Demokratie in Berührung kam. Das bedeutete zum ersten Mal nicht die Anpassung an eine herrschende Ideologie durch welche die Geschichte Buchenwalds mehrmals über- und verformt wurde. Ganz ohne Veränderung konnte sich Buchenwald dennoch in die Gedenkstätten der Bundesrepublik Deutschlang einfügen. Um gleich zwei Diktaturen zu bewältigen war eine Neukonzeption nach demokratischen Verständnis nötig. Wie tief Veränderungen in die Traditionen Buchenwalds eingreifen können oder sogar müssen, lotete die öffentliche Debatte um die Neukonzeption aus, welche in dieser Arbeit mit ihren wichtigsten Themen und Positionen skizziert wird. Den Abschnitten zur Neukonzeption ist ein historischer Teil, in dem Informationen zur Nutzung des Geländes Buchenwald als Konzentrationslager, Speziallager und Nationale Mahn- und Gedenkstätte gegeben werden sollen. Es schließen sich Kapitel jeweils zur Situation während der politischen Wende und der Historikerkommission an. Ausgehend von den zentralen Empfehlungen der Kommission werden dann die Diskussionen zum Speziallager, der überarbeiteten Dauerausstellung und der Bewertung des Antifaschismus behandelt. Durch die Debatte zur Neukonzeption wurde die Arbeit der Gedenkstätte öffentlich sehr deutlich wahrgenommen, so dass besonders zu beachten war, dass die Diskussionen wissenschaftlichen und nicht politischen Kriterien folgten. Den Missbrauch der Gedenkstätte für politische Interessen sah ihr Direktor Volkhard Knigge als größte Gefahr für Buchenwald. Denn die Debatte zur Neukonzeption war auch Teil der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die nach der Wiedervereinigung in eine neue Phase trat. Die zeitlich nähere SED-Diktatur trat nun zum Nationalsozialismus und schien dessen Stellenwert in der deutschen Geschichte zu verändern. Die Frage nach der Vergleichbarkeit der Diktaturen blieb nicht aus, um sich diesem Thema zu nähern scheint Buchenwald geeignet, weil sich auf dem Gelände ein nationalsozialistisches und sowjetisches Lager existierte, anhand denen sich ein Vergleich auch eingrenzen ließe.
Excerpt (computer-generated)
Ruhr Universität Bochum, 8. Semester
Hauptfach: Journalistik Historisches Institut
Die Debatte über die Neugestaltung der Gedenkstätte Buchenwald
von: Christina Quast
Gliederung
1. Einleitung 3
2. Die Nutzung des Gelände Buchenwald 4
2.1 Konzentrationslager (1937 – 1945) 4
2.2 Speziallager (1945 – 1950) 5
2.3 Nationale Mahn- und Gedenkstätte (1958 – 1989) 6
3. Die Gedenkstätte Buchenwald nach der Wende 9
4. Die Vorschläge der Historikerkommission 10
5. Die Diskussionen zur Neukonzeption 11
5.1. Ausstellung zur Geschichte des Speziallagers 11
5.2. Ausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers17
5.3. Ausstellung zur Geschichte der Gedenkstätte 19
6. Fazit 21
7. Literaturverzeichnis 23
1. Einleitung
Das Gelände Buchenwald war durch zwei aufeinanderfolgende Diktaturen geprägt, ehe es durch die Wiedervereinigung mit einer Demokratie in Berührung kam. Das bedeutete zum ersten Mal nicht die Anpassung an eine herrschende Ideologie durch welche die Geschichte Buchenwalds mehrmals über- und verformt wurde. Ganz ohne Veränderung konnte sich Buchenwald dennoch in die Gedenkstätten der Bundesrepublik Deutschlang einfügen. Um gleich zwei Diktaturen zu bewältigen war eine Neukonzeption nach demokratischen Verständnis nötig. Wie tief Veränderungen in die Traditionen Buchenwalds eingreifen können oder sogar müssen, lotete die öffentliche Debatte um die Neukonzeption, welche in dieser Arbeit mit ihren wichtigsten Themen und Positionen skizziert werden. Den Abschnitten zur Neukonzeption ist ein historischer Teil, in dem Informationen zur Nutzung des Gelände Buchenwald als Konzentrationslager, Speziallager und National Mahn- und Gedenkstätte gegeben werden sollen. Es schließen sich Kapitel jeweils zur Situation während der politischen Wende und der Historikerkommission an. Ausgehend von den zentralen Empfehlungen der Kommission werden dann die Diskussionen zum Speziallager, der überarbeiteten Dauerausstellung und der Bewertung des Antifaschismus behandelt.
Durch die Debatte zur Neukonzeption wurde die Arbeit der Gedenkstätte öffentlich sehr deutlich wahrgenommen, so dass besonders zu beachten, dass die Diskussionen wissenschaftlichen und nicht politischen Kriterien folgten. Den Missbrauch der Gedenkstätte für politische Interessen sah ihr Direktor Volkhard Knigge als größte Gefahr für Buchenwald. Denn die Debatte zur Neukonzeption war auch Teil der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die nach der Wiedervereinigung in eine neue Phase trat. Die zeitlich nähere SED-Diktatur trat nun zum Nationalsozialismus und schien dessen Stellenwert in der deutschen Geschichte zu verändern. Die Frage nach der Vergleichbarkeit der Diktaturen blieb nicht aus, um sich diesem Thema zu nähern scheint Buchenwald geeignet, weil sich auf dem Gelände ein nationalsozialistisches und sowjetisches Lager existierte, anhand denen sich ein Vergleich auch eingrenzen ließe.
2. Die Nutzung des Gelände Buchenwald
2.1. Konzentrationslager (1937 – 1945)
In der Nähe von Weimar wurde während des Nationalsozialismus das KZ Buchenwald auf dem Ettersberg errichtet. Es gehörte zu den neuen, großen Konzentrationslagern im Reich, das ab Juli 1937 von 300 Häftlingen aufgebaut wurde. Bis zum Kriegsende erweiterte man das KZ Buchenwald um 136 Außerlager und Außenkommandos. Relativ zeitig wurden im KZ Buchenwald Juden konzentriert, zunächst 1938 im Rahmen der Aktion „Arbeitsscheu Reich“, später durch die Verlegung von 2000 jüdischen Häftlingen aus Dachau und schließlich nach der Reichpogromnacht als rund 10000 jüdische Männer eingewiesen wurden. Für die Juden errichtete man ein Sonderlager, das keine sanitären oder medizinischen Einrichtungen aufwies und nicht mehr als einen Quadratmeter Fläche für jeden Häftling bot. Wegen einer Typhusepidemie löste man das Sonderlager im Frühjahr 1939 wieder auf. Die meisten Juden hatten in dieser Zeit das KZ Buchenwald verlassen, um ins Ausland zu gehen. Nach Kriegsbeginn erreichten vor allem „Zigeuner“ und Homosexuelle gekennzeichnet als „Asoziale“ und 5000 Häftlinge aus Polen1 das KZ Buchenwald, die im sogenannten „Kleinen Polenlager“ eingepfercht wurden. Durch Massentransporte mit Juden und Mitgliedern von Widerstandsgruppen aus den besetzten europäischen Ländern sowie tausenden sowjetischen Kriegsgefangenen füllte sich das KZ Buchenwald ständig. Die Kriegsgefangenen wurden systematisch mit einer Genickschussanlage ermordet, während man die jüdischen Häftlinge ab Herbst 1942 in die Ghettos und Vernichtungslager im Osten transportierte.
Im KZ Buchenwald geschah die Vernichtung der Menschen durch Arbeit in Rüstungsbetrieben, Hunger, sich ausbreitenden Krankheiten, medizinische Experimente und tödliche Injektionen sowie im Rahmen des Euthanasieprogramms2. Von insgesamt 250000 Häftlingen im KZ Buchenwald, sind etwa 56000 umgekommen. Im KZ Buchenwald bildete sich eine illegale internationale Widerstandsorganisation, die vom internationalen Lagerkomitee (ILK) mit Häftlingen aus elf Ländern geführt wurde. Das ILK beschaffte Informationen, organisierte Hilfe und bereitete die Selbstverteidigung vor. Besonders bemühte sich das ILK die Häftlingsfunktionen3, welche zunächst Kriminelle und „Asoziale“ übernommen hatten, mit politischen Häftlingen zu besetzen. Allmählich gelang es den überwiegend deutschen Kommunisten auf diese Weise die Häftlingsverwaltung zu übernehmen.
Wegen der vorrückenden Roten Armee kamen ab Herbst 1944 Evakuierungstransporte mit Häftlingen aus den östlichen Konzentrations- und Vernichtungslagern im KZ Buchenwald an, die wiederum in das „Kleine Lager“ gesperrt wurden. Zusätzlich schickte man Häftlinge aus den Außenlagern und Außenkommandos zurück ins KZ Buchenwald, das im Januar 1945 mit 110000 Häftlingen völlig überfüllt war. Als die Front im April 1945 näher kam, transportierte man Häftlinge in weiter südlich gelegene Konzentrationslager und schickte die Mehrzahl auf „Todesmärsche“. Diese versuchte das ILK zu verzögern, als sich am 11. April 1945 die 3. US-Armee dem KZ Buchenwald näherte. Zu diesem Zeitpunkt überschnitten sich verschiedene Ereignisse, sodass sich später unterschiedliche Interpretationen ergaben. Ein Teil der SS-Männer war schon abgezogenen als bewaffneten Häftlingen die Befreiung des KZ Buchenwald mit 21000 Häftlingen gelang, aber nur eine halbe Stunde später die ersten amerikanischen Soldaten eintrafen. Die Befreiung des KZ Buchenwald begingen die überlebenden Häftlinge am 19. April 1945 mit einer Trauerfeier für ihre ermordeten Mithäftlinge und formulierten dabei den bekanntgewordenen Buchenwaldschwur4.
2.2. Speziallager (1945 – 1950)
[...]
1 Es handelte sich hauptsächlich um Juden.
2 Das gilt für die Sonderbehandlung 14 f 13.
3 Z. B. Kapos, Blockälteste, Lagerälteste, Pfleger im Krankenrevier, Lagerschutz
4 siehe Bundeszentrale für politische Bildung: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 2. Bonn 2000, S.898
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