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Autor: Nadine Scherny
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Tags: Schuld-Sühne-Problematik, Hartmanns, Erec
Jahr: 2005
Seiten: 24
Note: 2,7
Literaturverzeichnis: ~ 21 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 138 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55089-5
Textauszug (computergeneriert)
Universität Trier
Mai 05
FBII: Germanistik
(WS 04/05): Artusepik
Die Schuld-Sühne-
Problematik in Hartmanns Erec
Autorin:
Nadine Scherny
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Aufstieg und Fall 3
2.1. Konflikt êre und minne 4
2.2. Falsche Motivation für „Initialâventiure“ 5
2.3. Die âventiure als Sühneweg 7
3. Die Rolle der Frau 9
3.1. Enites Part 10
3.1.1. Enites sozialer Status 11
3.1.2. Das Schweigegebot 13
3.1.3. Enites triuwe 14
3.2. Spiegelungen für ungerechte Behandlung Enites 16
3.2.1. Kritik von ‚unten’ 17
3.2.2. Die Oringels-Episode 18
4. Joie de la curt 19
5. Fazit 20
6. Literaturverzeichnis 22
1. Einleitung
„HARTMANNS EREC STEHT, TROTZ ALLER ARBEIT, die man schon auf ihn verwendet [hat], im ganzen nicht sehr überzeugend vor uns“ 1. Mit diesem Ausspruch verdeutlicht Kuhn die besondere Problematik, der sich die Erec- Forschung gegenüber gestellt sieht. Viele Interpretationsansätze klaffen weit auseinander, und es herrscht noch nicht einmal Einigung darüber, was eigentlich die zentrale Angelegenheit des Werks ist.
Hartmann verfasste seinen Erec, der zwar bis heute sehr bekannt, von welchem allerdings nur eine, fast vollständig überlieferte Handschrift vorhanden ist, um 1180 nach Vorlage des französischen Romans Erec et Enide von Chrétien de Troyes. Dabei nahm er einige inhaltliche Veränderungen vor und passte sein Werk dem höfischen Kontext seiner Zeit an.2 Unter anderem sind in seiner Darstellung der Enite deren ärmliche Verhältnisse um einiges krasser herausgearbeitet, als dies bei Chrétien der Fall ist und er ‚vertauscht’ die Rollen in der Versöhnungsszene (6771-6801): während Erec bei Chrétien Enite verzeiht, entschuldigt er sich in Hartmanns Fassung bei seiner Frau für sein Verhalten, wodurch eine zentrale Frage noch mehr hervortritt: Hat sich Enite an der durch das verligen im Karnant entstandenen Misere zumindest mitschuldig gemacht und wie stark ist ihre Rolle zu bewerten? „Prüfstein“3 fast jeder wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Epos ist die Frage mit welcher Begründung Erec Enite mit auf âventiure nimmt und sie schwierigen Prüfungen unterzieht.
Thomas Cramer bezeichnet Enite in seinem Aufsatz zu Recht als „crux interpretationis“4, da ihre Funktion im Roman und damit die Frage nach ihrer Schuld bis heute streitbar geblieben ist.
Im Folgenden soll sich diese Arbeit damit auseinandersetzen, was im Einzelnen die Gründe für die zweite âventiure-Sequenz – nach dem verligen im Karnant – sind, welchen Zweck diese erfüllt und wie Enite eingebunden ist. Darüber hinaus soll versucht werden zu erörtern, wie stark die Bedeutung von Enite für die Entwicklung des Stücks ist und ob die Frage nach Schuld oder Unschuld überhaupt eine wesentliche Grundlage für einen Interpretationsansatz bietet.
2. Aufstieg und Fall
Bei Hartmann findet man, im Gegensatz zu Chrétien, einen sogenannten „Doppelweg“5 im Aufbau des Erec. Dieser Doppelweg zeichnet sich durch einen zweimaligen Aufstieg und Fall des Helden aus. Die erste Handlungssequenz teilt sich, schematisch dargestellt von Kuhn6, in vier Episoden, nämlich einmal die Jagd auf einen weißen Hirsch7, dann die von Erec durch Iders’ Zwerg erfahrene Demütigung, welche Erecs ersten Fall darstellen, und die darauf folgende Einkehr in die arme Behausung von Enites Vater. Diese führen zusammen mit dem Sieg Erecs im Sperberkampf gegen Iders, der gleichzeitig den ersten Wendepunkt darstellt, expositorisch auf den ersten klimaktischen Passus, die Hochzeit von Erec und Enite, die als Krönung die Herrschaft im Karnant übernehmen.
[der König] vuorte si heim ze Karnant
unde gap sîn lant
in ir beider gewalt,
daz er ze künege wære gezalt
und daz si wære künegîn:
er hiez si beide gewaltic sîn. (2918-23)
Das sich zuvor ereignende Turnier dient dazu, die anschließende Herrschaft gesellschaftlich zu rechtfertigen.
[....]
1 Kuhn S.133.
2 Vgl. Mertens S.53 („adaption courtoise“).
3 Hrubý S.338.
4 S.97.
5 Mertens S.59. Vgl. Wiehl S.91, Kuhn S.133, Ruh S.112.
6 Vgl. S.135.
7 Die Jagd auf den weißen Hirsch ist bei Hartmann verloren, kann aber mit Hilfe der Chrétienschen Vorlage rekonstruiert werden (vgl. Kuhn S.133).
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