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"El Dorado" von Joan Perucho - eine phantastische Kurzgeschichte?

Seminararbeit, 2005, 19 Seiten
Autor: Kristin Dörr
Fach: Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Details

Veranstaltung: Die phantastische Kurzgeschichte in Spanien und Lateinamerika
Institution/Hochschule: Universität des Saarlandes (Hispanistik)
Tags: Dorado, Joan, Perucho, Kurzgeschichte, Spanien, Lateinamerika
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 19
Note: 12 Punkte
Literaturverzeichnis: ~ 23  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V61826
ISBN (E-Book): 978-3-638-55192-2

Dateigröße: 234 KB
Anmerkungen :
Einige Zitate sind auf spanisch in den Text eingebaut!



Textauszug (computergeneriert)

Universität des Saarlandes, FR 4.2 Romanistik
Proseminar: Die phantastische Kurzgeschichte in Spanien und Lateinamerika
Sommersemester 2005

„El Dorado“ von Joan Perucho –
eine phantastische Kurzgeschichte?

von: Kristin Dörr

 


Inhalt

1. EINLEITUNG 3

2. DIE PHANTASTIK 4

2.1 DEFINITIONSANSÄTZE 5
2.2 DIE PHANTASTISCHE LITERATUR IN SPANIEN 6

3. JOAN PERUCHO – LEBEN UND WERK 7

4. „EL DORADO“ 9

4.1 INHALT 9
4.2 ANALYSE DER KURZGESCHICHTE 10

4.2.1 INTENTION UND KRITIK DES AUTORS 10
4.2.2 INTERTEXTUALITÄT IN „EL DORADO“ 14
4.2.3 „EL DORADO“ – EINE PHANTASTISCHE GESCHICHTE? 15

5. FAZIT 17

LITERATURVERZEICHNIS 18


 


 

1. Einleitung

Die phantastische Literatur – im allgemeinen Sprachgebrauch verstanden als Sammelbegriff für literarische Werke, die die Grenzen einer realistischen Wirklichkeitsdarstellung überschreiten – äußert sich in einem breiten Spektrum literarischer Erscheinungsformen. Stets geht es um die Beschreibung von Welten, die jenseits der real existierenden Welt bestehen, und um den Versuch, irreale Geschehnisse in diese reale Welt einzuspeisen. Etabliert hat sich die phantastische Erzählweise im Zeitalter der Romantik als Reaktion auf den in der Aufklärung vorherrschenden Realismus. Einer der bekanntesten Vertreter dieses Genres ist Edgar Allan Poe1. Auch in Spanien fasste die phantastische Erzähltechnik Fuß. Als einer der wenigen Spanier, die zu der phantastischen Literatur zählen, gilt Joan Perucho – ein außerhalb Spaniens eher unbekannter Autor. Seine relative Unbekanntheit ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass der Barcelonese seine Werke überwiegend auf Katalanisch veröffentlicht und somit die Zahl der möglichen Rezipienten von vorneherein eingegrenzt hat. Dennoch genießt der im Oktober 2003 verstorbene Autor einen hohen Stellenwert in der spanischen Literatur: „Las letras catalanes perdieron ayer por la mañana a uno de los grandes, Joan Perucho […]“2 schrieb zum Beispiel die Tageszeitung La Vanguardia am Tag, als Peruchos Tod bekannt wurde. Monmany bezeichnet ihn als „uno de los más grandes fabuladores de nuestra época”3.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem katalanischen Schriftsteller im Hinblick auf sein Schaffen in der phantastischen Literatur. Es geht um die phantastische Kurzgeschichte „El Dorado“. Um die Erzählung in den allgemeinen Kontext phantastischer Literatur einzuordnen, wird zunächst ein kurzer Überblick über verschiedene theoretische Definitionsansätze des Begriffs Phantastik gegeben. Im Anschluss daran wird die Entwicklung der spanischen Phantastik kurz skizziert, um ein umfassendes Bild über die literarische Gattung und ihre Ausprägung in Spanien zu geben. In Punkt 3 wird der Autor Joan Perucho anhand seiner biografischen Daten und seiner Werke kurz vorgestellt. Punkt 4 beschäftigt sich mit der Kurzgeschichte „El Dorado“: Nach einer Zusammenfassung der inhaltlichen Aspekte wird die Erzählung untersucht hinsichtlich ihrer phantastischen Elemente, des Aufbaus und der Intention des Autors, dem es – so viel sei schon an dieser Stelle vorweg genommen – in dieser Geschichte nicht darum geht, eine Grenzerfahrung im herkömmlichen Sinne der Phantastik darzustellen, sondern die Phantastik als „Mittel zum Zweck“ benutzt, um kritisch etwas anderes auszudrücken. Den letzten Punkt der Ausarbeitung bildet das Fazit, in dem die Erkenntnisse der Arbeit abschließend zusammengefasst werden.

2. Die Phantastik

„El problema, como siempre, está en saber qué es lo fantástico. Es inútil ir al diccionario, yo no me molestaría en hacerlo, habrá una definición, que será aparentemente impecable, pero una vez que la hayamos leído los elementos imponderables de lo fantástico, tanto en la literatura como en la realidad, se escaparán de esa definición.”4

Mit diesen Worten beschreibt Julio Cortazar5 in einer Rede das Dilemma der Definitionsfindung für das Phantastische. Er reiht sich damit in die Tradition vieler Wissenschaftler und Autoren ein, die auf unterschiedliche Weise versucht haben, sich dem Terminus zu nähern. In Anlehnung an die Literaturwissenschaftler, die jeder für sich eine Definition aufrechterhalten und belegen, schlägt Cortazar vor, dass jeder den Begriff phantastische Literatur für sich selbst definieren sollte, indem er auf seine eigenen Vorstellungen und Erfahrungen zurückgreift und sich den Bruch mit den in der realen Welt gültigen Gesetzen nicht durch vorgeschriebenen Definitionen, sondern mit eigenen Vorstellungen erklärt:

„[...] en vez de buscar una definición preceptiva de lo que es lo fantástico, en la literatura o fuera de ella, yo pienso que es mejor que cada uno de ustedes, como lo hago yo mismo, consulte su propio mundo interior, sus propias vivencias y se plantee personalmente el problema de esas situaciones, de esas irrupciones, de esas llamadas coincidencias en que de golpe, nuestra inteligencia y nuestra sensibilidad, tiene la impresión de que las leyes, a que obedecemos habitualmente, no se cumplen del todo o se están cumpliendo de una manera parcial, o están dando su lugar a una excepción.”6

„Sentimiento de lo fantástico“ nennt der argentinische Schriftsteller dieses Gefühl, das ihn seit seiner Kindheit begleitet und immer dann auftaucht, wenn „entre dos cosas que parecen perfectamente delimitadas y separadas, hay intersticios por los cuales, para mí al menos, pasaba, se colaba, un elemento, que no podía explicarse con leyes, que no podía explicarse con lógica, que no podía explicarse con la inteligencia razonante”.7

Ausgehend von Cortazar werden in den folgenden Unterpunkten erst einige Literaturwissenschaftler zu Wort kommen, die den Begriff der phantastischen Literatur definiert haben. Danach erfolgt ein kurzer Abriss der Entwicklung der phantastischen Literatur in Spanien. Hier werden nur einzelne Autoren der jeweiligen Zeit mit ihren Werken kurz vorgestellt, um einen groben Überblick über die Phantastik in Spanien zu geben. Auf eine tief gehende geschichtliche Analyse wird an dieser Stelle verzichtet.

2.1 Definitionsansätze

[...]


1 Edgar Allan Poe (1809-1849) war ein amerikanischer Dichter, Erzähler und Literaturtheoretiker. Er gilt als Begründer der modernen Kurzgeschichte, der Detektivgeschichte und als Vollender der phantastischen Erzählung des 19. Jahrhunderts.

2 Redaktion La Vanguardia: Joan Perucho muere a los 82 años. El escritor pidió a su familia que no comunicara su fallecimiento hasta hoy. In: La Vanguardia, Kulturteil, Ausgabe vom 31. Oktober 2003. S. 43. URL: www.uklitag.com/site/images/ author_uploads/perucho_adios_lv3_en.pdf.

3 Monmany, Mercedes (2003): Joan Perucho, en el cielo de su literatura. In: La Vanguardia, Kulturteil, Ausgabe vom 31. Oktober 2003. S. 44. URL: www.uklitag.com/site/images/author_uploads/ perucho_adios_lv3_en.pdf.

4 Cortazar, Julio: El sentimiento de lo Fantástico. Conferencia dada por Julio Cortazar en la U.C.A.B.; S. 1. URL: www.juliocortazar.com.arg/ cuentos/confe1.htm. Die Rede hielt Cortazar in der Universidad Católica Andres Bello (UCAB) in Venezuela.

5 Julio Cortazar, geboren 1914 in Brüssel und gestorben 1984 in Paris, war ein argentinischer Schriftsteller und Intellektueller. Er wird als einer der wichtigsten Vertreter der phantastischen Kurzgeschichte in der Generation nach Jorge Luis Borges gezählt. Seine erste Erzählung Casa tomada veröffentlichte Borges in der Zeitschrift Sur. Vgl: Rössner, Michael (2002): Cono Sur (Chile, La-Plata-Staaten, Paraguay): die Belebung durch das „populäre Genre“ und die Blüte der phantastischen Literatur. In: Rössner, Michael (Hg., 2002): Lateinamerikanische Literaturgeschichte. 2., erweiterte Auflage. J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag, Stuttgart/Weimar. S. 364f.

6 Cortazar-Rede, S. 1.

7 ibid., S. 2.


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