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Darstellung und Anwendung der Centering-Theorie nach Walker

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 24 Pages
Author: Thomas Jung
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Event: Definitheit und Diskursstruktur
Institution/College: University of Stuttgart (Linguistik)
Tags: Darstellung, Anwendung, Centering-Theorie, Walker, Definitheit, Diskursstruktur
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 24
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V61851
ISBN (E-book): 978-3-638-55211-0
ISBN (Book): 978-3-638-66250-5
File size: 421 KB

Abstract

Um die Kohärenz von Texten zu untersuchen, bietet sich der Rückgriff auf die Centering – Theorie an, da diese sich auf die Analyse der Kohärenz und Salienzstruktur fokussiert. Centering-Theorien sind nach Passonneau Verarbeitungsmodelle, die den lokalen Aussagen Kontext, zugrunde liegende Relationen, sowie anaphorische Referenz miteinander verbindet. Eine fundamentale dem Centering zugrunde liegende Annahme ist dabei, dass die Verarbeitung eines Diskurses eine kontinuierliche Erneuerung des lokalen Fokus (local focus) enthält. Um das diskurstheoretische Verständnis von Texten, analytisch verstehen zu können, werden zunächst die Vor- und Nachteile der divergierenden Centering-Theorien ausgeführt. Daran anschließend wird die Theorie von Walker genauer exemplifiziert und empirisch an Texten getestet. Die Darstellung der Theorie von Walker soll sich dabei an drei Fragestellungen orientieren. Zunächst soll untersucht werden, wie sich die Kohärenz eines Textes anhand der Verwendung von referierenden Ausdrücken untersuchen lässt. Diese Frage wird vor allem im ersten Kapitel von zentraler Bedeutung sein. Der zweite Untersuchungsschwerpunkt ist, welche Reichweite Referenzbeziehungen haben, und daraus folgend welcher Anwendungsbereich mit Theorien der lokalen Kohärenz untersucht werden kann. In Kapitel 3 wird versucht, dieses Forschungsinteresse etwas zu erhellen. Der Frage wie sich Texte segmentieren lassen, so dass die Wirkung und Reichweite von Anaphora mit Theorien der lokalen Kohärenz untersucht werden kann, wird zunächst in Kapitel 4 im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, bevor in Kapitel 5 empirisch untersucht wird, ob sich die theoretischen Annahmen aus Kapitel 4 auch an empirischen Beispielen bestätigen lassen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Stuttgart, Institut für Linguistik
HS: Definitheit und Diskursstruktur
SS 2005, 11. Semester

Centering-Theorie

von: Thomas Jung

 


Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung  3

2.) Einführung in die Centering – Theorie  4

3.) Darstellung der unterschiedlichen Centering-Theorien  6

4.) Die Theorie von Walker und die Segmentierung von Texten  11

5.) Beispiele  13

6.) Fazit  23

7.) Literatur  24


 


 

1.) Einleitung

In dieser Arbeit soll versucht werden, die Theorie von Walker an eigenen Beispielen zu testen. Um die Vorzüge der Centering-Theorie nach Walker untersuchen zu können, wird in Kapitel 2 zunächst ausgeführt, was unter Centering zu verstehen ist. Welche verschiedenen Centering-Versionen existieren, soll in Kapitel 3 umrissen werden. Daran anschließend wird in Kapitel 4 die Theorie von Walker genauer dargestellt und schließlich in Kapitel 5 an Beispielen getestet. Die Darstellung der Theorie von Walker soll sich dabei an drei Fragestellungen orientieren. Zunächst soll untersucht werden, wie sich die Kohärenz eines Textes anhand der Verwendung von referierenden Ausdrücken untersuchen lässt. Diese Frage wird vor allem im ersten Kapitel von zentraler Bedeutung sein.

Der zweite Untersuchungsschwerpunkt ist, welche Reichweite Referenzbeziehungen haben, und daraus folgend welcher Anwendungsbereich mit Theorien der lokalen Kohärenz untersucht werden kann. In Kapitel 3 wird versucht, dieses Forschungsinteresse etwas zu erhellen. Der Frage wie sich Texte segmentieren lassen, so dass die Wirkung und Reichweite von Anaphora mit Theorien der lokalen Kohärenz untersucht werden kann, wird zunächst in Kapitel 4 im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, bevor in Kapitel 5 empirisch untersucht wird, ob sich die theoretischen Annahmen aus Kapitel 4 auch an empirischen Beispielen bestätigen lassen.

2.) Einführung in die Centering – Theorie

Um die Kohärenz von Texten zu untersuchen, bietet sich der Rückgriff auf die Centering – Theorie an, da diese sich auf die Analyse der Kohärenz und Salienzstruktur fokussiert. Centering ist nach Passonneau1 ein Verarbeitungsmodell, welches den lokalen Aussagen Kontext, zugrunde liegende Relationen, sowie anaphorische Referenz miteinander verbindet. Nach Grosz, Joshi und Weinstein2 wird der Begriff „Center einer Aussage“ benutzt, um auf die Einheiten zu referieren, welche dazu dienen, diese Aussage mit anderen Aussagen im Diskurssegment, welches sie enthält, zu verknüpfen.

Zu erklären wie der lokale Kontext, der vorigen und gegenwärtigen Aussage, die Oberflächenform beeinflusst, welche verwendet wird, um die salienteste Diskurseinheit der gegenwärtigen Aussage zu erwähnen, ist ein zentrales Anliegen der Centering – Theorie.3 Ausgehend von der Grundannahme, dass bestimmte Einheiten, die in einer Aussage geäußert werden, zentraler sind als andere, stellten Grosz, Joshi und Weinstein eine weitere Annahme auf, welche besagt, dass diese Eigenschaft Beschränkungen hervorruft, die den Gebrauch verschiedener Typen von referierenden Äußerungen durch den Sprecher limitieren. 4 Um modellieren zu können, wie die Salienzstruktur den Gebrauch von referierenden Aussagen beeinflusst, müssen die Untersuchungsobjekte der Centering – Theorie demnach die Diskurseinheiten sein.

Was kann grundlegend unter Diskurseinheiten verstanden werden? Nach Webber sind Diskurseinheiten Repräsentationen von Objekten im Diskursmodell, dessen Eigenschaften aus der semantischen Struktur der co-indizierten NPs und der Aussagen in welchen sie vorkommen abgeleitet sind.5 Centering ist also gleichzeitig eine Theorie der Diskurskohärenz und -salienz. Deshalb versucht sie als eine Theorie der Kohärenz, Einheiten-Kohärente Diskurse zu charakterisieren und als eine Theorie der Salienz vorherzusagen, welche Einheiten zu einem bestimmten Zeitpunkt am salientesten sein werden.6 Nach Grosz, Joshi und Weinstein wird die Kohärenz eines Diskurses durch die Kompatibilität zwischen den Centering – Eigenschaften einer Äußerung und der Wahl der referierenden Ausdrücke beeinflusst. Die Hauptannahme der Centering – Theorie über die lokale Kohärenz ist, dass Diskurssegmente in denen aufeinander folgende Aussagen die gleichen Diskurseinheiten erwähnen, kohärenter sind als Diskurssegmente, in denen andere Einheiten erwähnt werden.7

Wie lassen sich die ausgeführten Annahmen modellieren? Zunächst wird angenommen, dass jeder Aussage U in einem Diskurssegment (DS) ein Set von forward looking center (Cf) zugewiesen ist. Jeder anderen Aussage, als der Segment begründenden Aussage ist ein einzelner backward looking center (Cb) zugewiesen. Des Weiteren verbindet sich der Cb einer Aussage Un+1 mit einem Cf der Aussage Un. Der Cf von Un beruht nur auf der Äußerung, welche die Aussage konstituiert Die Elemente von Cf(Un) sind nach der relativen Prominenz in Un partiell geordnet.8 Dies bedeutet also, dass die Diskurseinheiten, welche durch Aussagen realisiert werden, nach ihrer Salienz geordnet sind und dass die Identität des Cb entscheidend durch diese Einheitenordnung determiniert ist.

[...]


1 Passonneau, Rebecca: Interaction of Discourse Structure with Explicitness of Discourse Anaphoric Noun Phrases. In: Walker, Marilyn / Joshi, Aravind / Prince, Ellen F. (eds.): Centering Theory in Discourse. Oxford Clarendon Press 1998. S. 327-358.

2 Grosz, Barbara / Joshi, Aravind / Weinstein, Scott: Centering: A Framework for Modeling the Local Coherence of Discourse. Computational Linguistics 21/1995. S. 203-225.

3 Vgl. Passonneau 1998. S. 2.

4 Vgl. Grosz, Joshi und Weinstein 1995. S. 3.

5 Vgl. Passonneau 1998. S. 2. Auch dazu: Webber, B. L: A formal approach to discourse anaphora Technical. Report 3761. Bolt Beranek and Newman Inc. 1978.

6 Vgl. Poesio, Massimo / Stevenson, Rosemary / di Eugenio, Barbara / Hitzeman, Janet: Centering: A Parametric theory and its instantiations. Computational Linguistics. v. 30(3) 2004. S. 4. Hier: Rückgriff auf eine erweiterte Version: Technical Note TN-02-01. Mai 2004. http://cswww.essex.ac.uk/staff/poesio/publications/CL04TN.pdf. Letzter Zugriff: 14.10.2005.

7 Vgl. ebd. S. 4.

8 Vgl. Grosz, Joshi und Weinstein 1995. S. 8.


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