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Psychische Störungen nach Extrembelastung

Scholary Paper (Seminar), 2006, 22 Pages
Author: Thomas Meinhart
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V61860
ISBN (E-book): 978-3-638-55219-6
ISBN (Book): 978-3-638-66826-2
File size: 210 KB
Notes :
Psychische Störungen nach Extrembelastung mit Schwerpunkt auf die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)


Abstract

Die folgende Arbeit wird sich auseinandersetzen mit dem Thema psychische Störungen nach vorhergehender Extrembelastung. Grundlage für die Auseinandersetzung ist das medizinische Diagnosesystem ICD-10 . Dort werden reaktive Störungsbilder die im Zusammenhang mit einer vorhergehenden oder traumatisierenden Belastung auftreten können klassifiziert. Zunächst soll beschrieben werden welche Störungsbilder im Bereich der psychischen Störung nach Extrembelastung das ICD-10 vorsieht. Exemplarisch werden dann drei konkrete Störungsbilder genauer behandelt: die akute Belastungsreaktion (F43.0), die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sowie die dauerhafte Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung. Vertieft wird die posttraumatische Belastungsstörung diskutiert werden. Von der Klassifizierung aus werden dann Epidemiologie, Ätiologie, Komorbidität zu anderen Störungen und letztlich Therapieansätze für die posttraumatische Belastungsstörung vorgestellt.


Excerpt (computer-generated)

Psychische Störungen nach Extrembelastung

von: Thomas Meinhart

 


1. Einleitung

2. Mögliche Störungen nach Extrembelastung nach ICD-10

3. Definition und Symptomatik einzelner Störungen

3.1. Akute Belastungsreaktion
3.2. Posttraumatische Belastungsreaktion

3.2.1. Epidemiologische Daten
3.2.2. Ätiologie und Pathogenese

3.2.2.1. Genetik
3.2.2.2. Biochemische Faktoren
3.2.2.3. Psychodynamische Faktoren
3.2.2.4. Lerntheoretische und Verhaltenstherapeutische Faktoren

3.2.3. Differentialdiagnose
3.2.4. Therapie der PTBS

3.2.4.1. Krisenintervention
3.2.4.2. Exposition, Entspannungstechniken, Konfrontation
3.2.4.3. Pharmakotherapie
3.2.4.4. Soziale Unterstützung

3.3. Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung

4. Schluss

Literatur




 

1. Einleitung

Die folgende Arbeit wird sich auseinandersetzen mit dem Thema psychische Störungen nach vorhergehender Extrembelastung. Grundlage für die Auseinandersetzung ist das medizinische Diagnosesystem ICD-101. Dort werden reaktive Störungsbilder die im Zusammenhang mit einer vorhergehenden oder traumatisierenden Belastung auftreten können klassifiziert. Zunächst soll beschrieben werden welche Störungsbilder im Bereich der psychischen Störung nach Extrembelastung das ICD-10 vorsieht. Exemplarisch werden dann drei konkrete Störungsbilder genauer behandelt: die akute Belastungsreaktion (F43.0), die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sowie die dauerhafte Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung. Vertieft wird die posttraumatische Belastungsstörung diskutiert werden. Von der Klassifizierung aus werden dann Epidemiologie, Ätiologie, Komorbidität zu anderen Störungen und letztlich Therapieansätze für die posttraumatische Belastungsstörung vorgestellt.

2. Mögliche Störungen nach Extrembelastung nach ICD-10

Extrembelastungen im Sinne von unerwarteten und meist unvorhersehbaren, traumatischen Ereignissen treten in der Regel überraschend auf und fordern der menschlichen Psyche und biologischen Regulationsmechanismen einiges ab. Die Belastbarkeit der psychischen Abwehr ist begrenzt. Schwere Belastungen schaden der seelischen Befindlichkeit, der Vertrauensfähigkeit in die Umwelt sowie der empfundenen Sicherheit eines Individuums. Katastrophale Ereignisse oder lang andauernde, bedrohliche Situationen können die Stabilität der menschlichen Psyche in ihrem Fundament maßgeblich und nachhaltig erschüttern. Ereignisse dieser Art können v.a. sein:

Tabelle 12: [Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]

Gemeinsam ist all diesen Ereignissen und Erfahrungen dass sie durch ihre „Intensität der Bedrohung für Leib und Leben und wegen der Gefühlsreaktion von äußerster Angst, Abscheu und Ohnmacht die normale psychophysische Verarbeitungs-, Abwehr- und Anpassungskapazität des Menschen übersteigen“.3 Unter dem Kapitel F4 versucht das ICD-10 psychische Störungen wie sie nach Extrembelastungen auftreten können zu klassifizieren. Darüber hinaus sieht das ICD- 10 auch im Kapitel F6 (Persönlichkeitsstörungen) die Diagnose andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung (F62.0) als mögliche Folge von extremer Belastung vor. Der Schwerpunkt der beschriebenen Störungsbilder liegt im Kapitel F4. Folgende Störungsbilder werden nach ICD-10 klassifiziert4:

F43. Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen

Die Störungen dieses Abschnittes unterscheiden sich von den übrigen nicht nur aufgrund der Symptomatologie und des Verlaufs, sondern auch durch die Angabe von ein oder zwei ursächlichen Faktoren: ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis, das eine akute Belastungsreaktion hervorruft, oder eine besondere Veränderung im Leben, die zu einer anhaltend unangenehmen Situation geführt hat und eine Anpassungsstörung hervorruft. Obwohl weniger schwere psychosoziale Belastungen ("life events") den Beginn und das Erscheinungsbild auch zahlreicher anderer Störungen dieses Kapitels auslösen und beeinflussen können, ist ihre ätiologische Bedeutung doch nicht immer ganz klar. In jedem Fall hängt sie zusammen mit der individuellen, häufig idiosynkratischen Vulnerabilität, das heißt, die Lebensereignisse sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten und die Art der Krankheit zu erklären. Im Gegensatz dazu entstehen die hier aufgeführten Störungen immer als direkte Folge der akuten schweren Belastung oder des kontinuierlichen Traumas. Das belastende Ereignis oder die andauernden, unangenehmen Umstände sind primäre und ausschlaggebende Kausalfaktoren, und die Störung wäre ohne ihre Einwirkung nicht entstanden. Die Störungen dieses Abschnittes können insofern als Anpassungsstörungen bei schwerer oder kontinuierlicher Belastung angesehen werden, als sie erfolgreiche Bewältigungsstrategien behindern und aus diesem Grunde zu Problemen der sozialen Funktionsfähigkeit führen.

F43.0 Akute Belastungsreaktion

Eine vorübergehende Störung, die sich bei einem psychisch nicht manifest gestörten Menschen als Reaktion auf eine außergewöhnliche physische oder psychische Belastung entwickelt, und die im allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt. Die individuelle Vulnerabilität und die zur Verfügung stehenden Bewältigungsmechanismen (Coping-Strategien) spielen bei Auftreten und Schweregrad der akuten Belastungsreaktionen eine Rolle. Die Symptomatik zeigt typischerweise ein gemischtes und wechselndes Bild, beginnend mit einer Art von "Betäubung", mit einer gewissen Bewußtseinseinengung und eingeschränkten Aufmerksamkeit, einer Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten und Desorientiertheit. Diesem Zustand kann ein weiteres Sichzurückziehen aus der Umweltsituation folgen (bis hin zu dissoziativem Stupor, siehe F44.2) oder aber ein Unruhezustand und Überaktivität (wie Fluchtreaktion oder Fugue). Vegetative Zeichen panischer Angst wie Tachykardie, Schwitzen und Erröten treten zumeist auf. Die Symptome erscheinen im allgemeinen innerhalb von Minuten nach dem belastenden Ereignis und gehen innerhalb von zwei oder drei Tagen, oft innerhalb von Stunden zurück. Teilweise oder vollständige Amnesie (siehe F44.0) bezüglich dieser Episode kann vorkommen. Wenn die Symptome andauern, sollte eine Änderung der Diagnose in Erwägung gezogen werden.

Akut:
·Belastungsreaktion
·Krisenreaktion
Kriegsneurose
Krisenzustand
Psychischer Schock

F43.1 PTBS

Diese entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Prädisponierende Faktoren wie bestimmte, z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge oder neurotische Krankheiten in der Vorgeschichte können die Schwelle für die Entwicklung dieses Syndroms senken und seinen Verlauf erschweren, aber die letztgenannten Faktoren sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten der Störung zu erklären. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Alpträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten. Ferner finden sich Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörung auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Der Beginn folgt dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern kann. Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. In wenigen Fällen nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung (F62.0) über.

[...]


1 ICD-10, WHO/DIMDI

2 Vgl.: Machleidt, W., et.al., „Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie“, Stuttgart, 1999, S.112

3 Machleidt, W. et.al., a.a.O.

4 ICD-10, WHO/DIMDI


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