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Hauptseminararbeit, 2006, 85 Seiten
Autor: Christine Schomaker
Fach: Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Details
Institution/Hochschule: Universität Bielefeld
Tags: Kill, Eine, Inhaltsanalyse, Thematisierung, Linksterrorismus, Lehrforschung, Thematisierung, Probleme
Jahr: 2006
Seiten: 85
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 39 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-55284-4
ISBN (Buch): 978-3-638-81377-8
Dateigröße: 364 KB
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Zusammenfassung / Abstract
„Kill one, frighten thousand” - dieses chinesische Sprichwort berührt die zentralen Fragen dieser Lehrforschungsarbeit zum Thema „Die massenmediale Thematisierung sozialer Probleme“. Ziel der empirischen Untersuchung ist die Frage nach der Thematisierung und Darstellung des sozialen Problems Terrorismus im deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Der Bericht thematisiert den „Linksterrorismus“ in der BRD in der Zeit zwischen 1970 und 1990 im deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Im Vordergrund steht dabei die terroristische Vereinigung „Rote Armee Fraktion“, die in der Zeit ihrer Existenz große Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Aktivitäten der RAF, zu denen die Ermordung von 35 Personen, die Geiselnahme oder Gefangennahme von etwa 100 Menschen sowie Sachschäden in Millionenhöhe gehören, führten zu einer polarisierten Kontroverse über den Zustand der Bundesrepublik. Die Erkenntnisse über die Entstehung und Entwicklung sozialer Probleme in der massenmedialen Berichterstattung werden anhand des Themas Terrorismus überprüft. Zur theoretischen Einbettung werden im ersten Teil der Arbeit zunächst die dominierenden Theorien sozialer Probleme dargestellt. Neben allgemeinen Erkenntnissen wird der Karriereverlauf eines sozialen Problems sowie die Rolle der Massenmedien in diesem Prozess eingehend erläutert. Es folgt eine detaillierte Einführung in die Terrorismusforschung, in deren Mittelpunkt die Problematik der symbiotischen Beziehung zwischen Terrorismus und Massenmedien steht. So besteht eine herausragende Besonderheit dieses „sozialen Problems“ darin, dass es den terroristischen Akteuren insbesondere auf die massenmediale Präsentation und Wirkung ankommt. Folglich geht es ihnen nicht eigentlich um die Vernichtung der Opfer, sondern um die Beherrschung der Öffentlichkeit durch die Verbreitung des Schreckens. Während das zweite Kapitel der Darstellung der Methodik der Untersuchung gewidmet ist, werden im dritten Teil der Forschungsarbeit die zentralen Untersuchungsergebnisse dargestellt. Mit dem Verfahren der quantitativen Inhaltsanalyse werden schließlich u. a. folgende Fragen beantwortet: Wie berichtet „Der Spiegel“ über die RAF und andere linksterroristische Gruppierungen? Wie wird der Konflikt zwischen RAF und Staat dargestellt? Welche Bewertungstendenzen lassen sich finden? Wie äußert sich das „besondere Verhältnis“ zwischen terroristischen Organisationen und den Massenmedien?
Textauszug (computergeneriert)
Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie
Lehrforschung: Die massenmediale Thematisierung sozialer Probleme
25.04.2006
"Kill one, frighten thousand." - Eine Inhaltsanalyse der
massenmedialen Thematisierung des Linksterrorismus
zwischen 1970 und 1990
von: Christine Schomaker
Inhalt
Einleitung 1
1. Theoretische Rahmung 2
1.1 Soziale Probleme 2
1.1.1 Objektivistischer Ansatz 3
1.1.2 Konstruktivistischer Ansatz 3
1.1.3 Die Karriere sozialer Probleme 4
1.1.4 Die Rolle der Massenmedien 6
1.2 Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ als Meinungsführer 9
1.3 Terrorismusforschung 10
1.3.1 Definitionen von Terrorismus 10
1.3.2 Grundzüge terroristischer Strategie 11
1.3.3 Terrorismus und Medien – eine symbiotische Beziehung 13
1.3.4 Definitionsmacht der Medien 16
1.3.5 Die Rote- Armee Fraktion 18
1.3.6 Reaktionen 21
2. Methodische Vorgehensweise 24
2.1 Erhebungsinstrument Inhaltsanalyse 24
2.2 Grundgesamtheit und Stichprobe 26
3. Darstellung der Ergebnisse 28
3.1 Formale Auswertungen 28
3.1.1 Bebilderung der Artikel 28
3.1.2 Artikelform 29
3.1.3 Linksextremistische Gruppierungen 30
3.2 Hypothesenbezogene Auswertungen 30
3.2.1 Erster Hypothesenkomplex: Häufigkeit der Berichterstattung 30
3.2.2 Zweiter Hypothesenkomplex: Gegenstand der Berichterstattung 33
3.2.3 Dritter Hypothesenkomplex: Bewertungstendenzen 36
3.2.4 Vierter Hypothesenkomplex: Maßnahmen 46
3.2.5 Hypothese 5: Interaktion 50
3.2.6 Hypothese 6: Werte und Normen 51
3.2.7 Hypothese 7: Terroristen und Opfer 52
3.2.7.1 Berichterstattung über Mitglieder terr. Gruppierungen 52
3.2.7.2 Berichterstattung über Opfer und Leidtragende 54
3.2.7.3 Fazit 55
3.2.8 Hypothese 8: Verantwortliche und Schuldige 56
3.2.9 Hypothese 9: Gefahr terroristischer Anschläge 57
3.2.10 Hypothese 10: Bebilderung 58
3.3 Grenzen der Erhebung und Ausblick 59
4. „Kill one, frighten thousand.“ – ein Fazit 61
Literaturverzeichnis 63
Anhang 68
Einleitung
“Kill one, frighten thousand” - dieses chinesische Sprichwort berührt die zentralen Fragen der Lehrforschung zum Thema „Die massenmediale Thematisierung sozialer Probleme“, welche über drei Semester an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld unter der Leitung von Dr. Silvia Wieseler und Prof. Dr. Günter Albrecht stattfand. In dieser Lehrforschungsarbeit möchte ich mich beschäftigen mit der Thematisierung des Themas „Linksterrorismus“ in der BRD in der Zeit zwischen 1970 und 1990 im deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Im Vordergrund soll dabei die terroristische Vereinigung „Rote Armee Fraktion“ stehen, die in der Zeit ihrer Existenz1 große Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Aktivitäten der RAF, zu denen die Ermordung von 35 Personen, die Geiselnahme oder Gefangennahme von etwa 100 Menschen sowie Sachschäden in Millionenhöhe gehören, führten zu einer polarisierten Kontroverse über den Zustand der Bundesrepublik. Mit einer quantitativen Inhaltsanalyse soll die Frage beantwortet werden, wie „Der Spiegel“ über die RAF und andere linksterroristische Gruppierungen berichtet. Wie wird der Konflikt zwischen RAF und Staat dargestellt? Welche Bewertungstendenzen lassen sich finden? Wie äußert sich das „besondere Verhältnis“ zwischen terroristischen Organisationen und den Massenmedien?
Die Erkenntnisse über die Entstehung und Entwicklung sozialer Probleme in der massenmedialen Berichterstattung sollen anhand des Themas Terrorismus überprüft werden. Zur theoretischen Einbettung schildere ich dazu im ersten Teil dieser Arbeit zunächst die dominierenden Theorien sozialer Probleme. Neben allgemeinen Erkenntnissen soll der Karriereverlauf eines sozialen Problems sowie die Rolle der Massenmedien in diesem Prozess eingehend erläutert werden.
Kapitel 1.2 beschäftigt sich mit der Position des „Spiegels“ in der deutschen Medienlandschaft und begründet im wesentlichen seine Wichtigkeit als einer der massenmedialen Meinungsführer in der Bundesrepublik Deutschland. Daran anschließend geht es in Kapitel 1.3 um die theoretischen Grundlagen im Hinblick auf die Terrorismusforschung. Diese Erkenntnisse werden mit denen aus dem ersten Teil verwoben und die zentralen Hypothesen dieser Untersuchung entwickelt. Dabei erfolgt die theoretische Fundierung der Hypothesen nicht in der gleichen Reihenfolge wie in Kapitel 3.2, in welchem die hypothesenbezogenen Auswertungen vorgenommen werden. Kapitel 2 dient der Reflexion und besseren Nachvollziehbarkeit meines methodischen Vorgehens. Das Erhebungsinstrument Inhaltsanalyse soll kurz vorgestellt sowie relevante Hinweise auf die Arbeitsweisen zum Beispiel in Hinblick auf die Stichprobenziehung erfolgen.
In Kapitel 3 sollen dann die zentralen Ergebnisse dieser Erhebung dargestellt werden. Zunächst erfolgen einige Auswertungen bezüglich formaler Merkmale, deren Aussagen mir zum tieferen Verständnis dieser Ausführungen unabdingbar scheinen. Daran anschließend sollen die einzelne Forschungsfragen beantwortet werden. Im letzten Teil des Kapitels möchte ich mich mit den Problemen dieser Untersuchung beschäftigen und einen Ausblick auf mögliche zukünftige Forschungsvorhaben geben. In Kapitel 4 ziehe ich schließlich ein kurzes Fazit dieser Arbeit.
1. Theoretische Rahmung
1.1 Soziale Probleme
Sinnvollerweise steht am Anfang der Betrachtung der massenmedialen Thematisierung sozialer Probleme die Frage, was unter sozialen Problemen zu verstehen ist. Tatsächlich existieren eine Vielzahl diesbezüglicher Definitionen, doch eine der gängigen lautet: „Soziale Probleme sind Phänomene die 1) größere Gruppen von Gesellschaftsangehörigen (bis hin zur Gesamtbevölkerung) in ihrer Lebenssituation beeinträchtigen, 2) öffentlich als veränderungsbedürftig definiert und 3) zum Gegenstand spezieller Programme und Maßnahmen gemacht werden.“2 Neben dieser allgemein gehaltenen Definition existieren terminologische Divergenzen zwischen objektivistischen und konstruktivistischen Ansätzen. Diese verfolgen unterschiedliche Konzepte zur Erklärung der Entstehung sozialer Probleme. Die zentrale Kontroverse entzündet sich an der Frage, „ob den gesellschaftlichen Thematisierungen sozialer Probleme sinnvollerweise eine „objektive“ gesellschaftliche Basis zugeschrieben werden kann“, und „soziologische Kriterien entwickelt werden können, an denen die Thematisierungsaktivitäten bewertet werden können.“3
1.1.1 Objektivistischer Ansatz
Als klassische Position innerhalb der Soziologie gilt die in Anschluss an Talcott Parsons von Robert K. Merton formulierte „struktur-funktionalistische Perspektive“. Zentrales Kriterium bei Merton für ein soziales Problem ist die „wesentliche Diskrepanz zwischen sozial akzeptierten Standards und tatsächlich vorherrschenden Bedingungen“.4 Die Voraussetzung für die Thematisierung eines sozialer Probleme ist gemäß dieses Ansatzes die Tatsache, dass die Gesellschaftsmitglieder es für kontrollierbar und veränderbar halten. Die Dysfunktionalität von sozialen Problemen soll nach Merton unabhängig von den Interpretationen der Betroffenen festgestellt werden können. Soziale Probleme können nach diesem Konzept anhand objektiver Kriterien festgestellt und subjektive Problemdeutungen sollten hinterfragt werden.
Dies und die Unterscheidung und Analyse von manifesten und latenten sozialen Problemen sei die zentrale Aufgabe der Soziologie. Während die objektiven sozialen Bedingungen manifester sozialer Probleme „von denjenigen als den geltenden Werten widersprechend identifiziert wurden, die in der Gesellschaft soziale Probleme identifizieren, gibt es latente soziale Probleme und Bedingungen, die ebenfalls den Werten der Gruppe widersprechen, aber nicht als solche erkannt worden sind.“5
1.1.2 Konstruktivistischer Ansatz
Auf Grundlage der Theorie des symbolischen Interaktionismus entwickelte Herbert Blumer im Jahre 1971 das konstruktionistische Gegenmodell. Diese Theorie zielt auf den Konstitutionsprozess sozialer Probleme durch Rekonstruktion gesellschaftlicher Wahrnehmungs- und Reaktionsmuster als soziale Wirklichkeit. Es gilt der Leitsatz: Soziale Probleme beruhen auf einem Prozess kollektiver Definition und sind dessen Produkte. Die objektive Situation ist damit eine notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung für die Entstehung eines sozialen Problems: „Die gesellschaftliche Definition und nicht der objektive Charakter einer gegebenen sozialen Bedingung bestimmt, ob diese Bedingung als soziales Problem existiert oder nicht.“6
In der radikalkonstruktivistischen Sicht dieses Ansatzes7 können soziale Probleme von kollektiven Akteuren völlig unabhängig von der Existenz sozialer Sachverhalte konstituiert werden. Hauptaufgabe der soziologischen Forschung wäre dementsprechend die Erforschung des Definitionsprozesses sozialer Probleme. Entscheidende Schwäche des objektivistischen Ansatzes ist ihrer Meinung nach, dass es in einer Gesellschaft viele Sachverhalte gibt, die problematisiert werden können, es aber nicht werden. Schetsche (1996) kommt zu dem Schluss, dass die Konsequenzen, die sich aus den beiden Konzepten für die empirische Analyse sozialer Probleme ergeben trotz fundamentaler theoretischer Unterschiede ähnlich sind.8 Der Schwerpunkt empirischer Analysen liegt auf der Untersuchung der Prozesse zur Konstitution sozialer Probleme, der Problemkarriere. Insgesamt ist in der soziologischen Analyse ein Richtungswechsel von den Entstehungsbedingungen sozialer Probleme zum Prozess ihrer Definition und Etablierung, vom strukturtheoretischen zum konstruktivistischen Paradigma, zu beobachten.9
1.1.3 Die Karriere sozialer Probleme
[...]
1 14.05.1970 - 20.04.1998
2 Stallberg/ Springer 1983, S.14
3 Groenemeyer 1999, S.62
4 Merton 1975, S.114
5 Merton 1975, S.122
6 Blumer 1975, S.105
7 vgl. Spector/ Kitsuse 1977
8 vgl. Schetsche 1996, S.9
9 vgl. Albrecht 1999, S.75
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