Studien zu Max Ernsts Loplop close

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Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 90
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 91  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1871 KB
Archivnummer: V62016
ISBN (E-Book): 978-3-638-55344-5
ISBN (Buch): 978-3-638-70522-6

Zusammenfassung / Abstract

Die in der Arbeit zu untersuchende Figur Loplop des Künstlers Max Ernst tritt als anthropomorphes Vogelwesen in seinem Werk auf und repräsentiert den Künstler selbst. Schriften Ernsts berichten von Erlebnissen mit Vögeln, die dem Loplop eine biographische Bedeutung zukommen lassen und auf eine Identifikation mit der Vogelfigur hinweisen. Neben diesen biographischen Berichten hat sich Ernst nie konkret zu Loplop geäußert. Daher kursieren eine Fülle von Spekulationen über vermeintliche Quellen, die Ernst zu Loplop angeregt haben könnten und dessen Bedeutung und Funktion. Die Vielschichtigkeit der möglichen Quellen zur Vogelfigur kann zurückgeführt werden auf Ernsts umfassende Bildung. Kenntnisse aus vielfältigen Wissensgebieten wie der Psychoanalyse, Mythologien unterschiedlicher Kulturen, aber auch Themen der Kunstgeschichte fanden Eingang in seine Kunst. Diese Arbeit zeigt zunächst die Entwicklung der Identifikation des Künstlers mit dem Vogel in den biographischen Schriften von Ernst auf, dann den Identifikationsverlauf in seinem künstlerischen Werk von ersten Verwendungen des Vogelmotivs bis hin zum erstmalig namentlichen Auftauchen des Loplop. Das Vogelwesen ist zudem Hauptfigur einer Serie mit dem Titel Loplop présente in den Jahren 1929 bis 1932, die hier auszugsweise vorgestellt wird. Die Figur des Loplop taucht bemerkenswerterweise zu einer Zeit auf, da die surrealistische Gruppe, der Ernst angehörte, in einer Krise steckt. In dieser Zeit äußert sich Ernst zum ersten Mal mit theoretischen Schriften über seine künstlerischen Verfahrensweisen. Um zu einem umfassenderen Verständnis des Loplop und seiner Serie zu gelangen, ist es notwendig, diese Schriften zu untersuchen. An diese Untersuchung schließt die Analyse der Funktion der Figur für das Werk des Künstlers an und die Rolle, die sie für seine künstlerische Selbstauffassung spielt. Eine zusätzliche Funktion ist im großen Kontext der Gruppe der Surrealisten zu sehen. Diese versuchten sich an der Erfindung kollektiver neuer Mythen. Einer dieser neuen Mythen, hier insbesondere der von der Gradiva, wurde von Salvador Dalí auf seine Frau Gala angewandt. Anhand der Gegenüberstellung von Gradiva und Loplop sollen die Gemeinsamkeiten dieser neuen Privatmythen aufgezeigt werden und ihre Rolle für die Surrealisten. Ziel dieser Arbeit ist es, ein umfassendes Bild der komplexen Figur Loplop darzulegen, das die neuesten Entwicklungen der Forschung mit aufnimmt

Textauszug (computergeneriert)

Philipps-Universität Marburg
Fachbereich Germanistik und Kunstwissenschaften
Magister-Hausarbeit
im Fach: Kunstgeschichte

Studien zu Max Ernsts Loplop

vorgelegt von:
Dana Bohlender

2005

 

EINLEITUNG

Forschungsstand ... 4

1. Biographische Grundlagen zur Vogelidentifikation ... 5

2. Vom Vogelmotiv zu Loplop ... 7

3. Die Serie Loplop présente ... 11
3.1 Technik und Material ... 13
3.2 Thema der Serie ...  20
3.3 Das Bild-im-Bild  ... 22

4. Erscheinungsformen des Loplop ... 23
4.1 Collagen ... 23
4.2 Gemalte Fassungen  ... 31

5. Quellen zu Loplop ... 33
5.1. Mythologie ... 33
5.2. Psychoanalyse ... 36
5.2.1 Sigmund Freud: Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci (1910) ... 36
5.2.2 Sigmund Freud: Totem und Tabu (1912/1913) ... 39
5.2.3 Carl Gustav Jung: Wandlungen und Symbole der Libido (1912) ... 40

6. Theoretische Schriften Max Ernsts ... 42

7. Funktion des Loplop ... 51
7.1 im OEuvre ... 52
7.2 als Privatmythos ... 56

8. Schlusswort ... 60

LITERATURVERZEICHNIS ... 63
Abbildungsnachweis ... 75
ABBILDUNGEN ... 76

 

Einleitung

Der Künstler Max Ernst (geboren am 2. April 1891 in Brühl als erstes von sechs Kindern, gestorben in Paris am 1. April 1976) schuf eine Figur namens Loplop. Sie tritt als anthropomorphes Vogelwesen in seinem Werk auf und repräsentiert den Künstler selbst.

Schriften Ernsts berichten von Erlebnissen mit Vögeln, die dem Loplop eine biographische Bedeutung zukommen lassen und auf eine Identifikation mit der Vogelfigur hinweisen. Außer in den biographischen
Berichten hat sich Ernst nie konkret zu Loplop geäußert. Daher kursieren eine Fülle von Spekulationen über vermeintliche Quellen, die Ernst zu Loplop angeregt haben könnten und dessen Bedeutung und Funktion.

Die Vielschichtigkeit der möglichen Quellen zur Vogelfigur kann zurückgeführt werden auf Ernsts umfassende Bildung. Nach dem Abitur 1910 schrieb er sich im selben Jahr in der Philosophischen Fakultät in Bonn ein. Er verfolgte sein Studium jedoch nicht im Hinblick auf einen Universitätsabschluss, sondern besuchte Veranstaltungen in den unterschiedlichsten Gebieten, die seinen Interessen entsprachen. Er hörte Vorlesungen zur Psychologie und Psychiatrie, auch nahm er an Veranstaltungen der Kunstgeschichte, der Archäologie sowie der Alt- Philologie teil.1 Kenntnisse aus diesen Wissensgebieten fanden Eingang in seine Kunst. Aus diesem Grund bleibt die Beschäftigung mit Loplop interessant, da der Betrachtungshorizont weit gefasst werden muss.

Er beinhaltet die Psychoanalyse, Mythologien unterschiedlicher Kulturen, aber auch Themen der Kunstgeschichte. Schlussendlich ist Loplop aber auch in Zusammenhang mit der Surrealistischen Gruppe zu sehen, deren aktives Mitglied er seit seiner Ankunft in Paris 1922 war.2 Diese Arbeit zeigt zunächst die Entwicklung der Identifikation des Künstlers mit dem Vogel in den biographischen Schriften von Ernst auf, dann den Identifikationsverlauf in seinem künstlerischen Werk von ersten Verwendungen des Vogelmotivs bis hin zum erstmalig namentlichen Auftauchen des Loplop. Spekulationen über die Herkunft des Namens schließen sich an.

Das Vogelwesen ist Hauptfigur einer Serie mit dem Titel Loplop présente in den Jahren 1929 bis 1932. Das Spezifische dieser Serie ist, dass Loplop, wie man dem Titel der Serie entnehmen kann, Bilder präsentiert, die auf Motive und Techniken des bisherigen OEuvres zurückgreifen.3 Da die Serie eine Vielfalt von Techniken und Materialien aufweist, wird dieser Aspekt einzeln behandelt und mit Bildbeispielen veranschaulicht. Anschließend daran wird auf das Thema der Serie eingegangen sowie auf die durchgängige Verwendung des Bildes-im- Bild und mögliche Anregungen zu diesem Motiv.

Nun wird die Erscheinungsform des Loplop untersucht. Hier weichen Collage und gemalte Fassung deutlich voneinander ab bis hin zur Formenreduktion der Figur. Erscheinungsform, Aufbau und mögliche Einflüsse auf diesen wird anhand von Bildbeispielen verdeutlicht. Eine Untersuchung der Quellen für die Loplop-Figur aus dem Bereich der ägyptischen und mexikanischen Mythologie sowie der Psychoanalyse schließen sich an. Es geht hier um die Auseinandersetzung Ernsts mit Schriften Freuds. Ernst gilt, nach Werner Spies, als der erste Künstler, der die Schriften Sigmund Freuds in seine Kunst einfließen ließ.4 Es ist belegt, dass sich Ernst ab 1911, also während seiner Studienzeit in Bonn, mit Freuds Schriften beschäftigte.5 Er erwähnt Freud jedoch in keinem seiner Texte. Lediglich eine Zusammenstellung Ernsts von Künstlern und Dichtern kann auf deren mögliche Einflüsse hinweisen.6 Neben Freud ist auch eine Anregung Jungs für Ernsts Identifikationsfigur denkbar.

Die Figur des Loplop taucht bemerkenswerterweise zu einer Zeit auf, da die surrealistische Gruppe in einer Krise steckt. In dieser Zeit äußert sich Ernst zum ersten Mal mit theoretischen Schriften über seine
künstlerischen Verfahrensweisen. Um zu einem umfassenderen Verständnis des Loplop und seiner Serie zu gelangen, ist es notwendig, diese Schriften zu untersuchen.

An diese Untersuchung schließt die Analyse der Funktion der Figur für das Werk des Künstlers an und die Rolle, die sie für seine künstlerische Selbstauffassung spielt. Eine zusätzliche Funktion ist im großen Kontext der Gruppe der Surrealisten zu sehen. Diese versuchten sich an der Erfindung kollektiver neuer Mythen. Einer dieser neuen Mythen, hier insbesondere der von der Gradiva, wurde von Salvador Dalí auf seine Frau Gala angewandt. Anhand der Gegenüberstellung von Gradiva und Loplop sollen die Gemeinsamkeiten dieser neuen Privatmythen aufgezeigt werden und ihre Rolle für die Surrealisten.

Ziel dieser Arbeit ist es, ein umfassendes Bild der komplexen Figur Loplop darzulegen, das die neuesten Entwicklungen der Forschung mit aufnimmt.

Es würde den Rahmen sprengen, dieser Figur im gesamten Werk nachzugehen, daher liegt der Schwerpunkt der Analyse Loplops auf der ihm gewidmeten Serie Loplop présente, der nicht nur aufgrund des Vogelwesens an sich eine herausragende Rolle zukommt, sondern auch deshalb, weil sie den künstlerischen Schaffensprozess von Ernst dokumentiert. Es erschien ratsam, die hier besprochenen Bildbeispiele aus Gründen der Fokussierung nicht in jedem Falle ausführlich zu beschreiben.

Forschungsstand

Aus der umfangreichen Literatur zu Loplop werden hier nur die Publikationen chronologisch aufgeführt, die für diese Arbeit am relevantesten sind.

Der erste Aufsatz, der sich mit dem Thema Loplop beschäftigt, stammt von Eduard Trier aus dem Jahr 1976 und trägt den Titel Huldigung an Loplop. Variationen über ein Thema von Max Ernst. Trier, der Loplop als ein „persönliches Phantom“ bezeichnet versuchte, indem er die Rolle des Vogels in der Mythologie verfolgte, einen Zugang zu Loplop zu verschaffen.7

Zwei Jahre später schrieb Günter Metken über das Vogelwesen. Er analysierte die Serie Loplop présente und erkannte in Loplop eine „Staffeleifigur“, die die Funktion der Distanz von Künstler und Werk einnehme.8 Whitney Chadwick befasste sich in Myth in Surrealist Painting von 1980 mit der Mythen-Rezeption innerhalb der surrealistischen Gruppe. Sie verweist auf Ernsts Interesse für Leonardo da Vinci, seine Auseinandersetzung mit dessen Traktat über die Malerei und Sigmund Freuds Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci.9

[...]


1 Trier 1980, S. 63f.

2 Bauer 1977, S 237.

3 Schneede 1972, S. 116, Spies 1982, S. 7.

4 Spies 1982, S. 141

5 Waldberg 1958, S. 80f.; Legge 1989, S. 11; Zuch 2004, S. 110.

6 Ernst 1942, S. 14f.

7 Trier 1976. Vgl. Zuch 2004, S. 14

8 Metken 1978. Vgl. Zuch 2004, S. 146.

9 Chadwick 1980, S. 87-96.

Kommentare

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