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Autor: Anna Tröndle
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Universität Konstanz
Tags: Lessings, Rückbezug, Aristoteles, Dramentheorie, Beispiel, Emilia, Galotti, Einführung, Dramentheorie
Jahr: 2006
Seiten: 16
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 217 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55425-1
Textauszug (computergeneriert)
Universität Konstanz
Geisteswissenschaftliche Sektion
Lessings Rückbezug auf Aristoteles in seiner Dramentheorie am Beispiel von Emilia Galotti
Anna Tröndle
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung ... 3
II. „Emilia Galotti“ – ein bürgerliches Trauerspiel ... 3
III Lessings Bezug zu Aristoteles- inwiefern greift Lessing die antike Dramentheorie auf? ... 6
III.1 Mythos – Handlung ... 6
III.2 Ethe – Charaktere ... 10
III.3 Dianoia – Erkenntnisfähigkeit ... 11
III.3.1 Aristoteles: eleos und phobos ... 12
III.3.2 Lessing: Mitleid und Furcht ... 12
III.4 Lexis – Sprache/Figurenrede ... 14
IV Schluss ... 15
Literaturverzeichnis ... 16
I Einleitung
„’Emilia Galotti’ bezeichnet das Endresultat der dichterischen Versuche Lessings, der bürgerlichen Gegenwartsdramatik umfassendere gesellschaftspolitische Dimensionen zu erschließen, also die ursprüngliche thematische Begrenztheit des Familiengeschehens mittels Politisierung des Moralischen und ständisch abgestufter Sozialcharaktere sowie entsprechender Konfliktkonstellationen zu überwinden.“1
Gotthold Ephraim Lessings Bürgerliches Trauerspiel „Emilia Galotti“, das 1772 entstand, ist noch heute eines der meistbeachteten Dramen der Literaturgeschichte. Grund des Interesses ist unter anderem auch das besondere Zusammenwirken von antiker Tragödientheorie mit neuen Vorstellungen Lessings, der als Kind seiner Epoche verschiedene neue Denkansätze wie zum Beispiel das „bürgerliche Trauerspiel“ verarbeitet. Zudem handelt es sich um einen die Aufmerksamkeit erregenden historischen Stoff, das Sujet des seine Tochter ermordenden Vaters. Diese Arbeit möchte sich vor allem dem dramentheoretischen Aspekt des Werkes widmen. Hierbei werde ich den Einbezug der antiken Dramentheorie in Lessings „Emilia Galotti“ untersuchen, Lessings eigene theoretische Ansätze vorstellen und versuchen das Neben- bzw. Ineinander von Tradition und Neuerung zu verdeutlichen, das letztendlich Lessings „Emilia Galotti“ prägt.
II. „Emilia Galotti“ – ein bürgerliches Trauerspiel
„Das Drama zeigt nicht, wie im innen- bzw. außenpolitischen Machtkampf durch einen individuellen Opfertod der kollektive Sieg erwächst, sondern wie ein normaler sozialer Konflikt zum Kampf eskaliert, der in Selbstzerstörung endet.“2
Für sein bürgerliches Trauerspiel „Emilia Galotti“ bedient sich Lessing des aus der altrömischen Geschichte stammenden Virginia-Motivs. Der römische Geschichtsschreiber Livius beschrieb die in „Emilia Galotti“ geschilderten Vorgänge erstmals. Lessing verlegt die berühmte Affäre in das kleine absolutistische Fürstentum Guastalla. Die Schauplätze seiner Tragödie sind die Residenzstadt Guastalla und das Lustschloss des Prinzen „Dosala“. In der ursprünglichen Anekdote versucht der Politiker Claudius Appius Virginia, die die Tochter des einfachen Kriegers Virginius ist, als Geliebte zu gewinnen. Die aber ist mit dem adelsfeindlichen Tribun Icilius verlobt und wehrt sich gegen Claudius’ Annäherungsversuche, der daraufhin ein bestochenes Gericht entscheiden lässt, dass das Mädchen ihm zusteht. Während eines Abschiedsgesprächs mit Virginia ersticht sie ihr Vater in aller Öffentlichkeit, worauf es zu einem Volksaufstand kommt und Claudius nur noch der Selbstmord bleibt. In der altrömischen Fassung steht der politische Aspekt der Geschichte im Vordergrund, während Lessing den Fokus vielmehr auf eine bürgerliche Virginia legt und den politischen Aspekt außen vorlässt. Im Mittelpunkt der Tragödie stehen Emilia Galotti und ihre Familie, die dem bürgerlichen Stand angehören, sowie ihr Verlobter Appiani und auf der anderen Seite der Prinz von Guastalla, Hettore Gonzaga, der Emilia zu seiner Geliebten machen will, und sein Kammerherr Marinelli, der im Interesse des Prinzen intrigiert, um Emilia an die Seite seines Herrn zu bringen. Die einzige Figur, die in der historischen Vorlage keine Entsprechung findet ist die fast Ex-Geliebte des Prinzen, die Gräfin Orsina.
Bereits bei der Titelgebung bemerken wir erste Bezüge auf Aristoteles. Dass sich Namentitel besonders bei Tragödien häufen, erklärt sich aus der Bemerkung des Aristoteles, dass die Wirkung der Tragödie durch die Historizität der Figuren, die sich ja in der Tragödie meist auf antike Vorlagen bezogen, noch verstärkt wird3.
Der erste Akt des fünfaktigen Stückes fungiert als Exposition und führt den Leser oder Zuschauer in die höfische Welt des Prinzen ein. Hier wird die Liebe des Prinzen zu Emilia aufgezeigt und der Kammerdiener Marinelli als Intrigant etabliert. Außerdem werden weitere Konflikte angelegt. Zum einen der Konflikt mit der ehemaligen Geliebten des Prinzen, Orsina, und zum anderen der Konflikt zwischen dem Prinzen und Emilias Vater Odoardo. Im zweiten Akt, der wie häufig bei Lessing ebenfalls expositorischen Charakter hat, wird die bürgerliche Gegenwelt der Galottis vorgestellt und der Konflikt zwischen den beiden Welten weiterentwickelt. Besonders tritt dies im Konflikt der Eltern Emilias über die Stadterziehung im Unterschied zur Landerziehung hervor. Claudia, Emilias Mutter, ist der höfischen Welt und Lebensart nicht abgeneigt, während Odoardo die Verführungen des Hofes meiden will und auf dem Land lebt. Im zweiten Akt erlebt der Leser bereits zwei Versuche des Prinzen, die Hochzeit Emilias mit dem Grafen Appianis zu verhindern, die jedoch beide fehlschlagen. In der „Beichtstuhlszene“4 wird Emilias Tugendhaftigkeit deutlich. Durch die Heftigkeit der Reaktion Emilias bereitet die Szene bereits den Ausgang der Tragödie vor, indem dem Leser Einblick in das Innenleben der Emilia gewährt wird. Im dritten Akt geschieht der Überfall auf Appiani und Emilia, die sich auf dem Weg zur Trauung befinden und Emilia wird auf das Lustschloss des Prinzen entführt. Appiani stirbt durch den Überfall. Im vierten Akt wird deutlich, dass der Prinz sich der tragweite seines Handelns gar nicht bewusst war. Er gab zwar Marinelli freie Hand, den Wunsch des Prinzen zu verwirklichen, ist jedoch erschrocken als er von Appianis Tod erfährt. „Wenn sie mir vorher gesagt hätten, dass es dem Grafen das Leben kosten werde – Nein, nein! Und wenn es mir selbst das Leben gekostet hätte!“5 Als Marinelli ihm jedoch glaubhaft versichern kann, dass der Prinz mit dem Tod Appianis nicht in Verbindung gebracht werden wird, ist er beschwichtigt und denkt daran, wie er nun Emilia gegenübertreten soll.
[...]
1 Albrecht, Wolfgang. Gotthold Ephraim Lessing. Stuttgart/Weimar 1997. S.73.
2 Ter- Nedden, Gisbert. Lessings Trauerspiele. Der Ursprung des modernen Dramas aus dem Geist der Kritik. Stuttgart 1986. S.164 f.
3 Aristoteles. Poetik. Übersetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann. Stuttgart 2003. S.31.
4 Lessing, Gotthold Ephraim. Emilia Galotti. Stuttgart/Düsseldorf/Leipzig: Klett Verlag 2001. II 6, S.26.
5 Lessing, Gotthold Ephraim. Emilia Galotti. Stuttgart/Düsseldorf/Leipzig: Klett Verlag 2001. IV 1, S. 51.
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