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Details

Institution/Hochschule: Universität Augsburg
Tags: Witz, Ironie, Ciceros, Caelio
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 16
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 6  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 164 KB
Archivnummer: V62184
ISBN (E-Book): 978-3-638-55475-6

Textauszug (computergeneriert)

Universität Augsburg , Phil.-Hist. Fakultät
Lehrstuhl für Klassische Philologie
Seminar: Cicero: „Pro Caelio“
Wintersemester 2005/2006

Witz und Ironie in Ciceros Pro Caelio

von: Stefanie Steidle

 


Gliederung

1. Einleitung  S. 2

2. Ciceros Definition des ridiculum S. 2

3. Der Status Quo und die daraus resultierende Dosierung von Witz und Ironie in Ciceros oratio pro Caelio  S. 4

4. Charakteristika einer Komödie in Ciceros oratio pro Caelio  S. 5

4.1. Das Zitat aus den Adelphoi des Terenz  S. 5
4.2. Direkte Hinweise auf den Komödiencharakter durch Vokabeln aus dem Drama  S. 5
4.3. Verspottung der Antagonisten  S. 6
4.4. Die Mimikry  S. 7
4.5. Die Wiederholung  S. 8

5. Witz und Ironie in Ciceros „Oratio Pro Caelio“  S. 8

5.1. Wortspiele und ironischer Einwurf im Paragraphen 32  S. 8
5.2. Die Prosopopoiie des Caecus im Paragraphen 33  S. 9
5.3. Der Missbrauch der Errungenschaften des Appius Claudius Caecus durch Clodia im Paragraphen 34  S. 10
5.4. Die Darstellung einer fiktiven umtriebigen Frau im Paragraphen 38  S. 10
5.5. Verlachung Clodias als Dirne im Paragraphen 52  S. 11
5.6. Verspottung der Zeugen in den Paragraphen 63 und 67  S. 11

6. Ergebnis und Erfolg der Verwendung von Witz und Ironie in der oratio pro Caelio  S. 13

7. Literatur  S. 14


 


 

1. Einleitung

Marcus Tullius Cicero, der wohl berühmteste Redner seiner Zeit, verstand es, sowohl durch seine argumentative und stilistische Fertigkeiten, als auch durch eine durchdachte Taktik die Sympathien seiner Zuhörerschaft auf sich zu ziehen, respektive das angestrebte Urteil der Richter seinen Interessen unterzuordnen. So auch in der vorliegenden Rede für Marcus Caelius Rufus. Cicero erwirkt für den, unter anderem wegen seines ausschweifenden Lebenswandels, versuchten Mordes, sowie möglicher Mitgliedschaft im Anhängerkreis des Catilina, 56 v. Chr. Angeklagten einen Freispruch. Neben seinen rhetorischen Künsten führen unter anderem auch Witz und Ironie zum Erfolg dieser Verteidigungsrede. Wie im Folgenden betont werden soll, setzt Cicero dieses Stilmittel willkürlich, im richtigen Maß und als Instrument seiner Taktik ein.

2. Ciceros Definition des ridiculum

Cicero selbst definiert den richtigen Einsatz von Witz und Ironie in seinem de oratore1 folgendermaßen: „[...]Locus autem et regio quasi ridiculi (nam id proxime quaeritur) turpitudine et deformitate quadam continetur. Haec enim ridentur vel sola vel maxime, quae notant et designant turpitudinem aliquam non turpiter.“2 Das, was an einem Menschen „hässlich“ ist – und damit meint er keinesfalls sein Äußeres, das nämlich darf unter keinen Umständen lächerlich gemacht werden (siehe II, LIX 239) – soll auf „nicht hässliche Weise“ bezeichnet werden. Die einzige Möglichkeit, dies zu tun liegt hier im Witz, im ridiculum. Und weiter: „Est autera [...] est plane oratoris movere risum; vel quod ipsa hilaritas benevolentiam conciliat ei, per quem excitata est, vel quod admirantur omnes acumen, uno saepe in verbo positum, maxime respondentis, nonnumquam etiam lacessentis, vel quod frangit adversarium, quod impedit, quod elevat, quod deterret, quod refutat, vel quod ipsum oratorem politum esse hominem significat, quod eruditum, quod urbanum, maximeque quod tristitiam ac severitatem mitigat et relaxat odiosasque res saepe, quas argumentis dilui non facile est, ioco risuque dissolvit.“3

Hier spricht Cicero die Möglichkeiten an, die sich dem Redner durch das ridiculum eröffnen: Erstens steigert es die hilaritas, und somit die benevolentia von Seiten des Auditoriums, die ein Verteidiger eben so nötig hat, zweitens überrascht der Redner das Publikum, sowie die Gegner mit Schlagfertigkeit, was Letztere verwirrt, entmutigt, ja sogar zurückdrängt („...quod impedit, quod elevat, quod deterret, quod refutat...“), drittens steigert der Redner durch scharfsinnigen Witz sein Ansehen, und viertens hebt das ridiculum die severitas auf und täuscht über eine potentiell missliche Beweislage auf Seiten des Redners hinweg.

Im Folgenden schränkt Cicero die Verwendung von Witz und Ironie ein: „Quatenus autem sint ridicula tractanda oratori perquam diligenter videndum est […]. Nam nec insignis improbitas et scelere iuncta nec rursus miseria insignis agitata ridetur. Facinorosos enim maiore quadam vi quam ridiculi vulnerari volunt; miseros illudi nolunt, nisi se forte iactant. Parcendum est autem maxime caritati hominum, ne temere in eos dicas, qui diliguntur.“4

Eine völlige Sinnverfehlung wäre für Cicero einerseits das Verspotten von Verbrechern, da „diese mit einer schärferen Waffe zu verwunden“ seien, als mit dem ridiculum. Auf der anderen Seite sollen miseri verschont bleiben, da das Elend nicht verlacht werden soll, es sei denn, „die Unglücklichen wollen sich wichtig machen“. Insbesondere aber sei die caritas (in diesem Falle „die Hochachtung“) zu würdigen, indem der Redner seinen Witz nicht gegen die richtet, „die verehrt werden“, so Cicero. Mit Ausnahme der oben genannten Gruppen hält er die alltäglichen Fehler der Menschen für die richtige Basis für Spott: “Haec igitur adhibenda est primum in iocando moderatio. Itaque ea facillime luduntur, quae neque odio magno neque misericordia maxima digna sunt. Quamobrem materies omnis ridiculorum est in istis vitiis, quae sunt in vita hominum neque carorum neque calamitosorum neque eorum, qui ob facinus ad supplicium rapiendi videntur; eaque belle agitata ridentur [...].”5

Besonders bedeutend scheint Cicero zu sein, dass das ridiculum weder Hass noch Mitleid erregen darf. Das wiederum erinnert an den Katharsissatz aus der Dramentheorie des Aristoteles, welcher ebendies über die Tragödie aussagt6. Mit dem kleinen Unterschied, dass Aristoteles die Tragödie von Furcht und Mitleid gereinigt wissen will. Ordnet man aber Hass und Furcht unter den Oberbegriff „negative Emotionen“ ein, so stimmen die Aussagen wieder überein. Zumindest in dieser Betrachtungsweise scheinen Tragödie und Komödie sich zu entsprechen.

3. Der Status Quo und die daraus resultierende Dosierung von Witz und Ironie in Ciceros oratio pro Caelio

[...]


1 Buch 2 Kapitel LVIII, 236/237, LIX 238.

2 LVIII 236

3 Cicero: de oratore II, LVIII 236

4 LVIII 237

5 LIX 238

6 Aus: Höffe S. 69

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