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Autor: Dipl. Orchestermusiker/Dipl. Instrumentalpädagoge Rafael Gütter
Fach: Musikwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Hochschule für Musik Detmold
Tags: Späte, Streichquartette, Beethoven, Schubert, Hauptseminar, Beethoven, Schubert
Jahr: 2006
Seiten: 24
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 217 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55480-0
ISBN (Buch): 978-3-638-71427-3
Franz Schubert: Streichquartett a-Moll "Rosamunde, op. 29 (D 804) und Ludwig van Beethoven: Streichquartett a-Moll, op. 132
Zusammenfassung / Abstract
Ludwig van Beethoven (1770-1827) und Franz Schubert (1797-1828) lebten fast zeitgleich und hielten sich über weite Strecken gemeinsam in der Musikmetropole Wien auf, welche zudem eines der wichtigsten Zentren der noch jungen Gattung Streichquartett war. Da aus heutiger Sicht Beethoven eher als Klassiker und Schubert zumeist als Romantiker angesehen werden, beide aber gleichermaßen als überragende Lichtgestalten der Musikgeschichte gelten, ist es höchst interessant zu vergleichen, wie sich beide Komponisten auf ihre eigene Art und Weise mit der damals als anspruchsvollste Gattung der Kammermusik geltenden Form, dem Streichquartett, auseinandergesetzt haben. Beide Komponisten haben sich in ihrem Leben ständig weiterentwickelt und ihr eigenes kompositorisches Profil geschärft. Die Untersuchung des jeweiligen „Spätwerkes“, wobei dieser Begriff vor allem bei Schubert bereits aufgrund seines frühen Todes leicht in die Irre führen kann, erscheint aus dieser Perspektive besonders aufschlussreich, da somit die jeweiligen Unterschiede und Entwicklungsrichtungen, die jeder der beiden Komponisten bis zum Lebensende erreicht hat, kontrastreich gegenübergestellt und verglichen werden können. Schuberts Streichquartett a-Moll op. 29 (D804) und Beethovens Streichquartett a-Moll op.132 werden dementsprechend im Rahmen dieser Arbeit als begründet ausgewählte und repräsentative Werke des jeweiligen Spätstils eingehend untersucht und verglichen. Zunächst wird dazu die Entwicklung und die Bedeutung der Gattung Streichquartett zur Zeit beider Komponisten abrissartig dargestellt und von jedem Komponisten ein Überblick über die auf diesem Gebiet geschaffenen Werke gegeben, um auf dieser Grundlage den Entstehungszusammenhang des jeweiligen Spätwerkes zu beleuchten. Nach einer Begründung der Werkauswahl mit entsprechenden Erläuterungen zum jeweiligen Entstehungskontext werden die Kopfsätze direkt gegenüber gestellt. Vergleichsrelevante Besonderheiten ausgewählter weiterer Sätze werden zunächst getrennt analysiert, um dann in einem übergeordnet vergleichenden Kontext dargestellt zu werden. Ziel der Arbeit ist das Herausarbeiten von unterschiedlichen Herangehensweisen, Kompositionstechniken, Ausdrucksformen und Absichten der beiden Komponisten im Hinblick auf die vorgestellten Werke.
Textauszug (computergeneriert)
Hochschule für Musik Detmold
Hauptseminar: Beethoven und Schubert
WS 2005/06
Späte Streichquartette von Beethoven und Schubert
von: Rafael Gütter
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG 2
1.1 EINLEITUNGSGEDANKEN 2
1.2 VORGEHEN UND ZIELE DER ARBEIT 2
1.3 ZUR BEDEUTUNG DES STREICHQUARTETTS ZUR ZEIT BEETHOVENS UND SCHUBERTS 3
1.4 DAS STREICHQUARTETT BEI BEETHOVEN 5
1.5 DAS STREICHQUARTETT BEI SCHUBERT 6
2 ZU DEN AUSGEWÄHLTEN WERKEN 7
2.1 BEGRÜNDUNG DER WERKAUSWAHL 7
2.2 SCHUBERTS STREICHQUARTETT A-MOLL OP. 29 (D 804) „ROSAMUNDE“ 9
2.3 BEETHOVENS STREICHQUARTETT A-MOLL OP. 132 10
3 DIE KOPFSÄTZE BEIDER WERKE IM VERGLEICH 11
3.1 DER 1. SATZ BEI SCHUBERT 11
3.2 DER 1.SATZ BEI BEETHOVEN 13
3.3 VERGLEICH BEIDER KOPFSÄTZE 15
4 WEITERE SÄTZE UND DEREN BESONDERHEITEN 17
4.1 ANALYTISCHE GEDANKEN ZU AUSGEWÄHLTEN SÄTZEN 17
4.1.1 Schubert: 2.Satz 17
4.1.2 Schubert: 4.Satz 18
4.1.3 Beethoven: 3.Satz 18
4.1.4 Beethoven: 4.Satz 19
4.2 AUSGEWÄHLTE VERGLEICHSPUNKTE 19
4.2.1 Formale Anlage 19
4.2.2 Außermusikalischer Bezug 20
4.2.3 Gesangliche Elemente – Bezug zur Vokalmusik 20
4.3 FAZIT - DURCHBRUCH ZU EINEM NEUEN GATTUNGSVERSTÄNDNIS 21
5 LITERATUR 23
1 Einführung
1.1 Einleitungsgedanken
Beethoven und Schubert lebten fast zeitgleich und hielten sich über weite Strecken gemeinsam in Wien auf. Da aus heutiger Sicht Beethoven eher als Klassiker und Schubert als Romantiker angesehen werden1, aber beide gleichermaßen als überragende Lichtgestalten der Musikgeschichte gelten, ist es höchst interessant zu vergleichen, wie sich beide Komponisten auf ihre eigene Art und Weise mit der damals als anspruchsvollste Gattung der Kammermusik geltende Form, dem Streichquartett2, auseinandergesetzt haben. Beide Komponisten haben sich in ihrem Leben ständig weiterentwickelt und ihr eigenes kompositorisches Profil geschärft. Eine Betrachtung der jeweils zuletzt entstandenen Werke ist aus dieser Perspektive besonders aufschlussreich, da man die jeweiligen Unterschiede und Entwicklungsrichtungen, die jeder der beiden bis zum Lebensende erreicht hat, kontrastreich gegenüberstellen und vergleichen kann.
1.2 Vorgehen und Ziele der Arbeit
Die jeweils zuletzt entstandenen Werke auf dem Gebiet der Gattung Streichquartett von Beethoven und Schubert sollen in dieser Arbeit in ihrer grundlegenden Art untersucht und verglichen werden. Dazu wird zunächst die Entwicklung und die Bedeutung der Gattung zur Zeit beider Komponisten abrissartig dargestellt und anschließend von jedem Komponisten ein Überblick über die auf diesem Gebiet geschaffenen Werke gegeben, um den Entstehungszusammenhang des jeweiligen Spätwerks zu beleuchten. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Vergleich von Schuberts Streichquartett a-Moll op. 29 (D804) und Beethovens Streichquartett a-Moll op.132. Nach einer Begründung der Werkauswahl mit entsprechenden Erläuterungen zum jeweiligen Kontext der Entstehung werden die Kopfsätze direkt miteinander verglichen. Vergleichsrelevante Besonderheiten ausgewählter weiterer Sätze werden zunächst getrennt analysiert, um dann in einem übergeordnet vergleichenden Kontext dargestellt zu werden. Ziel der Arbeit ist das Herausarbeiten von unterschiedlichen Herangehensweisen, Kompositionstechniken, Ausdrucksformen und Absichten der beiden Komponisten im Hinblick auf die vorgestellten Werke. In den Kapiteln 4.2-3 werden entsprechende Schlussfolgerungen gezogen und als Fazit in Kapitel 4.3 zusammengefasst.
1.3 Zur Bedeutung des Streichquartetts zur Zeit Beethovens und Schuberts
Joseph Haydn kommt bei der Schaffung der Gattung Streichquartett eine maßgebliche Erfinderrolle zu.3 Aber als er gegen Ende der 1750er Jahre die Gattung zunächst noch mit fünfsätzigen Divertimenti begründete, entstanden fast zeitgleich Werke von Luigi Boccherini und Georg Philipp Telemann. Aus den Vorläufern der barocken Triosonate, der italienischen Sinfonia und der im deutschsprachigen Raum geprägten Quartett- Divertimenti bildete sich die neue Gattung als ein von Anfang an mit höchsten Wertmaßstäben belegter Weg um neue kompositorische Entwicklungen, wie u.a. die Lösung vom Generalbass und die zunehmende Gleichberechtigung und Individualisierung der Einzelstimmen in eine angemessene musikalische Form zu gießen. Haydn war es allerdings, der spätestens mit seinen 1781 entstandenen und nach eigenen Angaben auf eine „ganz neue, besondere Art“4 komponierten sechs Quartetten op. 33 (Hob. III:37-43) die Gattung zu einer mustergültigen klassischen Form gebracht hat. Genau auf diese Werkgruppe reagierte Mozart, indem er als „das Ergebnis einer langen, arbeitsreichen Bemühung“ 5 die in den Jahren 1782-85 entstandenen sechs Quartette Haydn widmete und somit maßgeblich an einer Herausbildung eines mustergültigen Kanons mitwirkte. Durch die Expansion des Wiener Musikverlagswesens6 und die große Beliebtheit dieser neuen Form fand die Quartettliteratur eine schnelle Ausbreitung und wurde als anspruchsvollste Gattung der Kammermusik und neben der Sinfonie als bedeutendste Gattung überhaupt für jeden ernstzunehmenden Komponisten zum Prüfstein kompositorischer Meisterschaft.7
In dieser klassisch mustergültigen Form bestehen die Streichquartette aus vier Sätzen, wovon der erste Satz das Schwergewicht trägt, aus einem Kerngedanken entwickelt wird und in der Sonatenhauptsatzform steht. Der langsame zweite Satz hat in der Regel die größte emotionale Tiefe und kennzeichnet sich häufig durch eine gesangliche Melodie, worauf ein Tanzsatz als dritter Satz in der Form eines stilisiertes Menuetts oder Scherzos folgt. Die Reihenfolge zwischen zweitem und drittem Satz ist in einigen Werken umgekehrt. Der vierte Satz ist meist ein rasches Finale mit hoher motivischer Dichte, welcher zunehmend schwergewichtiger komponiert wurde, wodurch er ein gewisses Gegengewicht zum ersten Satz darstellt und insgesamt zu einer stark zyklischen Geschlossenheit der Gattung Streichquartett beitrug.8
[...]
1 Ich beziehe mich hier auf eine landläufig vorherrschende epochale Zuordnung beider Komponisten, welche zwar in der Literatur nicht unwidersprochen bleibt, vor allem in der Sekundärliteratur aber häufig getroffen wird. Vgl. u.a. P. Schnaus, Die Musik des 19. Jahrhunderts, in: Europäische Musik in Schlaglichtern, 1990, S. 309-314
2 s. L. Finscher, Art. Streichquartett, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 8, 1994, Sp. 1927
3 vgl. L. Finscher, Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Sp. 1931 ff.
4 J. Haydn, zit. nach P. Schnaus, Europäische Musik in Schlaglichtern, S. 264
5 W.A. Mozart, zit. nach P. Schnaus, Europäische Musik in Schlaglichtern, S.265
6 s. L. Finscher, Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Sp. 1934
7 vgl. P. Schnaus, Europäische Musik in Schlaglichtern, S. 263-267
8 vgl. P. Schnaus, Europäische Musik in Schlaglichtern, S. 264 f.
Kommentare
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21.07.2007 23:58:37
Eine sehr detaillierte, gut verständliche und prägnant pointierte Arbeit. Kann ich dringend empfehlen, wenn man einen guten und umfassenden Texte zu diesem Thema sucht!