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Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht

Termpaper, 2006, 20 Pages
Author: Katja Schiemann
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 20
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V62211
ISBN (E-book): 978-3-638-55493-0

File size: 201 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Rostock, Institut für Germanistik
Wintersemester Sommersemester 2006, 8. Semester

Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht

von: Katja Schiemann

 


Gliederung

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Literaturdidaktik und des Literaturunterrichts

2.1 Die Idee der allgemeinen Bildung (1812-1848)
2.2 Biedermeierlicher Gefühlskult (1848-1918)
2.3 Deutschkunde und völkischer Wahn (1918-1945)
2.4 Zwischen Methodik und Didaktik (1945-1990)
2.5 Gegenwärtige Problemlage

3. Was ist handlungs- und produktionsorientierter Unterricht?

3.1 Begriffe
3.2 Ziele

4. Vertreter des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts

4.1 Gerhard Haas
4.2 Günter Waldmann
4.3 Karlheinz Fingerhut
4.4 Kaspar H. Spinner
4.5 Harro Müller-Michaels
4.6 Gerhard Rupp
4.7 Kritik am handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht

5. Handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit Lyrik im Unterricht

5.1 Warum mit Lyrik handelnd umgehen?

6. Vorschläge zur Praxis

7. Gestaltung einer handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichtsstunde

7.1 Klasse) am Beispiel des erzählenden Gedichts „Die Tulpe“ von Josef Guggenmos

8. Beurteilung des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis



 

 

1. Einleitung

Anhand einer Vielzahl von Untersuchungen der letzten Zeit ist festzustellen gewesen, dass der klassische, analytische Literaturunterricht vielen Schülern nicht gerecht wird. Die Schüler empfinden den Unterricht als langweilig und die Literatur als wenig ansprechend. „Sie empfinden die herkömmliche schulische Beschäftigung als ein zerreden der Texte, das ihnen jede Lust am Lesen nimmt. Vor allem die langsamen Lerner (die von der rein auf kognitive Ziele ausgerichteten Schule rasch als ′ schwach ′ und ′ unbegabt ′ abqualifiziert werden) und die mehr praktisch als intellektuell Begabten verlieren meist schon in der Primarstufe den Anschluß an den unterrichtlichen Diskurs. Man kann die Augen nicht davor verschließen, daß der Literaturunterricht bei vielen Kindern und Jugendlichen genau das Gegenteil dessen bewirkt, was er erreichen will: Statt die Heranwachsenden zu Lesern zu machen, schafft er Antipathie gegenüber dem geschriebenen Wort.“ (Haas/Menzel/Spinner 1994, S.17). Genau bei diesem Problem setzt der handlungs- und produktionsorientierte Unterricht an. Er will Schüler durch Ansprechen von Emotionalität und Kreativität wieder dazu bringen, sich gern und erfolgreich mit Literatur zu beschäftigen.

In dieser Arbeit werde ich mich mit diesem Ansatz auseinandersetzen. Dazu werde ich im theoretischen Teil die Entwicklung des Literaturunterrichts nachzeichnen, Begrifflichkeiten zum handlungs- und produktionsorientierten klären und dessen Methoden und Ziele darlegen. Es erfolgt eine Vorstellung der didaktischen Diskussion um diese Methode durch die Darstellung der Konzepte einiger wichtiger Vertreter (Haas, Waldmann, Fingerhut, Spinner, Müller-Michaels und Rupp) und des schärfsten Gegners (Kügler). Der handlungs- und produktionsorientierte Unterricht ist Gegenstand vieler Kontroversen, und auch seine Verfechter setzen zum teil ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Ich werde mich mit der Gestaltung einer handlungs- und produktionsorientierten Unterrichtsstunde am Beispiel des Gedichtes „Fink und Frosch“ von Wilhelm Busch beschäftigen. Abschließend möchte ich dann zur Beurteilung des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts kommen.

2. Die Geschichte der Literaturdidaktik und des Literaturunterrichts

Die Didaktik braucht die Beschäftigung mit ihrer eigenen Geschichte, um den Zusammenhang zwischen den Wendungen der Didaktik und dem Wandel in der Geschichte zu erkennen. Kernfragen der Didaktik kehren immer wieder und es ist nützlich, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Somit bewirkt die Betrachtung der Vergangenheit einen geschärften Blick für die Probleme der Gegenwart.

2.1 Die Idee der allgemeinen Bildung (1812 - 1848)

Die Einführung des Literaturunterrichts an den Gymnasien hängt eng mit dem Gedanken zur Bildung aller im Menschen angelegten Kräfte und dem Wunsch nach der ästhetischen Erziehung des Menschen zusammen.

Humboldt setzte ab 1809 die Erziehung zur Humanität in politische Programme um und das Fach Deutsch wurde 1812 zum ersten Mal Prüfungsfach im Abitur. Bis in die 20er Jahre war das Lesen in der Muttersprache ein Freizeitvergnügen - in der Schule standen überwiegend Latein, Griechisch und Mathematik auf dem Plan. 1827 entsteht die erste deutsche Literaturgeschichte, der „Grundriß der Geschichte der deutschen Nationalliteratur“ in der Didaktik. Text- und Gedichtsammlungen für den Unterricht gewannen an Einfluss und der Literaturunterricht sollte den Sinn und das Verständnis für Poesie wecken, eine Entlastung vom unaufhörlichen Lernen und eine Feierstunde im Unterricht sein.

Der Gedanke der allseitigen Bildung durch Literatur findet seinen Höhepunkt in der Gesamtdarstellung „Der deutsche Unterricht auf deutschen Gymnasien“ von Robert Heinrich Hiecke (1842). Diese bewertet Deutsch zum ersten mal als gleichwertig neben Latein und Griechisch und führt zu einer Entdeckung der eigenen Klassik sowie zur Entwicklung einer vierstufigen Interpretationsmethode, mit der sich die Schüler die Literatur selbst erschließen können. Es entstand also die erste Form eines produktionsorientierten Unterrichts.

2.2 Biedermeierlicher Gefühlskult (1848 - 1918)

Nach 1848 wurde ein radikaler Bruch mit der von Hiecke propagierten analytischen Methode vollzogen. Im Sinne des Biedermeiers sollten sich die Schüler im Unterricht von der Dichtung anrühren, sich erheben und bewegen lassen. Es ging nur noch um die Auslebung des lebendigen Gefühls und die geeignete Methode war das Vorlesen. Das Verstehen der Dichtung wurde das Nacherleben des dichterischen Erlebnisses und Unterrichtsstunden sollten Erlebnisse werden. Nach 1871 bis hin zum 1. Weltkrieg führte die Förderung eines neuen nationalen Pathos zur Überheblichkeit und zum Vormachtstreben des Deutschen. Die Erziehung zum Deutschtum wurde mit der Idee zur Erziehung zur Kunst verknüpft. Die Jugendlichen wurden nicht mehr zur Mündigkeit befähigt, sondern im Sinne des politischen Zwecks für das nationale Gemeinschaftsgefühl herangezogen. Die Verflechtung von Kunst und Politik führte dazu, dass im Unterricht nur noch Literatur gelesen wurde, die die deutschen Tugenden widerspiegelte. Im Gymnasium vollzog sich eine Wende zur rein deutschen Literatur. Didaktischer Leitfaden war die Unterwerfung des Einzelnen unter das Ganze von Volk und Staat und somit die Entmündigung der Schüler.

2.3 Deutschkunde und völkischer Wahn (1918 – 1945)

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