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Autor: Sabrina Radeck
Fach: Medien / Kommunikation - Sonstiges
Details
Institution/Hochschule: Universität Duisburg-Essen
Tags: Problemdarstellung, Autorbegriffs, Entwicklung, Autorbegriffs, Schwerpunkt, Michel, Foucaults, Konzept, Autorfunktion, Neuere, Ansätze, Kommunikationspragmatik
Jahr: 2005
Seiten: 31
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 19 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 224 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55518-0
Textauszug (computergeneriert)
Universität Duisburg – Essen, Standort Essen
Hauptseminar: Neuere Ansätze der Kommunikationspragmatik
Wintersemester 2004/2005, 7. Fachsemester
Problemdarstellung des Autorbegriffs - zur historischen
Entwicklung des Autorbegriffs mit dem Schwerpunkt
von Michel Foucaults diskursanalytischem Konzept der Autorfunktion
von: Sabrina Radeck
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Vom Werden des Autors 5
2.1 Der technisch versierte und der göttlich inspirierte Dichter 5
2.2 Mittelalterliche Anonymität 6
2.3 Genialität muss geschützt werden 8
2.4 Der Autor als variable Größe 9
2.4.1 Das autorzentrierte Interpretationsmodell 9
2.4.2 Das werkbezogene Interpretationsmodell 10
3 Strukturalismus und Poststrukturalismus 12
Exkurs: Ähnlichkeit, Repräsentation und Mensch 14
4 Der Autor – lebendig begraben 19
4.1 Schrift statt Autor 19
4.2 Funktion statt Tod 21
4.2.1 Kritik an den Lückenbüßern 22
4.2.2 Autorname vs. Eigenname 23
4.2.3 Merkmale der Autorfunktion 24
4.2.4 Diskursivitätsbegründer 26
5 Schluss 28
Literaturverzeichnis 30
1 Einleitung
Was würde passieren, wenn man durch einen glücklichen oder vielleicht auch unglücklichen Zufall entdeckte, dass „Die Leiden des jungen Werthers“ gar nicht von Johann Wolfgang von Goethe verfasst wurde? Es wäre nicht nur ein Schock für alle Goetheliebhaber, sondern vor allem für die literaturwissenschaftliche Forschung und die Literaturhistoriker. Unzählige Interpretationen und Quellennachweise wären überholt und falsch. Die biographischen Aspekte in dem Roman müssten neu überdacht werden, ein ganzer Diskurs würde zusammenbrechen. Oder sollte man sagen, ein neuer Diskurs um Goethe würde möglich und „Werther“ von seinem Autorkäfig befreit? Wahrscheinlich würde sich Michel Foucault über eine solche Entdeckung freuen, denn nun müsste der psychoanalytische Zweig der Literaturwissenschaft über andere Zugänge als den biographischen nachdenken, und neue Räume könnten eröffnet werden: „Halten wir daher unsere Tränen zurück!“1
Für Foucault ist der Autor nicht der Ursprung oder der Schöpfer eines Textes. Diesen Status möchte Foucault auch nicht für sich selbst beanspruchen. Um der Zuschreibungsmaschinerie und der einseitigen Deutung seiner Worte zu entgehen, gab er sogar ein anonymes Interview, in dem er einen Traum ausspricht: „Ich schlage ein Spiel vor: das des ‚Jahres ohne Namen’. Ein Jahr lang würde man Bücher ohne Autorennamen veröffentlichen. Die Kritiker hätten mit einer rein anonymen Produktion klarzukommen. Aber vielleicht – wie mir gerade einfällt – hätten sie nichts zu sagen: alle Autoren würden das nächste Jahr abwarten, um ihre Bücher zu publizieren.“2 Das Spiel wird wohl immer ein Traum bleiben, aber gerade das zeigt, wie vorherrschend das Autormodell des Schöpfers, besonders im literarischen Bereich, in der heutigen Zeit ist: „Literarische Anonymität ist uns unerträglich; wir akzeptieren sie nur als Rätsel.“3 Bleibt dieses ungelöst, gibt es Unsicherheiten bei der Rezeption, weil die Begrenzung der Einordnung fehlt und der Leser verloren ist.
Da es in der Geschichte seit der Antike nicht immer gleich um den Autor, seine Funktion und seinen Einfluss bestellt war, soll im folgenden Kapitel eine skizzenhafte Vorstellung verschiedener Autorenmodelle und des Urheberrechts vorgenommen werden. Foucault erwähnt diese historische Entwicklung lediglich, hier soll sie aber verdeutlichen, wie es zu der gegenwärtigen Funktion des Autors, die Foucault untersucht, gekommen ist. Welche Funktion der Autor in den Diskursen der Gegenwart übernimmt, oder unter welchen Bedingungen die Funktion eines Autors existieren kann, analysiert Foucault in seinem Vortrag „Was ist ein Autor?“, den er 1969 am Collège de France hielt. Ein Jahr zuvor hatte Roland Barthes seinen Aufsatz „Le mort de l’auteur“ veröffentlicht und die Diskussion um die Bedeutung der Autorbiographie für die Interpretation eines Werkes erneut belebt. Bevor es aber um die erwähnten Aufsätze, dabei schwerpunktmäßig um Foucaults Ansatz, gehen soll, wird im dritten Kapitel eine kurze Einführung in das strukturalistische und das poststrukturalistische Denken gegeben, denen Foucault und Barthes zugerechnet werden. Der zwischengeschaltete Exkurs zu Foucaults Subjektphilosophie soll die Parallelität des Status’ erklären, den das Subjekt und der Autor in der Moderne einnehmen. Dazu wird auf Foucaults Werk „Die Ordnung der Dinge“ (1966) in kurzer Form eingegangen. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem Kapitel „Der Mensch und sein Doppel“, in dem Foucault darstellt, wie sich die Existenz des modernen Subjekts von der Renaissance über das klassische Zeitalter bis heute herausbilden konnte.
Da Foucault in „Die Ordnung der Dinge“ dem Menschen, kaum dass er aufgetaucht ist, sein baldiges Verschwinden prophezeit, muss sich der Autor als Subjekt notwendig auch auflösen. Das vierte Kapitel hat deshalb das Verschwinden des Autors zum Thema, wobei sich mit Foucault zunächst herausstellen wird, dass er trotzdem und sogar in bereicherter Form als Funktion wieder auftaucht. Im Schlusskapitel werden die vorherigen Analysen zusammengefügt. Dabei soll noch einmal besonders herausgestellt werden, ob der Autor um seine Existenz fürchten muss, wie er vielleicht weiterexistieren kann und was nötig wäre, damit er verschwindet.
2 Vom Werden des Autors
Wenn Foucault in seinem Aufsatz „Was ist ein Autor?“ das Verschwinden des Autors analysiert, dann liegt die Vermutung nah, dass es irgendwann einmal einen Autor gegeben haben muss. Dass es sich dabei um eine reale Person handelt, die einen Text verfasst, wird von Foucault nicht bezweifelt. Ihm geht es präziser um den Autor als „Angelpunkt für die Individualisierung in der Geistes-, Ideen- und Literaturgeschichte,[...]“4 und dessen Verhältnis zum Text. Wie sich eine solch individuelle Vorstellung eines Autors herausbilden konnte, wird hier kurz historisch aufgerollt.
Es sollen zwei Sachverhalte dargestellt werden: Zum einen soll die historische Entwicklung einer anonymen zu einer signierten Literatur gezeigt werden. Zum anderen soll es um ein besonderes Phänomen gehen, das sich erst mit der signierten Schrift herausbilden konnte, nämlich das der Autorintentionalität und der damit einhergehenden Interpretationsrelevanz der Autorbiographie. Die Autorintentionalität wird oft dazu verwendet, um Texte zu interpretieren und ihren vermeintlich einzigen Sinn herauszustellen. Im vierten Kapitel wird deutlich werden, dass Foucault seine Kritik nicht so sehr gegen den Autor als rechtlichen Urheber eines Textes richtet, sondern eher gegen die Interpretationsrelevanz des Autors und seine Absicht. Da die Relevanz der Autorintentionalität aber erst durch das vorherige Kenntlichmachen des Autors und das Urhebergesetz möglich wurde, ist es wichtig, zuvor diese Entwicklungen in einer kurzen Darstellung herauszuarbeiten.
2.1 Der technisch versierte und der göttlich inspirierte Dichter
In der antiken Literatur und als Beispiel hierfür in der „Poetik“ von Aristoteles, ist nachzulesen, dass der Autor, oder hier der Dichter, nicht als individueller Schöpfer erscheinen solle, sondern eher eine nachahmende Funktion einzunehmen habe. Dabei solle der Dichter möglichst wenig in der eigenen Person sprechen, weil sonst die Nachahmung zur Darstellung werde.5
Aristoteles nennt zwar die Namen einiger Autoren, wie etwa Homer, Aischylos oder Sophokles, bezieht sich dabei aber auf deren Technik, wie sie ihre Dramen oder Epen konstruieren, um das Publikum zu erfreuen und zu belehren. Nach Fotis Jannidis et. al. ist hier das „in der rhetorischen Tradition favorisierte Modell vom Autor als kompetentem Kenner und Anwender von ‚technischem’ Fachwissen, dem poeta faber“6 gemeint. Die Autoren grenzen ihn vom Autorenmodell „des inspirierten Dichters, des poeta vates“7 ab, das in Platons „Ion“ vorgestellt wird. Der Autor werde hier eher als Medium benutzt, durch den die göttlichen Botschaften ausgesprochen werden, als dass er als ihr Urheber betrachtet und für sie verantwortlich gemacht werden könne.
2.2 Mittelalterliche Anonymität
[...]
1 Foucault, 2003: S. 267
2 Foucault, 1999: S. 14
3 Foucault, 2003: S. 247
4 Foucault, 2003: S. 237
5 vgl. Aristoteles 1953 : S. 369
6 Jannidis et.al., 1999: S. 5
7 ebd.: S. 4
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