"À la folie... pas du tout" als Fallbeispiel für unzuverlässiges Erzählen close

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Details

Veranstaltung: Vertiefungsmodul: Film / Kino; Vertiefungsmodul: Theorien und Methoden; Reinventing Film Studies - Filmforschung im Medienzeitalter
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Institut für Medienwissenschaft)
Tags: Fallbeispiel, Erzählen, Vertiefungsmodul, Film, Kino, Vertiefungsmodul, Theorien, Methoden, Reinventing, Film, Studies, Filmforschung, Medienzeitalter
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 19
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 203 KB
Archivnummer: V62291
ISBN (E-Book): 978-3-638-55558-6
ISBN (Buch): 978-3-638-75303-6

Zusammenfassung / Abstract

„Verzweifelt, geradezu besessen liebt die junge Kunststudentin Angélique den verheirateten Arzt Loïc. Aber dessen Frau erwartet ein Kind und für eine Zukunft mit Angélique scheint kein Platz in seinem Leben. Heimliche Treffen, einsame Nächte und tagelanges Warten sind offenbar alles, worauf sie hoffen darf – so hat es den Anschein. […]“ Mit diesen Worten beginnt die kurze Inhaltsangabe von À LA FOLIE… PAS DU TOUT auf der Rückseite des DVD-Covers der deutschen Version. Die zentrale Wendung ist hierbei „so hat es den Anschein“. Sie weist darauf hin, dass der Film in seiner Narration nicht zuverlässig ist, sondern zunächst einen Anschein erweckt, der jedoch trügt. Ziel dieses Buches ist es zu beschreiben, mit welchen Mitteln dieser falsche Anschein erweckt wird. Zu diesem Zweck wird zunächst das Konzept des unzuverlässigen Erzählens allgemein kurz zusammengefasst. Im Anschluss werden der für das Verständnis der Erzählweise von À LA FOLIE… PAS DU TOUT besonders relevanten theoretischen Konzepte der Fokalisierung und der kognitiven Aktivität des Zuschauers geklärt. Abschließend wird die Erzeugung, aber auch die Markierung von Unzuverlässigkeit in À LA FOLIE… PAS DU TOUT betrachtet.

Textauszug (computergeneriert)

Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Philologie
Institut für Medienwissenschaft
Vertiefungsmodul: Film / Kino; Vertiefungsmodul: Theorien und Methoden
Reinventing Film Studies. Filmforschung im Medienzeitalter.
Sommersemester 2006

À LA FOLIE… PAS DU TOUT als Fallbeispiel
für unzuverlässiges Erzählen

von

Bernd Leiendecker 

8. Fachsemester (2. Fachsemester M.A.)
Medienwissenschaft
Romanische Philologie (Französisch)

 

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 2

2 Unzuverlässiges Erzählen  ... 3

3 Fokalisierungen  ... 4

4 Die kognitive Aktivität des Zuschauers  ... 6

5 Fallbeispiel: À LA FOLIE… PAS DU TOUT ... 7
5.1 Konstruktion der Unzuverlässigkeit ... 7
5.1.1 Fokalisierungen  ... 7
5.1.2 Alterationen ... 8
5.1.3 Weitere Verweise auf bekannte Erzählschemata  ... 11
5.2 Markierung der Unzuverlässigkeit  ... 12
5.2.1 Der Filmtitel  ... 13
5.2.2 Die Persönlichkeit der Erzählerin  ... 13
5.2.3 Falschaussagen im kleineren Rahmen ... 15

6 Zusammenfassung ... 16

7 Literaturverzeichnis ... 18

 

 

1 Einleitung

„Verzweifelt, geradezu besessen liebt die junge Kunststudentin Angélique den verheirateten Arzt Loïc. Aber dessen Frau erwartet ein Kind und für eine Zukunft mit Angélique scheint kein Platz in seinem Leben. Heimliche Treffen, einsame Nächte und tagelanges Warten sind offenbar alles, worauf sie hoffen darf – so hat es den Anschein. […]“

Mit diesen Worten beginnt die kurze Inhaltsangabe von À LA FOLIE… PAS DU TOUT1 auf der Rückseite des DVD-Covers der deutschen Version. Die zentrale Wendung ist hierbei „so hat es den Anschein“. Sie weist darauf hin, dass der Film in seiner Narration nicht zuverlässig ist, sondern zunächst einen Anschein erweckt, der jedoch trügt. Ziel dieser Arbeit ist es zu beschreiben, mit welchen Mitteln dieser falsche Anschein erweckt wird. Zu diesem Zweck wird zunächst das Konzept des unzuverlässigen Erzählens allgemein kurz zusammengefasst. Im Anschluss werden der für das Verständnis der Erzählweise von À LA FOLIE… PAS DU TOUT besonders relevanten theoretischen Konzepte der Fokalisierung und der kognitiven Aktivität des Zuschauers geklärt. Abschließend wird die Erzeugung, aber auch die Markierung von Unzuverlässigkeit in À LA FOLIE… PAS DU TOUT betrachtet.

2 Unzuverlässiges Erzählen

Gewöhnlich erheben die in der Literatur durch einen Erzähler gemachten Aussagen einen Anspruch auf Wahrheit innerhalb der fiktionalen Welt. Wenn sich Behauptungen des Erzählers hingegen im Bezug auf die diegetische Welt zumindest teilweise als falsch erweisen, so ist der Erzähler als unzuverlässig anzusehen. (vgl. Martinez / Scheffel 2000, S.95ff) Dieses Konzept ist ebenso auf den Spielfilm und die Informationen anwendbar, die dort von der zentralen narrativen Instanz präsentiert werden.

Der Begriff des unzuverlässigen Erzählens bzw. des unzuverlässigen Erzählers wurde 1961 von Wayne Booth eingeführt. Dabei sieht Booth eine Unzuverlässigkeit der Erzählinstanz als gegeben, wenn diese Werte und Normen transportiert, die nicht mit denen des impliziten Autors übereinstimmen. (vgl. Nünning 1998, S.8)

Da das Konzept des impliziten Autors in der Literaturwissenschaft ohnehin häufig in Frage gestellt wird und sein Nutzen für die Beschreibung von unzuverlässigem Erzählen zweifelhaft ist, schlägt Ansgar Nünning eine andere Definition vor. Er beschreibt unzuverlässiges Erzählen als ein Phänomen der Interaktion zwischen Erzählung und Rezipient. Dabei gleicht der Rezipient das Werte- und Normensystem der Erzählung mit seinen eigenen Vorstellungen und seinem Weltwissen ab. Entsprechend werden zusätzlich zu den textimmanenten Merkmalen der Unzuverlässigkeit außertextuelle Informationen zur Prüfung der Zuverlässigkeit der Erzählinstanz herangezogen. Daraus folgt, dass die Unglaubwürdigkeit des Erzählers keine absolute Größe ist, sondern eine Einschätzung, die jeder Rezipient selbst vornehmen muss, so dass diese Einschätzung je nach kulturellem und individuellem Hintergrund des Rezipienten variieren kann. (vgl. Nünning 1998, S.15ff)

Ziel der Forschung am unzuverlässigen Erzählen – unabhängig davon in welchem Medium das Erzählen stattfindet – ist nach diesem Modell vorrangig, die textuellen Signale zu identifizieren, die beim Rezipienten den Eindruck der Unzuverlässigkeit entstehen lassen. (vgl. Kiefer 2005, S.76)

[....]


1 À LA FOLIE… PAS DU TOUT (Wahnsinnig verliebt)
F 2002, 92 Min.
R.: Laetitia Colombani. B.: Laetitia Colombani, Caroline Thivel. K.: Pierre Aïm. S.: Véronique Parnet. M.: Jérôme Coullet.
D.: Audrey Tautou (Angélique), Samuel Le Bihan (Loïc), Isabelle Carré (Rachel).

Kommentare

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