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Zu Wolfram von Eschenbachs "Willehalm"

Title: Zu Wolfram von Eschenbachs "Willehalm"

Term Paper , 2006 , 27 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Master of Arts Alexander Monagas (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Wolfram von Eschenbachs Kreuzzugsepik „Willehalm“ enthält in der ambivalenten Heldenfigur Willehalms eine subtile Kritik am Glaubenskampf und zeitgenössischen theologischen Ideologien und gesellschaftlichen Strukturen. Von Eschenbach schafft damit ein literarisches Werk voller Hinweise, Anspielungen und Andeutungen, die sich trotz rhetorischer Figuren relativ leicht in ein Spannungsverhältnis mit der damaligen Politik und Gesellschaft bringen lassen. Innerhalb seiner narrativen Konstruktion wer-den schrittweise Informationen zu Tage gebracht, die das anfänglich so hochgerühmte Vorgehen der handelnden Personen in ein eher unrühmliches Licht rückt. Mit der Anführung zahlreicher Gründe für Glaubenskrieg und Massenschlachten versu-chen die Figuren der Erzählung immer wieder, ihr Handeln im Sinne einer allgemeinen Legitimation zu untermauern. Gängige höfische, sowie ritterliche Verhaltensmuster werden mit Kreuzzugsideologien und Märtyrertum in eine lückenhafte Argumentati-onskette verknüpft, die aufgrund nur spärlicher Informationen zu Beginn der Handlung noch zu funktionieren scheint. Doch mit dem Verlauf der Handlung werden immer häu-figer Brüche und Unstimmigkeiten gerade im Verhalten des Titelhelden deutlich.
Im Folgenden wird dahingehen vor allem das Erste und Zweite Buch untersucht, inwieweit der Held als christlicher Kriegsheiliger erst eingeführt, und dann durch eigenes Verhalten dieses Bild zu demontieren beginnt. Gerade die auffallenden Parallelen von Heiden und Christen zeigen immer wieder deutliche Ansatzpunkte, die Motivationen und Argumente beider Seiten als unrechtmäßig zu entlarven.
Raffiniert und subtil spickt von Eschenbach seine Erzählung mit Anspielungen und Hinweisen auf seinen „Parzival“, das deutsche „Rolandslied“ und gängige Topoi, die ihn selbst als identifizierbaren Autor der Geschichte vor Angriffen schützen. So gelingt es ihm, trotz augenscheinlicher Kritikpunkte, kein falsches Zeugnis über den Heiligen Willehalm niederzuschreiben.
Der ambivalente Willehalm verkörpert so die intelligente Kritik Wolfram von Eschenbachs an herrschenden politischen und religiösen Zuständen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Heidenbild und Kreuzzugsideologie in Willehalm

1.1 Willehalm als ambivalente Figur

2. Kritische Betrachtung von Erstem und Zweitem Buch

2.1 Erstes Buch

2.2 Zweites Buch

II. Fazit: Kritik an Gesellschaft und Kreuzrittertum durch Willehalm

III. Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht Wolfram von Eschenbachs Kreuzzugsepik „Willehalm“, um aufzuzeigen, wie der Autor durch die ambivalente Darstellung des Protagonisten eine subtile Kritik an Glaubenskriegen, zeitgenössischen theologischen Ideologien und gesellschaftlichen Strukturen formuliert. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie diese kritisch-reflexive Distanz trotz der rhetorischen Einbettung in das Genre der Kreuzzugsepik aufrechterhalten wird.

  • Analyse der ambivalenten Heldenfigur Willehalms zwischen ritterlichem Ideal und realem Grausamkeitspotenzial.
  • Untersuchung der motivischen Parallelen in der Argumentation von Christen und Heiden („religiöses“, „Liebesverrat“- und „territoriales“ Argument).
  • Dekonstruktion der Kreuzzugsideologie durch den Erzähler und die Infragestellung christlicher Überlegenheit.
  • Rolle der Verwandtschaftsbeziehungen als Faktor für den menschlichen Schmerz und die Sinnlosigkeit des Krieges.
  • Darstellung des Minnerittertums und dessen Kollision mit der blutigen Realität des Kampfgeschehens.

Auszug aus dem Buch

1. Heidenbild und Kreuzzugsideologie in Willehalm

Die Ideologien der Kreuzzüge mit ihren manifesten Ressentiments gegen Heiden und der damit einhergehenden Bekämpfung stehen bei Wolfram von Eschenbachs Willehalm immer wieder im Vordergrund der Handlung. Dabei verstößt der Protagonist Willehalm mehrmals gegen die kodifizierten Rechte und Pflichten der höfischen Gesellschaft damaliger Zeit.

Auch macht sich Willehalm immer wieder Regelverstößen gegen den ritterlichen Verhaltenskodex schuldig. Die Anlegung einer ambivalenten Heldenfigur enthält so eine immanente Kritik an Glaubenskampf und zeitgenössischen theologischen Ideologien und gesellschaftlichen Strukturen. Doch führt Eschenbach sein Kritik nicht offensichtlich an; sonst hätte er sicherlich mit konkreten Sanktionen herrschender Machthaber rechnen müssen. Vielmehr legt er seine unterschwellige Kritik auf eine facettenreiche Art und Weise an, die zwar mit kritikwürdigen und widersprüchlichen Figuren arbeitet, entscheidende Äußerung aber immer wieder mit einer gewissen „Weichzeichnung“ verseht, um deren Provokation zu kaschieren.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Thematik und die zentrale Forschungsfrage zur ambivalenten Heldenfigur Willehalms als Vehikel für subtile Gesellschaftskritik.

1. Heidenbild und Kreuzzugsideologie in Willehalm: Analyse der Kreuzzugsideologien und des Protagonisten als hybride Figur, die wiederholt gegen höfische Normen verstößt.

1.1 Willehalm als ambivalente Figur: Untersuchung des Lobpreises des Protagonisten im Kontrast zu seinen gewalttätigen Handlungen und der Missachtung ritterlicher Ideale.

2. Kritische Betrachtung von Erstem und Zweitem Buch: Reflexion über die erzählerischen Mittel, mit denen Wolfram von Eschenbach eine kritische Distanz zur Handlung aufbaut.

2.1 Erstes Buch: Analyse des Prologs, der Identitätsstiftung Willehalms und der Darstellung der kriegerischen Motivationen.

2.2 Zweites Buch: Untersuchung der Sterbeszene von Vivianz und der damit verbundenen kritischen Reflexion über den Verlust der christlichen Ritter.

II. Fazit: Kritik an Gesellschaft und Kreuzrittertum durch Willehalm: Zusammenfassende Darstellung der These, dass Willehalm als Spiegel für ein kritisches Hinterfragen religiöser und politischer Machtstrukturen dient.

III. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur zur Analyse von Willehalm.

Schlüsselwörter

Willehalm, Wolfram von Eschenbach, Kreuzzugsepik, Mittelalter, ritterliches Ideal, Minne, Glaubenskampf, Ambivalenz, Gesellschaftskritik, Literaturanalyse, Vivianz, Religionskrieg, Heldenfigur, Epik, Narrativ.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Wolfram von Eschenbachs Epos „Willehalm“ und analysiert, wie die Figur des Willehalms genutzt wird, um subtile Kritik an mittelalterlichen Glaubenskriegen und höfischen Idealen zu üben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Kreuzzugsethos, das Verhältnis zwischen Heiden und Christen, die Rolle der höfischen Minne sowie die Diskrepanz zwischen ritterlichem Anspruch und der grausamen Realität des Krieges.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Wolfram von Eschenbach durch narrative Strategien eine distanzierte Sicht auf den Glaubenskampf erzeugt, ohne dabei seine eigene Position offen als Kritik zu exponieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Textes, wobei sie sich auf die Untersuchung rhetorischer Figuren, erzählerischer Interventionen und den intertextuellen Vergleich mit anderen Werken stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Heidenbildes, die Untersuchung der ambivalenten Charakterdarstellung sowie eine kritische Betrachtung des Ersten und Zweiten Buches anhand zentraler Kampfszenen und Motive.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ambivalenz, Kreuzzugsideologie, Ritterethos, Gesellschaftskritik und literarische Reflexivität charakterisiert.

Warum wird Willehalm als „hybride“ Figur bezeichnet?

Er wird als hybrid bezeichnet, weil er weder rein als christlicher Heiliger noch bloß als einfacher ritterlicher Held klassifiziert werden kann; er vereint christliche Ideale mit unritterlicher Gewalt und moralischen Paradoxien.

Welche Bedeutung hat die Figur Gyburc?

Gyburc fungiert als tragische Vermittlerin, in der die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den verfeindeten Parteien zusammenlaufen, was die Sinnlosigkeit des Krieges auf persönlicher Ebene verdeutlicht.

Welche Rolle spielt das Motiv der „Klage“?

Die Klage dient als angemessene christliche Verhaltensweise, wird jedoch durch die Erzählweise Eschenbachs teilweise dekonstruiert, um eine reflektierte Distanz beim Leser zu schaffen.

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Details

Title
Zu Wolfram von Eschenbachs "Willehalm"
College
University of Mannheim  (Lehrstuhl Neuere Germanistik II)
Course
Rechtsdiskurse und Gewalt in globalen Vernetzungen
Grade
1,5
Author
Master of Arts Alexander Monagas (Author)
Publication Year
2006
Pages
27
Catalog Number
V62300
ISBN (eBook)
9783638555661
ISBN (Book)
9783638879774
Language
German
Tags
Wolfram Eschenbachs Willehalm Rechtsdiskurse Gewalt Vernetzungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Master of Arts Alexander Monagas (Author), 2006, Zu Wolfram von Eschenbachs "Willehalm", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62300
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