Der Fall 'Rütli Schule' - Sozialstrukturelle Erklärungsansätze für die Entstehung von Jugendgewalt

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Details
Autor: Udo Lihs
Fach: Soziologie - Kinder und Jugend
Veranstaltung: Jugendliche Gewalt
Institution/Hochschule: Universität Potsdam (Institut für Soziologie)
Jahr: 2006
Seiten: 9
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 2 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 75 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55589-0
Anhand von F. Dubet's Aufsatz "Jugendgewalt und Stadt" werden hier sozialstrukturelle Zusammenhänge für die für die Entstehung von Jugendgewalt näher erläutert und auf die Situation des Bezirks Neukölln in Berlin angewendet.
Zusammenfassung / Abstract
Anhand von F. Dubet's Aufsatz "Jugendgewalt und Stadt" werden in dieser Arbeit sozialstrukturelle Zusammenhänge für die für die Entstehung von Jugendgewalt näher erläutert und auf die Situation des Bezirks Neukölln in Berlin angewendet.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Potsdam Sommersemester 2006
Seminar: Jugendliche Gewalt
Der Fall „Rütli Schule“ - Sozialstrukturelle
Erklärungsansätze für die Entstehung von Jugendgewalt
von: Udo Lihs
Im Frühjahr 2003 schrieb das Lehrerkollegium der Rütli Hauptschule in Berlin-Neukölln einen Brief an die Senatsverwaltung von Berlin.1 In diesem Hilferuf schildern die Lehrer ihre Probleme, die sie mit ihrer Schülerschaft erleben. Sie beklagen dabei einen hohen Anteil von Schülern nicht deutscher Herkunft von 83,2 % und verweisen dabei vor allem auf Schüler mit arabisch- und türkischem Migrationshintergrund, während gleichzeitig Mitarbeiter aus diesen Kulturkreise fehlen. Schließlich beschreiben sie die Atmosphäre einiger Klassen dieser Schule als aggressiv, respektlos, menschenverachtend und ignorant, begründen dies mit Beispielen und schildern ihre erfolglosen pädagogischen Bemühungen, diesen Zustand zu verändern, z.B. indem Regeln nicht eingehalten werden, Eltern in der Kooperation mit Lehrern versagen.
Sie beschreiben gleichzeitig eine Resignation der Kollegen vor diesem Problem und begründen dies mit Krankheitsausfällen und personellen Problemen. Sie fordern die Abschaffung der Hauptschule und den Einsatz von Fachkräften für Deeskalation und Krisenintervention. Es zeigt sich hier die Problematik, dass Jugendgewalt eine große Rolle im Leben dieser Jugendlichen im Bezirk Neukölln von Berlin spielt, die mit Respektlosigkeit, Aggressivität und Ignoranz einhergeht. Die Frage, die daher nachzugehen ist, besteht darin, wie diese Jugendgewalt in diesem Bezirk zu erklären ist und inwiefern diese Erklärungsansätze dabei helfen, die Jugendgewalt in diesen Bezirken zu reduzieren. Sozialstrukurelle Erklärungsansätze (vgl. F. Dubet, 2002) François Dubet beschreibt in seinem Kapitel „Jugendgewalt und Stadt“, dass Gewalt vielfältig, perspektivenabhängig, aber trotzdem stets moralisch verurteilt wird und immer ein Bruch einer sozialen Ordnung darstellt, worauf er unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema Jugendgewalt zunächst vorstellt, wobei die folgenden dabei sehr interessant sind:
1. Gewalt steht im Zentrum der menschlichen Natur. Die Begierden, die der Mensch nicht selbst beschränken kann, sind daher von der Gesellschaft zu kontrollieren, um ihn zu sozialisieren, in eine Gesellschaft zu integrieren. Das Mittel der Sozialisation ist in diesem Zusammenhang die Erziehung des Menschen nach den moralischen Normen und Werten einer Gesellschaft. Gewalt entsteht daher, wenn Individuen Sozialisation nicht erfahren, wenn sie daher nicht gesellschaftlich integriert sind,. Dubet beruft sich dabei auf Shaw/Mc Kay (1940) und Graham/Gurr (1979). (vgl. Dubet, S. 1172 ff)
2. Schließlich führt Dubet eine gerechte Gewalt an, insofern sie eine „Antwort auf erlittene Gewalt“ darstellt, eine Antwort auf Unterdrückung, Verleugnung und Missachtung eines Konflikts der Stigmatisierten in einer Gesellschaft und bezieht sich dabei u.a. auf Moore (1978). (vgl. Dubet, S. 1175 ff)
Es zeigt sich also, dass Gewalt im Spannungsfeld zwischen Integration und Sozialisation steht, vor allem dann entsteht, wenn Menschen eben nicht sozialisiert, nicht integriert wird, wenn unterdrückt und ausgeschlossen wird.
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