Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Thorsten Felden
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Universität zu Köln (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Tags: Gespenst, Maschine, Systemstörungen, Werk, Franz, Kafkas, Franz, Kafka
Jahr: 2005
Seiten: 25
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 191 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55621-7
ISBN (Buch): 978-3-638-66859-0
Zusammenfassung / Abstract
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit systemischen Strukturen im Werk von Franz Kafka. Untersucht werden sowohl die Romanfragmente Kafkas als auch einige seiner bekannteren Erzählungen. Der Begriff des Systems wird in den Geisteswissenschaften, vor allem in der Soziologie, stets in Verbindung mit Niklas Luhmanns System-theorie gebracht. Luhmanns Theorie stützte sich ursprünglich auf systemtheoretische Untersuchungen im Bereich der Naturwissenschaften und wandte sie auf soziale Systeme an. Dank ähnlicher Übertragung auf andere Bereiche (z.B. der Wirtschaftswissenschaften) versteht man heute unter Systemtheorie die interdisziplinäre Erforschung der struk-turellen und funktionalen Eigenschaften sowohl natürlicher, sozialer als auch technischer Systeme. Der im Folgenden benutzte Begriff des Systems soll sich weniger auf diese Systemtheorie beziehen, sondern meint in einem viel grundlegenderen Sinne lediglich eine Ordnung, nach der etwas organisiert wird. Freilich wird die Untersuchung von Systemen und Systemstörungen in Kafkas Werk mitunter Bereiche streifen, die auch Untersuchungsgegenstand der Systemtheorie sind, so etwa das Phänomen der Selbstorganisation von Systemen. Jedoch soll hier nicht der Versuch unternommen werden, diese Phänomene strukturell zu analysieren. Eine Erforschung von Kafkas Arbeiten vor dem Hintergrund der Systemtheorie wäre sicher interessant, soll aber nicht Thema dieser Hausarbeit sein. So steht System hier als Synonym für Ordnung im Gegensatz zum Begriff der Unordnung.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Köln, Institut für deutsche Sprache und Literatur
Hauptseminar „Franz Kafka“, Wintersemester 2004/2005
Das Gespenst in der Maschine –
Systemstörungen im Werk Franz Kafkas
von: Thorsten Felden
Inhalt
1 Einleitung – Zum Begriff des Systems
2 Systeme in Kafkas Werk
2.1 Parallele Systeme
2.2 Die Rationalisierung des Selbst
2.3 Der Individuum und das Kollektiv
3 Das Bürokratische System
3.1 Der automatische Apparat
3.2 Der unsichtbare Apparat
4 Das Subjekt als Fehler im System
5 Schlussbetrachtung
6 Literaturverzeichnis
Diese Arbeit beschäftigt sich mit Systemen in Kafkas Werk. Zunächst sollen einige
Bezugspunkte Kafkascher Systeme herausgestellt werden, die eine Art Matrix ergeben,
anhand derer man weitere Untersuchungen anstellen kann. Oft stellen sich Kafkas
Systeme als automatisch ablaufende Netzwerke von Operationen heraus, die
meist in ihrer Ausprägung als Bürokratie beschrieben werden. Diese Darstellungen
sollen vor dem Hintergrund gesellschaftstheoretischer Ansätze wie Michel Foucaults
Panoptismus oder Norbert Elias’ Über den Prozeß der Zivilisation. Zuletzt soll der
Aspekt der Systemstörung untersucht werden: Wo bekommt die Ordnung Risse,
durch die das Chaos hereinbrechen kann? Welche Rolle spielt das Subjekt dabei?
Hier dient vor allem Horkheimer/Adornos Dialektik der Aufklärung als Vergleichsfolie.
1 Einleitung: Zum Begriff des Systems
Der Begriff des Systems wird in den Geisteswissenschaften, vor allem in der Soziologie, stets in Verbindung mit Niklas Luhmanns Systemtheorie gebracht. Luhmanns Theorie stützte sich ursprünglich auf systemtheoretische Untersuchungen im Bereich der Naturwissenschaften und wandte sie auf soziale Systeme an. Dank ähnlicher Übertragung auf andere Bereiche (z.B. der Wirtschaftswissenschaften) versteht man heute unter Systemtheorie die interdisziplinäre Erforschung der strukturellen und funktionalen Eigenschaften sowohl natürlicher, sozialer als auch technischer Systeme. Der im Folgenden benutzte Begriff des Systems soll sich weniger auf diese Systemtheorie beziehen, sondern meint in einem viel grundlegenderen Sinne lediglich eine Ordnung, nach der etwas organisiert wird.
Freilich wird die Untersuchung von Systemen und Systemstörungen in Kafkas Werk mitunter Bereiche streifen, die auch Untersuchungsgegenstand der Systemtheorie sind, so etwa das Phänomen der Selbstorganisation von Systemen. Jedoch soll hier nicht der Versuch unternommen werden, diese Phänomene strukturell zu analysieren. Eine Erforschung von Kafkas Arbeiten vor dem Hintergrund der Systemtheorie wäre sicher interessant, soll aber nicht Thema dieser Hausarbeit sein. So steht System hier als Synonym für Ordnung im Gegensatz zum Begriff der Unordnung.
2 Systeme in Kafkas Werk
Bei der Untersuchung von Systemen in Kafkas Werk geht es zunächst darum, einige Merkmale Kafkascher Systeme herauszuarbeiten, um sie danach miteinander in Verbindung zu bringen.
2.1 Parallele Systeme
In der Strafkolonie lassen sich zwei unterschiedliche Systeme beobachten, die sich speziell in den Merkmalen unterscheiden, welche die Gerichtsbarkeit betreffen. Auf der einen Seite gibt es die alte Ordnung, die vom verstorbenen Kommandanten sowie vom Offizier verkörpert wird, der dem Reisenden die Maschine vorführen will. Diese Ordnung repräsentiert die koloniale Rechtsprechung, einer eigentümlichen Mischung von feudalen Merkmalen wie Folter, Ausbeutung und Ungerechtigkeit mit dem modernen Streben nach Systematik. Die in der Erzählung beschriebene Maschine stellt sich als Ergebnis einer rationalen Leistung dar, dazu gedacht, die von Willkür und Irrationalität geprägte alte Ordnung zu perfektionieren und berechenbarer zu machen. Die Maschine soll Gerechtigkeit produzieren, und nicht nur das: Sie soll obendrein sogar für „Verklärung“1, also „Erlösung“2 von den irdischen Qualen sorgen, und in der Tat gibt uns der Erzähler keinen Hinweis darauf, dass die Maschine ihre Arbeit bislang nicht erfüllen konnte. Dabei ist den Befürwortern der alten Ordnung durchaus bewusst, „daß unser Verfahren nach altem Brauch ein unmenschliches ist.“3 Doch unmenschlich ist in diesem Sinne nicht gleichbedeutend mit ungerecht, denn der Begriff der Menschenrechte ist ein Produkt der Aufklärung.
Demgegenüber steht das neue System, das sowohl vom neuen Kommandanten als auch vom Reisenden dargestellt wird. Diese Ordnung basiert auf humanistischem Gedankengut, auf den Prinzipien einer aufgeklärten, zivilisierten Gesellschaft. Kafka beschreibt jedoch nicht, wie das alte System aufgrund seiner moralischen Defizite dem neuen unterliegt und deshalb abgelöst wird. Vielmehr nimmt er das Verhältnis der Maschine zu ihren Erbauern und Betreibern in Augenschein. Das Paradoxon, das entsteht, als die Maschine die Ordnung richten soll, aus der sie selbst entstanden ist, kann sie nur durch ihre eigene Zerstörung lösen.
[...]
1 E 108
2 E 122
3 E 110f.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: