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Autor: Mareke Dreyer
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.
Details
Tags: Spielen, Sprache, Zusammenhang, Humor, Sprachentwicklung, Kindern
Jahr: 2006
Seiten: 19
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 191 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55665-1
In dieser Arbeit wird die Bedeutung des Humors für die Sprachentwicklung von Kindern herausgearbeitet. Grundlage ist das bereits 1965 erschienen Buch "Sprache und Humor des Kindes" von Hermann Helmers. Es wird der Versuch unternommen, dieses ältere Standardwerk für die heutige Diskussion aufzugreifen.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Flensburg, Institut für Germanistik
Hauptseminar: Sprachspiel und Spielen mit Sprache
Sommersemester 2006, 10.9. 2006
Spielen mit Sprache - zum Zusammenhang von
Humor und Sprachentwicklung bei Kindern
von: Mareke Dreyer
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Vorüberlegungen zum Humorbegriff bei Kindern 4
2.1. Von Aristoteles über Freud... 4
2.2. ... bis Helmers 5
3. Entwicklungsschritte des kindlichen Humors 6
3.1. Vorsprachlicher Humor 6
3.2. Umstrukturierung von Lauten und Umbau von Satzelementen 7
3.3. Semantische Verkehrungen 8
3.4. Episierung 9
3.5. Integration und Emanzipation als Faktoren des Humors 12
4. Bedeutung des Humors für die Sprachentwicklung 13
4.1. Reinforcement 13
4.2. Sprechtraining 14
4.3. Sprachliche Kreativität 14
4.4. Ästhetisierung 14
4.5. Kritische Reflexion 14
5. Humor bei Mädchen und Jungen 15
6. Fazit 16
7. Literaturverzeichnis 18
1. Einleitung
Überall auf der Welt wird gelacht. Humor verbindet (und trennt) Menschen in allen Kulturen; auf allen Kontinenten wird gelacht und gescherzt, und das schon sehr lange. Die meisten Forscher sehen den Spieltrieb als direkten Vorläufer des Humors, das Lachen galt als ein Spielsignal (vgl. Grit Kienzlen 2006, S.1f.). Humor kann aber auch als „Entwicklungsphänomen beschrieben werden, das erfolgreiche Interaktion zwischen einem Individuum und seinem kulturellen und sozialen Kontext vermittelt“ (Bönsch-Kauke 2003, S. 59). Humorforschung ist angelehnt an diese Aussage ein interdisziplinäres Forschungsfeld, auf dem sich die verschiedensten Wissenschaften tummeln: Von der Philosophie, Anthropologie und Religionswissenschaft über Medizin und Psychologie bis hin zur Pädagogik und Soziologie beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit diesem Phänomen. Entsprechend dieser Bandbreite an Interesse und Interessenten gibt es eine Vielzahl von Definitionsansätzen und Erklärungsversuchen. Humor und Lachen als ein Ausdrucksmittel sollen beispielsweise dem Spannungs- und Aggressionsabbau dienen (Entspannungstheorie), schaffen Zugehörigkeits- bzw. Abgrenzungsempfindungen in sozialen Gruppen (Superioritätstheorie) und haben die Wahrnehmung von Kontrasten zur Grundlage (Inkongruenztheorie).
Ich beschäftige mich in dieser Arbeit exemplarisch mit dem Zusammenhang von Humor und Spracherwerb bei Kindern. Dass es eine physiologische Verknüpfung von aufrechtem Gang, Entwicklung des Kehlkopfs zum Sprechapparat und Spracherwerb einerseits und der Entwicklung von Humor andererseits gibt, hat der Humorforscher und Theologe John Morreall postuliert (ebd. S. 3). In der linguistischen Humorforschung ist es nun Hermann Helmers’ Verdienst, die Wechselwirkung von Humor und Spracherwerb bei Kindern untersucht zu haben. Seine Untersuchungsergebnisse werde ich im Folgenden darstellen. Dabei stelle ich die Entwicklungsschritte des kindlichen Humors und deren Voraussetzungen im Prozess des kindlichen Spracherwerbs vor. Nachfolgend wird die umgekehrte Wirkung des Humors auf die Entwicklungsschritte im Spracherwerb beschrieben. In einem kurzen letzten Abschnitt widme ich mich, sozusagen als Brückenschlag in die Gegenwart, den Unterschieden im Humor- und Sprachverhalten von Mädchen und Jungen. Die Arbeit schließt mit einem von der linguistischen Humorforschung formulierten zukünftigen Forschungsbedarf.
2. Vorüberlegungen zum Humorbegriff bei Kindern
Kinder beginnen schon in den ersten Wochen nach ihrer Geburt mit ihrer Stimme, ihren (vor)sprachlichen Äußerungen zu spielen – so klingt es zumindest für die Ohren der Außenstehenden. Diese stimmlichen und sprachlichen Bekundungen werden zusätzlich zunächst vom ersten Lächeln, später dann von deutlich als Lachen wahrnehmbaren Lauten begleitet und unterstützt. Äußerungen der Freude, des Vergnügens haben vermutlich vielfältige Gründe und Motive. Neben Interaktionen zwischen Kind und Bezugsperson, die dem Kind die Äußerungen seiner Bedürfnisse bzw. deren Befriedigung bestätigen, sind es immer häufiger gerade diese zwischenmenschlichen Kommunikationssituationen, die das Kind zum Lächeln und Lachen, zum Lallen und letztlich zum Sprechen bringen. Lachen als Ausdruck kindlichen Humors ist jedoch in die vielfältigen Auseinandersetzungen und Theorien über Humor über lange Zeit nicht mit eingeflossen.
2.1. Von Aristoteles über Freud...
Bereits Aristoteles und Cicero, Jean Paul, Hegel und viele andere Philosophen haben über das Phänomen des Komischen reflektiert (Geier 2006.) – allerdings erwähnten sie Kinder entweder gar nicht oder sprachen ihnen jeglichen Humor ab. Auch als im 18. Jahrhundert das Kind zum Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtungen kam, wurde weiterhin eher über Kinder gelacht und ihr Lach-Verhalten als Ausdruck von Naivität abgetan. Erst Freud hat einen ersten Versuch unternommen, das komische Verhalten von Kindern zumindest in eine innerpersonale Entwicklung des Menschen einzubetten. So nimmt er zwar das Lachen von Kindern wahr, spricht ihnen aber jegliches Verständnis für Komik ab. Vorläufer des erwachsenen Verständnisses von Humor (bei Freud Witz) seien aber kindliches Spielen und Scherzen. Jugendliche in der Pubertät würden, da sie nicht mehr unbedarft spielen und scherzen dürften, durch verbale Verfeinerungen aus purem Unsinn Sinn stiften (und dadurch weiterhin Lust am Unsinn behalten), während Erwachsene ihren scherzenden Aussagen obszöne oder aggressive Tendenzen beimischten. Das Lachen darüber sei Ausdruck einer nun erwachsenen „Spiellust“. Auch Freuds Schülerin Martha Wolfenstein überträgt in der ersten Monographie zum kindlichen Humor (Wolfenstein 1954) Phänomene des erwachsenen Humors auf Kinder und spricht ihm dadurch eine ganz eigene kindgemäße Funktion ab. (Helmers 1971, S. 17)
2.2 ...bis Helmers
Humor ist in allen Kulturen zu beobachten und hat dort eine jeweils unterschiedliche Funktion. Er ist an die psychische Entwicklung des Individuums geknüpft und gesellschaftlich determiniert. Es handelt sich also um die jeweils altersgemäße Auseinandersetzung des Individuums mit seiner gesellschaftlichen Umgebung. Erst als Humor und sein Ausdrucksmittel, das Lachen, als soziales Phänomen erkannt und beschrieben wurden, rückten kindliche Verhaltensweisen in den Blickpunkt. Nach Helmers lassen sich Phänomene des Komischen „dort besonders günstig (...) finden, wo die Auswirkungen des Humors in der Sprache analysiert wird, wo mithin Sprachkomik untersucht wird. Da Sprache durch den Menschen die gesellschaftliche Wirklichkeit widerspiegelt, muß sich eine spezifische Verhaltensweise dieser Widerspiegelungstätigkeit, wie sie der Humor darstellt, in der Sprache auffinden lassen.“ (Helmers 1971, S. 18)
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