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Scholary Paper (Seminar), 2006, 31 Pages
Author: Sara Stöcklin
Subject: Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
Details
Institution/College: University of Basel (Theologische Fakultät)
Tags: Geschichte, Strategie, Jesuitenmission, China, Ende, Mitte, Jahrhundert, Christentumsgeschichte, Asien
Year: 2006
Pages: 31
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-55674-3
ISBN (Book): 978-3-638-79301-8
File size: 193 KB
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Abstract
Das Christentum in China blickt auf eine lange Geschichte zurück, in der sich Blüte- und Verfolgungszeiten stetig abwechselten. Verschiedene Herrscherdynastien förderten, unterdrückten oder ignorierten die im 7. Jahrhundert durch Nestorianer oder im 13. Jahrhundert durch Franziskaner und Dominikaner entstandenen christlichen Minderheiten. Nach einer längeren Pause der Missionstätigkeit fanden die Jesuiten 1583 Eingang in China und versuchten, insbesondere die Oberschicht der Bevölkerung durch weitgehende kulturelle Anpassung für das Christentum zu gewinnen. Dieses Vorgehen, Akkommodation genannt, führte nicht zum gewünschten Erfolg, sondern endete in Misstrauen und Verfolgung gegenüber den Missionaren und ihrer Botschaft. In der vorliegenden Arbeit wird die Geschichte und Strategie der beginnenden Jesuitenmission in China untersucht. Es wird dabei der Zeitraum von 1583 bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts berücksichtigt und ein besonderes Augenmerk auf Matteo Ricci gerichtet, den Pionier und Protagonisten der Akkommodation. Ebenfalls viel Raum einnehmen soll die Perspektive chinesischer Sympathisanten und Gegner des Christentums. Nach einem historischen Abriss, der auch die Entwicklung der Akkommodationsstrategie enthält, wird auf den Misserfolg des Projekts eingegangen, bevor einige exemplarische Missverständnisse zwischen Jesuiten und Chinesen erläutert werden. Abschliessend soll versucht werden, aus den Ergebnissen der Untersuchung einige Schlüsse für die Missionswissenschaft und die noch immer aktuelle Frage der kulturellen Anpassung zu ziehen.
Excerpt (computer-generated)
Geschichte und Strategie der Jesuitenmission in China Ende
sechzehntes bis Mitte siebzehntes Jahrhundert
von: Sara Stöcklin
Sommersemester 2006, Semester: 8
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Quellen 2
3. Historischer Abriss 3
3.1. Idee der Akkommodation 3
3.2. Ankunft in China und Beginn der Mission 4
3.3. Die „drei Lehren“: Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus 5
3.4. Entwicklung der Strategie 7
3.4.1. Evangelisation von „oben nach unten“ 7
3.4.2. Aneignung einer neuen Rolle 8
3.4.3. Umdeutung der konfuzianischen Klassiker 10
3.4.4. Verheimlichung von Dogmen und Absichten 11
3.5. Positive Aufnahme 12
3.8. Vertrauensverlust 14
3.9. Verfolgung 17
4. Gründe für das Scheitern 19
5. Exemplarische Missverständnisse 21
5.1. Gottesbegriff 21
5.2. Jenseitsmotiv 23
5.3. Synkretismus 24
6. Akkommodation als missionswissenschaftliches Problem 26
7. Schluss 28
Bibliographie 29
1. Einleitung
Das Christentum in China blickt auf eine lange Geschichte zurück, in der sich Blüte- und Verfolgungszeiten stetig abwechselten. Verschiedene Herrscherdynastien förderten, unterdrückten oder ignorierten die im 7. Jahrhundert durch Nestorianer oder im 13. Jahrhundert durch Franziskaner und Dominikaner entstandenen christlichen Minderheiten. Nach einer längeren Pause der Missionstätigkeit fanden die Jesuiten 1583 Eingang in China und versuchten, insbesondere die Oberschicht der Bevölkerung durch weitgehende kulturelle Anpassung für das Christentum zu gewinnen. Dieses Vorgehen, Akkommodation genannt, führte nicht zum gewünschten Erfolg, sondern endete in Misstrauen und Verfolgung gegenüber den Missionaren und ihrer Botschaft. In der folgenden Arbeit werde ich die Geschichte und Strategie der beginnenden Jesuitenmission in China untersuchen. Ich werde dabei den Zeitraum von 1583 bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts abdecken und ein besonderes Augenmerk auf Matteo Ricci richten, den Pionier und Protagonisten der Akkommodation. Ebenfalls viel Raum einnehmen soll die Perspektive chinesischer Sympathisanten und Gegner des Christentums. Nach einem historischen Abriss, der auch die Entwicklung der Akkommodationsstrategie enthält, werde ich auf den Misserfolg des Projekts eingehen und einige exemplarische Missverständnisse zwischen Jesuiten und Chinesen erläutern. Abschliessend werde ich versuchen, aus den Ergebnissen der Untersuchung einige Schlüsse für die Missionswissenschaft und die noch immer aktuelle Frage der kulturellen Anpassung zu ziehen. Die Phase der Jesuitenmission von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, die den Ritenstreit und die Verschärfung des europäischen Ethnozentrismus enthält, böte Material für eine weitere Arbeit. Im Rahmen dieser Erörterung werde ich aus Platzgründen darauf verzichten, dieses mit einzubeziehen.
2. Quellen
Als Hauptquelle der folgenden Arbeit dient Jacques Gernets Werk „Christus kam bis nach China – Eine erste Begegnung und ihr Scheitern“. Der Sinologe Gernet verwertet darin nicht nur jesuitische, sondern auch eine Fülle an chinesischen Primärquellen und verleiht so seinen Untersuchungen eine breite Perspektive und hohe Glaubwürdigkeit. Im Folgenden möchte ich kurz erläutern, welcher Art die besagten Quellen sind und wie die chinesische Perspektive eruiert werden konnte. Die Angehörigen des Jesuitenordens bestachen seit dessen Gründung durch eine hohe und breit angelegte Bildung. Angesichts dieser Tatsache und entsprechend der missionarischen Strategie, wie sie in 3.4. erläutert wird, verwundert es nicht, dass uns zahlreiche Werke, Denkschriften und Abhandlungen der Missionare in europäischen Sprachen, aber auch in Chinesisch erhalten sind. Die Missionare hatten sich einerseits vor der fremden Kultur zu erklären, andererseits vor der eigenen Mutterkirche und deren kritischen Stimmen zu rechtfertigen. Unter den chinesischen Schriften finden sich apologetische, theologische, ethische und wissenschaftliche Werke sowie an Konvertiten gerichtete Katechismen und Predigten, die uns implizit über die Schwierigkeiten Auskunft geben, mit welchen die Mission zu kämpfen hatte. Berühmtheit erlangte Matteo Riccis apologetisches Hauptwerk „Wahre Bedeutung (der Lehre) des Herrn des Himmels“ (Tianzhu shiyi). Es ist geradezu exemplarisch für die Akkommodationsstrategie, da Ricci darin mit grosser Zurückhaltung nur Glaubenssätze erläutert, die „mit natürlichen Vernunftsschlüssen bewiesen werden“ 1 können, und elementare Dogmen des christlichen Glaubens zurückhält. Neben den für chinesische Leser bestimmten Schriften sind zahlreiche Briefwechsel der Missionare untereinander und mit Europa erhalten sowie interne Berichte, Untersuchungen und Beschlüsse, wie sie beispielsweise an Konferenzen gefasst und formuliert wurden.
Zweifellos haben die Missionare China im Lichte der Erziehung und des Weltbildes beurteilt, von dem sie im nachreformatorischen Europa geprägt worden waren. Um akkurat zu erfassen, welche Wirkung die Akkommodationsstrategie hatte, ist es daher unerlässlich, chinesische Quellen hinzuzuziehen. Viele davon, insbesondere wenn es sich nur um Randnotizen in allgemeinen Werken handelte, sind erst im 20. Jahrhundert entdeckt worden. Zur Verfügung stehen uns Vorworte von Sympathisanten und Konvertiten zu den Schriften der Missionare, Abschnitte in diversen gesammelten Aufzeichnungen, bibliographische Anmerkungen, Briefwechsel, Schriften und Abhandlungen einerseits von Konvertiten und Sympathisanten, andererseits von Gegnern des Christentums. Die reichhaltigste erhaltene Sammlung von Schriften gegen das Christentum ist das „Poxie ji“ oder „Aufzeichnungen zur Zerstörung der Irrlehren“. Es enthält in 8 Bänden Werke, die zu verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Autoren verfasst worden sind. Die berühmteste Schrift heisst „Nun ist es genug“ (Budeyi) und stammt von Yang Guangxian (1597-1669), dem zu seiner Zeit einflussreichsten Feind der Missionare2.
3. Historischer Abriss
3.1. Idee der Akkommodation
Wie entstand die Idee, durch kulturelle Anpassung eine schwer zugängliche Bevölkerungsgruppe missionarisch zu erreichen? Das Motto „Den Griechen ein Grieche“ predigte schon Paulus den frühen Christen3. Doch mit der Wandlung des Christentums von einer Minderheits- zur Staatsreligion waren Einfühlungsvermögen und kultureller Respekt nicht mehr zwingend nötig. Die Tradition, Konversionen mit dem Druckmittel militärischer Oberherrschaft herbeizuführen, erreichte nach der Entdeckung der „neuen Welt“ einen ihrer letzten Höhepunkte. Durch die „Alexandrinische Schenkung“, bei der Papst Alexander VI 1493 die Katholisierung der neu entdeckten Gebiete an die Kolonialmächte Portugal und Spanien delegierte, mutierte die Mission zu einem politischen Unternehmen, das als Legitimation für die Ausbeutung ganzer Völker diente. Goa, welches als Zentrum diente, von dem aus Asien missioniert wurde, war von einem verweltlichten, in politische und wirtschaftliche Angelegenheiten verstrickten Klerus geprägt. Es gab keinerlei Angleichung an Kunst, Kultur und Brauchtum der einheimischen Bevölkerung. Weder mussten Missionare die fremden Sprachen lernen, noch ihren äusseren Lebensstil in irgendeiner Form anpassen.
In dieser unannehmbaren Situation nahmen die Jesuiten eine Vorreiterrolle im strategischen Richtungswechsel ein. Insbesondere der „Apostel des Orients“ Franz Xaver (1506-1552) galt als Pionier kultureller Anpassung in Indien und Japan4. Geleitet vom Pauluswort „Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten“5, stand für ihn das Kennen lernen und Verstehen eines Volkes, seiner Sprache, Religion und Riten am Beginn jeder Missionstätigkeit. Seine Erfahrungen waren grundlegend für die jesuitische Chinamission, die er selbst anstrebte, jedoch seinen Nachfolgern überlassen musste. In Rom, wo man sich bewusst wurde, dass die Kolonialmission mit nicht-religiösen Motiven durchmischt war, fand die neue Strategie der Jesuiten lange Zeit Unterstützung 6 . Mit der Gründung der „Propaganda Fide“7 durch Papst Gregor XV wurde die kulturelle Anpassung und die Trennung von Mission und Kolonialpolitik 1622 sogar offizielle Doktrin. Die Missionare sollten nicht Frankreich oder Italien nach Asien bringen, sondern Christus.
3.2. Ankunft in China und Beginn der Mission
[...]
1 Zitiert nach Gernet 1984, S. 13
2 Vgl. Gernet 1984, S. 18
3 Vgl. 1 Kor 9,20-21
4 Vgl. Reinhard 1976, S. 542
5 1 Kor 9,22
6 Vgl. Reinhard 1976, S. 534
7 Seit dem 2. vatikanischen Konzil 1962-65 „Kongregation für die Evangelisierung der Völker“
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