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Adoption in der DDR

Title: Adoption in der DDR

Thesis (M.A.) , 2006 , 87 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Nicole Burghardt (Author)

Pedagogy - Miscellaneous Topics
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Summary Excerpt Details

Im Dezember 1975 setzte ein Artikel im SPIEGEL das geteilte Deutschland in hellen Aufruhr. Es wurde über geheime Praktiken der DDR-Behörden berichtet, welche in einzelnen Fällen die versuchte Republikflucht mit einer Art Familienstrafe ahndeten. Kinder, deren Eltern bei der Flucht ertappt wurden, wurden an linientreue DDR- Bürger zur Adoption freigegeben. Es war eine der gröbsten Menschenrechtsverletzungen, die das SED-Regime je begangen hatte. Der SPIEGEL nannte diese Methode „Zwangsadoption“, was von da als Synonym dieser Praktik stand.
Heftige Diskussionen, Widerrufe aber auch Zugeständnisse seitens der DDR-Regierung kamen nach dieser SPIEGEL- Veröffentlichung zustande. Wirkliche Beweise hatte man zu dem Zeitpunkt jedoch nicht und das Thema Zwangsadoptionen ruhte bis in den Mai 1991.
In der vorliegenden Arbeit werde ich das Thema Zwangsadoption als einen politisch motivierten Entzug durch den Staat darstellen. Zudem werde ich belegen, dass solche Praktiken in der damaligen DDR wirklich existierten und vor allem: dass es ein ganzes System gab, welches dahinter stand.
Hierbei werde ich kurz auf die Adoption i Allgemeinen eingehen sowie auf die Jugendhilfe, welche in der DDR in Sachen Adoption und Zwangsadoption eine entscheidende Position einnahm.Weiterhin spielte das Erziehungsziel des Staates eine bedeutende Rolle, da dieser genau vorgab, wie Eltern ihre Kinder zu erziehen hatten. Hierfür werde ich einige Paragraphen der DDR-Verfassung, der Jugendhilfeverordnung (JHVO) sowie des Familiengesetzbuches der DDR (FGB) erläutern, welche man zur Legitimation von Zwangsadoptionen missbrauchte. Auch nutzte die Jugendhilfe u. a. diese Rechtsgrundlagen, um sich hinsichtlich Zwangsadoptionen zu rechtfertigen.
Der Fall der Familie Grübel brachte Mitte der 70er Jahre d Diskussion um Zwangsadoptionen ins Rollen. Er gilt als klassisches und zugleich extremes Beispiel einer politisch motivierten Zwangsadoption. Ihn sowie einige andere Fälle werde i zur Veranschaulichung erläutern. Der SPIEGEL nimmt hierbei eine entscheidende Stellung ein, da dieser in vielen Fällen von politisch motivierten Zwangsadoptionen recherchierte und einige unglaubliche Tatsachen aufdeckte.Weiterhin werde i auf d Gründe u Ursachen für Zwangsadoptionen eingehen, auf die wichtigsten Beweise in diesem Fall sowie auf die Hauptverantwortliche Margot Honecker.Zum Schluss werde ich zwei Urteilsbegründungen angeben, welche meines Erachtens sehr gut d perfide Ideologie des Staates veranschaulichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Adoptionen in der DDR

2.1. Die Jugendhilfe in der DDR

2.1.1. Die Organisation auf lokaler Ebene

2.1.2. Die Organisation auf Bezirksebene

2.1.3. Aufgaben und Arbeitsweise der Jugendhilfe

2.1.4. Die Jugendhelfer

2.1.5. Kindesaussetzung mit Unterstützung des Staates

2.2. Kurze Geschichte des Adoptionswesens

2.3. Die Rechtsnatur der Adoption

2.4. Die annehmenden Eltern

2.5. Ablauf

2.6. Aufhebung der Adoption

3. Zwangsadoption in der DDR

3.1. Zum Begriff „Zwangsadoption“

3.2. Das Erziehungsziel des Staates

3.3. Der Fall Grübel

3.3.1. Misslungener Fluchtversuch

3.3.2. Im Gefängnis

3.3.3. Auf der Suche nach den Kindern (1)

3.3.4. Spiegel-Bericht 51/1975

3.3.4.1. Adoption durch linientreue DDR-Bürger

3.3.4.2. Die Folgen des Berichts

3.3.5. Auf der Suche nach den Kindern (2)

3.3.6. SPIEGEL- Bericht 49/1976

3.3.7. Das Wiedersehen

3.3.8. Schreibtischtäter

3.4. Der Fall Köhler

3.5. Der Fall Kupka

3.6. Der Fall Bachmann

3.7. Familienzusammenführung

3.8. Rechtfertigungen seitens des Referats Jugendhilfe

3.9. Gründe und Ursachen für Zwangsadoptionen

3.10. Beweise für Zwangsadoptionen

3.11. Hunderte von Zwangsadoptionen?

3.12. Margot Honecker als Verantwortliche?

3.13. „Rechtliche Grundlagen“ für Zwangsadoptionen

3.13.1. Ersetzung der Einwilligung zur Adoption

3.13.2. Entzug des Erziehungsrechts

3.13.3. Der Schutz der Familie durch den Staat

3.14. Urteilsbegründungen nach Republikflucht

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Magister-Arbeit untersucht das Phänomen der „Zwangsadoption“ in der DDR als politisch motiviertes Instrument des staatlichen Entzugs des Erziehungsrechts. Ziel ist es, nachzuweisen, dass es sich dabei um ein systematisches Vorgehen gegen politisch missliebige Eltern handelte, welches unter dem Deckmantel vermeintlich wohlfahrtsstaatlicher Fürsorge vollzogen wurde.

  • Strukturelle Rolle der Jugendhilfe bei politisch motivierten Adoptionen.
  • Analyse der Rechtsgrundlagen und deren Missbrauch durch das SED-Regime.
  • Detaillierte Untersuchung prominenter Einzelfälle (z.B. Familie Grübel).
  • Rolle von Entscheidungsträgern wie Margot Honecker im DDR-Staatssystem.
  • Zusammenhang zwischen Fluchtversuchen und dem Entzug elterlicher Rechte.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Im Dezember 1975 setzte ein Artikel im SPIEGEL das geteilte Deutschland in hellen Aufruhr. Es wurde über geheime Praktiken der DDR-Behörden berichtet, welche in einzelnen Fällen die versuchte Republikflucht mit einer Art Familienstrafe ahndeten. Kinder, deren Eltern bei der Flucht ertappt wurden, wurden an linientreue DDR- Bürger zur Adoption freigegeben. Es war eine der gröbsten Menschenrechtsverletzungen, die das SED-Regime je begangen hatte. Der SPIEGEL nannte diese Methode „Zwangsadoption“, was von da als Synonym dieser Praktik stand.

Zwangsadoptionen kannte man bis dato nur aus der Sowjetunion in den 30er Jahren zu Zeiten Stalins. Kinder wurden von ihren Eltern getrennt und diese wurden, ohne Anhörung oder Gerichtsurteil, für Jahrzehnte in Straflager gesperrt. Unterdessen wurden die Kinder, ohne Wissen der Eltern, zur Adoption vermittelt. Die annehmenden Eltern waren der Meinung, es handele sich um ein Waisenkind.

Heftige Diskussionen, Widerrufe aber auch Zugeständnisse seitens der DDR-Regierung kamen nach dieser SPIEGEL- Veröffentlichung zustande. Wirkliche Beweise hatte man zu dem Zeitpunkt jedoch nicht und das Thema Zwangsadoptionen ruhte bis in den Mai 1991.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der historischen Relevanz des Themas „Zwangsadoption“ und der persönlichen Motivation der Autorin während ihres Praktikums im Jugendamt Erfurt.

2. Adoptionen in der DDR: Erläuterung der allgemeinen Strukturen und Rechtsgrundlagen des Adoptionswesens sowie der Rolle der Jugendhilfe in der DDR.

3. Zwangsadoption in der DDR: Umfassende Analyse des Begriffs, der ideologischen Staatsziele und der exemplarische Nachweis anhand verschiedener Fallbeispiele wie der Familie Grübel.

4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, welche die ideologische Instrumentalisierung des Familienrechts zur Unterdrückung politischer Opposition belegen.

Schlüsselwörter

Zwangsadoption, DDR, Jugendhilfe, Republikflucht, Margot Honecker, Familiengesetzbuch, SED-Regime, Erziehungsrecht, Adoptionsvermittlung, Familienzusammenführung, Stasi, Kindesentziehung, Sozialistische Erziehung, Politische Repression.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Vorgehen des DDR-Staates, Kindern von Eltern, die politisch unerwünschtes Verhalten (wie Fluchtversuche) zeigten, das Erziehungsrecht zu entziehen und sie zwangsweise zur Adoption freizugeben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themenfelder umfassen den Aufbau und die Arbeitsweise der DDR-Jugendhilfe, den rechtlichen Rahmen des Familiengesetzbuches sowie die politische Instrumentalisierung von Adoptionen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist der Beleg, dass Zwangsadoptionen kein Einzelfall, sondern Teil eines systematischen, politisch motivierten Entzugs elterlicher Rechte unter dem SED-Regime waren.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung historischer Presseberichte (insbesondere SPIEGEL-Archiv) sowie der Einbeziehung eines Zeitzeugeninterviews.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil dokumentiert detailliert den „Fall Grübel“ sowie weitere Fälle wie „Köhler“, „Kupka“ und „Bachmann“, um die Praxis der staatlichen Kindesentziehung zu illustrieren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Zwangsadoption, DDR-Jugendhilfe, systematischer Entzug des Erziehungsrechts, politische Repression und Familienzusammenführung.

Warum spielte der „Fall Grübel“ eine so zentrale Rolle in der Arbeit?

Der Fall Grübel gilt als das klassische und extremste Beispiel einer politisch motivierten Zwangsadoption, dessen Aufdeckung im SPIEGEL das Thema 1975 erst in die breite Öffentlichkeit rückte.

Welche Rolle maß die DDR-Führung Margot Honecker in diesem Kontext bei?

Margot Honecker wird als Hauptverantwortliche für die rigorose Linie des Bildungsministeriums im Bereich der Zuweisung von Flüchtlingskindern an linientreue Familien betrachtet.

Wie versuchte die DDR-Führung die „Zwangsadoptionen“ rechtlich zu legitimieren?

Dies geschah durch den Missbrauch des Familiengesetzbuches (FGB) und der DDR-Verfassung, indem unliebsame politische Handlungen (z.B. Republikflucht) zur schweren „Pflichtverletzung“ der Erziehung umgedeutet wurden.

Excerpt out of 87 pages  - scroll top

Details

Title
Adoption in der DDR
College
University of Erfurt
Grade
1,7
Author
Nicole Burghardt (Author)
Publication Year
2006
Pages
87
Catalog Number
V62457
ISBN (eBook)
9783638556958
ISBN (Book)
9783638715058
Language
German
Tags
Adoption
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Burghardt (Author), 2006, Adoption in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62457
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