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Die Liebe zwischen Sali und Vrenchen in Gottfried Kellers 'Romeo und Julia auf dem Dorfe'

Termpaper, 2004, 15 Pages
Author: Judith Blum
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Gottfried Keller
Institution/College: University of Freiburg
Tags: Liebe, Sali, Vrenchen, Gottfried, Kellers, Romeo, Julia, Dorfe, Gottfried, Keller
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V62500
ISBN (E-book): 978-3-638-55730-6
ISBN (Book): 978-3-638-92089-6
File size: 203 KB

Abstract

Schon der Titel von KELLERS Erzählung Romeo und Julia auf dem Dorfe weckt mit seiner Anspielung auf SHAKESPEARES Drama beim Leser die Erwartung, mit der tragischen Geschichte einer großen Liebe konfrontiert zu werden. Diese Erwartungshaltung wird zumindest an der Oberfläche auch erfüllt: Sali und Vrenchen verlieben sich ineinander und sind eher bereit, gemeinsam zu sterben, als auf die Erfüllung ihrer Liebe in der Welt zu verzichten. Allerdings stößt der Leser immer wieder auf Textstellen, die es fraglich erscheinen lassen, ob die Gefühle zwischen den beiden wirklich so groß und unbedingt sind, wie man zunächst vermuten könnte. So ist zum Beispiel Salis „Jugend und unerfahrene Leidenschaft nicht beschaffen, sich eine lange Zeit der Prüfung und Entsagung vorzunehmen und zu überstehen“ , und Vrenchen äußert indirekt Bedenken, Sali in der Gemeinschaft des schwarzen Geigers untreu werden zu können (vgl. RuJ, 134). Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Liebe von Sali und Vrenchen. Es wird hinterfragt, ob diese wirklich „notwendig, echt und beispielhaft“ ist, ob der Tod des Paares als ein „Maß für die Stärke und Größe der Liebe“ angesehen werden kann und ob er sich „aus einer wahrhaften Notwendigkeit ergibt“. Das erste Kapitel thematisiert die erwachende Liebe von Sali und Vrenchen. Erörtert wird hier vor allem, ob sich die beiden Jugendlichen wirklich nur vorbedingungslos in das „Selbst“ ihres Gegenübers verlieben oder inwieweit das gemeinsam erlittene Schicksal der Verarmung ihrer Familien ihre Liebe bedingt. Im zweiten Teil wird gezeigt, was Sali und Vrenchen unter Glück verstehen und inwieweit sie in ihrem Denken von den Wertvorstellungen der Gesellschaft geprägt sind. Das dritte Kapitel widmet sich der Bedeutung von Leidenschaft und Sexualität in der Beziehung der beiden Jugendlichen. Abschließend wird diskutiert, ob der Selbstmord wirklich den einzigen Ausweg darstellt oder ob nicht vielmehr mögliche Alternativen einfach nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden.


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. Deutsches Seminar II
Seminar: Gottfried Keller, Sommersemester 2003

Die Liebe zwischen Sali und Vrenchen in Gottfried Kellers
′Romeo und Julia auf dem Dorfe′

von: Judith Blum

 


Inhalt

Einleitung 1

Hauptteil 2

1. Die erwachende Liebe 2
2. Die Internalisierung der gesellschaftlichen Normen 4
3. Leidenschaft und Sexualität 6
4. Selbstmord als einziger Ausweg? 8

Schluss 12

Literatur 13

 


 

Einleitung

Schon der Titel von KELLERS Erzählung Romeo und Julia auf dem Dorfe weckt mit seiner Anspielung auf SHAKESPEARES Drama beim Leser die Erwartung, mit der tragischen Geschichte einer großen Liebe konfrontiert zu werden. Diese Erwartungshaltung wird zumindest an der Oberfläche auch erfüllt: Sali und Vrenchen verlieben sich ineinander und sind eher bereit, gemeinsam zu sterben, als auf die Erfüllung ihrer Liebe in der Welt zu verzichten. Allerdings stößt der Leser immer wieder auf Textstellen, die es fraglich erscheinen lassen, ob die Gefühle zwischen den beiden wirklich so groß und unbedingt sind, wie man zunächst vermuten könnte. So ist zum Beispiel Salis „Jugend und unerfahrene Leidenschaft nicht beschaffen, sich eine lange Zeit der Prüfung und Entsagung vorzunehmen und zu überstehen“1, und Vrenchen äußert indirekt Bedenken, Sali in der Gemeinschaft des schwarzen Geigers untreu werden zu können (vgl. RuJ, 134).

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Liebe von Sali und Vrenchen. Es wird hinterfragt, ob diese wirklich „notwendig, echt und beispielhaft“2 ist, ob der Tod des Paares als ein „Maß für die Stärke und Größe der Liebe“3 angesehen werden kann und ob er sich „aus einer wahrhaften Notwendigkeit ergibt“.4

Das erste Kapitel thematisiert die erwachende Liebe von Sali und Vrenchen. Erörtert wird hier vor allem, ob sich die beiden Jugendlichen wirklich nur vorbedingungslos in das „Selbst“ ihres Gegenübers verlieben oder inwieweit das gemeinsam erlittene Schicksal der Verarmung ihrer Familien ihre Liebe bedingt. Im zweiten Teil wird gezeigt, was Sali und Vrenchen unter Glück verstehen und inwieweit sie in ihrem Denken von den Wertvorstellungen der Gesellschaft geprägt sind. Das dritte Kapitel widmet sich der Bedeutung von Leidenschaft und Sexualität in der Beziehung der beiden Jugendlichen. Abschließend wird diskutiert, ob der Selbstmord wirklich den einzigen Ausweg darstellt oder ob nicht vielmehr mögliche Alternativen einfach nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden.

1. Die erwachende Liebe

Sali und Vrenchen erkennen ihre Liebe zueinander, als der Konflikt zwischen ihren Vätern seinen Höhepunkt erreicht. In dem Bemühen, die kämpfenden Männer voneinander zu trennen, kommen sich die beiden Jugendlichen näher, und Sali sieht das „ihm so wohlbekannte und doch so viel anders und schöner gewordene Gesicht“ (RuJ, 91) Vrenchens. Die beiden sind tief bewegt, sie „atmeten kaum und waren still wie der Tod“ (RuJ, 91). Zum Abschied reichen sie sich die vom Wasser und von den Fischen feuchten und kalten Hände. Im Anschluss an dieses Erlebnis werden die Empfindungen Salis geschildert, der nach der Begegnung mit Vrenchen „weder Regen noch Sturm, weder Dunkelheit noch Elend“ (RuJ, 91f.) bemerkt und sich „so reich und wohlgeborgen wie ein Königssohn“ (RuJ, 92) fühlt. Am darauf folgenden Tag denkt er ständig an das Mädchen und hat das Gefühl, „nicht nur als ob er unsäglich reich wäre, sondern auch was Rechts gelernt hätte und unendlich viel Schönes und Gutes wüßte“ (RuJ, 92).

Diese plötzlich erwachte Liebe erscheint nicht völlig unmotiviert: Schon die Spiele der Kinder enthielten eine erotische Komponente.5 Der heranwachsende Sali erinnert sich, wenn die Familie Marti erwähnt wird, „unwillkürlich nur an die Tochter, [...] deren Andenken ihm gar nicht verhaßt war“ (RuJ, 82). Nach ihrem Wiedersehen gesteht er Vrenchen, dass sie ihm, bewusst oder unbewusst, immer im Sinn gelegen habe und dass es ihm immer war, als würde er sie einst lieb haben müssen (vgl. RuJ, 100). Vrenchen bestätigt dieses Gefühl für die eigene Person, aber während Sali sie nie angesehen habe, hätte sie ihn „zuzeiten aus der Ferne und sogar heimlich aus der Nähe recht gut betrachtet“ und so immer gewusst, wie er aussieht (RuJ, 100).

Am Nachmittag des dem Wiedersehen folgenden Tages begibt Sali sich zu seinem Heimatdorf, das ihm jetzt wie „ein himmlisches Jerusalem [...] mit zwölf glänzenden Pforten“ (RuJ, 93) erscheint. Er begegnet Vreni an ihrem völlig heruntergekommenen Elternhaus. In ihrem kurzen Gespräch äußert das Mädchen, dass ihrer Meinung nach der Streit der Eltern zwischen Sali und ihr stehe und es zwischen ihnen nicht gut ausgehen werde.

[...]


1 KELLER, Gottfried, Romeo und Julia auf dem Dorfe. In: ders., Die Leute von Seldwyla. Erzählungen. Hg. von Bernd Neumann. Stuttgart 1993, 65-140, hier 132. Im Folgenden wird die Erzählung abgekürzt mit der Sigle RuJ.

2 RICHTER, Hans, Gottfried Kellers frühe Novellen. Berlin 1966, 126f.

3 ebd.

4 RICHTER (Anm. 2), 138.

5 Sali untersucht, angezogen von den „blendendweiße[n] Zähnchen“ und den „runden Purpurlippen“ (RuJ, 71) Vrenchens, die Zähne des Mädchens, danach beschäftigt sich Vrenchen mit Salis Zähnen. Laut SAUTERMEISTER ist es angesichts der erotischen Symbolik, die den menschlichen Zähnen zukommt, nur folgerichtig, wenn den beiden Kindern „das Spiel [...] am besten [...] von allem [zu gefallen schien]“ (RuJ, 72). Am Ende sinkt Vrenchen „ganz auf den kleinen Rechenmeister nieder“ (RuJ, 72). Vgl. SAUTERMEISTER, Gert, Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe. Erläuterungen und Dokumente. Stuttgart 2003, 13.


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