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Termpaper, 2002, 15 Pages
Author: Matthias Brabetz
Subject: Sociology - Children and Youth
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Soziologie)
Tags: Postadoleszenz, Jugendlichkeit, Statusdimension, Jugend, Jugendalter
Year: 2002
Pages: 15
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-13867-3
File size: 165 KB
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Excerpt (computer-generated)
Postadoleszenz und Jugendlichkeit - Versuch der Definition einer neuen Statusdimension
von Matthias Brabetz
Gliederung
1. Einführende Gedanken zur Rezeption der "Jugend" S. 3
2. Grundbegriffe zum Verständnis der Postadoleszenzdiskussion S. 4
2.1. "Adoleszenz", "Pubertät" und "Jugendlichkeit" S. 5
2.2. Der Mythos von einer Lebensphase "Postadoleszenz" S. 7
2.3. Die "Postadoleszenz" als gleichwertiger Erwachsenenstatus S. 9
3. Versuch einer Vereinbarung widersprüchlicher Sachverhalte
zum Jugendende mittels der Statusdimension "Jugendlichkeit" S.10
3.1. Die Verlängerung der Jugend S.10
3.2. Das frühzeitige Ende der Jugend S.11
4. Abschließende Betrachtung der "Jugendlichkeit"
als eigenständige Statusdimension S.13
5. Literaturverzeichnis S.14
1. Einführende Gedanken zur Rezeption der "Jugend"
Die "Jugend" als Begriff ist für sich ein soziologisch interessantes Phänomen. Denn jeder einzelne "Erwachsene", der unter europäisch-amerikanischen Verhältnissen sozialisiert wurde, meint, sie als Lebensphase durchlebt zu haben, und zu wissen, was "Jugend" für sich und Andere bedeutet, wer gerade "jugendlich" ist, oder zumindest "junggeblieben". Trotzdem existiert keine trennscharfe und adäquate Definition für den in "Adoleszenz" und "Postadoleszenz" differenzierten Lebensabschnitt, der dem Erwachsensein vorausgeht. Zu sagen, "jemand sei junggeblieben" ist ein allgemein geläufiges ( normalerweise positiv-gemeintes ) Prädikat. Doch ebenso das abschätzige Urteil, jemand "wolle nicht erwachsen werden" oder sei "Berufsjugendlicher" ( Janke 1995: S. 12. ), sind gebräuchliche ( normalerweise negativ-gemeinte ) Klischees. Aber was ist mit solcherlei Aussagen tatsächlich gemeint? Und auf was nimmt die bipolare Wertung der Urteile dieser Art eigentlich bezug? Doch auf die "Jugendlichkeit" einer Person, mit der sowohl positive als auch negative Aspekte assoziiert werden. Solcherlei Phrasen können bereits als Hinweis dafür gelten, daß "jugendlich sein" mit dem sozialen Status einer Person auch über das eigentliche Jugendalter hinaus in irgendeiner Form korreliert, da sie auf die soziale Position in der Gesellschaft anspielen. Über folgende Entwicklung des sozialen Wandels sind sich Soziologen weiterhin relativ einig : "Die Kindheit endet früher, die Jugend beginnt eher - und dauert immer länger. ( . . . ) Der Schritt von der Jugend ins Erwachsenenalter vollzieht sich aber nicht nur später, sondern er ist auch nicht mehr so klar auszumachen: Die Grenzen verwischen sich." ( Janke 1995: S. 11. ) Die "Jugend" als "Statuspassage" ( vgl. Neidhardt: 1970; Hurrelmann / Rosewitz / Wolf: 1985 ) zu betrachten zielt also an der Realität vorbei, da ihre Grenzen zu diffus wären, um überhaupt noch zu greifen, obwohl die "Jugendlichkeit" einer Person aber mit deren Status in unmittelbarer Beziehung steht. Auch die Ausdifferenzierung der Lebensphase Jugend in zwei "Teilstatuspassagen" ist nur ein Rettungsversuch einer Theorie, die schon lange nicht mehr haltbar ist, wie ich noch zeigen werde. Ähnlich verhält es sich mit der Erfindung der "Postadoleszenz" ( erstmals bei Keniston 1968 ), die in der deutschen Rezeption an die Lebensphase "Adoleszenz" kurzerhand angehängt wurde, um den durch die damals noch "Postmoderne" genannte Epoche verursachten Umwälzungen zu begegnen. Matthias Junge reagiert auf dieses Definitions-Dilemma, indem er durch seine These der "Pluralisierung des Erwachsenenstatus" der Gruppe der als "postadoleszent" bezeichneten einen gleichwertigen Erwachsenenstatus einräumt. So definiert ist das Konstrukt "Postadoleszenz" als Lebensphase gestorben, und in eine Bezeichnung für einen unbestimmten, aber eben gleichwertigen Erwachsenenstatus transformiert worden. Ausgehend von der Erläuterung der nötigen Grundbegriffe und wiedersprüchlicher Thesen, die das definitionsabhängige früher, später oder eben nie eintretende Ende der Jugend tangieren, versuche ich Matthias Junges Konzeption durch Ausdifferenzieren des Erwachsenenstatus in Status-Teildimensionen zu konkretisieren und so eine allgemein gültige Definition für die "Jugend" und das soziale Phänomen, was mit dem "catch-all-term" "Postadoleszenz" umrissen wird, zu formulieren. Das Ziel ist, die "Jugendlichkeit" oder "Postadoleszenz" einer Person als eine vollwertige Statusdimension zu definieren, die man je nach Passung zu den anderen Statusdimensionen wie Bildungsgrad, Beruf, und Familienstand entweder früher oder später ablegt, oder bei über das eigentliche Jugendalter hinaus gegebener Statuskonsistenz als Identitätsmerkmal ( oder auch "Identitäts-Patch" ) behält, oder sich wieder aneignet.
2. Grundbegriffe zum Verständnis der Postadoleszenzdiskussion
Vor Ausführung der für meine Betrachtungen relevanten Theorien definiere ich in diesem Abschnitt die Grundbegriffe, die für eine Beschreibung des "Jugendalters", der "Lebensphase Jugend" und die Unterscheidung der verschiedener Postadoleszenz-Begriffe sinnvoll sind und benötigt werden. Der Versuch, die Konstrukte "Jugendalter" und "Lebensphase Jugend" über rein biologistische Alterszuschreibungen zu fassen, scheint mir der vielversprechendste Ansatz zu sein. Denn den Übergang von der Phase der "Kindheit" zur "Jugend" kann man für die Soziologie und die Biologie zufriedenstellend mit dem physischen Eintrittsalter der Geschlechtsreife festschreiben.
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