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Die religiöse Situation in Galiläa zur Zeit Jesu

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 33 Pages
Author: Doreen Oelmann
Subject: Theology - Biblical Theology

Details

Event: Hauptseminar: Galiläa zur Zeit Jesu
Institution/College: University of Leipzig (Insitut Neues Testament Leipzig)
Tags: Situation, Galiläa, Zeit, Jesu, Hauptseminar, Galiläa, Zeit, Jesu
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 33
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V62522
ISBN (E-book): 978-3-638-55745-0
ISBN (Book): 978-3-640-19054-6
File size: 242 KB

Abstract

In den Evangelien wird die Bedeutung des Landes Galiläa für das Leben Jesu unterschiedlich dargestellt. So heißt es bei Markus und Johannes, dass es sich bei Galiläa um die Heimat Jesu handelt, wo er auch öffentlich gewirkt hat. Auch bei Lukas heißt es, dass es sich bei Jesus um einen Galiläer handelt, der jedoch aufgrund von Gesetzen in Bethlehem geboren wurde. Bei Matthäus zeigt sich eine Varianz, indem Jesu Eltern eigentlich in Judäa ansässig waren, jedoch aufgrund der Flucht nach Ägypten sich in Galiläa ansiedelten. So ist hier Jesu nicht von Geburt an Galiläer sondern wird erst dazu. Trotz der unterschiedlichen Darstellungen ist unbestreitbar, dass Jesus den größten Teil seines Lebens in Galiläa verbrachte. Somit hatte die Landschaft, bestimmte Eigenarten und soziale Gegebenheiten Galiläas um die Zeitenwende Einfluss auf die Entwicklung und das Wirken der Person Jesus Christus. In der vorliegenden Arbeit soll dabei vor allem die religiösen Besonderheiten Galiläas dargestellt werden. [...]


Excerpt (computer-generated)

Universität Leipzig, Insitut Neues Testament Leipzig
Hauptseminar: Galiläa zur Zeit Jesu
WS 2004/2005, 5. Fachsemester
HS: Galiläa zur Zeit Jesus

Die religiöse Situation in Galiläa zur Zeit Jesu

von: Doreen Oelmann

 


Inhalt

1 Einleitung  3

2 Geografische Einordnung Galiläas 4

3 Juden oder Heiden? – Die Bevölkerung Galiläas 6

4 Religiöse Gruppierungen zur Zeit Jesu und deren Bedeutung für Galiläa  8

4.1 Die Gruppe der Pharisäer  8
4.2 Die Gruppe der Sadduzäer  12
4.3 Die Gruppe der Essener  14

5 Die religiöse Praxis Galiläas 18

5.1 Die Bedeutung der Synagoge für das galiläische Judentum 18
5.2 Der Gottesdienst in der Synagoge  18
5.3 Unterschiede zwischen Synagogen und Tempel  21

6 Die Verbindung Galiläas mit dem Kultort Jerusalem 23

6.1 Das biblische Gebot zur Wallfahrt  24

6.1.1 „Dreimal im Jahr …“  24

6.1.1.1 Das Passafest 25
6.1.1.2 Das Pfingstfest 25
6.1.1.3 Das Laubhüttenfest 25

6.1.2 „sollen alle deine Männer …“  26

6.2 Der Weg nach Jerusalem 27

7 Zusammenfassung 29

Literaturverzeichnis  31


 

 

1 Einleitung

In den Evangelien wird die Bedeutung des Landes Galiläa für das Leben Jesu unterschiedlich dargestellt. So heißt es bei Markus und Johannes, dass es sich bei Galiläa um die Heimat Jesu handelt, wo er auch öffentlich gewirkt hat. Auch bei Lukas heißt es, dass es sich bei Jesus um einen Galiläer handelt, der jedoch aufgrund von Gesetzen in Bethlehem geboren wurde. Bei Matthäus zeigt sich eine Varianz, indem Jesu Eltern eigentlich in Judäa ansässig waren, jedoch aufgrund der Flucht nach Ägypten sich in Galiläa ansiedelten. So ist hier Jesu nicht von Geburt an Galiläer sondern wird erst dazu. Trotz der unterschiedlichen Darstellungen ist unbestreitbar, dass Jesus den größten Teil seines Lebens in Galiläa verbrachte. Somit hatte die Landschaft, bestimmte Eigenarten und soziale Gegebenheiten Galiläas um die Zeitenwende Einfluss auf die Entwicklung und das Wirken der Person Jesus Christus. In der vorliegenden Arbeit soll dabei vor allem die religiösen Besonderheiten Galiläas dargestellt werden.

Geografische Einordnung Galiläas

Über die geografische Lage Galiläas geben die Evangelien keine genaue Auskunft. Es werden lediglich verschiede Städte, wie Nazaret, Kapernaum1, Chorazin2 und Kana3 und der See Genezareth4 erwähnt. Dies ist jedoch nicht verwunderlich, da den Evangelisten wohl weniger die geografische sondern die theologische Bedeutung Galiläas wichtig war. Dass auf die geografische Einordnung nicht besonders geachtet wurde, zeigen außerdem einige Widersprüche.5 Die einzige historische Quelle mithilfe derer man die Landschaft geografisch bestimmen kann, stammt von Flavius Josephus6, der in seinem Buch ,,Die Geschichte des Jüdischen Krieges" die Grenzen Galiläas zur Zeit Jesu beschrieb. So kann Galiläa folgendermaßen rekonstruiert werden:7 Galiläa besteht aus Ober- und Untergaliläa und wird von Phönizien und Syrien eingeschlossen. Untergaliläa zog sich, laut Josephus, der Länge nach von Tiberias bis Chabulon, der Breite nach von Exaloth in der Jesreel-Ebene bis Beerseba. In Beerseba beginnt gleichzeitig auch Obergaliläa, das sich dann bis zu dem Dorf Baka erstreckt, welches an der Grenze zum tyrischen Gebiet liegt. Im Westen grenzt Galiläa an das Gebiet der Stadt Ptolemais und an den Karmel. Die südliche Grenze zieht sich entlang Samarias und Skythopolis bis zum Jordan. Im Osten grenzen die Bezirke von Hippos und Gadara, die Gaulanitis und das Königreich des Agrippa an, die nördliche Grenze bildet das Gebiet um Tyrus.

Das Galiläa zur Zeit Jesu ist nur ein kleines Land. So schreibt Josephus es stehe ,,der Größe nach hinter Peräa“8. Aufgrund verschiedener Berechnungen wird es auf eine Größe von 1400 und 1600 qkm geschätzt.9 Die Entfernung der Grenze von Osten nach Westen betrug zwischen 35 und 40 km und von Nord nach Süd etwa 50- 55 km.10 Somit konnten geübte Wanderer11 von einem beliebigen Punkt Galiläas aus einen anderen ohne größere Mühen erreichen.

Anhand der Grenzen Galiläas und der Bestimmung seiner Größe ist es wahrscheinlich, dass Jesus nicht nur die in den Evangelien genannten Orte besucht hat, sondern vielmehr in allen Gegenden Galiläas seine Botschaft vom Reich Gottes verkündigt hat.

2 Juden oder Heiden? – Die Bevölkerung Galiläas

[...]


1 So heißt es bei Mt 4,13: „Und verließ die Stadt Nazareth, kam und wohnte zu Kapernaum, das da liegt am Meer, im Lande Sebulon und Naphthali“.

2 Mt 11,21/Lk 10,13: „Wehe dir Chorazin! Weh dir, Bethsaida! Wären solche Taten zu Tyrus und Sidon geschehen, wie bei euch geschehen sind, sie hätten vorzeiten im Sack und in der Asche Buße getan.“

3 Joh 2,1: „Und am dritten Tag ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war da.“

4 Lk 5,1: „Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, dass er stand am See Genezareth.“

5 Als Beispiel ist Lk 17,11 zu nennen. So heißt es hier: „Und es begab sich, da er reiste gen Jerusalem, zog er mitten durch Samarien und Galiläa.“ Geht man von diesem Vers aus, müssten Galiläa und Judäa aneinandergrenzen. (Bösen, Willibald: Galiläa Lebensraum und Wirkungsfeld Jesu, Freiberg im Breisgau, Herder Verlag, 1985, S. 19).

6 Flavius Josephus lebte in der Zeit 37-100/110 n.Chr. und war ein Jerusalemer Priestersohn. (Theißen, Gert; Merz, Annette: Der historische Jesus – Ein Lehrbuch. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2001, S. 74). Seine Bücher geben die wichtigsten Zeugnisse über die Vorgänge in Palästina wider. So sind die Bücher ,,Geschichte des Jüdischen Krieges“ und ,,Jüdische Altertümer“ für die Beschreibung Galiläas um die Zeitenwende besonders wichtig. Da seine Werke jedoch erst einige Zeit nach Jesu Tod entstanden sind ist davon auszugehen, dass er vieles von „seiner Zeit“ in die Zeit während der Jahrhundertwende übertrug. Jedoch handelt es sich bei seinen Werken um die zeitlich am nächsten entstandenen Ausführungen über Galiläa zur Zeit Jesu.

7 Obwohl die Angaben des Josephus einen genauen Eindruck erwecken, fällt es schwer, eine exakte Grenzziehung zu versuchen; die von Josephus aufgeführten Grenzpunkte sind schließlich doch zu allgemein gehalten und können nur als ,,Näherungswerte" betrachtet werden. Sie sollen aber im weiteren Verlauf als Eckpunkte Galiläas dienen (Bösen, S. 20).

8 Ebd., S. 28.

9 Ebd.

10 Ebd., S. 29.

11 Die zur Zeit Jesu übliche Reiseform war der Fußmarsch. Nur reichere Menschen konnten sich einen Esel als Reittier leisten. Besonders wohlhabende Menschen leisteten sich eine Reise in der Kutsche (Stambaugh, John E.; Balch, David L.: Das soziale Umfeld des Neuen Testaments. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1992, S. 33f).


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