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Analyse von Heidi Hassenmüllers 'Gute Nacht, Zuckerpüppchen' zum Thema 'Gewalt in Kinder und Jugendbüchern'

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 36 Pages
Author: Wiebke Vieljans
Subject: German Studies - Didactics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 36
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V62533
ISBN (E-book): 978-3-638-55754-2
ISBN (Book): 978-3-638-59867-5
File size: 434 KB

Abstract

Gewaltanwendungen gegen Kinder hat es wahrscheinlich schon immer gegeben und sie werden sich nach wie vor wohl auch nicht gänzlich unterdrücken lassen. Eine Form davon ist die sexuelle Gewalt, die erst Anfang der achtziger Jahre vermehrt zur Sprache kam. Diese Tatsache ist erstaunlich, da sexuelle Misshandlungen und Ausbeutungen von Mädchen und Jungen heute fast täglich ein Thema der Medien ist. Trotz dieser Entwicklungen existieren in der öffentlichen Meinung noch viele Vorurteile. So stellen sich die Leute einen Sexualstraftäter als alten, triebhaften Mann vor, der im Park auf junge Mädchen lauert. Über Mädchen als potentielle Opfer wird häufig gesagt, dass sie als kleine "Lolitas" ihre sexuellen Reize an älteren Männern ausprobieren wollen. Diese Vorurteile gilt es zu widerlegen, was allein durch eine ausreichende Aufklärung über sexuellen Missbrauch gelingt. Das Jugendbuch "Gute Nacht, Zuckerpüppchen" von Heidi Hassenmüller [Hassenmüller, Heidi: Gute Nacht, Zuckerpüppchen. Hamburg: Rowohlt, 19. Auflage 2005.] trägt dazu bei, dass die Informationen weiter getragen werden und sich die Opfer nicht mehr allein gelassen fühlen. Im Seminar "Randgruppenliteratur" unter der Leitung von Prof. Dr. H. Koch beschäftigten wir uns ein Semester lang mit der Literatur von Randgruppen, wie beispielsweise Gefangenenliteratur, Literatur psychisch kranker Menschen oder auch Missbrauchsopfern. Unter diesen sozialen Randgruppen versteht man gesellschaftliche Gruppierungen, die aus verschiedenen Gründen nicht in die Gesellschaft integriert sind oder marginalisiert leben. Nach der Lektüre vieler Beispiele kamen die Seminarteilnehmer zu dem Ergebnis, dass durch diese besondere literarische Gattung starke Gefühle der Autoren zum Vorschein kommen und dass das Schreiben sie in gewisser Weise befreit bzw. wie eine Therapie für sie ist. In dieser Arbeit möchte ich mich besonders auf das Thema "Sexueller Missbrauch im Kinder- und Jugendbuch" beschränken, da es mich persönlich am meisten berührt hat, und habe für die Analyse "Gute Nacht, Zuckerpüppchen" von Heidi Hassenmüller ausgewählt. In dem autobiografischen Buch geht es um den jahrelangen Missbrauch eines Mädchens durch ihren Stiefvater. Um die Aufmerksamkeit auch auf die Darstellungsweise dieser Thematik zu lenken, ist es notwendig, einen theoretischen Teil mit Hintergrundinformationen zum sexuellen Missbrauch voranzustellen. Zu Beginn dieser Arbeit werden Definitionen gegeben, welche Formen sexueller Missbrauch beinhaltet und wie groß das Ausmaß einzuschätzen ist. Weiterhin sollen Täterstrategien und das Opferbild genauer beleuchtet werden, ebenso wie Erklärungsansätze zu den möglichen Ursachen von sexueller Gewalt. Um das Verhalten der Protagonistin Gaby in "Gute Nacht, Zuckerpüppchen" besser nachvollziehen zu können, wird auch auf die Auswirkunken von sexuellem Missbrauch eingegangen. Im zweiten Teil der Arbeit wird "Gute Nacht, Zuckerpüppchen" sowohl inhaltlich, als auch stilistisch und didaktisch analysiert; die Analyse konzentriert sich besonders auf die Darstellungsaspekte zur sexuellen Gewalt. Um die Thematik abzurunden, wird im letzten Teil noch die Präventionsarbeit mit verschiedenen neueren Ansätzen vorgestellt und dabei besonders auf die didaktische Gestaltung des Unterrichts eingegangen.


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik
Sommersemester 2005

Hauptseminar Vertiefungsmodul II Randgruppenliteratur

Analyse von Heidi Hassenmüllers Gute Nacht, Zuckerpüppchen
zum Thema sexuelle Gewalt in Kinder- und Jugendbüchern

von

Wiebke Vieljans

4. Semester
Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen
Deutsch, Englisch, Mathematik

 

 

Gliederung

1. Einleitung  S. 2

2. Begriffsbestimmungen von sexuellem Missbrauch  S. 3
2.1. Formen sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen S. 5
2.2. Das Ausmaß sexuellen Missbrauchs  S. 7
2.3. Die Täter vs. Die Opfer  S. 8
2.3.1 Blick auf die Täter S. 8
2.3.2 Blick auf die Opfer  S. 10
2.4. Ursachen des sexuellen Missbrauchs S. 12
2.4.1 Der feministisch-gesellschaftliche Erklärungsansatz  S. 12
2.4.2 Der familientheoretische Erklärungsansatz S. 13

3. Analyse und Bewertung des Jugendbuchs „Gute Nacht, Zuckerpüppchen“ von Heidi Hassenmüller  S. 14
3.1. Inhaltliche Analyse  S. 14
3.1.1 Inhaltsangabe  S. 14
3.1.2 Autobiografischer Gehalt  S. 15
3.1.3 Hintergründe des Missbrauchs  S. 16
3.1.4 Ursachen und Folgen der sexuellen Gewaltanwendung  S. 20
3.2. Stilanalyse – Sprache und Form  S. 22
3.2.1 Äußere Struktur und Aufbau des Textes  S. 22
3.2.2 Sprache und ästhetische Elemente  S. 25
3.2.3 AdressatInnenbezug  S. 26
3.3. Didaktisch-methodische Analyse  S. 27

4. Präventionsarbeit  S. 30
4.1. Begriffsklärung „Prävention“  S. 30
4.2. Wirksamkeit der Prävention – verschiedene Ansätze  S. 31

5. Resümee  S. 34

6. Literaturverzeichnis  S. 36

 

 

1. Einleitung

Gewaltanwendungen gegen Kinder hat es wahrscheinlich schon immer gegeben und sie werden sich nach wie vor wohl auch nicht gänzlich unterdrücken lassen. Eine Form davon ist die sexuelle Gewalt, die erst Anfang der achtziger Jahre vermehrt zur Sprache kam. Diese Tatsache ist erstaunlich, da sexuelle Misshandlungen und Ausbeutungen von Mädchen und Jungen heute fast täglich ein Thema der Medien ist. Trotz dieser Entwicklungen existieren in der öffentlichen Meinung noch viele Vorurteile. So stellen sich die Leute einen Sexualstraftäter als alten, triebhaften Mann vor, der im Park auf junge Mädchen lauert. Über Mädchen als potentielle Opfer wird häufig gesagt, dass sie als kleine „Lolitas“ ihre sexuellen Reize an älteren Männern ausprobieren wollen. Diese Vorurteile gilt es zu widerlegen, was allein durch eine ausreichende Aufklärung über sexuellen Missbrauch gelingt. Das Jugendbuch „Gute Nacht, Zuckerpüppchen“ von Heidi Hassenmüller1 trägt dazu bei, dass die Informationen weiter getragen werden und sich die Opfer nicht mehr allein gelassen fühlen. Im Seminar „Randgruppenliteratur“ unter der Leitung von Prof. Dr. H. Koch beschäftigten wir uns ein Semester lang mit der Literatur von Randgruppen, wie beispielsweise Gefangenenliteratur, Literatur psychisch kranker Menschen oder auch Missbrauchsopfern. Unter diesen sozialen Randgruppen versteht man gesellschaftliche Gruppierungen, die aus verschiedenen Gründen nicht in die Gesellschaft integriert sind oder marginalisiert leben. Nach der Lektüre vieler Beispiele kamen die Seminarteilnehmer zu dem Ergebnis, dass durch diese besondere literarische Gattung starke Gefühle der Autoren zum Vorschein kommen und dass das Schreiben sie in gewisser Weise befreit bzw. wie eine Therapie für sie ist. In dieser Arbeit möchte ich mich besonders auf das Thema „Sexueller Missbrauch im Kinder- und Jugendbuch“ beschränken, da es mich persönlich am meisten berührt hat, und habe für die Analyse „Gute Nacht, Zuckerpüppchen“ von Heidi Hassenmüller ausgewählt.

In dem autobiografischen Buch geht es um den jahrelangen Missbrauch eines Mädchens durch ihren Stiefvater. Um die Aufmerksamkeit auch auf die Darstellungsweise dieser Thematik zu lenken, ist es notwendig, einen theoretischen Teil mit Hintergrundinformationen zum sexuellen Missbrauch voranzustellen. Zu Beginn dieser Arbeit werden Definitionen gegeben, welche Formen sexueller Missbrauch beinhaltet und wie groß das Ausmaß einzuschätzen ist. Weiterhin sollen Täterstrategien und das Opferbild genauer beleuchtet werden, ebenso wie Erklärungsansätze zu den möglichen Ursachen von sexueller Gewalt. Um das Verhalten der Protagonistin Gaby in „Gute Nacht, Zuckerpüppchen“ besser nachvollziehen zu können, wird auch auf die Auswirkunken von sexuellem Missbrauch eingegangen. Im zweiten Teil der Arbeit wird „Gute Nacht, Zuckerpüppchen“ sowohl inhaltlich, als auch stilistisch und didaktisch analysiert; die Analyse konzentriert sich besonders auf die Darstellungsaspekte zur sexuellen Gewalt. Um die Thematik abzurunden, wird im letzten Teil noch die Präventionsarbeit mit verschiedenen neueren Ansätzen vorgestellt und dabei besonders auf die didaktische Gestaltung des Unterrichts eingegangen.

2. Begriffsbestimmungen von sexuellem Missbrauch

In der Bundesrepublik Deutschland wurde sexueller Missbrauch erst in den frühen achtziger Jahren im Zuge der Frauenbewegung ein Thema, seitdem sich Betroffene öffentlich zu Wort melden. Es wurde deutlich, dass sexuelle Gewalt kein Phänomen ist, das sich auf bestimmte Randgruppen oder Einzelfälle beschränkt, sondern in allen gesellschaftlichen Schichten und Lebensbereichen vorkommt.2

Der Begriff des sexuellen Missbrauchs wurde schon in vielen Publikationen wissenschaftlich zu definieren versucht. Obwohl diese seit den achtziger Jahren auch in größerem Umfang in Deutschland veröffentlicht werden, gibt es bis heute keine allgemein gültige, anerkannte Definition. Schwierigkeiten hinsichtlich der Definierung treten durch unterschiedliche historische und kulturelle Einstellungen zu sexuellen Kontakten von Erwachsenen bzw. Jugendlichen zu Kindern auf. Zudem existieren unterschiedliche Forschungs- und Erklärungsansätze, die eine allgemein gültige Definition erschweren. Das Problem liegt darin, eine Grenze zwischen lebensnotwendigen, körperlichen Zärtlichkeiten eines Kindes und dem Missbrauch solcher Bedürfnisse zugunsten der Befriedigung eines Erwachsenen zu ziehen. Daher sind weitere Kriterien notwendig, mit deren Hilfe sexueller Missbrauch möglichst genau gefasst werden kann.3

Während in einigen Definitionen die Art der sexuellen Handlung (z.B. Handlungen, bei denen es nur zu Körperberührungen kommt) als Kriterium festgelegt wird, steht in anderen Definitionen der Machtmissbrauch im Vordergrund. Das bedeutet, dass der Erwachsene bzw. Jugendliche in einer Missbrauchssituation seine Autorität gegenüber dem Kind in extremer Weise ausnutzt.

[....]


1 Hassenmüller, Heidi: Gute Nacht, Zuckerpüppchen. Hamburg: Rowohlt, 19. Auflage 2005.

2 Vgl.: Gassmann/Klemm: Sexueller Missbrauch bei Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen. Bielefeld: Bethel-Verlag, 1996, S. 13.

3 Vgl.: Koch/Kruck: „Ich wird’s trotzdem weitersagen!“ Prävention gegen sexuellen Missbrauch in der Schule. Münster: LIT, 2000, S. 3.


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