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Seminararbeit, 2005, 19 Seiten
Autor: Anita Müller
Fach: Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Details
Institution/Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (Romanisches Seminar)
Tags: Aufstand, Volkes, Affirmation, Monarchie, Perspektive, Fuente, Ovejuna, Proseminar, Spanisches, Barocktheater
Jahr: 2005
Seiten: 19
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-55765-8
Dateigröße: 206 KB
Im Zentrum stehen hier die drei Fronten und inwiefern sie ihre eigenen Weltanschauungen durchzusetzen versuchen und welchen Grund es hat, daß in Lopes Drama der Volksaufstand von Fuente Ovejuna seine Bewohner letztlich zur Freiheit führt.
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Textauszug (computergeneriert)
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Romanisches Seminar
Wintersemester 2004 / 2005, Köln, den 31.03.05
Proseminar: Spanisches Barocktheater
Aufstand des Volkes, Affirmation der Monarchie –
Die ideologische Perspektive von Fuente Ovejuna
von: Anita Müller
Inhaltsverzeichnis
Abgrenzung des Themas 3
1. Einbettung des Dramas
1.1. Politische Situation im historischen Kontext 4
1.2. Machtverhältnise 5
2. Darstellungen der Hierarchien
2.1. Monarchen 7
2.2. Adel bzw. Klerus 8
2.3. Bauern 9
3. Herausstellung des politischen Mißstandes und der Übergang zum Idealzustand
3.1. Die Folgen des Aufstandes 10
3.2. Die Positionierung des Komturs und sein politisches Fehlverhalten 12
3.3. Königstreue des Volkes 13
Ergebnisse 15
Literaturverzeichnis 16
Abgrenzung des Themas
Lope de Vega war einer der bedeutendsten Literaten des Siglo de Oro. Mit seinem Werk Fuente Ovejuna hat er noch lange nach seiner Lebenszeit für Furore in ganz Europa gesorgt. Nach der Theatertheorie von Aristoteles Ort-Zeit-Handlung1 grenzt Lope in seinem Stück verschiedene Darstellungsebenen klar ab: Monarchen, Adel und das Volk bewegen sich in den ihnen gegebenen Lokalitäten. Wir haben es hier mit einem Ehrendrama zu tun, in dem sich die Tragödie mit Elementen der Komödie vermischt.2 Die komödialen Elemente sollen jedoch in dieser Arbeit nicht behandelt werden. Lope arbeitet mit dem Dreischritt - der erzählerische Aufbau gliedert sich in drei Bereiche: der bestehenden Ordnung, dem Bruch der Ordnung und der Wiederherstellung der Ordnung.3 In ideologischer Hinsicht sollen in Fuente Ovejuna auf Basis dieser Erzählstruktur Beobachtungen über die Aussage des Stückes gemacht werden.
In dem Stück kann man deutlich zwei zentrale Themen erkennen: das der Liebe und das der Freiheit. In dieser Arbeit wird das weitläufige Thema der Freiheit im Mittelpunkt stehen. Der zentrale Punkt besteht in dem Volksaufstand, in dem sich das Dorf Fuente Ovejuna gegen ihre Obrigkeit stellt und dadurch seine Freiheit erhält. Es scheint widersinnig, daß die Bewohner des Dorfes sich einerseits gegen einen Unterdrücker auflehnen, sich zugleich aber ihrer oberen Institution verbunden fühlen und deren Legitimation durch ihren Freiheitsdrang zugleich bestärken. Die ideologische Perspektive des Stückes dürfte sich für Lope de Vega als ein zentrales Thema dargestellt haben – es soll in dieser Arbeit nicht versucht werden, Lopes persönliche Intentionen des monarchischen Systems zu analysieren. Vielmehr soll es sich hier um eine Analyse der Verhältnisse seiner im Dramen eingesetzten Figuren untereinander handeln und auch, inwiefern der Leser bzw. Zuschauer diese Verhältnisse als legitimiert ansieht und welche Mittel Lope einsetzt um den Rezipienten die Sicht auf die „richtige“ Seite zu ermöglichen. Im Zentrum stehen hier die drei Fronten und inwiefern sie ihre eigenen Weltanschauungen durchzusetzen versuchen und welchen Grund es hat, daß in seinem Drama der Volksaufstand von Fuente Ovejuna seine Bewohner letztlich zur Freiheit führt. Genauer wird auch betrachtet, inwiefern die Monarchen ihre Position stärken können und welche Rolle dabei das Volk spielt.
1 Einbettung des Dramas
1.1 Politische Situation im historischen Kontext
Fuente Ovejuna spielt Ende des 15. Jahrhunderts, zu Beginn des Siglo de Oro. Lope hat sich in seinem Stück sehr eng an die historischen Gegebenheiten zu dieser Zeit gehalten, was schnell zu Anfang seines Stückes bei der Benennung der auftretenden Personen deutlich wird: die Reyes Católicos Fernando und Isabel werden dargestellt.
Geschichtlich muß man hier etwas zurückblicken: dem Thron Fernandos und Isabels liegt ein Erbfolgestreit zugrunde. Heinrich IV. favorisierte für seine Nachfolge zunächst einen anderen: Alfons V. von Portugal. Es war zunächst also fraglich, ob die Heirat von Heinrichs Schwester Isabel Kastilien mit Portugal oder mit Aragón vereinen würde. Letztlich entschied sich Isabel für Ferdinand, was Aragón also mit Kastilien vereinte. Frankreich sah sich in seiner Macht bedroht und auch Heinrich protestierte gegen die Heirat und rief kurzerhand seine Tochter Johanna als Thronerbin aus – allerdings kam dennoch Isabel nach dem Tode Heinrichs am 13. Dezember 1474 auf den Thron, wodurch sich die Fronten ihrer Anhänger und der Anhänger Johannas verhärteten. Da Ferdinand mit Isabel verwandt war, versuchte er zunächst die kastilische Krone zu erlangen; mit einer Aufhebung der möglichen Thronfolge für Frauen, wäre er dann sowieso an der Macht und Isabels Machtanspruch durch die Heirat unberührt. Diese komplizierte Lage war letztlich durch den Schiedsspruch von Segovia, der die Rechte der Ehepartner fixierte entworren: dieser legte u.a. fest, daß alle Dokumente, die der königlichen Unterschrift bedurften von beiden Monarchen unterzeichnet werden müssen, Isabel als eigentliche Königin die Huldigung des Königreiches empfangen solle und daß sämtliche Einkünfte unter Aufsicht beider Monarchen verteilt werden müsse. Weiterhin solle Isabel für die Ernennung der Beamten zuständig sein, sowie für alle königlichen Präsentationen an den Papst zur Besetzung von Bischofssitzen und Großmeisterwürden der Ritterorden.4 Viele Adelsgruppen fürchteten einen stärkeren Einfluß Aragóns durch Kastilien. Auf diese Gruppen geht der Schiedsspruch auch zurück, was zeigt, daß die Monarchen in gewisser Weise von den Entscheidungen des Adels abhängig waren. Isabel und Ferdinand jedoch pflegten eine einvernehmliche Politik, die Ihre Führung stärken sollte. Aus diesen komplizierten innenpolitischen Vorgängen kann man resultierend die Gründung des modernen Spaniens sehen.5
[...]
1 Strosetzki, Christoph (Hrsg.): Geschichte der spanischen Literatur, Tübingen 1991,178.
2 Vgl. Ebd., 183.
3 Vgl. Neuschäfer, Hans-Jörg: Spanische Literaturgeschichte, Stuttgart 1997, 171.
4 Den Ritterorden hat im Stück Fuente Ovejuna zwar eine untergeordnete Rolle, es ist aber notwenig, ihre Strukturen nachzuvollziehen. Hierauf wird später noch näher eingegangen werden.
5 Vgl. Bernecker/Pietschmann: Geschichte Spaniens. Von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Stuttgart
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