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Scholary Paper (Seminar), 2003, 21 Pages
Author: Sabine Friedlein
Subject: German Studies - Comparative Literature
Details
Institution/College: University of Augsburg (Lehrstuhl für Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Tags: Anmerkungen, Genettes, Erzählung, Bezugnahme, Berlin, Alexanderplatz, Schwerpunkt, Modus, Proseminar, Erzähltheorie, Medienanalyse, Berlin, Alexanderplatz
Year: 2003
Pages: 21
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-55786-3
ISBN (Book): 978-3-638-76706-4
File size: 187 KB
Gérard Genette hat mit "Die Erzählung" für erzähltechnisch sehr komplexe Romane wie "Berlin Alexanderplatz" ein entsprechend komplexes, präzises und stabiles erzähltheoretisches Analysegebäude entwickelt. "Die Erzählung" zeigt sich mit den innovativen, kreativen Erzähltechniken von Proust und Döblin durch einen vergleichbar innovativen Interpretationsansatz in der Verwendung modaler Strukturen weitestgehend kompatibel.
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Abstract
Einleitung Gérard Genette diskutiert seine Erzähltheorie Discours du récit (1972), bzw. Noveau discours du récit (1983) vor dem Hintergrund von Prousts A la recherche du temps perdu1. Döblins Berlin Alexanderplatz2 ist als „Kompendium moderner Erzählverfahren“3 nicht nur ebenso gut wie die Recherche geeignet, Genettes Theorie zu veranschaulichen, sondern es finden sich darüber hinaus Erzählstrukturen wieder, die in ihrer Komplexität Anlass für eine Prüfung dieses Analysemodells geben. Genette ordnet den Discours nach den Prinzipien der grammatischen Konjugation, entlehnt ihr auch die Einteilung in die Kategorien erzählte Zeit oder Tempus, Erzählweise oder Modus, und Person oder Stimme.4 Die Besonderheiten des Modus unter Bezugnahme auf BAP herauszuarbeiten und gleichzeitig die Vereinbarkeiten, bzw. Unvereinbarkeiten zwischen Genettes „Theorie“ und Döblins „Praxis“ offenzulegen sind Ziel dieser Arbeit. Der Modus ist der natürliche Ausgangspunkt für diese kritische Untersuchung, da er als Bindeglied zwischen Tempus und Stimme fungiert. Theoretisch ein autonomes Gebilde, ist der Modus in der erzählerischen Praxis von den Elementen Tempus und Stimme gleichermaßen durchdrungen wenn nicht abhängig. Aus diesem Grund werden sich Begriffe aus den Kategorien Tempus und Stimme wiederfinden, ohne dass sie diesen explizit zugeordnet werden. Während die Verbkonjugation gut auf die Kategorie des Tempus5 anwendbar und in den narrativen Diskurs übertragbar ist, zeigen sich Schwierigkeiten bei der Übertragung des grammatischen in einen narrativen Modus, da eine Erzählung selten im Konjunktiv verfasst wird, was ihrer Funktion, über ein bzw. mehrere Ereignisse (nicht Möglichkeiten) zu berichten zuwiderläuft. Somit ist der Indikativ nach Genette der einzige vorstellbare und charakteristische Modus der Erzählung.6 Die Präsentationsformen des Erzählten unterteilt Genette in die Parameter Distanz und Fokalisierung.
Excerpt (computer-generated)
Universität Augsburg
Lehrstuhl für Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft
Proseminar Erzähltheorie und Medienanalyse in Berlin Alexanderplatz
Anmerkungen zu Genettes ′Die Erzählung′ unter Bezugnahme auf Berlin Alexanderplatz mit Schwerpunkt auf den Modus
Sabine Friedlein
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Genettes Distanz unter Bezugnahme auf Berlin Alexanderplatz ... 5
2.1 Theoretische Grundlagen: Von diegesis und mimesis zum narrativen und dramatischen Modus ... 5
2.2 Der narrative Modus oder die Erzählung von Ereignissen ... 7
2.3 Der dramatische Modus: die drei Formen der Personenrede ... 11
3. Die Perspektive und ihre Zuordnung in Berlin Alexanderplatz ... 15
4. Schluss: Genettes Erzählung als moderne Erzähltheorie ... 20
Literaturverzeichnis ... 21
1. Einleitung
Gérard Genette diskutiert seine Erzähltheorie Discours du récit (1972), bzw. Noveau discours du récit (1983) vor dem Hintergrund von Prousts A la recherche du temps perdu1. Döblins Berlin Alexanderplatz2 ist als „Kompendium moderner Erzählverfahren“3 nicht nur ebenso gut wie die Recherche geeignet, Genettes Theorie zu veranschaulichen, sondern es finden sich darüber hinaus Erzählstrukturen wieder, die in ihrer Komplexität Anlass für eine Prüfung dieses Analysemodells geben.
Genette ordnet den Discours nach den Prinzipien der grammatischen Konjugation, entlehnt ihr auch die Einteilung in die Kategorien erzählte Zeit oder Tempus, Erzählweise oder Modus, und Person oder Stimme.4 Die Besonderheiten des Modus unter Bezugnahme auf BAP herauszuarbeiten und gleichzeitig die Vereinbarkeiten, bzw. Unvereinbarkeiten zwischen Genettes „Theorie“ und Döblins „Praxis“ offenzulegen sind Ziel dieser Arbeit. Der Modus ist der natürliche Ausgangspunkt für diese kritische Untersuchung, da er als Bindeglied zwischen Tempus und Stimme fungiert. Theoretisch ein autonomes Gebilde, ist der Modus in der erzählerischen Praxis von den Elementen Tempus und Stimme gleichermaßen durchdrungen wenn nicht abhängig. Aus diesem Grund werden sich Begriffe aus den Kategorien Tempus und Stimme wiederfinden, ohne dass sie diesen explizit zugeordnet werden.
Während die Verbkonjugation gut auf die Kategorie des Tempus5 anwendbar und in den narrativen Diskurs übertragbar ist, zeigen sich Schwierigkeiten bei der Übertragung des grammatischen in einen narrativen Modus, da eine Erzählung selten im Konjunktiv verfasst wird, was ihrer Funktion, über ein bzw. mehrere Ereignisse (nicht Möglichkeiten) zu berichten zuwiderläuft. Somit ist der Indikativ nach Genette der einzige vorstellbare und charakteristische Modus der Erzählung.6 Die Präsentationsformen des Erzählten unterteilt Genette in die Parameter Distanz und Fokalisierung.
2. Genettes Distanz unter Bezugnahme auf Berlin Alexanderplatz
2.1 Theoretische Grundlagen: Von diegesis und mimesis zum narrativen und dramatischen Modus
Die narrative Bedeutung des Modus stützt Genette auf die grammatische Definition Maximilien Littrés. Demnach wird eine Sache mehr oder weniger nachdrücklich erzählt, reguliert durch Informationsfreigabe oder –zurückhaltung.7 Genette führt hier den Begriff Distanz ein, wobei er die Distanz der Erzählung zum Erzählten oder Nichterzählten meint, beziehungsweise den Grad an Mittelbarkeit8. Zu dem Subjekt Franz und seiner Geschichte wird durch regelmäßige an Bänkelsang erinnernde Kapiteleinleitungen und wiederholte Erzählerkommentare die bereits im Untertitel mit dem distanzierenden „vom“ aufgebaute Distanz dauernd erneuert.
Zusätzlich wird die Gradualisierung von Distanz durch Perspektivierung des Erzählten9, die verschiedenen, mehr oder weniger beschränkten Blickwinkel der Figur(en) ermöglicht. In BAP ist die zentrale Figur der mit einer beschränkten Perspektive ausgestattete Franz Biberkopf.
Genette orientiert sich an Platons Einteilung der Erzählweise in diegesis und mimesis.10 Er verwirft jedoch den heute missverständlichen und missverstandenen Begriff mimesis im Sinne von Nachahmung und bezweifelt die generelle Fähigkeit der Erzählung zur Nachahmung von Sprachlichem und Nichtsprachlichem. Entweder, so Genette, sei die Erzählung immer diesseits dieser Nachahmung als eigentliche Erzählung oder jenseits von ihr als Dialog, denn keine Erzählung könne ihre Geschichte tatsächlich nachahmen, es komme bestenfalls zu einer Mimesis- Illusion.11
[...]
1 Im Folgenden RTP.
2 Im Folgenden BAP.
3 Boris Körkel: Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz als Reaktion auf die Erzähl- oder Romankrise und als Epos der Moderne. Juli 1999. 14. Mai 2003. http://www.geocities.de/boriskoerkelweb/studies/doeblin.html.
4 Gérard Genette: Die Erzählung. Übers. v. Andreas Knopp, mit einem Nachwort hrsg. V. Jochen Vogt, 2. Auflage, München 1998. S. 18f.
5 Genette unterteilt ihn in Ordnung, Dauer, und Frequenz.
6 Genette, Erzählung, S. 115.
7 Ebd.
8 Martinez, Matias; Michael Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie. 3. Auflage, München 2002, S. 47.
9 Ebd.
10 Genette, Erzählung, S. 116.
11 Ebd., S. 117.
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