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Autor: Katharina Friesen
Fach: Russistik / Slavistik
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Slawische Fakultät)
Tags: Intertextualität, Medea, Kinder, Ljudmila, Ulitzkaja, Seminar, Genderkonstruktionen, Literatur, Jahre
Jahr: 2002
Seiten: 24
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 5 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 187 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55794-8
ISBN (Buch): 978-3-638-67766-0
Zusammenfassung / Abstract
Diese Arbeit hat zwei Teile: Im ersten Teil möchte ich aufzeigen, wie auf der Ebene der Narration und auf der Ebene der Geschichte das Erzählen und damit auch Intertextualität thematisiert wird, und im zweiten Teil möchte ich intertextuelle Bezüge zwischen „Medea und ihre Kinder“ von Ulitzkaja und dem 1. Buch Mose2 und zwischen „Medea und ihre Kinder“ von Ulitzkaja und „Medea“ von Euripides aufzeigen. Ich möchte zeigen, dass das Erzählen im 1. Buch Mose den gleichen Zweck verfolgt, wie er auf der Ebene der Narration in „Medea und ihre Kinder“ thematisiert wird. Um deutlicher differenzieren zu können, werde ich mich in meiner Arbeit des drei-Ebenen-Modells und der Terminologie Gérard Genettes bedienen.3 2 1. Mose, 11.10 – 1. Mose, 50.26 3 Genette, Gérard: Die Erzählung die Termini „Erzählung“, „Geschichte“ und „Narration“ stammen aus ebendiesem Werk
Textauszug (computergeneriert)
Humboldt Universität zu Berlin, Wintersemester 2001/02
Proseminar: Genderkonstruktionen in der polnischen und russischen Literatur der 90er Jahre
Intertextualität in "Medea und ihre Kinder" von Ljudmila Ulitzkaja
von: Katharina Friesen
Inhalt
1. Einleitung 3
Teil I Textualität und Intertextualität als Thema von „Medea und ihre Kinder“ 5
2. Figur der Medea als Fiktion auf allen drei Ebenen der Erzählung 5
3. Erinnerung als Legitimation des Erzählens 9
4. Medea als Integrationsfigur 11
5. Medea als intertextueller Text 13
Teil II Thematische intertextuelle Bezüge zwischen „Medea und ihre Kinder“ von Ulitzkaja, 1. Mose und „Medea“ von Euripides 16
6. Intertextuelle Bezüge 16
7. Integrationsfiguren 18
8. Das gelobte Land 20
9. Motiv der Kinderlosigkeit 22
Bibliographie 24
1. Einleitung
Auf den ersten Blick ist das Buch „Medea und ihre Kinder“ von Medea Ulitzkaja eine unterhaltsame „Familiensaga“, die sich größtenteils im mediterranen Klima der Halbinsel Krim auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion abspielt. Der Erzählstil scheint sich der südlichen Atmosphäre anzupassen und das Buch lässt sich leicht lesen. Vor allem an ungemütlichen Wintertagen hinterlässt es einen Hauch von Sommer aber viel mehr auch nicht, so scheint es.
Wäre da nur nicht der Epilog.1 Liest man ihn einmal, überkommt einen das leise Gefühl, dass an der abgerundeten, harmonisch erzählten, sonnigen Geschichte irgendetwas nicht stimmt. Liest man ihn ein zweites mal, beginnt man an der Glaubwürdigkeit des erzählten Geschehens, an das man unreflektiert nur allzu gerne glaubt, zu zweifeln. Liest man ihn ein drittes mal, wird klar, dass die Autorin den Leser mit diesem Epilog auf etwas ganz Bestimmtes stoßen lassen wollte. Und zwar darauf, dass die Geschichte erfunden ist. Natürlich weiß man, dass die Erzählung auf der Ebene des historischen Autors mehr oder weniger Fiktion ist. Aber diese Geschichte ist durch und durch, auf allen ihren Ebenen erfunden, und zwar zu einem bestimmten Zweck. „Medea und ihre Kinder“ ist eine Erzählung über das Erzählen. Thematisiert wird unter Anderem auf allen Ebenen, dass Erzählen nicht ohne Grund geschieht, sondern immer einen bestimmten Zweck verfolgt, und eine Legitimation braucht. Und da jede Geschichte nicht aus sich selbst entstehen kann, sondern immer mindestens eine Vorgeschichte hat, thematisiert diese Erzählung auch Intertextualität.
Diese Arbeit hat zwei Teile: Im ersten Teil möchte ich aufzeigen, wie auf der Ebene der Narration und auf der Ebene der Geschichte das Erzählen und damit auch Intertextualität thematisiert wird, und im zweiten Teil möchte ich intertextuelle Bezüge zwischen „Medea und ihre Kinder“ von Ulitzkaja und dem 1. Buch Mose2 und zwischen „Medea und ihre Kinder“ von Ulitzkaja und „Medea“ von Euripides aufzeigen. Ich möchte zeigen, dass das Erzählen im 1. Buch Mose den gleichen Zweck verfolgt, wie er auf der Ebene der Narration in „Medea und ihre Kinder“ thematisiert wird. Um deutlicher differenzieren zu können, werde ich mich in meiner Arbeit des drei-Ebenen-Modells und der Terminologie Gérard Genettes bedienen.3
Teil I Textualität und Intertextualität als Thema von „Medea und ihre Kinder“
2. Figur der Medea als Fiktion auf allen drei Ebenen der Erzählung
Auf der Ebene der Geschichte wird von der weitläufigen, vor langer Zeit aus Griechenland eingewanderten, Familie Sinopli erzählt. Erzählerischer Mittelpunkt ist die auf der Halbinsel Krim lebende Medea Mendes, frühere Sinopli. Medea ist die kinderlose Witwe eines jüdischen Dentisten und lebt als letztes Mitglied der großen Familie Sinopli auf der Krim, der Wahlheimat ihrer seit langer Zeit hier siedelnden griechischen Vorfahren. Jeden Sommer kommt ein Teil der weitläufigen Verwandtschaft Medeas auf die Halbinsel und wohnt in ihrem Haus. Medea wird von allen ihren Angehörigen sehr verehrt und fast als Heilige angesehen. Von dieser Situation eines Sommers in Medeas Haus ausgehend, werden Geschichten verschiedener Angehöriger der Familie Sinopli und mit ihnen in Berührung kommender Menschen erzählt. Medea ist jedoch der Anstoßpunkt, Legitimattisierung und der Grund zu erzählen.
Auf der Ebene der Narration herrscht die ganze Erzählung über der Eindruck die Geschichte würde von einem „heterodiegetischen Erzähler“ 4 in einem „unfokalisierten Modus“ 5 erzählt. Für eine Geschichte im „Null-Fokus“ spricht auch, dass die Erzählung von „Anachronien“, in diesem Fall „externen Analepsen“ 6, durchsetzt ist. Außerdem berichtet die Erzählerin ausführlich von den Gedanken und Gefühlen der von ihr erzählten Figuren, was ebenfalls gewöhnlich nur in einem „unfokalisierten Modus“ möglich ist.
Die erzählte Zeit7, einschließlich des Epilogs, umfasst etwa 100 Jahre. Auf der Ebene der Geschichte ist das früheste erwähnte Datum 1892.8 In diesem Jahr schreibt Medeas Tante, zu deren Ehre Medea ihren Namen erhielt, einen Brief an Matilda, Medeas Mutter. Das letzte Ereignis in der chronologischen Abfolge der Geschichte ist das Schreiben des Epilogs durch die Erzählerin, was nach dem Sommer 1995 stattgefunden haben muss, da im Sommer 1995 die Erzählerin und ihr Mann zum letzten mal auf der Krim gewesen waren.9 Zwischen diesen beiden Daten passieren unzählige Ereignisse in der Geschichte der unzähligen Figuren, von denen ein „heterodiegetischer“, im „unfokalisierten Modus“ erzählender Erzähler, aber wohl kaum ein „homodiegetischer“, im „internenen“10 oder gar externen Fokalisierungsmodus berichtender Erzähler, Kenntnis haben kann.
[...]
1 Ulitzkaja, Ljudmila: Medea und ihre Kinder. S 379- S 383
2 1. Mose, 11.10 – 1. Mose, 50.26
3 Genette, Gérard: Die Erzählung die Termini „Erzählung“, „Geschichte“ und „Narration“ stammen aus ebendiesem Werk
4 http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/epik/stimme.htm
5 http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/epik/foktyp.htm
6 http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/epik/zeitgenette.htm
7 http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/epik/erzeit.htm
8 Ulitzkaja, Ljudmila: Medea und ihre Kinder. S 226
9 Ulitzkaja, Ljudmila: Medea und ihre Kinder. S 379
10 http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/epik/foktyp.htm
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