„Zimnjaja imperija dereva (...)“ von Arkadij Dragomoschenko – ein postmodernistisches Gedicht

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Details
Autor: Katharina Friesen
Fach: Russistik / Slavistik
Veranstaltung: Hauptseminar: Die Zeit der Lyrik
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Slawische Fakultät)
Jahr: 2004
Seiten: 29
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 18 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 262 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55795-5
ISBN (Buch): 978-3-638-67767-7
Zusammenfassung / Abstract
Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Gedicht „Zimnjaja imperija dereva (...)“ von Arkadij Dragomo(?)čenko unter der Annahme und dem Aspekt eines zum Teil bewusst postmodernistischen und dekonstruktivistischen Werks zu analysieren und zu interpretieren. Es ist ein Fragment aus einem mit „Pod podozrenijem“ überschriebenen Ganzen aus dem Zyklus „Opisanie“, entstanden in den 90-er Jahren des 20. Jh.1 Der postmodernistische und dekonstruktivistische Aspekt ergibt sich sicherlich auch aus der Perspektive meiner Lektüre. Es scheint als müsse man bei der Interpretation moderner Lyrik sehr vorsichtig sein. Einen Text fixieren, einengen, in seinen Möglichkeiten einschränken und kategorisieren zu wollen, scheint die größte Sünde beim Lesen zeitgenössischer Lyrik zu sein,2 was zum großen Teil in ihrem Wesen selbst angelegt ist. Eine gewisse Fixierung des Textes wird sich jedoch bei einer Interpretation, auch wenn sie dekonstruktivistische Ansätze hat, nicht vermeiden lassen. Wie gesagt, soll das Gedicht unter dem Aspekt des Postmodernismus und Dekonstruktivismus unter Zuhilfenahme der „Grammatologie“ von Jacques Derrida3 gelesen werden. 1 http://www.vavilon.ru/texts/dragomot4.html (11.03.2004) 2 vgl. dazu den Kommentar von Anatolij Barzah zu dem Zyklus „Opisanie“ von A. Dragomoscenko unter http://www.vavilon.ru/texts/barzakh1.html (11.03.2004) 3 Derrida, Jacques: Grammatologie. Suhrkamp. Frankfurt am Main 1983.
Textauszug (computergeneriert)
Humboldt-Universität zu Berlin
Slawische Fakultät
Hauptseminar: Die Zeit der Lyrik
„Zimnjaja imperija dereva (...)“ von Arkadij Dragomoschenko – ein postmodernistisches Gedicht
Katharina Friesen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
1.1. Was ist Postmodernismus? ... 3
2. Analyse des Gedichts „Zimnjaja imperija dereva (...)“ ... 8
2.1. Spiel mit der Erfahrung der Präsenz. Zeitliche und räumliche Bezüge ... 9
2.1.1. Semantische Beziehungen von „Heute ... Gestern ... Vergangenheit“ ... 9
2.1.2. Partizipien und Adverbialpartizipien ... 11
2.1.3. Teilung des Raumes: draußen oder drinnen? ... 13
2.1.4. „Verzeitlichung“ und Aufschub ... 14
2.2. Dekonstruktion des Musen – Mythos ... 15
2.2.1. Das Personalpronomen “ona” ... 16
2.2.2. Intertextuelle Bezüge zu Achmatova und Mandel´(?)tam ... 18
2.2.3. Sinnlosigkeit als Allegorie ... 22
2.3. „Zimnjaja imperija dereva (...)“ - ein postmodernistisches Gedicht ... 23
3. Zitierte und erwähnte Originaltexte ... 24
3.1. „Zimnjaja imperija dereva (...)“, Arkadij Dragomo(?)čenko, 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts ... 24
3.2. „Bessonnica. Gomer. (...)“, Osip Mandel´(?)tam, 1915 ... 25
3.3. „Bessonnica“, Anna Achmatova, 1912 ... 26
3.4. „Muza“, Anna Achmatova, 1924 ... 27
3.5. „Muza“, Aleksandr Pu(?)kin, 1821 ... 27
4. Literaturverzeichnis ... 29
4.1. Links ... 29
1. Einleitung
Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Gedicht „Zimnjaja imperija dereva (...)“ von Arkadij Dragomo(?)čenko unter der Annahme und dem Aspekt eines zum Teil bewusst postmodernistischen und dekonstruktivistischen Werks zu analysieren und zu interpretieren. Es ist ein Fragment aus einem mit „Pod podozrenijem“ überschriebenen Ganzen aus dem Zyklus „Opisanie“, entstanden in den 90-er Jahren des 20. Jh.1
Der postmodernistische und dekonstruktivistische Aspekt ergibt sich sicherlich auch aus der Perspektive meiner Lektüre. Es scheint als müsse man bei der Interpretation moderner Lyrik sehr vorsichtig sein. Einen Text fixieren, einengen, in seinen Möglichkeiten einschränken und kategorisieren zu wollen, scheint die größte Sünde beim Lesen zeitgenössischer Lyrik zu sein,2 was zum großen Teil in ihrem Wesen selbst angelegt ist. Eine gewisse Fixierung des Textes wird sich jedoch bei einer Interpretation, auch wenn sie dekonstruktivistische Ansätze hat, nicht vermeiden lassen. Wie gesagt, soll das Gedicht unter dem Aspekt des Postmodernismus und Dekonstruktivismus unter Zuhilfenahme der „Grammatologie“ von Jacques Derrida3 gelesen werden.
1.1. Was ist Postmodernismus?
Bevor ich mich dem Gedicht selbst zuwende, möchte ich mir über die Position des Dichters und über einige literaturkritische Begriffe klar werden. Zu diesem Zweck soll ein Interview mit Arkadij Dragomo(?)čenko aus „Peterburgskij kni(?)nyj vestnik“4 angeführt werden, aus dem sich zum Teil ergibt, dass Dragomo(?)čenko bewusst in der Tradition des postmodernistischen Stils schreibt. Wir wollen uns dieses Interview mit Arkadij Dragomo(?)čenko etwas genauer ansehen, um auf der Grundlage seines Verständnisses von russischer Dichtung und Dichtung überhaupt zu fragen, was die Begriffe Postmodernismus und Dekonstruktion beinhalten.
Arkadij Dragomo(?)čenko behauptet, dass Russland den Postmodernismus verpasst hätte, „so wie seinerzeit Schuhe im Geschäft, Flugtickets nach Europa oder China, die Philosophie oder das, was man „Politik“ nennt.“. Deshalb würde Russland noch einige Zeit eines der schwach entwickelten Länder bleiben. Damit klassifiziert Dragomo(?)čenko Postmodernismus als einen die westliche Zivilisation bezeichnenden Faktor. In Russland würde man unter die Kategorie des „Postmodernismus“ fallen, nicht weil man seinen allgemeinen Kategorien entspricht, sondern wegen der Produktionsweise, dem Charakter der öffentlichen Beziehungen und wegen dem umgekehrten Verhältnis zwischen Konsument und Produzent.5
Bevor er jedoch sagt, dass Postmodernismus als solcher in Russland nicht möglich sei, erklärt Dragomo(?)čenko Russland im Gegensatz zum englischsprachigen Raum zu einer Art postmodernistischen Raum per se. Der russische Sprachraum sei flexibler, die Flexion spiele hier eine größere Rolle, deshalb brauche man nicht (wie z.B. in den USA) zu radikalen Mitteln der Bewusstseinsveränderung zu greifen. „Für uns (wer damit genau gemeint ist, bleibt offen)6 bleibt die Sprache immer ein unvollendeter Zustand, ein unendliches Versprechen, im Unterschied zu dem, womit die Massenkultur (also die Volkskultur), die Medien und die Werbung, und demnach Ideologie im Allgemeinen, aufwartet.“
Wie kann Dragomo(?)čenko in einem Atemzug Russland den Postmodernismus erst in so breiter Form zusprechen und dann wieder absprechen? Was überhaupt ist Postmodernismus?
Manche versuchen die Periode des Postmodernismus zeitlich einzugrenzen und positionieren sie zwischen den 50er und den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts, also etwa in dem Zeitraum des „Kalten Krieges“. Demnach wäre die Periode des Postmodernismus vorbei und es hätte nun eine neue Epoche begonnen. Andere wiederum bestreiten das Ende der Epoche der Postmoderne.
Vielleicht lässt sich Postmodernismus aber am besten in Beziehung zur Moderne, als Reaktion auf welche er entstanden ist, erklären und abgrenzen. Einige Positionen des Postmodernismus führen diejenigen der Moderne fort oder radikalisieren sie. So wird zum Beispiel die materielle Seite, die des Signifikanten, der Form, von Ausdruckssystemen betont.
Die Motivation dafür unterscheidet sich jedoch bei den beiden Stilepochen. Während die Modernisten die Form nutzten, um sie auf ein funktionales Minimum zu reduzieren und damit etwas Neues, Originelles und Unikales zu schaffen, sehen sich die Postmodernisten auf die Form zurückgeworfen, sie haben kein anderes Arbeitsmaterial als die Form, es gibt nichts als die Form. Für die Moderne galt noch die Auffassung von den zwei verschiedenen Seiten des Zeichens, die sinnlich wahrnehmbare und die intelligible, die des Signifikats, des reinen, vom Signifikanten unberührten Sinns. Für die Postmoderne gibt es hingegen keinen objektiv abgesicherten Sinn mehr, Signifikanten verweisen immer nur auf Signifikanten.
[...]
1 http://www.vavilon.ru/texts/dragomot4.html (11.03.2004)
2 vgl. dazu den Kommentar von Anatolij Barzah zu dem Zyklus „Opisanie“ von A. Dragomoscenko unter http://www.vavilon.ru/texts/barzakh1.html (11.03.2004)
3 Derrida, Jacques: Grammatologie. Suhrkamp. Frankfurt am Main 1983.
4 Zeitschrift „Peterburgskij kni(?)nyj vestnik“, Artikel „O jazyke piva, postmodernizma i ba(?)makov“ No 2 (5) 1999 unter http://bookman.spb.ru/05/Drago/Drago.htm (11.03.2004)
5 vgl. dazu „Auch in der postkommunistischen Sowjetunion versuchen Autoren in einer Abkehr von den Schreibvorgaben des sozialistischen Realismus die Unsicherheit und die Heterogenität ihrer Gegenwart mit postmodernen Verfahren literarisch zu fixieren.“ Microsoft Encarta 97 Enzyklopädie. Stichwort „Postmoderne“
6 eingefügt von K. F.
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