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Untertitel: Vergleich des Dramas „Der Kirschgarten“ von Anton Cechov mit dem Einakter „Gestern“ von Hugo von Hofmannsthal unter Zuhilfenahme des Dramas „Ein Puppenheim“ von Henrik Ibsen unter dem Aspekt der Paradigmatisierung
Autor: Katharina Friesen
Fach: Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Lit.wiss.
Details
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Deutsches Seminar)
Tags: Lyrisierung, Dramas, Seminar, Poetiken, Décadence
Jahr: 2006
Seiten: 39
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 247 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55800-6
ISBN (Buch): 978-3-638-67768-4
Zusammenfassung / Abstract
1 Einleitung In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestanden in Europa mehr oder weniger nebeneinander unterschiedliche literarische Strömungen. Darunter gab es den Naturalismus und die dekadente Strömung. Beide entwickelten sich zunächst in Frankreich und breiteten sich danach allmählich in ganz Europa aus. Ansonsten waren diese Strömungen sehr verschieden, wenn nicht gar gegenläufig. Beide benutzten zur Verwirklichung ihrer Konzepte höchst unterschiedliche Formen und Mittel. In beiden existierte jedoch die Gattung des Dramas, auch wenn der Naturalismus diese Gattung auch um einiges mehr beanspruchte als die Décadence. Ziel dieser Arbeit ist es zunächst zu erarbeiten, welche Rolle das Drama in der jeweiligen literarischen Strömung spielte und welche Funktionen es übernahm und welche Formen es in Folge dessen hatte. Dabei wird der Begriff der Paradigmatisierung, der für die dekadente Dichtung zentral ist, eine wichtige Rolle spielen. Das Ergebnis der Paradigmatisierung des Dramas ist das dekadente lyrische Drama, mit dem sich diese Arbeit, so weit es die Décadence angeht, beschäftigen wird. Leider kann an dieser Stelle nicht auf Richard Wagner und sein Konzept des Gesamtkunstwerks eingegangen werden, das ebenfalls einen großen Einfluss auf die dekadente Literatur ausübte. Obwohl die Konzeptionen des Naturalismus und der Décadence sehr unterschiedlich sind, gibt es literarische Werke, in denen Merkmale beider Strömungen zu finden sind. Eines dieser Werke ist das Drama „Der Kirschgarten“1 (1903) von Anton Čechov (1860-1904). Obwohl es vornehmlich als naturalistisch gilt, möchte ich an einigen Beispielen aufzeigen, dass sowohl seine Struktur, als auch seine inhaltliche Gestaltung dekadente Züge aufweisen. Dazu werden zunächst Kategorien eines dekadenten lyrischen Dramas anhand des Einakters „Gestern“2 (1891) von Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) erarbeitet, um sie daraufhin auf „Der Kirschgarten“ anzuwenden. Um zu zeigen, dass die Struktur von „Der Kirschgarten“ dem dekadenten Drama näher ist, als dem naturalistischen, wird im Kapitel 3.2 neben den Strukturen der beiden schon genannten Dramen die Struktur des naturalistischen Stücks „Ein Puppenheim“3 (1879) von Henrik Ibsen (1828-1906) untersucht.
Textauszug (computergeneriert)
Eberhard Karls Universität Tübingen
Deutsches Seminar
Proseminar: Poetiken der Décadence
Lyrisierung des Dramas - Vergleich des Dramas „Der Kirschgarten“ von Anton Cechov mit dem Einakter „Gestern“ von Hugo von Hofmannsthal unter Zuhilfenahme des Dramas „Ein Puppenheim“ von Henrik Ibsen unter dem Aspekt der Paradigmatisierung
Katharina Friesen
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 3
2 Das naturalistische und das lyrische Drama ... 5
2.1 Naturalismus ... 5
2.1.1 Drama als minimetische Gattung ... 6
2.1.2 Das naturalistische Drama ... 8
2.2 Décadence ... 10
2.2.1 ... 12
2.2.2 Das lyrische Drama ... 14
3 Vergleich von „Gestern“ und „Der Kirschgarten“ ... 16
3.1 Sprachliche und inhaltliche Ebene: Verlust der Einheit ... 16
3.1.1 „Gestern“ ... 16
3.1.2 „Der Kirschgarten“ ... 18
3.2 Paradigmatisierung der Struktur ... 20
3.2.1 Handlung und Geschehen ... 21
3.2.2 Geschlossene und offene Form des Dramas ... 21
3.2.3 Ein Puppenheim“ ... 23
3.2.4 „Gestern“ ... 27
3.2.5 „Der Kirschgarten“ ... 33
4 Literaturverzeichnis ... 38
4.1 Primärtexte ... 38
4.2 Sekundärtexte ... 39
1 Einleitung
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestanden in Europa mehr oder weniger nebeneinander unterschiedliche literarische Strömungen. Darunter gab es den Naturalismus und die dekadente Strömung. Beide entwickelten sich zunächst in Frankreich und breiteten sich danach allmählich in ganz Europa aus. Ansonsten waren diese Strömungen sehr verschieden, wenn nicht gar gegenläufig. Beide benutzten zur Verwirklichung ihrer Konzepte höchst unterschiedliche Formen und Mittel. In beiden existierte jedoch die Gattung des Dramas, auch wenn der Naturalismus diese Gattung auch um einiges mehr beanspruchte als die Décadence. Ziel dieser Arbeit ist es zunächst zu erarbeiten, welche Rolle das Drama in der jeweiligen literarischen Strömung spielte und welche Funktionen es übernahm und welche Formen es in Folge dessen hatte. Dabei wird der Begriff der Paradigmatisierung, der für die dekadente Dichtung zentral ist, eine wichtige Rolle spielen. Das Ergebnis der Paradigmatisierung des Dramas ist das dekadente lyrische Drama, mit dem sich diese Arbeit, so weit es die Décadence angeht, beschäftigen wird. Leider kann an dieser Stelle nicht auf Richard Wagner und sein Konzept des Gesamtkunstwerks eingegangen werden, das ebenfalls einen großen Einfluss auf die dekadente Literatur ausübte.
Obwohl die Konzeptionen des Naturalismus und der Décadence sehr unterschiedlich sind, gibt es literarische Werke, in denen Merkmale beider Strömungen zu finden sind. Eines dieser Werke ist das Drama „Der Kirschgarten“1 (1903) von Anton Čechov (1860-1904). Obwohl es vornehmlich als naturalistisch gilt, möchte ich an einigen Beispielen aufzeigen, dass sowohl seine Struktur, als auch seine inhaltliche Gestaltung dekadente Züge aufweisen. Dazu werden zunächst Kategorien eines dekadenten lyrischen Dramas anhand des Einakters „Gestern“2 (1891) von Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) erarbeitet, um sie daraufhin auf „Der Kirschgarten“ anzuwenden.
Um zu zeigen, dass die Struktur von „Der Kirschgarten“ dem dekadenten Drama näher ist, als dem naturalistischen, wird im Kapitel 3.2 neben den Strukturen der beiden schon genannten Dramen die Struktur des naturalistischen Stücks „Ein Puppenheim“3 (1879) von Henrik Ibsen (1828-1906) untersucht.
2 Das naturalistische und das lyrische Drama
2.1 Naturalismus
Der Naturalismus entwickelte sich vor allem als Reflektion des immer stärker in Erscheinung tretenden bürgerlich-materialistischen Kapitalismus und der sich darauf aufbauenden Mittelklassedemokratie.4 Außerdem beeinflussten wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien wie die Evolutionstheorie von Charles Darwin, die ökonomische Gesellschaftsanalyse von Karl Marx oder die Beobachtungen Claude Bernards zur menschlichen Physiologie, die Mitte des 19. Jahrhunderts aufkamen, stark die Inhalte und Werte der naturalistischen Strömung. Entsprechend stützte sich der Naturalismus weitestgehend auf die Annahme, dass jegliches Dasein einen ständigen Evolutionsprozess darstellte und dass menschliches Verhalten durch wissenschaftliche Analysen erklärt werden konnte. Daraus folgte wiederum, dass die Persönlichkeit eines Individuums vor allem das Ergebnis einer Kombination seines Erbguts und der Einflüsse seines sozialen Milieues war. Diese theoretischen Grundlagen führten dazu, dass sich die vom Naturalismus beeinflusste Literatur vorwiegend damit beschäftigte, die Verhältnisse innerhalb bestimmter sozialer Milieus und häufig innerhalb von Familien zu beschreiben.5 Neu war auch, dass die Darstellung der verschiedenen Einflüsse, die auf einen Menschen einwirkten, dazu führte, dass im Zentrum naturalistischer Werke höchst individualisierte und so genau wie möglich gezeichnete Charaktere standen. Typisch für den Naturalismus war jedoch vor allem seine sozialkritische Komponente, die ihn vom sogenannten „bürgerlichen Realismus“ unterschied.6
Auch Émile Zola (1840-1902), der einen entscheidenden Einfluss auf die Literatur des Naturalismus ausübte, hielt die Faktoren der genetischen Vererbung und der Umwelt für entscheidend für das Schicksal eines Menschen. Durch seine Romane und seine theoretischen Schriften bestimmte er maßgeblich die Richtung der naturalistischen Literatur.7 Die Definition Zolas, die er für ein naturalistisches Werk gibt, lautet: „Une oeuvre d′art est un coin de la nature, vu à travers un tempérament“8. Maßgeblich für die naturalistischeStrömung waren auch die naturalistischen Dramen des Norwegers Henrik Ibsen (1828-1906).
In Deutschland entwickelte Arno Holz (1863-1929) ein Konzept des „konsequenten Naturalismus“. Die Definition Zolas erschien ihm als nicht ausreichend, da er durch die Rolle des Temperaments, vermittelst dessen die Natur dargestellt werden sollte, die nötige Objektivität der Darstellung gefährdet sah. Als Folge seiner Suche nach einer neuen Kunstform, die es ermöglichen sollte, „jede Einzelheit eines Vorgangs oder Gesprächs darzustellen“, entstand der „Sekundenstil“. Zwei Jahre später fasste Arno Holz seine theoretischen Erkenntnisse in der Schrift „Die Kunst – Ihr Wesen und ihre Gesetze“ (1891) zusammen. Hier gab er eine neue Definition eines naturalistischen Kunstwerks, die diejenige Zolas ersetzen sollte. Diese lautete: Kunst = Natur – x. x steht dabei für „die jeweils vorherrschenden ′Reproduktionsbedingungen und deren Handhabung′ “ und sollte möglichst gegen 0 laufen.9
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1 Čechov, Anton: Vi(?)nevyj sad. In: Anton Pavlovič Čechov. Sobranie sočinenij v (?)esti tomach. Bnd. 5. Moskau. 1995. S 343-399. Tschechow, Anton: Der Kirschgarten. In: Anton Tschechow. Dramen. München. 1969. S 525-589.
2 von Hofmannsthal, Hugo: Gestern. In: Hugo von Hofmannsthal. Gesammelte Werke. In zehn Einzelbänden. Bnd. 1. Frankfurt a.M. 1979. S 211-243.
3 Ibsen, Henrik: Nora oder Ein Puppenheim. Stuttgart. 1982.
4 Innes, Christopher: A Sourcebook on Naturalist Theatre. London / New York. 2000. S 6.
5 Innes, Christopher. S 6.
6 Innes, Christopher. S 13.
7 Hoefert, Sigfrid: Das Drama des Naturalismus. Stuttgart. 3. Aufl. 1979. S 3-4.
8 zitiert nach Hoefert, Sigfried. S 9.
9 Innes, Christopher. S 9.
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