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Autor: Gesa Brüchmann
Fach: Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Details
Institution/Hochschule: Universität Hamburg (Institut für Soziologie)
Tags: Internationale, Währungsfond, Organisation, Weltwirtschaftssystem, Globalisierung, Neoliberalisierung, Monetarismus, Strukturen, Weltwirtschaftsordnung
Jahr: 2004
Seiten: 21
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 176 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55856-3
Textauszug (computergeneriert)
Universität Hamburg, Fachbereich Sozialwissenschaften
Oberseminar, Wintersemester 2003/04
Der Internationale Währungsfond als multilaterale
Organisation im internationalen Weltwirtschaftssystem
von: Gesa Brüchmann
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung
2. Einordnung des IWF in das internationale Wirtschafts- und Finanzsystem
2.1. Entstehung, Aufbau und Organisation des IWF
2.2. Der IWF und die Asienkrise
3. Die Rolle des IWF in der aktuellen sozial- und wirtschaftspolitischen Diskussion - Chancen und Risiken einer multilateralen Organisation
3.1. Der IWF in der Kritik
3.2. Zukunftschancen für den IWF
4. Fazit
I. EINLEITUNG
Die Rahmenbedingungen für die Akteure auf den internationalen Finanzmärkten haben sich in den letzten Jahrzehnten merklich verändert. Sichtbar ist dies auch durch die fortschreitende Globalisierung geworden, die unter anderem dazu geführt hat, dass sich die Staaten durch Kapitalanlagen und Kreditnahmen untereinander immer weiter vernetzt haben. Auch durch die Abschaffung der flexiblen Wechselkurse und dem damit einhergehenden Ende des Bretten-Wood-Systems hat sich die Architektur der Weltwirtschaft maßgeblich verändert. Neben den positiven Effekten der Globalisierung können die dabei entstehenden negativen Effekte wie zum Beispiel die gestiegene Anzahl von Wirtschaftskrisen in den letzten Jahren nicht mehr übersehen werden. So hatten die Krisen in Ländern wie Mexiko, oder die sogenannte Asienkrise Ende der 90er Jahre, Auswirkungen weit über ihre Landesgrenzen hinaus. Damit stellen sie eine potentielle Gefahr für das Funktionieren und die Stabilität des internationalen Finanzsystems dar.
Trotzdem spielen Institutionen wie die Weltbank und der Internationale Währungsfond (IWF) immer noch eine entscheidende Rolle im Weltwirtschaftsgeschehen und werden oft als „Motoren der Globalisierung“ bezeichnet. Der IWF als eine der einflussreichsten multilateralen Finanzinstitutionen aber rückte im Verlauf der Krisen immer mehr ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit und wurde zur bevorzugten Zielscheibe der Antiglobalisierungsbewegung. Gerade sein Verhalten während der Wirtschaftskrisen in Russland und Asien gab vielen Anlass zu ausgeprägter Kritik. Es kam daraufhin im weiteren Verlauf zu einer breiten Debatte mit zahlreichen Diskussionen und Vorschlägen über die Struktur und eine eventuelle Neuordnung des internationalen Finanzsystems. Häufig stieß man auf den Vorwurf, der IWF hätte sich zu einer Art Erfüllungsgehilfen der Spekulanten machen lassen, und hätte stattdessen nicht regulierend auf das Marktgeschehen eingewirkt um die Stabilität des internationalen Finanzsystems zu unterstützen.
Die Ansätze einer Neuordnung reichen von einer stark regulierenden internationalen Wirtschaft bis hin zu weitreichenden Konzepten über die Demokratisierung, Transparenz und Struktur internationaler Unternehmen und eine tiefergreifende Einbindung von Nichtregierungsorganisationen (NRO´s). Dies alles wird zusammengefasst unter dem Schlagwort der Global Governance, auf das ich im weiteren Verlauf noch eingehen werde. Erklärtes Ziel dieser Reformvorschläge ist es Maßnahmen zu finden, die sich in Richtung Krisenprävention bewegen, um so die Stabilität der internationalen Märkte zu steigern. Kritik am bestehenden System und Vorschläge zu dessen Verbesserung kommen sowohl von privater Seite und gesellschaftlichen Gruppen wie NRO´s, als auch aus der politik- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschung von Universitäten und Instituten und von den Akteuren der Märkte selbst.
Die bis zum heutigen Zeitpunkt anhaltende Diskussion zeigt aber, dass es zwar in bestimmten Punkten Übereinstimmungen und Überschneidungen in den angestrebten Zielen gibt, aber noch keine Einigung darüber besteht, welche der Vorschläge zur Prävention internationaler Krisen am besten geeignet ist, ohne dabei die positiven Effekte der Globalisierung zu untergraben.
II. EINORDNUNG DES IWF IN DAS INTERNATIONALE WIRTSCHAFTS- UND FINANZSYSTEM
1. ENTSTEHUNG UND ORGANISATION DES INTERNATIONALEN WÄHRUNGSFONDS
Der IWF wurde 1945 als Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit der Unterzeichnung eines Übereinkommens von 29 Ländern gegründet, basierend auf der Konferenz von Bretton Woods im Jahr 1944. Die Notwendigkeit einer solchen Institution ging zurück auf die große Depression und die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920-er Jahre und man hatte erkannt, dass die Grundlage einer stabilen Weltwirtschaft ein solides und vernünftiges Währungssystem war. Damals mussten Tausende von Banken Konkurs anmelden, die Agrarpreise fielen unter die Erzeugerkosten, Betriebe mussten ihre Produktion einstellen, die Menschen verloren ihr gesamtes Sparvermögen und die Zahl der Arbeitslosen stieg dramatisch an. Auch die Auswirkungen auf die Finanzwelt waren dramatisch; das verlorene Vertrauen in Papiergeld steigerte die Goldnachfrage und die führte wiederum dazu, dass Gold und Geld gehortet wurden und einige Regierungen den Umtausch von Landes- in Fremdwährung stark einschränkten.
Unter anderem Harry Dexter White und John Maynard Keynes bemühten sich dann in den 30er Jahren um die Schaffung eines neuen Weltwährungssystems und einer internationalen Institution zur Überwachung dieses Systems. Trotz schwieriger Verhandlungsbedingungen und einer Welt im Kriegszustand kam es im Juli 1944 unter der Beteiligung von 44 Staaten zur Errichtung des Internationalen Währungsfonds. Der Fond nahm seine Tätigkeiten im Mai 1946 in Washington, D.C. auf und zählte in seiner Anfangszeit 39 Mitglieder. Seine Arbeit sollte für stabile Wechselkurse garantieren, da sie als eine Grundvoraussetzung für einen stetigen Wachstum des Welthandels und somit einer soliden Wirtschaft gesehen wurde.
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