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Autor: Gesa Brüchmann
Fach: Geschichte - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Details
Institution/Hochschule: Universität Hamburg (Institut für Geschichte)
Tags: Theresienstadt, Geschichte, Vorzeigeghettos, Juden, Deutschland
Jahr: 2002
Seiten: 15
Note: 1,1
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 170 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55860-0
Textauszug (computergeneriert)
Universität Hamburg, Fachbereich Geschichte
Institut für die Geschichte der deutschen Juden
WS 2001/2002
Theresienstadt - Die Geschichte eines deutschen
"Vorzeigeghettos"
von: Gesa Brüchmann
1. Einleitung
1.1. Vorwort
1.2. Was ist Theresienstadt
2. Hauptteil
2.1. Deportationen, Zusammensetzung der Häftlinge und Gruppenbildung
2.2. Lageralltag
2.3. Das Bild des Ghettos nach außen
2.4. Befreiung des Lagers
3. Schlussteil
3.1. Fazit
Anhang: Literaturverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Vorwort
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit dem Schicksal der in Theresienstadt internierten Juden. Dazu werde ich zuerst auf die Gründung des Lagers und die Absichten der Nationalsozialisten eingehen. Theresienstadt hatte für sie eine wichtige außenpolitische und propagandistische Bedeutung und diente vor allem als „Vorzeigeghetto“. Von jüdischer Seite aus wollte man versuchen, das Lager aufgrund seiner Produktivität am Leben zu erhalten, um weitere Deportationen in Vernichtungslager wie Auschwitz und Treblinka zu verhindern. Danach folgt eine Darlegung der Lebensumstände in Theresienstadt und abschließend ein kurzes Resumée.
Ich werde im folgenden immer wieder auf die Erlebnisse von Federica Spitzer und Martha Glass, zwei Jüdinnen, die Theresienstadt überlebt haben, zurückgreifen. Federica Spitzer, geboren 1911 in Wien, wurde im Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert. Ihr gelang es vor der Befreiung des Lagers auf einem Transport in die Schweiz zu emigrieren, wo sie nach einem mühsamen Neubeginn wieder als Sekretärin arbeiten konnte. Martha Glass, geborene Stern, wurde 1878 in München-Gladbach geboren. Sie war verheiratet mit Hermann Glass und gemeinsam besaßen sie ein Modegeschäft an der Mönckebergstraße/Ecke Bergstraße1. Die Hamburger Jahre verbrachte die Familie wie viele andere, die zum jüdischen Bürgertum der Hansestadt gehörten, in Vierteln wie Rotherbaum, Eppendorf und Harvestehude. Die Tagebücher von Martha Glass wurden nach ihrem Tod im Jahr 1959 von ihrer Tochter Ingeborg Tuteur aufbewahrt, die sie in den 90-er Jahren dem Hamburger Staatsarchiv übergab.
1.2. Was ist Theresienstadt
Auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 wurde die bereits begonnene Vernichtung der Juden unter den NS-Behörden koordiniert: rund 11 Millionen europäische Juden sollten in die von den Deutschen besetzten Gebiete im Osten deportiert werden. Juden im Alter von über 65 Jahren, gebrechliche ab 55 Jahren und jüdische Ehepartner aus nicht mehr bestehenden Mischehen sollten in das sogenannte „Altersghetto“ Theresienstadt geschickt werden.
Theresienstadt liegt im heutigen Tschechien, ca. 60km nördlich von Prag. Früher war Theresienstadt eine Festungsstadt zur Stationierung von Militär, benannt nach der Kaiserin Maria Theresia. Die Nationalsozialisten funktionierten die Stadt, - die von Deutschland besetzten tschechischen Gebiete wurden 1939 als „Protektorat Böhmen und Mähren“ dem Deutschen Reich angegliedert -, im Zweiten Weltkrieg in ein Ghetto bzw. Durchgangslager um.
Pläne zur Errichtung einer „geschlossenen jüdischen Siedlung unter der Aufsicht der deutschen Behörden“2 waren schon Monate zuvor in der IKG Prag (Israelitische Kultusgemeinde) diskutiert worden. Von jüdischer Seite aus sah man eine solche „Siedlung“ als Schutz vor weiteren Deportationen in den Osten. Doch schon die Entstehung des Lagers zeugt von dem Maß der jüdischen Selbsttäuschung, da Theresienstadt vor allem als Durchgangslager in die Vernichtungsstätten Osteuropas diente. Ein genauer Plan der Nationalsozialisten findet sich erstmals in einem Konferenzprogramm vom 10. Oktober 1941: Es war geplant, in Theresienstadt erstens die meisten Juden aus dem Protektorat, sowie aus Deutschland und den westeuropäischen Ländern bestimmte Gruppen von Juden (prominente Personen mit besonderen Verdiensten und alte Menschen) zusammenzuziehen, zweitens die Internierten allmählich von Theresienstadt in Vernichtungslager zu deportieren und drittens die Ermordung der europäischen Juden vor der Weltöffentlichkeit dadurch zu verschleiern, dass man Theresienstadt als eine jüdische Mustersiedlung präsentierte. Im Juni 1942 war die Aussiedlung der ca. 3.700 nicht-jüdischen Einwohnern abgeschlossen und ab da an galt Theresienstadt ausschließlich als Lager.
2. Hauptteil
2.1. Deportationen, Zusammensetzung der Häftlinge und Gruppenbildung
[...]
1 Glass, Martha: „Jeder Tag in Theresin ist ein Geschenk“: Die Theresienstädter Tagebücher einer Hamburger Jüdin 1943-1945“. Hrsg. von Barbara Müller-Wesemann. Hamburg 1996, S.13-S.15
2 Meyer, Michael A. (Hrsg.): „Deutsch-Jüdische Geschichte in der Neuzeit“. Bd. 4: „Aufbruch und Zerstörung 1918-1945“. München 1997, S.352
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