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Außerschulisches Lernen als konstruktiver Prozess - Das Beispiel Wattenmeer

Examination Thesis, 2006, 85 Pages
Author: Gönke Brodersen
Subject: Geography / Earth Science - Didactics of Geography

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2006
Pages: 85
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 49  Entries
Language: German
Archive No.: V62713
ISBN (E-book): 978-3-638-55911-9

File size: 1374 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Flensburg

Schriftliche Hausarbeit
zur Ersten Staatsprüfung
für die Laufbahn der Realschullehrerin in Schleswig-Holstein

Außerschulisches Lernen als konstruktiver Prozess - Das Beispiel Wattenmeer

Gönke Brodersen

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 6

1.1 Festlegung und Eingrenzung des Themas
1.2 Zentrale Fragestellung und Ziele der Arbeit
1.3 Methodische Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

2. Der Konstruktivismus als pädagogische Weltanschauung ... 11

2.1 Definitionen und Grundlagen
2.1.1 Probleme traditioneller Unterrichtsansätze
2.1.2 Schlüsselbegriffe des Konstruktivismus
2.1.3 Grundzüge konstruktivistischer Didaktik
2.1.4 Paul Watzlawick – ein radikal-konstruktivistischer Standpunkt
2.1.4.1 Kritische Meinung zu WATZLAWICK von Bettina Girgensohn-Marchand
2.1.2 Heinz Mandl – aus der Sicht eines moderaten Konstruktivisten
2.2 Abgrenzung des Begriffes „Konstruktivismus“ in Bezug auf das Ziel der Arbeit
2.2.1 Konstruktivismus und Instruktion
2.3 Anforderungen an konstruktivistische Lernumgebungen
2.3.1 Gestaltungsansätze

3. Außerschulisches Lernen ... 44

3.1 Definition
3.2 Begründung für den Unterricht
3.3 Schwierigkeiten und Probleme
3.4 Warum ist außerschulisches Lernen in der Geographie relevant?
3.5 Exkursionsdidaktische Strukturelemente aus Kategorien der Erkenntnistheorie
3.6 Anschlussmöglichkeiten exkursionsdidaktischer Leitbilder

4. Synthese: Kriterien und Leitlinien für die Analyse und Planung der Untersuchung ... 58

5. Das Wattenmeer als außerschulischer Lernort ... 60

5.1 Naturerleben im Wattenmeer
5.2 Das Multimar Wattforum
5.3 Untersuchung des Arbeitsbogens „Erkundungsbogen durch die Ausstellung“ auf konstruktivistische Merkmale
5.4 Analyse des Themenbuches „Ebbe, Flut, Sturmflut“ auf konstruktivistische Merkmale
5.5 Ein konstruktivistischer Arbeitsbogen zum Themenbuch „Ebbe, Flut, Sturmflut“

6. Zusammenfassung und Perspektiven ... 80

7. Literaturverzeichnis ... 82

 

 

1. Einleitung


„Watt und Wale neu entdecken.“1

So lautet das Motto des Multimar Wattforums in Tönning und macht damit deutlich, dass hier die Besucher ihr Wissen selbst konstruieren. Hier sind Jung und Alt auf vielfältige Weise „den Geheimnissen des Watts auf der Spur“ (NATIONALPARK WATTENMEER, 2006). Das Verbum entdecken entstammt einer Grundidee der konstruktivistischen Didaktik, aber den Bogen zum Konstruktivismus schlage ich zu einem späteren Zeitpunkt.
Das Thema meiner Examensarbeit „Außerschulisches Lernen als konstruktiver Prozess – Das Beispiel Wattenmeer“ ist in doppelter Hinsicht von großer Aktualität. Zum einen durch die didaktische Diskussion, die zurzeit in Deutschland herrscht. Gerade in den letzten Jahren, in denen besonders durch das „Programme for International Student Assessment“ der OECD, Schule, Unterricht und die Kompetenz der Lehrkräfte in Verruf geraten sind, war die Kritik an der weitgehend praktizierten traditionellen Didaktik groß. Auch aus diesem Grund rückten daraufhin andere didaktische Konzepte in den Vordergrund, die vorher wenig Beachtung gefunden hatten, und ergriffen „die Gunst der Stunde“. Ein besonderes Interesse wurde nun der konstruktivistischen Didaktik entgegengebracht, mit der sich viele Wissenschaftler (u.a. Ernst von Glasersfeld, Paul Watzlawick, Gerhard Roth, Horst Siebert, Heinz Mandl) schon jahrelang eingehend, aber auf unterschiedliche Art und Weise, beschäftigt hatten. Der Konstruktivismus baut sich aus unterschiedlichen Theorien auf. Wichtig sind in diesem Zusammenhang der Radikale Konstruktivismus, die Neurobiologie des Erkennens, die Systemtheorien und die aktuellen kognitionspsychologischen Lernkonzeptionen. Diese vier Theorien bauen zwar aufeinander auf, werden aber je nach Blickwinkel und je nach Betrachter unterschiedlich gedeutet und befinden sich nicht auf der gleichen Ebene. Aus ihnen leiten sich die Basisgedanken der konstruktivistischen Didaktik ab.
Zum anderen ist dieses Examensthema aktuell durch die Einbeziehung des außerschulischen Lernens, das sich in meiner Examensarbeit auf das schulische Lernen an außerschulischen Lernorten versteht. Außerschulisches Lernen gewinnt dadurch, dass besonders die Kinder und Jugendlichen unserer Gesellschaft ihren Lebensraum nicht mehr bewusst wahrzunehmen im Stande sind, im schulischen Kontext immer mehr an Bedeutung. Besonders bei der Schülerschaft erfreut sich außerschulisches Lernen größter Beliebtheit, weil es eine Abwechslung im Schulalltag darstellt und ein Selbsttätigwerden den Wünschen der Lernenden oftmals entspricht.
Ich habe aus persönlichen Gründen exemplarisch das Beispiel Wattenmeer als außerschulischen Lernort ausgewählt, da ich als Studentin in Schleswig-Holstein und heimatverbundene Nordfriesin das Wattenmeer als einzigartige Naturlandschaft empfinde. Daher denke ich, dass jeder Schüler und jede Schülerin2 aus Norddeutschland einmal selbst Schlick an den Füßen, Algen und Muscheln in den Händen und den Duft der Nordseeluft in der Nase verspüren sollte.
„Hilfe für ‘Wattenmeer-Schule’. Unterstützung aus drei Staaten / Ziel: Information für Schulklassen“ (HUSUMER NACHRICHTEN, 2005) dieser Zeitungsbericht vom 07.11.05 aus den Husumer Nachrichten beweist, dass nicht nur ich das Wattenmeer als wichtigen außerschulischen Lernort empfinde. Deutschland, Dänemark und die Niederlande haben bereits ein trilaterales Bildungsprogramm „International Wadden Sea School“ entwickelt und so Schülern die Möglichkeit eröffnet internationale Klassenfahrten wahrzunehmen und in diesem Rahmen alles Wissenswerte über das gemeinsame Natur- und Kulturerbe zu erfahren (vgl. HUSUMER NACHRICHTEN, 2005).
Um ein so komplexes Thema im Rahmen einer Examensarbeit sinnvoll bearbeiten zu können, werde ich im Folgenden die Schwerpunkte meiner drei Themenkreise (Konstruktivismus, außerschulisches Lernen und das Wattenmeer als außerschulischer Lernort), festlegen.


1.1 Festlegung und Eingrenzung des Themas

Mit meiner Arbeit möchte ich zeigen, wie sich die Diskussion um die konstruktivistische Didaktik in den letzten Jahren entwickelt hat. Ich möchte untersuchen, wie weit die konstruktivistischen Merkmale schon Anklang in methodischen Konzepten der Geographie gefunden haben und in wieweit der konstruktivistische Denkansatz konkret in Methodenvorschläge eingearbeitet wird. Dies möchte ich anhand verschiedener didaktischer Konzepte auf einen Besuch des Multimar Wattforums in Tönning anwenden.
Das weltweit einzigartige Wattenmeer erstreckt sich im Flachküstenbereich der Nordsee von der niederländischen Insel Texel bis zur dänischen Insel Esbjerg. In diesem ca. 8000 Quadratkilometer großen Gebiet gibt es zahlreiche Orte (z.B. die Inseln, die Halligen, das Watt), die als außerschulischer Lernort in Frage kommen. Aus diesem Grund habe ich als außerschulischen Lernort exemplarisch das größte Informationszentrum für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer – das Multimar Wattforum in Tönning – ausgewählt, da es sich mit einer Vielfalt an didaktischen Angeboten und Lernmöglichkeiten in diesem Kontext hervorragend als Untersuchungsort im Rahmen meiner Examensarbeit eignet.
Zur besseren Orientierung werde ich nun zentrale Fragestellungen und die Ziele meiner Arbeit, die ich verfolgen werde, vorstellen.


1.2 Zentrale Fragestellungen und Ziele der Arbeit

 

[... ]


1 NATIONALPARK WATTENMEER (2006): Multimar Wattforum. Watt und Wale neu entdecken!
2 Im Folgenden verwende ich aus Gründen der Lesbarkeit bei personenbezogenen Bezeichnungen wie beispielsweise „Schüler/innen“ und „Lehrer/innen“ immer die männliche Form. Dabei sind grundsätzlich die Vertreter beider Geschlechter gemeint.


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