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Autoren: Stephan Ulrich, Sebastian Troch
Fach: Wirtschaft - Sonstiges
Details
Institution/Hochschule: Universität Lüneburg (Soziologie)
Tags: Strategien, Mineralölkonzerne, Weltwirtschaft, Erdöls
Jahr: 2005
Seiten: 37
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 31 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 327 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55917-1
Textauszug (computergeneriert)
Strategien großer Mineralölkonzerne
von: Stephan Ulrich und Sebastian Troch
WS 2005/2006
1. Einleitung
2. Mineralölkonzerne im Spiegel der Weltwirtschaft
2.1. Ein empirischer Vergleich von Branchengrößen mit anderen Akteuren
2.2 Besonderheiten der Mineralölbranche
2.2.1 Wertschöpfungskette und Außenwirkung
2.2.2 Markt- und Preisstruktur
2.2.3 Struktur der Unternehmen der Mineralölbranche im Allgemeinen Fallbeispiel: Royal-Dutch-Shell-Group
3. Strukturen von Mineralölkonzernen
3.1 Die Royal-Dutch-Shell-Gruppe
3.1.1 Die Geschichte der Royal-Dutch-Shell
3.1.2 Aktuelle Zahlen und Fakten
3.2. Die Struktur des Konzerns
3.2.1. Das weltweite Netz des Konzerns
3.2.2. Die Hauptgeschäftsfelder der Royal-Dutch-Shell
3.2.2.1. Exploration und Produktion von Erdöl und Erdgas
3.2.2.2. Verarbeitung und Verkauf von Mineralöl(produkten)
3.2.2.3. Vertrieb von Erdgas
3.2.2.4. Das Chemiegeschäft
3.2.2.5. Erneuerbare Energien
3.2.2.6. Handel und Transport
3.2.2.7. Weltweite Lösungen und Beratung (Global Solutions & Consulting)
3.3. Zwischenfazit
4. Strategien von Mineralölkonzernen
4.1. Die strategische Ausrichtung des Konzerns
4.1.1. Vertikale Integration - Mit dem Konzernweitblick in die Zukunft
4.1.2. Vertikale zukünftige strategische Änderungen im Geschäftsablauf
4.2. Interpretation der Ergebnisse anhand zweier soziologischer Modelle
5. Schlussfazit und Zukunftsausblick
6. Quellenverzeichnis
7. Anhang
1. Einleitung
„Kaufen, wohnen, reisen – eigentlich läuft doch alles wie geschmiert.“1 Öl ist der Motor der Wirtschaft und Treibstoff der Globalisierung. Ehe das Gemisch aus aber Millionen Kohlenwasserstoffen als flüssiger Energieträger unsere Automobile auf Geschwindigkeiten von über 200 km/h beschleunigt, es verhindert, dass Metalle aufeinander reiben bis sie defekt sind, ehe eine Planierraupe einen neuen Straßenbelag auf unbefahrbaren Sand gießt, und der Kunde im Supermarkt seine Plastiktüte erhält, bis dahin vergehen viele Arbeitsschritte - vom Rohöl zum Endprodukt. An all diesen Prozessen sind die großen Mineralölkonzerne maßgeblich beteiligt. Sie suchen, fördern, transportieren, produzieren und vertreiben die Mineralölprodukte. Dabei sind sie in den verschiedensten Regionen der Welt aktiv. Sie waren die ersten weltumspannenden2 und sind heute die wirtschaftlich stärksten Konzerne der Welt.
Diese Ausarbeitung setzt sich mit Mineralölkonzernen im Rahmen der Weltwirtschaft auseinander. Wir nähern uns dem Wirken der Konzerne, indem die Konzerne anhand von aktuellen Daten im Kontext der Weltwirtschaft betrachtet werden. Anschließend werden die Besonderheiten der Mineralölkonzerne im Vergleich zu anderen Branchen herausgestellt, bevor die Strukturen und Strategien anhand eines Fallbeispiels, der Royal-Dutch-Shell- Group3, untersucht werden. Im Schlussteil der Arbeit greifen wir einige Besonderheiten des Fallbeispiels und der allgemeinen Betrachtung wieder auf. Diese sollen an einem theoretischen Bezugsrahmen erklärt werden, der sich zum einen an Wallersteins Weltsystemtheorie und zum anderen an dem Ressource Dependence Ansatz orientieren. Der gesamten Arbeit soll folgende Annahme als Orientierung dienen: Die international agierenden Mineralölkonzerne haben seit ihrer Entstehung am Ende des 19. Jahrhunderts massiv an Einfluss gewonnen. Sie sind sowohl horizontal als auch vertikal unvergleichlich in die Weltwirtschaft eingebunden und wirken dabei auf sämtliche Stakeholder4 ein. Damit schafft die Mineralölbranche vielfältige Abhängigkeiten auf verschiedenen Ebenen.
Die Strukturen von Mineralölkonzernen sind perfekt an die Bedingungen in der Weltwirtschaft des Öls angepasst und ihre besondere Rolle ist Ausdruck innovativer unternehmerischer Strategien.
2. Die Mineralölkonzerne im Kontext der Weltwirtschaft
2.1. Vergleich von Branchengrößen mit anderen Akteuren
Die Tabelle A zeigt sehr die deutliche Dominanz der Mineralölkonzerne unter den größten Konzernen der Welt. Hinter dem Einzelhandelsriesen „Wal-Mart“ (2004, 263 Mrd. $ Umsatz) befinden sich auf den Plätzen zwei bis vier ausschließlich Mineralölkonzerne.5 Zieht man die aktuellsten Umsatz- und Gewinnzahlen hinzu, dann stellt man fest, dass die Mineralölkonzerne, getrieben vom hohen Ölpreis, weiter kräftig an Umsatz und Gewinnen zugelegt haben.6
Exxon-Mobil verzeichnet beispielsweise im dritten Quartal ein Umsatzplus von 32% und setzt damit 100 Mrd. $ in einem Quartal um, was darauf schließen lässt dass 2005 der Mineralölkonzern an der Spitze der umsatzstärksten Konzerne stehen wird. Auch die Gewinne sind enorm: Exxon-Mobil erwirtschaftete im dritten Quartal 9,9 Mrd. $, Shell 7,8 Mrd. $ und BP 5,5 Mrd. $.7 Helge Holler (Greenpeace) zitiert den Standard & Poor′s 500 Aktienindex, in dem für die 29 größten darin vertretenen Ölfirmen ein Jahresgewinn von knapp 100 Mrd. $ prognostiziert wird.8 Im Folgenden sollen einige Vergleiche die Dimension der Konzernkennzahlen verdeutlichen. Überschlägt man den Jahresumsatz der großen Mineralölkonzerne anhand der drei in den Quartalsberichten veröffentlichten Daten, und geht davon aus, dass sich an der Entwicklung im vierten Quartal nicht viel ändert, kommt man zu den Ergebnissen von Abbildung 1. Die Daten können von den in einigen Artikeln genannten Zahlen leicht abweichen, weil augenscheinlich abweichende Methoden zur Umsatz und Gewinnermittlung verwendet werden.
Die in der Tabelle veranschlagten Umsätze sind die Umsätze aus den Vierteljahresberichten der Konzerne. Die Mitarbeiterzahlen sind Zahlen aus der oben genannten Tabelle der „Frankfurter Rundschau“ mit Stand 2004.
Abbildung 1 : Eigene Darstellung [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
Abbildung 2: Eigene Darstellung [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
Exxon-Mobil hat das beste Quartalsergebnis vorgelegt, was je ein Konzern überhaupt erwirtschaftet hat. Ein Gewinn von 100 Mrd. $ in drei Monaten entspricht einem Gewinn von ca. 100 Mio $ pro Tag. Um die Größenordnung der Kennzahlen besser zu begreifen, sollen einige Vergleiche gezogen werden. Das Bruttoinlandsprodukt eines Landes wie Dänemark betrug 2004 250 Mrd. $, dies gleicht ungefähr dem Jahresumsatz der Shell. Der Bundeshaushalt der Bundesrepublik Deutschland betrug für 2005 umgerechnet 341 Mrd. $, demnach etwas weniger als der Gesamtumsatz von Exxon-Mobil. Die Gewinne der einzelnen Konzerne können Höhen erreichen, die den Haushalten kleinerer Länder entsprechen.
2.2. Besonderheiten der Mineralölbranche
2.2.1. Wertschöpfungskette und Außenwirkung
Der Gliederungspunkt Wertschöpfungskette und Außenwirkung wird zusammen behandelt, weil gerade die besonders hohe Wertschöpfung ein Grund für die hohe Wirkung auf andere Akteure verursacht. Mineralölkonzerne bewegen Hunderte von Milliarden, deswegen sind sie zum ersten für Regierungen und Politik wichtig. Zum zweiten sind die Produkte, die die Konzerne wegen ihrer Unentbehrlichkeit als Energieträger produzieren, für Regierungen, Politiker und andere Akteure des Wirtschaftssystems von fundamentaler Bedeutung. Anthony Sampson ist der Meinung, dass die Konzerne durch das Erdöl – „die Quellen ihres einzigartigen Einflusses“ – „zu Herren des Welthandels“ wurden.9 Weiter stellt Sampson fest, dass die Nationalstaaten einen Teil ihrer Souveränität an die Konzerne verloren hätten, indem die Staaten ihnen Konzessionen über die Nutzung des Landes gaben.10 Deutlich erkennbar ist, dass die großen Mineralölkonzerne höhere Umsätze haben als andere Großkonzerne. Lediglich Wal-Mart übertrifft beim Umsatz die Shell, bleibt jedoch hinter BP und Exxon zurück, obwohl aus dem Quartalsbericht hervorgeht, dass ein Rekordumsatz und Rekordergebnis erzielt wurde. Auf der Gewinnseite hingegen kann kein anderer Großkonzern mit den Konzernen der Mineralölbranche mithalten. Die letzten Spalten der Tabellen 1 und 2 zeigen die Anzahl an Mitarbeitern (Stand 2004)11.
[...]
1 Campbell, Colin: Ölwechsel. Das Ende des Erdölzeitalters und die Weichenstellung für die Zukunft. 2002, S. 7
2 Sampson, Antony: Die Sieben Schwestern, 1976, S.20.
3 Im Folgenden sollen für diese Bezeichnung synonym die Begriffe Shell, Royal-Dutch, RDS, Konzern gelten
4 Bedeutet: Alle Anspruchsgruppen im sozioökonomischen Kontext
5 FR-InfoGrafik, in: „Wirtschaftsthema Geballte Macht“, Frankfurter Rundschau, S. 25, 18.03.05. (siehe Anlage)
6 Vgl. auch: „Ölkonzerne- Sie schwimmen im Geld“ , „Manager-Magazin“, 27.10.2005.
7 Financial Times Deutschland 27.10.2005.
8 Vgl. Internetseite von Greenpeace zum Thema Öl unter. http://www.greenpeace.de/themen/oel/nachrichten/artikel/fast_10_milliarden_profit_in_nur_drei_monaten/ , Zugriff am 10.11.05.
9 Sampson, Anthony, 1976, S. 20.
10 Ebenda.
11 DaimlerChrysler und Siemens Stand 2005.
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