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Leere Zeichen, wirkliche Welt? Eine Untersuchung der leeren Zeichen von Roland Barthes und der "reinen" Zeichen von Jean Baudrillard

Autor: Nadia Zeltzer
Fach: Medien / Kommunikation - Fachkommunikation, Sprache

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Details

Veranstaltung: HS - Dieter Hirschfeld: Stadtbeschriftung. Semiotische Interieurs
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin
Tags: Leere, Zeichen, Welt, Eine, Untersuchung, Zeichen, Roland, Barthes, Zeichen, Jean, Baudrillard, Dieter, Hirschfeld, Stadtbeschriftung, Semiotische, Interieurs
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 22
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 16  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 275 KB
Archivnummer: V62779
ISBN (E-Book): 978-3-638-55969-0
ISBN (Buch): 978-3-638-72163-9

Zusammenfassung / Abstract

In dieser kurzen Arbeit wird untersucht, inwiefern die Zeichenkonzeptionen von den zwei französischen Autoren Roland Barthes und Jean Baudrillard, jeweils in der Monographie „Reich der Zeichen“ (Barthes, 1970) und im Aufsatz „Kool Killer“ (Baudrillard, 1978) sich semiotisch interpretieren lassen ; außerdem inwiefern diese Zeichenkonzeptionen den Rahmen von semiotischen Untersuchungen sprengen könnten. Die Autorin ist in Paris geboren und lebt seit 1988 in Berlin. Diese Arbeit wurde ursprünglich für das Hauptseminar „Stadtbeschriftung. Semiotische Interieurs“ von Prof. Dr. Dieter Hirschfeld im Wintersemester 2005/2006 verfasst (Freien Universität Berlin).

Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin – 
FB Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
WS 2005/06

HS - Dieter Hirschfeld: Stadtbeschriftung. Semiotische Interieurs

Leere Zeichen, wirkliche Welt?
Eine Untersuchung der leeren Zeichen von Roland Barthes
und der „reinen“ Zeichen von Jean Baudrillard

Hausarbeit von 

Nadia Zeltzer-Domning

Studiengang Magister
Hauptfach: Französische Philologie
Nebenfächer: Politikwissenschaft, Publizistik

 

 

Vorwort

A. Rahmen der Analyse, untersuchte Gegenstände.
a. Ursprüngliche Rahmen der Analyse: Signifikant und Signifikat in Semiologie und Semiotik
a.1. Ferdinand de Saussure
a.2. Charles Peirce
a.3. Signifikant und Signifikat bei Saussure und Peirce
a.4. Mindestanforderungen an einem Zeichen

b. Untersuchte Gegenstände
b.1. Jean Baudrillard: "Kool Killer"
b.2. Roland Barthes: "Reich der Zeichen"
b.3. "Leere Zeichen" und "reine Zeichen"

B. Gegenüberstellung in Hinsicht auf die Mindestanforderungen an einem Zeichen
a. Gegenüberstellung in Hinsicht auf die erste Mindestanforderung an einem Zeichen
a.1. Reine Zeichen
a.2. Leere Zeichen
a.3. Ästhetische Zeichen

b. Gegenüberstellung in Hinsicht auf die zweite Mindestanforderung an einem Zeichen
b.1. Strukturalismus und "reale Welt"
b.2. Barthes und den Satori-Ereignis
b.3. Baudrillard und "Das perfekte Verbrechen"

C. Wirklichkeit und philosophische Traditionen
a. Rationalismus
a.1. Rationalistische Synthese
a.2. Empirismus und Skeptizismus

b. Einordnung des Poststrukturalismus
b.1. Skepsis und Relativismus
b.2. Abschied vom rationalen Denken

c. Präsokratisches Denken
c.1. "Der Traumfahrt des Parmenides"
c.2. Der Traumfahrt von Barthes und Baudrillard

Schlusswort

Bibliographie

 

 

In der folgenden Arbeit werden wir untersuchen, inwiefern die Zeichenkonzeptionen von Roland Barthes und Jean Baudrillard, wie sie in der Monographie „Reich der Zeichen“1 und im Aufsatz „Kool Killer“2 vorgestellt werden, sich semiotisch interpretieren lassen ; außerdem inwiefern diese Zeichenkonzeptionen den Rahmen von semiotischen Untersuchungen sprengen könnten. Deshalb werden wir versuchen, die „leeren Zeichen“ von Roland Barthes und die „reinen Zeichen“ von Jean Baudrillard in einem breiterem philosophischen Rahmen zu verstehen, auch hinsichtlich der mystischen Philosophie Parmenides.

A. Rahmen der Analyse, untersuchte Gegenstände 

a. Ursprüngliche Rahmen der Analyse: Signifikant und Signifikat in Semiologie und Semiotik

a.1. Ferdinand de Saussure

Ferdinand de Saussure3 hat die Semiologie zuerst als wissenschaftliche Disziplin definiert, welche das Leben der Zeichen im Rahmen des sozialen Lebens untersucht (von dem griechischen Semîos, Zeichen). Er unterschied die Sprache wie folgt: 

Signifikat (Begriff/concept)


[...]

Saussure zeigte den zweifachen Aspekt (Signifikat/Signifikant) des Zeichens. Die Parole war aber nicht Gegenstand seiner Untersuchung, weil sie als Rede des Individuums nicht Teil der sprachlichen Kommunikation innerhalb eines sozialen Systems sei. Saussure hat die notwendige einheitliche Struktur von sprachlichen Zeichen in Concept und Lautbild (Conceptus/Vox) gezeigt, das Thema der Beziehung von sprachlichen Zeichen und Wirklichkeit (Res) bzw. Realität jedoch nicht genauer untersucht. In dieser Hinsicht könnte man bei Saussure von einem gewissen „Begriff-Realismus“ sprechen, da er das Thema der Referenten nicht in seiner Zeichentheorie berücksichtigt hat. Insofern würde er auf das einfachste Modell einer isomorphischen Beziehung Res .. [Conceptus/Vox] zurückgreifen1.

a.2. Charles Peirce

Charles Peirce war der eigentliche Begründer der Semiotik, ein Diskurs über semiosische, also nicht nur sprachliche, Phänomene. Zeichen, die als Repräsentamen fungieren, d.h. als Etwas, das für etwas Anderes steht2, könnten semiotisch interpretiert werden. Umberto Eco beschriebt den Peirschen´ Begriff eines semiosischen Vorgangs wie folgt3 :


„(i) ein bestimmter Gegenstand oder Sachverhalt der Welt (in Pierscher Terminologie das Dynamische Objekt) (ii) durch ein Repräsentamen dargestellt wird und (iii) das Signifikat dieses Repräsentamens (in Peirce´ Sprache das Unmittelbare Objekt) in einen Interpretanten, das heißt in ein anderes Repräsentamen übersetzt werden kann.“

Das dynamisches Objekt könne hier auch ein ideales oder imaginäres Objekt oder ein Sachverhalt in einer möglichen Welt sein, es ist insofern nicht à priori mit dem Res gleichzustellen. Der Übersetzungsprozess würde jedoch das ursprüngliche dynamische Objekt zunehmend eingrenzen und definieren, bis zur vollkommenen gesellschaftlich akzeptierten Interpretation. Aus dieser Betrachtung erlange das dynamische Objekt eine gewisse intersubjektive Realität.4

Es ließe sich also wie folgt darstellen:


[...]

a.3. Signifikant und Signifikat bei Saussure und Peirce

Es wäre hier anzumerken, dass die Signifikate von Peirce und von Saussure nicht übereinstimmen, da es sich bei Peirce nicht um einen Begriff/Concept eines Sprechers sondern bereits um das Vorhandensein eines Signifikats innerhalb eines Repräsentamens handelt. So gesehen trägt bereits das erste Piersche´ Signifikat a von a die Potentialität aller weiteren Interpretanten und kann deshalb in viele weitere Repräsentamen übersetzt werden. Umberto Eco merkt hier zu Recht, dass das Subjekt bzw. der Interpret bei dieser Konzeption eines semiosischen Phänomens keine Rolle spielt. Demnach wäre ein Zeichen semiotisch zu verstehen, wenn eine Übersetzung mit einem anderen Zeichen statt fände.

[....]


1 Barthes 1970

2 Baudrillard 1978

3 Vgl. Saussure 1969

---

1 Vgl. Trabant 1989: 46

2 Alle Zeichen wären aber nicht semiotische Zeichen

3 Eco 1992: 284

4 Vgl. Eco 1992: 435-441 und Trabant 1989: 34-39

Kommentare

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