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Der personenbezogene Ansatz im Sozialkundeunterricht

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 28 Pages
Author: Dipl.-Volkswirt (BA) Oliver Heiden
Subject: Politics - Didactics, Political Education

Details

Event: Biographie und Politik: Der personenbezogene Ansatz in der politischen Bildung
Institution/College: http://www.uni-jena.de/ (Institut für Politikwissenschaft)
Tags: Ansatz, Sozialkundeunterricht, Biographie, Politik, Ansatz, Bildung
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 28
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 37  Entries
Language: German
Archive No.: V62929
ISBN (E-book): 978-3-638-56077-1
ISBN (Book): 978-3-638-66899-6
File size: 208 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit versteht sich als ein Plädoyer für die Anwendung des personenbezogenen Ansatzes im Politik-, Gemeinschaftskunde- und Sozialkundeunterricht der Gegenwart. Es wird versucht, zu belegen, dass – trotz seiner ausdrücklichen Vernachlässigung – ein solcher didaktischer Ansatz nicht außer Acht zu lassen ist. Dazu werden die verschiedenen Aspekte für die Notwendigkeit des personenbezogenen Ansatzes dargestellt. Es wird auch angestrebt, die Chancen aufzuzeigen, die eine solche Akteursperspektive im Unterricht hergibt. Dabei werden sowohl politikwissenschaftliche Gesichtspunkte als auch politikdidaktische Ansätze und Fragestellungen berücksichtigt. Da in der vorliegenden Arbeit die Werbung für eine stärkere Anwendung des personenbezogenen Ansatzes nicht zuletzt mit Tendenzen hin zur Personalisierung in der politischen Kultur gerechtfertigt wird, muss schließlich auch kurz auf jene Veränderungen und die zu Grunde liegenden Ursachen eingegangen werden.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Politikwissenschaft
Hauptseminar: „Biographie und Politik: Der personenbezogene Ansatz in der politischen Bildung“
Sommersemester 2005, 9.Fachsemester

Der personenbezogene Ansatz im Sozialkundeunterricht

von: Oliver Heiden

 


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung  3

1. Begriffsbestimmung  3

2.1 Der personenbezogene Ansatz im Sozialkundeunterricht von heute  5
2.2 Der personenbezogene Ansatz in der Fachdidaktik  7

3. Der Sinn des personenbezogenen Ansatzes  10

3.1 Der personenbezogene Ansatz in der politischen Kultur  11
3.2 Personalisierungstendenzen in der politischen Kultur Deutschlands 15
3.3 Personalisierungstendenzen und die Rolle der Medien 18

4. Personenbezogener Ansatz im Sozialkundeunterricht von morgen 20

5. Fazit 23

6. Literaturangaben 25



 



„Sie sprachen von Regime. Wer ist
Regime? Mensch oder Ding? Ist es die
von alter Zeit her übernommene
Maschine, deren Räderwerk tot
weiterklappert, oder ist es der, der an
der Maschine steht?
Theodor Fontane: der Stechlin

0. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit versteht sich als ein Plädoyer für die Anwendung des personenbezogenen Ansatzes im Politik-, Gemeinschaftskunde- und Sozialkundeunterricht der Gegenwart. Es wird versucht, zu belegen, dass – trotz seiner ausdrücklichen Vernachlässigung – ein solcher didaktischer Ansatz nicht außer Acht zu lassen ist. Es wird auch angestrebt, die Chancen aufzuzeigen, die eine solche Akteursperspektive1 im Unterricht hergibt. Da in der vorliegenden Arbeit die Werbung für eine stärkere Anwendung des personenbezogenen Ansatzes nicht zuletzt mit Tendenzen hin zur Personalisierung in der politischen Kultur gerechtfertigt wird, muss schließlich auch kurz auf jene Veränderungen und die zu Grunde liegenden Ursachen eingegangen werden. Aus dem Grund, dass dieses Vorhaben bereits nur mit Abstrichen im Rahmen einer Hausarbeit erfüllt werden kann, wird auf ein anschließendes Unterrichtsbeispiel verzichtet.

1. Begriffsbestimmung

Unter personenbezogenem Ansatz wird nachstehend die Behandlung öffentlicher Personen (Akteure) verstanden mit besonderem Hinblick auf deren Werdegang und Motive, auf deren öffentliche Wirkung und auf die Wechselwirkungen der Personen mit politischen Strukturen. Im Allgemeinen wird der personenbezogene Ansatz in erster Linie als ein methodischer Zugang verstanden, d.h. als eine Verfahrensweise, um mit Hilfe ausgewählter Themen bestimmte Lernziele zu erreichen. Auch Deichmann diskutiert den Ansatz im Rahmen der politischen Bildung zunächst als Methode.

Jedoch wird in seinen Ausführungen bereits klar, dass die Beschäftigung mit öffentlichen Personen nicht nur die Art beschreibt, wie der Prozess der Vermittlung und Aneignung von Wissen und Können gestaltet werden kann, sondern auch zum Ziel und Inhalt des Unterrichts gemacht werden muss. Denn es entstehe ein „unvollständiges Bild [vom Politischen] ohne die Berücksichtigung der handelnden Personen“.2 Dementsprechend wird nachstehend der personenbezogene Ansatz aus der Perspektive der politischen Bildung nicht als eine von vielen Methoden zur Vermittlung eines bestimmten Inhaltes verstanden, sondern als Inhalt besprochen, dessen Vernachlässigung der Rolle öffentlicher Personen in der Gesellschaft und ganz besonders der Personalisierungstendenzen der Gegenwart widerspricht.

Bei dem Versuch, die Beschäftigung mit öffentlichen Personen als wissenschaftlichen Ansatz zu verorten, kann zunächst auf Hoppe zurückgegriffen werden. Sie stellt aus dem Blickwinkel der Forschung über gesellschaftspolitische Entwicklungen die struktur- und die subjektorientierte Analyse einander gegenüber. Der strukturanalytischer Ansatz gehe davon aus, dass das „menschliche Handeln in Reaktion auf gesellschaftliche Vorgaben geschieht“.3 Das Subjekt gilt dementsprechend, abgesehen von gewissen Spielräumen, als strukturell determiniert und wird in seinen „vielfältigen sozialen Bezügen und Kompetenzen“ ausgeblendet.3 Die Subjektorientierung betone im Gegensatz dazu die Handlungsfähigkeit des Individuums, auch über die vom System zugedachten Grenzen hinaus. Subjektorientierung stellt also „das denkende und handelnde Subjekt in den Mittelpunkt der Analyse, (…) um so vom Individuum aus zur Gesellschaftsanalyse vorzustoßen.“3,4

Als Konzept in der politischen Bildung versteht Hoppe die Subjektorientierung jedoch als einen Ansatz, dessen Ziel die Beschäftigung mit normalen – im Sinne von nicht öffentlichen – Gesellschaftsmitgliedern ist. Damit entspricht die Subjektorientierung von Hoppe der Personifizierung von Bergmann: die Darstellung politischer Inhalte an namenlos handelnden Personen „aus dem Blickwinkel der Namenlosen“.5 Eine andere Art von Subjektorientierung, nämlich die Beschäftigung mit öffentlichen Personen, die Bergmann Personalisierung nennt, wird bei Hoppe dadurch ausgeblendet. Gerade dieser Ansatz steht aber im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit und es gilt zu zeigen, dass ihr im Unterricht eine stärkere Berücksichtigung zusteht, als sie gegenwärtig erfährt. Um eine klare Systematisierung zu ermöglichen, wird nachstehend von der Definition der Subjektorientierung bei Hoppe Abstand genommen und die Subjektorientierung als Ansatz verstanden, der sowohl die Personifizierung als auch die Personalisierung (d.h. den personenbezogenen Ansatz) als Aspekte einschließt. In diesem Sinne sollen für den politischen Unterricht sowohl die strukturorientierte als auch die subjektorientierte Perspektive befürwortet werden, um der Komplexität der politischen Wirklichkeit gerecht zu werden. Des Weiteren soll im Rahmen der Subjektorientierung der personenbezogene Ansatz die Personifizierung natürlich nicht ersetzen, wohl jedoch als erforderliche Alternative sinnvoll ergänzen.

2.1 Der personenbezogene Ansatz im Sozialkundeunterricht von heute

Die Subjektorientierung wird in der Dimension der Personifizierung in der politischen Bildung der Gegenwart durchaus angewendet. Hierbei steht die Behandlung der individuellen politischen Handlungskompetenz des einzelnen Bürgers im Zentrum des Interesses. Die Rechtfertigung für die Anwendung der Personifizierung als Methode im Unterricht lässt sich ohne weiteres auf das didaktische Prinzip des exemplarischen Lernens zurückführen.6 Aus der Perspektive eines beliebigen Gesellschaftsmitgliedes lassen sich typische Verhaltensweisen, Denkgewohnheiten, politische Orientierungen einer Gesellschaftsgruppe beispielhaft darstellen. Dabei kann untersucht werden, wie das Individuum von der Gesellschaftsstruktur seiner Zeit geprägt ist, wie es diese Struktur wahrnimmt, wie es in dieser Struktur agiert und wie es möglicherweise an der Veränderung der Struktur teilhat. Des Weiteren kann durch die Konfrontation mit politischen Erfahrungen Dritter das Interesse an gesellschaftspolitischen Fragen geweckt werden und so im Sinne der Handlungsorientierung zu politischem Denken und Handeln animiert werden.7

[...]


1 Unter Akteur wird in diesem Beitrag die öffentlich handelnde Person verstanden.

2 Deichmann (2003:122)

3 Hoppe (1999: 218)

4 Auf die Forschungsdiskussion zwischen Vertretern der Akteurs- und der Systemtheorie in den Sozialwissenschaften kann hier nicht eingegangen werden. Für eine ausführliche Besprechung in Bezug auf die politische Steuerung siehe Braun (1997).

5 Vgl. Bergmann (1972:82)

6 Vgl. Thüringer Kultusministerium: Lehrplan für das Gymnasium, Sozialkunde. Erfurt 1999. S. 9.

7 Vgl. Hoppe (1999: 219f)


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