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Die sozial freischwebende Intelligenz in der Wissenssoziologie Karl Mannheims

Autor: Christian Schüller
Fach: Soziologie - Wissen und Information

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Details

Veranstaltung: Wissenssoziologie nach Karl Mannheim
Institution/Hochschule: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Institut für Soziologie)
Tags: Intelligenz, Wissenssoziologie, Karl, Mannheims, Wissenssoziologie, Karl, Mannheim
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 19
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 4  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 179 KB
Archivnummer: V62945
ISBN (E-Book): 978-3-638-56087-0
ISBN (Buch): 978-3-638-77369-0

Zusammenfassung / Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Terminus der „sozial freischwebenden Intelligenz“ innerhalb der wissenssoziologischen Arbeit Karl Mannheims. Dabei soll im Folgenden der Versuch unternommen werden, unter Berücksichtigung der historischen Umstände, die Konstruktion der freischwebenden Intelligenz im Kontext der sie umrahmenden wissenssoziologischen Grundgedanken zu verdeutlichen sowie darüber hinaus lebensgeschichtliche Berührungspunkte zu Karl Mannheims Biographie aufzuzeigen, welcher das erste Kapitel dieser Arbeit gewidmet ist. Es folgt mit der Darstellung wissenssoziologischer Prämissen, neben einem kurzem Einblick in die von Mannheim diagnostizierte Kultur- und Wissenskrise der Moderne, welche den Anstoß zu seinen wissenssoziologischen Überlegungen lieferte, die Einführung in den Begriff der „Seinsverbundenheit des Denkens“, welcher das anschließende Kapitel über „Ideologie“ einleitet. Der weiterführende Abschnitt über Parteien und Politik überführt die angesprochene (Denk-)Krise der Moderne in eine Krise auf politischem Feld, die sich in den konkurrierenden weltanschaulichen Parteistrebungen des Weimarer Parlamentarismus äußert. Nach Mannheim bedarf es zur Überwindung der ideologischen Kontroversen seiner Zeit einer Synthese, welche die inkommensurablen Weltbilder zu relativieren und zusammenführen vermag, um auf diesem Wege auf die gesellschaftliche Krise zu reagieren. Die soziale Trägergruppe dieser Synthese sieht er in den Intellektuellen, deren relative Unabhängigkeit als sozial nicht festgelegte Schicht es ihnen erlaube, sich vom normativen Denken ihrer Umgebung mit Hilfe des wissenssoziologischen Instrumentariums der Selbst- und Fremdreflexion zu lösen und unabhängig von sozialen Klassengegebenheiten zu agieren. Die zugrunde liegende Literatur dieser Arbeit beschränkt sich weitestgehend Karl Mannheims 1929 erschienenes „Ideologie und Utopie“ und verfolgt die Einbindung und Darstellung der sozial freischwebenden Intelligenz innerhalb des benannten Werkes.

Textauszug (computergeneriert)

Carl von Ossieztky Universität Oldenburg, Institut für Soziologie
Fakultät IV – Human- und Gesellschaftswissenschaften
Seminar: Wissenssoziologie nach Karl Mannheim
Sommersemester 2006, 8. Fachsemester

Die sozial freischwebende Intelligenz in der
Wissenssoziologie Karl Mannheims

von: Christian Schüller

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 2

1. Biographie eines heimatlosen Intellektuellen 3

2. Wissenssoziologische Prämissen - die Seinsgebundenheit des Denkens 6

3. Ideologie 8

4. Parteien und Politik 9

5. Das Problem der Synthese 11

6. Die sozial freischwebende Intelligenz 13

7. Abschließende Überlegungen 15
- Die Konstruktion des Intellektuellen als Selbstporträt?

Literatur 18


 

 

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Terminus der „sozial freischwebenden Intelligenz“ innerhalb der wissenssoziologischen Arbeit Karl Mannheims. Dabei soll im Folgenden der Versuch unternommen werden, unter Berücksichtigung der historischen Umstände, die Konstruktion der freischwebenden Intelligenz im Kontext der sie umrahmenden wissenssoziologischen Grundgedanken zu verdeutlichen sowie darüber hinaus lebensgeschichtliche Berührungspunkte zu Karl Mannheims Biographie aufzuzeigen, welcher das erste Kapitel dieser Arbeit gewidmet ist. Es folgt mit der Darstellung wissenssoziologischer Prämissen, neben einem kurzem Einblick in die von Mannheim diagnostizierte Kultur- und Wissenskrise der Moderne, welche den Anstoß zu seinen wissenssoziologischen Überlegungen lieferte, die Einführung in den Begriff der „Seinsverbundenheit des Denkens“, welcher das anschließende Kapitel über „Ideologie“ einleitet. Der weiterführende Abschnitt über Parteien und Politik überführt die angesprochene (Denk-)Krise der Moderne in eine Krise auf politischem Feld, die sich in den konkurrierenden weltanschaulichen Parteistrebungen des Weimarer Parlamentarismus äußert. Nach Mannheim bedarf es zur Überwindung der ideologischen Kontroversen seiner Zeit einer Synthese, welche die inkommensurablen Weltbilder zu relativieren und zusammenführen vermag, um auf diesem Wege auf die gesellschaftliche Krise zu reagieren. Die soziale Trägergruppe dieser Synthese sieht er in den Intellektuellen, deren relative Unabhängigkeit als sozial nicht festgelegte Schicht es ihnen erlaube, sich vom normativen Denken ihrer Umgebung mit Hilfe des wissenssoziologischen Instrumentariums der Selbst- und Fremdreflexion zu lösen und unabhängig von sozialen Klassengegebenheiten zu agieren. Die zugrunde liegende Literatur dieser Arbeit beschränkt sich weitestgehend Karl Mannheims 1929 erschienenes „Ideologie und Utopie“ und verfolgt die Einbindung und Darstellung der sozial freischwebenden Intelligenz innerhalb des benannten Werkes.

1. Biographie eines heimatlosen Intellektuellen

Karl Mannheim wurde am 28. März 1893 in Budapest in eine bürgerliche, jüdische Familie geboren. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums und dem Studium der Philosophie, Literaturwissenschaft und Pädagogik an der Budapester Universität, promovierte Mannheim 1918 im Fachbereich Philosophie über die „Strukturanalyse der Erkenntnistheorie“. Sein Studium wurde zuvor von mehrsemestrigen Studienaufenthalten in Berlin und Paris unterbrochen, während denen Mannheim in Berlin Lehrveranstaltung von Georg Simmel, Ernst Troeltsch und Ernst Cassirer besucht und in Paris die Vorlesungen Henry Bergsons hört.1

Bereits in jungen Jahren verkehrte Mannheim in verschiedenen intellektuellen Kreisen Budapests, die nicht nur das geistige, sondern auch das politische Leben und die Entwicklung Ungarns mitbestimmten. Die fortschrittlichen Denker der Zeit waren vornehmlich in zwei Gruppierungen geteilt: dem Galilei-Kreis um Oscar Jászi sowie dem Sonntagskreis um Georg Lukács. Während Jászi für die kulturelle und politische Modernisierung des durch den Habsburger Traditionalismus kulturell stagnierenden Ungarns nach westeuropäischem Vorbild eintrat, setzte sich der Sonntagskreis mit einer wesentlich unpolitischen ethischästhetischen Kritik der Moderne auseinander, bis sich der dem politischen Marxismus nachstehende Lukász 1918 im Vorfeld der Proklamation der Räterepublik unter Béla Kuhn mit dem Beitritt in die Kommistische Partei für eine radikale, kulturelle und geistige Erneuerung Ungarns einsetzte.2

Mannheim folgte dem politischen Weg Lukász´ nicht, blieb aber eng mit ihm verbunden und erhielt unter der revolutionär-kommunistischen Regierung eine Dozentenstelle für Philosophie an der Budapester Hochschule. Als im Dezember 1919 die kommunistische Regierung in Ungarn gestürzt wird, waren Mannheim und Lukács sowie zahlreiche andere Intellektuelle aufgrund antikommunistischer, reaktionärer und auch antisemitischer Haltungen der neuen Machthaber um Miklós Horthy gezwungen das Land zu verlassen.3 Mannheim floh über Wien und Freiburg nach Heidelberg und fand dort dank guter Kontakte Georg Lukász´ zu Emil Lederer schnell den Anschluss an akademische Kreise und später als Habilitand von Alfred Weber eine neue Wirkungsstätte4. Im Rahmen seiner Studien bei Alfred Weber arbeitete sich Mannheim in die Kultursoziologie ein, die sich mit der Untersuchung von Denken, Wissen und Wissenschaft befasste. Über die Zeit grenzte er sich immer weiter von der Kultursoziologie Alfred Webers ab, doch erst auf dem Züricher Soziologentag 1928, auf dem Mannheim den Vortrag „Die Bedeutung der Konkurrenz im Gebiete des Geistigen“ hielt und in seinem im darauf folgenden Jahr erschienenen Werk „Ideologie und Utopie“ wurden die Differenzen zwischen den beiden offen gelegt. Mannheims zentrale Frage wird der Zusammenhang zwischen dem Sein und dem Bewusstsein. Mit seiner Habilitationsschrift „Konservatismus: Ein Beitrag zur Soziologie des Wissens“ und „Ideologie und Utopie“ trägt Mannheim in dieser Zeit wesentlich zur Etablierung einer speziellen Wissenssoziologie bei.5

[...]


1 Vgl. Hofmann, Wilhelm: Karl Mannheim zur Einführung. Junius Verlag GmbH, Hamburg. 1996. S. 15 u. 224

2 Vgl. ebd. S. 16 u. 20

3 Vgl. ebd. S. 21

4 Vgl. ebd. S. 24 u. 225

5 Vgl. Hofmann, Wilhelm: Karl Mannheim zur Einführung. 1996. S. 10 f.

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