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Autor: Georg Fichtner
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München
Tags: Ernst, Jünger, Ausbruch, Zivilisationskritik, Radikalismus
Jahr: 2006
Seiten: 22
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 30 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 200 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-56110-5
ISBN (Buch): 978-3-638-65881-2
Gelungene Verknüpfung und Erklärung des Denkens Ernst Jüngers mittels des ennui. In der Arbeit wird der ennui verständlich und wissenschaftlich erklärt, um dann im Hauptteil auf den konservativen Denker Ernst Jünger einzugehen und dieses Gedankenkonstrukt auf ihn anzuwenden.
Zusammenfassung / Abstract
George Kennan sagte über den ersten Weltkrieg von 1914-1918, er sei die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Guido Knopp schrieb in seinem eher populärwissenschaftlichen Buch „Unser Jahr100“ vom „Sündenfall“. Der erste Weltkrieg eine Zäsur von historischer Bedeutung. Wie konnte es soweit kommen, dass sich technisch hochentwickelte Völker mit großer kultureller Tradition in mörderischen Schlachten gegenüberstanden? Mit Sicherheit spielten übersteigerter Nationalismus, Großmannssucht , politische Fehler und persönliche Abneigungen der Herrscherhäuser eine wichtige Rolle. Ein Aspekt der jedoch nicht zu unterschätzen ist, ist eine schwer zu fassende weit verbreitete psychologische Komponente innerhalb der Bevölkerung. Ein Gefühl, welches erstmals Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich beschrieben wird. Eine Art innerer Leere, eine lähmende Gleichgültigkeit, eine Unlust zu leben. Im Französischen wird dies mit dem Begriff „ennui“ beschrieben. Dieses Gefühl war auch im wilhelminischen Kaiserreich bekannt und verbreitet. Die These dieser Arbeit ist, dass auch der deutsche Autor Ernst Jünger unter dem „ennui“ litt. Um dieses Gefühl zu kompensieren, stürzte er sich mit Eifer in das Abenteuer und verarbeitete seine Erfahrungen später literarisch. So wurde Ernst Jünger neben Ernst Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“) zu einem der bedeutensten Kriegsautoren der jungen Weimarer Republik. Ernst Jünger war zeit seines Lebens einer der umstrittensten Autoren. Kritiker werfen ihm vor, er sei ein „Kriegsverherrlicher“ , andere beschreiben seine Kriegwerke als vollständig, gutgläubig, wahrheitsgemäß und ehrlich. Vom Aufbau der Arbeit, wird im ersten Teil der Arbeit eine kurze Biographie Ernst Jünger gegeben, da bei diesem Mann sein schriftstellerisches Wirken nicht abgekoppelt von seinem Vita gesehen werden kann. Dann werden die philosophisch- politiktheoretischen Begriffe „ennui“ und „politischer Existenzialismus“ definiert, um im Hauptteil auf Ernst Jüngers Antwort auf den „ennui“ einzugehen: Den Krieg und seine Einstellung zu diesem. Die Arbeit wird sich hauptsächlich auf Primärliteratur Jüngers zum Krieg stützen. Von besonderer Bedeutung sind folgende Schriften: „In Stahlgewittern“, „Der Kampf als inneres Erlebnis“ und „Das abenteuerliche Herz“.
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig Maximilians Universität München
Geschwister Scholl Institut für politische Wissenschaft
Hauptseminar (PT): Zivilisationskritik und politischer Radikalismus im 20. Jahrhundert
Sommersemester 2006
Ernst Jünger - Ausbruch aus dem ennui
von: Georg Fichtner
Inhaltverzeichnis
1. Einleitung S. 2
2. Biographie Ernst Jüngers S.3
3. Der „ennui“ S.5
4.1 Existenzialismus S.7
4.2 Politischer Existenzialismus S.8
5. Die Zerstörung der alten Ordnung S.9
6. Gibt es Werte für Ernst Jünger? S.11
7. Die Abgrenzung vom „normalen“ Soldaten S.12
8. Objektivität im Krieg S.14
9. Der Sieg ist unwesentlich S.17
10. Fazit S.18
1. Einleitung
George Kennan sagte über den ersten Weltkrieg von 1914-1918, er sei die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Guido Knopp schrieb in seinem eher populärwissenschaftlichen Buch „Unser Jahr100“ vom „Sündenfall“.1 Auf jeden Fall war der erste Weltkrieg eine Zäsur von historischer Bedeutung. Wie konnte es soweit kommen, dass sich technisch hochentwickelte Völker mit großer kultureller Tradition in mörderischen Schlachten gegenüberstanden? Was führte zu einer Entindividualisierung des Menschlichen, so dass nur noch die Masse und der Sieg im Vordergrund standen? Mit Sicherheit spielten übersteigerter Nationalismus, Großmannssucht2, politische Fehler und persönliche Abneigungen der Herrscherhäuser eine wichtige Rolle. Ein Aspekt der jedoch nicht zu unterschätzen ist, ist eine schwer zu fassende weit verbreitete psychologische Komponente innerhalb der Bevölkerung. Ein Gefühl, welches erstmals Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich beschrieben wird. Eine Art innerer Leere, eine lähmende Gleichgültigkeit, eine Unlust zu leben. Im Französischen wird dies mit dem Begriff „ennui“ beschrieben. Dieses Gefühl war auch im wilhelminischen Kaiserreich bekannt und verbreitet. Die These dieser Arbeit ist, dass auch der deutsche Autor Ernst Jünger unter dem „ennui“ litt. Um dieses Gefühl zu kompensieren, stürzte er sich mit Eifer in das Abenteuer und verarbeitete seine Erfahrungen später literarisch. So wurde Ernst Jünger neben Ernst Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“) zu einem der bedeutensten Kriegsautoren der jungen Weimarer Republik. Ernst Jünger war zeit seines Lebens einer der umstrittensten Autoren. Kritiker werfen ihm vor, er sei ein „Kriegsverherrlicher“3, andere beschreiben seine Kriegwerke als vollständig, gutgläubig, wahrheitsgemäß und ehrlich.4 Aufgabe dieser Arbeit soll es nicht sein, ein Urteil über Ernst Jünger zu fällen, sondern vielmehr die Gründe herauszuarbeiten, wie ein gebildeter, finanziell gesicherter und intelligenter Mensch wie Ernst Jünger zum Abenteurer wurde, der Erlösung im Kriege suchte. Zu Beginn wird hierbei auf die Begriffe „ennui“ und „politischer Existenzialismus“ eingegangen, da diese für die Politikwissenschaft von primärer Bedeutung sind. Was den Aufbau betrifft, wird im ersten Teil der Arbeit eine kurze Biographie Ernst Jünger gegeben, da sein schriftstellerisches Wirken nicht abgekoppelt von seinem Vita gesehen werden kann. Dann werden die philosophisch- politiktheoretischen Begriffe „ennui“ und „politischer Existenzialismus“ definiert, um im Hauptteil auf Ernst Jüngers Antwort auf den „ennui“ einzugehen: Den Krieg und seine Einstellung zu diesem. Die Arbeit wird sich hauptsächlich auf Primärliteratur Jüngers zum Krieg stützen. Von besonderer Bedeutung sind folgende Schriften: „In Stahlgewittern“ (1920), „Der Kampf als inneres Erlebnis“(1922) und „Das abenteuerliche Herz“ (1929).
2. Biographie Ernst Jüngers
Ernst Jünger wird 1895 in Heidelberg geboren. Er entstammt einer bürgerlichen und wohlsituierten Familie. Sein Vater war promovierter Chemiker und arbeitete später als Apotheker, die Mutter versorgte die sechs Kinder. Die Familie repräsentierte das aufgeklärte und kultivierte Bürgertum. Ernst Jünger ist ein schlechter Schüler, im Rückblick sieht er sich selbst als „verträumten Außenseiter, auf den der prosaische Lehrbetrieb mit Unverständnis reagiert.“5 Diese Selbstcharakterisierung findet sich im gesamten Werk. Letztlich erscheint Ernst Jünger als Träumer, der nach dem Abenteuer dürstet und der Enge der Bürgerlichkeit entfliehen will, aber echte inhaltliche Fragen nach einer Ordnung bleiben äußerst vage. Die Welt seiner Eltern hatte dem sprachlich talentierten und ehrgeizigen jungen Mann nichts zu bieten. Nahezu exemplarisch für diese Einstellung steht seine Meldung zur Fremdenlegion. "Afrika war für mich der Inbegriff des Wilden und Ursprünglichen, der einzig mögliche Schauplatz für ein Leben in dem Format, in dem ich das meine zu führen gedachte; und es stand für mich fest, daß, sowie ich freie Verfügung besaß, ich mich dorthin zu wenden hatte."6 Dementsprechend meldet er sich im Jahre 1913 mit 18 Jahren zur Fremdenlegion. Doch das Abenteuer wird ein Eklat. Der Vater interveniert beim Auswärtigen Amt und Ernst Jünger kehrt nach Deutschland zurück. Doch das Schicksal beschert ihm ein viel größeres Abenteuer: Im August 1914 bricht der erste Weltkrieg aus. Ernst Jünger legt sein Notabitur ab und schreibt sich am 1. Oktober 1914 beim Füsilier-Regiment 73 ein, bei dem er von Oktober bis Dezember eine zweimonatige militärische Grundausbildung ableistet. Am 27. Dezember 1914 schließlich wurde Ernst Jünger an die Front, in die Champagne verlegt. Während der nächsten knapp vier Jahre dient Ernst Jünger an verschiedenen Kampfplätzen der Westfront in der deutschen Armee. Er erlebte dabei alle Formen des ersten voll technisierten Krieges der Weltgeschichte hautnah mit: die Grabenkämpfe in der Champagne, den Stellungskrieg in Flandern und im Artois, die großen Materialschlachten an der Somme sowie die letzte große deutsche Offensive im Frühjahr 1918. Ernst Jünger nimmt damit besonders an denjenigen Schlachten teil, welche die höchsten Verlustraten und die konzentrierteste Feuerkraft des gesamten Krieges aufwiesen. 7 Ernst Jünger fällt durch besondere Tapferkeit auf. Er macht relativ schnell militärische Karriere, bekommt diverse Orden verliehen: 1916 das eiserne Kreuz erster Klasse, im Dezember 1917 das Ritterkreuz des Hausordens der Hohenzollern und 1918 den höchsten preußischen Orden, den „pour le mérite“ verliehen.
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1 Knopp, Guido: Unser Jahr100. Deutsche Schicksalstage. 1.Auflage. München: Bertelsmann, 1998 S.21
2 So forderte bereits 1897 Reichskanzler von Bülow für Deutschland einen Platz an der Sonne. Die Rede ist im Auszug abrufbar unter: http://de.wikisource.org/wiki/Deutschlands_Platz_an_der_Sonne
3 Johann Kresnik 1994 über Ernst Jünger URL.: http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_J%C3%BCnger [Stand: 13.7.06]
4 Gide, André: Journal (1.12.1942). In: Gide, André: Journal 1942-1949, Paris 1950, S. 45
5 Martus Steffen.: Ernst Jünger. Stuttgart: Metzler Verlag, 2001 S. 15
6 Jünger, Ernst: Das Abenteuerliche Herz. Erste Fassung. Aufzeichnungen bei Tag und Nacht (1929), Stuttgart: Klett-Cotta 1987. S.32
7 King, John: "Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?". Writing and Rewriting the First World War, Schnellroda 2003.S. 114.
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