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Die Sprechakttheorie

Title: Die Sprechakttheorie

Scientific Essay , 2006 , 17 Pages , Grade: 1

Autor:in: Dr. phil. Daria Hagemeister (Author)

German Studies - Linguistics
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Ein Sprechakt ist eine sprachliche Handlung, bestehend aus Lokution, Illokution und Perlokution. Die Bedeutung sprachlicher Zeichen basiert auf physisch, kulturell, psychisch und weltanschaulich bedingter Erfahrung. Trotzdem wurde in Vergangenheit und Gegenwart kulturell bedingtes Alltagswissen von Immigranten ignoriert und ein fiktives Ideal-Alltagswissen auch für diese als gültig angenommen. Zu wünschen wäre, dass die verschiedenen Alltagswissen einander durchdringen und gegenseitig bereichern, anstatt durch eine einseitige Verschiebung teils ausgelöscht zu werden. Meine Kritik an der Sprechakttheorie richtet sich gegen die von Austin aufgestellten Gelingensbedingungen. Wird etwa die Durchführbarkeit einer an sich gelungenen Lokution, zu der es eine gelungene Perlokution gibt, aufgrund verschiedener außersprachlicher Umstände unmöglich, kann man doch nicht behaupten, der Sprechakt sei nicht gelungen. Man würde nämlich materielle Bewertungskriterien für die Beurteilung immaterieller Phänomene, wie es sprachliche Äußerungen sind, heranziehen, was eine logische Inkonsequenz wäre, insofern als die Sprechakttheorie eine sprecherbezogene und sprachbezogene Betrachtungsweise darstellt. Somit kann auch der perlokutionäre Effekt nur insofern bewertet werden, als dieser Effekt durch die Sprecherintention und die sprachliche Äußerung selbst bewirkt wird. Auf gewisse außersprachliche Umstände, die womöglich zeitverschoben eintreten, hat der Sprechakt selbst jedoch keinen Einfluss, daher kann ihm auch nicht das Gelungensein abgesprochen werden. In der Realität stehen einander immer wieder mindestens zwei Sprechakte gegenüber. Doch jeder Sprechakt muss für sich alleine beurteilt werden. Man kann das Gelingen des einen nicht als Misslingen des anderen interpretieren, da man hiemit eine qualitative Bewertung durchführen würde, wohingegen eine rein quantitative Bewertung zulässig wäre. Als Beispiel habe ich eine unblutige Operation durch einen Hexer herangezogen. Die Lokution und Illokution des Hexers führt zur Perlokution, die Operation wird aufgrund eines Sprechaktes durchgeführt. Nehmen wir an, der gewünschte Erfolg bleibt aus, der Kranke verstirbt. Die logische Erklärung ist: Ein anderer Hexer, der in diesem Fall stärker war, hat den Tod des Kranken gewünscht. Zwei Kräfte haben einander entgegen gewirkt. Der perlokutionäre Effekt muss also als Resultat der Überlagerung mehrerer Sprechakte gesehen werden, die sich gegenseitig verstärken oder aber aufheben können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Weltwissen

1.2. Sprachwissen

1.3. Sprachverhalten

1.4. Deixis

2. Die Sprechakttheorie

2.1. "Der Sinn des Satzes ist seine Verifikation"

2.2. Performativ oder konstativ

2.3. Teilakte des Sprechaktes

2.3.1. Drei-Phasen Einteilung nach Austin und straffende Systematisierung durch Searle

2.3.2. Sprechaktklassifikation

2.3.3. Kritik der Sprechakttheorie

3. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Grundlagen und Funktionsweisen der Sprechakttheorie, um zu verdeutlichen, wie sprachliche Äußerungen als Handlungen in einen sozialen und situativen Kontext eingebettet sind. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der kritischen Auseinandersetzung mit den von J.L. Austin postulierten Gelingensbedingungen von Sprechakten sowie der Systematisierung durch John R. Searle.

  • Grundlagen der Pragmatik: Zusammenspiel von Weltwissen, Sprachwissen und Sprachverhalten.
  • Die Zeigefunktion der Sprache: Analyse der Deixis und ihrer Rolle im kommunikativen Kontext.
  • Entwicklung und Systematik der Sprechakttheorie: Differenzierung zwischen lokutionären, illokutionären und perlokutionären Akten.
  • Klassifizierung von Sprechhandlungen: Die fünf Kategorien nach Searle (Repräsentiva, Direktiva, Kommissiva, Expressiva, Deklarativa).
  • Kritische Analyse: Untersuchung der Gelingensbedingungen anhand von Beispielen aus Recht und Alltag.

Auszug aus dem Buch

2.3.3. Kritik der Sprechakttheorie

Ausgehend von dem Satz "Ein Sprechakt (oder sprachliche Handlung oder Sprachhandlung) ist eine Handlung, die nur [Hervorhebung durch den Verfasser] mittels einer sprachlichen Äußerung vollzogen wird."15, möchte ich nun die Frage nach dem Gelingen von Sprechakten untersuchen. Nehmen wir einen Sprechakt der Form Ich vererbe dir mein Haus an. Beim Sprechen dieses Satzes entstand ein Phon, eine Lautäußerung.. Wir können also davon ausgehen, dass die Lokution geglückt, bzw. gelungen ist. Sofern der Sprecher tatsächlich die Absicht hegt, der Person, die er mit dir bezeichnet, sein Haus zu vererben, und wenn der Sprecher auch tatsächlich ein Haus besitzt, über welches er uneingeschränkt verfügen kann und darf, dann muss man sagen, dass auch die Illokution gelungen ist. Dieser Satz Ich vererbe dir mein Haus in einem rechtlich festgelegten Rahmen abgegeben, stellt auch eine gelungene Perlokution dar, insofern eine Folgewirkung der Lokution eintritt, die man an den außersprachlichen Umständen, im sozialen, kulturellen und rechtlichen Kontext messen kann. Die Lokution Ich vererbe dir mein Haus vor einem gerichtlich beeidigten Notar abgegeben, ist im Augenblick der Lokution und bis auf weiteres geglückt.

Dieser Tatsache kann auch nicht Abbruch tun, wenn etwa drei Jahre später jemand dieses Testament anficht. Genauso absurd wäre es, zu behaupten, dass eine Darmoperation misslungen sei, weil der Patient sechs Monate danach an Herzversagen gestorben sei, was vielleicht nicht der Fall gewesen wäre, hätte sein Herz nicht die zusätzliche Belastung durch diese Narkose, die für die sechs Monate zurückliegende Darmoperation erforderlich gewesen war, in Kauf nehmen müssen.

Im Falle des Testaments ist der Sprechakt in dem Augenblick gelungen, in welchem der Notar seinen Stempel auf ein Dokument drückt, aus welchem hervorgeht, dass der Sprecher sein Haus einer Person vererbt, die in unserem Mustersatz mit dem Pronomen dir bezeichnet wir. Und genau an diesem Punkt müsste die Untersuchung unseres Sprechaktes aufhören und das Gelingen festgestellt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Grundbegriffe der Pragmatik, insbesondere die Bedeutung von Weltwissen, Sprachwissen und Sprachverhalten für das Verständnis sprachlicher Handlungen.

2. Die Sprechakttheorie: Das Hauptkapitel beschreibt die historische Entstehung und die theoretische Fundierung der Sprechakttheorie durch Austin und Searle, unterteilt die Sprechakte in Teilakte und stellt die gängige Klassifikation sowie eine kritische Würdigung dar.

3. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Natur des Sprechaktes und die theoretischen Konzepte der Pragmalinguistik zusammen.

Schlüsselwörter

Sprechakttheorie, Pragmatik, Sprachhandeln, Lokution, Illokution, Perlokution, Deixis, Weltwissen, Sprachwissen, Performanz, Proposition, Searle, Austin, Gelingensbedingungen, Sprachphilosophie

Häufig gestellte Fragen

Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?

Die Arbeit behandelt die Sprechakttheorie, eine linguistische Strömung, die Sprache nicht nur als Abbild der Welt, sondern als aktives Handeln betrachtet.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Pragmalinguistik, die Gliederung von Sprechakten, ihre Klassifizierung und eine kritische Auseinandersetzung mit der Definition von Erfolg bzw. Gelingen einer sprachlichen Handlung.

Was ist die primäre Zielsetzung der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Paradigmenwechsel in der Linguistik zur Pragmatik hin zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie Sprecher mit Äußerungen gezielt Handlungen vollziehen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine theoretische Analyse auf Basis linguistischer Fachliteratur durchgeführt, wobei Konzepte von Austin und Searle anhand von Alltags- und Rechtsbeispielen erläutert und kritisch hinterfragt werden.

Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Grundbegriffen (Weltwissen, Deixis), die historische Herleitung der Sprechakttheorie, die Unterteilung in Lokution, Illokution und Perlokution sowie die Anwendung der Klassifizierung nach Searle.

Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sprechakt, Pragmatik, Illokution, Gelingensbedingungen und die Unterscheidung zwischen performativen und konstativen Äußerungen.

Inwiefern spielt die "Hier-Jetzt-Ich-Origo" eine Rolle?

Das Konzept dient dazu, den Ausgangspunkt einer Äußerung im Raum-Zeit-Koordinatensystem zu definieren, was für das Verständnis der Deixis essentiell ist.

Wie begründet der Autor seine Kritik an der Sprechakttheorie?

Der Autor kritisiert, dass materielle Gelingensbedingungen für immaterielle Phänomene herangezogen werden und plädiert dafür, das Gelingen eines Sprechaktes primär an der Intention und dem Vollzugsmoment festzumachen, statt an nachgelagerten, unvorhersehbaren Ereignissen.

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Details

Title
Die Sprechakttheorie
College
University of Vienna  (Inst. für Deutsche Philologie)
Course
Übung Sprachwissenschaft
Grade
1
Author
Dr. phil. Daria Hagemeister (Author)
Publication Year
2006
Pages
17
Catalog Number
V62975
ISBN (eBook)
9783638561167
ISBN (Book)
9783638767033
Language
German
Tags
Sprechakttheorie Sprachwissenschaft Searle Austin handeln
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. phil. Daria Hagemeister (Author), 2006, Die Sprechakttheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62975
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