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Untertitel: Was sagt man und was sagt man besser nicht?
Autor: Anika Erdmann
Fach: Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation
Details
Institution/Hochschule: Hochschule Bremen
Tags: Interkulturelle, Fettnäpfchen, Deutschland, Niederlande, Organisational, Behaviour
Jahr: 2005
Seiten: 20
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 222 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-56131-0
ISBN (Buch): 978-3-638-74980-0
Essay ohne Sekundärliteratur
Zusammenfassung / Abstract
Vor einiger Zeit las man in einer deutschen Zeitung einen Artikel, in dem der Autor sich fragt, wie es kommt, dass der durchschnittliche niederländische Geschäftsmann, eigentlich ordentlich gekleidet, fast immer diese ungeputzten, wenig eleganten Schuhe trägt. Laut dem Verfasser hängt das mit der Körpergröße zusammen. Niederländische Männer werden inzwischen so groß, dass sie die Beziehung zu ihren Füßen verloren haben. Ich achte seitdem darauf und stelle fest, dass die Kombination aus ungepflegtem Schuhwerk und einem adretten Anzug tatsächlich ein auffälliges Erkennungszeichen niederländischer Männer ist. Achten Sie einmal selbst darauf. Ich bin Deutsche, wohne in Deutschland und arbeite und wohne in den Niederlanden und in Deutschland. Viele Leute fragen mich nach den Unterschieden zwischen den Niederlanden und Deutschland und den Bewohnern beider Länder. Die Schuhe fallen mir dann immer zuerst ein. Aber es gibt natürlich noch mehr Dinge, die anders oder nur auf den ersten Blick gleich sind. Es ist sicher gut, wenn man darüber etwas weiß. Allerdings kann ich nicht genug betonen, dass es sich vor allem um persönliche Eindrücke handelt. Sie können daher immer auch dem Gegenteil begegnen.
Textauszug (computergeneriert)
Hochschule Bremen, Fachbereich Nautik und Internationale Wirtschaft
Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen
Wintersemester 2005, Bremen, 23. November 2006
Interkulturelle Fettnäpfchen: Deutschland –
Niederlande, Was sagt man und was sagt man besser nicht?
von: Anika Erdmann
Einleitung
Vor einiger Zeit las man in einer deutschen Zeitung einen Artikel, in dem der Autor sich fragt, wie es kommt, dass der durchschnittliche niederländische Geschäftsmann, eigentlich ordentlich gekleidet, fast immer diese ungeputzten, wenig eleganten Schuhe trägt. Laut dem Verfasser hängt das mit der Körpergröße zusammen. Niederländische Männer werden inzwischen so groß, dass sie die Beziehung zu ihren Füßen verloren haben. Ich achte seitdem darauf und stelle fest, dass die Kombination aus ungepflegtem Schuhwerk und einem adretten Anzug tatsächlich ein auffälliges Erkennungszeichen niederländischer Männer ist. Achten Sie einmal selbst darauf.
Ich bin Deutsche, wohne in Deutschland und arbeite und wohne in den Niederlanden und in Deutschland. Viele Leute fragen mich nach den Unterschieden zwischen den Niederlanden und Deutschland und den Bewohnern beider Länder. Die Schuhe fallen mir dann immer zuerst ein. Aber es gibt natürlich noch mehr Dinge, die anders oder nur auf den ersten Blick gleich sind. Es ist sicher gut, wenn man darüber etwas weiß. Allerdings kann ich nicht genug betonen, dass es sich vor allem um persönliche Eindrücke handelt. Sie können daher immer auch dem Gegenteil begegnen.
Falsche Freunde, foute vrienden
Aufgrund der engen Verwandtschaft des Deutschen und des Niederländischen in Bezug auf Klang, Wort- und Satzeigenschaften kann man die Nachbarsprache recht schnell lesen und Bedeutungen ableiten lernen. Das Problem liegt darin, dass diese Art der Ableitung manchmal total falsche Ergebnisse liefert. Manche Wörter ähneln einander sehr und haben doch eine total andere Bedeutung. Ein slimme kerel ist kein schlimmer Kerl, sondern ein kluger Kerl. Und wenn der deutsche Gesprächspartner aus Aachen darüber klagt, dass er es im Kreuz hat, meint er nicht, dass er bei einem Fußballspiel ungeschützt in der Mauer gestanden hat (Kreuz = kruis), sondern dass er Rückenschmerzen hat. Diese Art Wörter werden treffend „falsche Freunde“ genannt.
Even overleggen
Als Deutscher wird Ihnen bei ihren Gesprächen mit Niederländern wiederholt der Ausdruck „mal überlegen“ auffallen. Es ist möglich, dass Ihr Gesprächspartner meint, dass er noch Zeit benötigt, um darüber nachzudenken (overdenken = überlegen), aber wahrscheinlicher ist es, dass er das niederländische overleggen = beratschlagen meint. Sollte das der Fall sein, wird es eine Weile dauern, bevor Sie eine Reaktion bekommen. Overleggen hat nämlich eine ganz andere Bedeutung als überlegen. Es gibt im Deutschen eigentlich keine Wortentsprechung hierfür. Overleggen ist das Besprechen eines Sachverhalts mit allen Beteiligten, bevor eine Entscheidung getroffen wird. In den Niederlanden wird alles erst overlegd.
Das gesamte Arbeitsleben beruht auf dem Einverständnis über gemeinsame Ziele, Zusammenarbeit ohne Gesichtsverlust und auf schier endlosen Verhandlungen darüber. Ständig finden Besprechungen statt... Es wird immer so lange verhandelt, bis eine gemeinsame oder zumindest für alle Beteiligten tragfähige Lösung gefunden ist. Diese Kultur des Beratschlagens werden Sie in allen Ebenen und Bereichen antreffen, von der Landespolitik bis hin zur kleinen Schule in einem Wohnviertel und dem Nachbarschaftsverein, es lässt sich ganz einfach besser arbeiten, wenn jeder das Gefühl hat, gleichwertig und miteinbezogen zu sein. Erklärt wird dies aus der Geschichte. Schon im Unabhängigkeitskampf gegen Spanien im 16. Jahrhundert fehlte eine zentrale Macht und musste also overlegd werden. Außerdem waren feudale Machtstrukturen wie in Deutschland in den Niederlanden nicht bekannt, es entstand schon sehr „früh ein bürgerliches Zusammenleben mit einer egalitären Richtung und [...] Traditionen des Beratschlagens und der Einigung“ .
Die gleiche Pragmatik bestimmt die Umgangsformen in der Arbeitswelt: die Schulleiterin/der Schulleiter ist eine/einer des „Teams“, der Ton untereinander ist ungezwungen und kollegial, man spricht einander mit Du und dem Vornamen an, Aufträge werden als Bitte formuliert, am liebsten mit einer gehörigen Prise Ironie. Die deutsche Art zu arbeiten, wobei deutliche Strukturen die Vorgehensweise bestimmen (u.a. der Dienstweg), erscheint den Niederländern sehr hierarchisch und formell. Das gilt auch für soziale Kontakte untereinander und über die Grenze hinweg. Formell, steif und tadellos auf deutscher, locker, ungezwungen und ein bisschen schnodderig auf niederländischer Seite.
Humor
Deutsche haben keinen Humor, die Werbung ist langweilig und fantasielos... hört man auch Deutsche oft sagen. Tatsächlich ist die niederländische Werbung viel witziger und vor allem ironischer. Auffällig ist, dass man diesem Unterschied auch bei anderen Gelegenheiten begegnet, bei Ansprachen und Präsentationen z.B.. Niederländer bemühen sich im Vergleich zu Deutschen mehr um Humor und vor allem Selbstspott. Sogar die Thronrede begann dieses Jahr mit einer scherzhaften Bemerkung (1999). Ironie bzw. Selbstkritik, das sind für einen Ausländer in den Niederlanden so ungefähr die wichtigsten Bedingungen, um akzeptiert zu werden. Wer nicht „ein wenig selbstironisch tiefstapelt“, ist ganz schnell ein Angeber. In Deutschland ist das nicht so. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Sie eine gehörige Dosis Humor und Ironie verwenden, im Gegenteil, aber es ist nicht zwingend notwendig. Sie können selbstverständlich auch nur seriös sein.
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