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Autor: Jessica Draper
Fach: Amerikanistik - Literatur
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Tags: Real, Thing, Spiegelung, Henry, James, Hauptseminar, Henry, James
Jahr: 2003
Seiten: 25
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 221 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-56158-7
Textauszug (computergeneriert)
Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
Hauptseminar: Henry James
Sommersemester 2003
"The Real Thing" als Spiegelung von Henry James′ Ästhetik
von: Jessica Draper
Inhaltsangabe
Henry James und die Bewegung des Ästhetizismus 2
Hintergründe zu „The Real Thing” 6
Kurze Inhaltsangabe von „The Real Thing“ 7
Die drei Bedeutungsebenen der Kurzgeschichte 8
Die Umsetzung des ästhetischen Begriffs in „The Real Thing“ 10
Schlussfolgerung 22
Quellenangabe 23
Primärtext 23
Sekundärtexte 23
Henry James und die Bewegung des Ästhetizismus
Die Bewegung des Ästhetizismus im England des ausgehenden 19. Jahrhunderts verdankt ihren Auftrieb verschiedensten Strömungen und Umständen jener Zeit. Die Bevölkerung des Viktorianismus, geprägt durch die Kolonialmacht Großbritanniens, Industrialisierung und Verstädterung erfuhr einen Umbruch des Denkens und einen durch verschiedenste Theorien begünstigten Glaubensverlust. Die Gesellschaft in dieser Epoche war verwirrt und ohne Halt, denn durch Darwins Beweis einer natürlichen Auslese und einer Abstammung des Menschen, war der sichere Glaube daran, Gott habe alles erschaffen, praktisch widerlegt. Durch den Umsturz aller Religionen verloren auch deren Glaubenssätze und moralische Forderungen an Einfluss. Auch die verschiedensten Theorien der Psychologie und der Philosophie begünstigten die moralische und spirituelle Krise dieser Zeit. Für das Proletariat, das gegen die argen Arbeitsbedingungen ankämpfte und für sich das Wahlrecht forderte, blieb durch den absurden Sozialdarwinismus kein Platz. Die Ästheten sahen sich als Gegenbewegung zum gängigen Kunstbegriff dieser Zeit, der durch sein Streben nach Wahrheit in Ausdruck und Darstellung definiert werden könnte. Der viktorianische Künstler sollte die Realität widerspiegeln, allerdings hierbei auf die zeitgemäßen moralischen, ethischen und religiösen Vorstellungen Rücksicht nehmen. Gegen diese Vorgaben rebellierten die kreativ Schaffenden der Bewegung des Britischen Ästhetizismus. Sie protestierten gegen die strengen sexuellen Moralvorstellungen, wollten schockieren, gegen die Etikette verstoßen, die Eigenheiten des Wahrnehmungsvermögens modifizieren, die eben dieses viktorianische Publikum charakterisierte.1 Der Begriff des Ästhetizismus ist schwer zu definieren, da sich unter dem Dach dieses Namens eine Fülle von Freigeistern miteinander verbunden sahen. Laut Kant soll das Ästhetische als ein gesonderter Bereich von Erfahrungen verstanden werden, Pater jedoch sieht das Ziel des ästhetischen Schülers darin, die Fähigkeit zu erlangen, Schönheit auf einfachstem Wege darstellen zu können.2
Der Ästhetizismus in England verneint gewöhnlich die Existenz oder die Wichtigkeit von jedem Phänomen jenseits des künstlerischen Selbst. Pater geht sogar noch weiter, er äußert sich radikal solipsistisch, indem er den Standpunkt vertritt, dass alle unsere Eindrücke die Eindrücke eines Individuums in seiner Abgeschiedenheit, Isoliertheit, sind, und dass jeder Verstand seinen eigenen Traum der Welt wie einen einsamen Gefangenen unter Verschluss hält.3 Der Ästhetizismus repräsentiert die Zusammenfassung zweier Gegensätze, die Erforschung von kulturellen Widersprüchen – aber ohne die Möglichkeit auszulassen, dem Widerspruch widersprechen zu dürfen.4 Allein durch diese Definition ist bewiesen, wie schwer der Begriff dieser Bewegung zu fassen ist. Der Ästhetizismus kann im Wesentlichen durch drei gegenläufige Richtungen bestimmt werden. Die erste versteht die Erkenntnis der Zeit als Fluss und steht für die Suche nach perfekten Momenten, die solchen Fluss aufhalten können, die zweite legt Wert auf die Erkenntnis des Selbst in solipsistischer Isolation, also in Ich-Bezogener Einsamkeit, und auf die Sehnsucht nach Vollendung, die dritte Richtung wird durch eine Sehnsucht bestimmt, die Erfahrungen vom Kontakt mit der materiellen Welt reinigen soll und die den Aufschwungs des Ästhetizismus zu einer Form von hohem Ansehen in eben dieser Welt erwünscht.5 Die L´art pour l´art Bewegung kann auch als Ausläufer des Ästhetizismus betrachtet werden. Hierbei geht es um die Kunst, um der Kunst willen, Kunst ist also Selbstzweck. Das Schöne wird als das Nutzlose schlechthin angesehen, das Nutzvolle als hässlich. Der Künstler erlebt nun eine Unabhängigkeit, die durch den Verfall der Aristokratie begünstigt wird, und erfährt dadurch auch seine Kunst als etwas von Allem unabhängiges. Der kreativ Schaffende dieser Zeit wahrt eine Distanz zu seinem bürgerlichen Publikum und dessen Wertvorstellungen, zu sozialem Engagement und neigt zu großer Interesselosigkeit, was öffentliche Pflichten betrifft. „Unparteilichkeit und Unpersönlichkeit gelten als künstler(ische) Tugenden.“6 Der Ästhet sieht sich als autonom Tätiger, frei von jeglichen Verpflichtungen, keinerlei moralischen, religiösen, ethischen oder politischen Wertvorstellungen unterworfen.
Der Britische Ästhetizismus vollzog sich nun, dem Namen nach, in England, jedoch konnte sich die Neue Welt nicht von seinem Einfluss entziehen. Obgleich entscheidende Unterschiede zwischen den ästhetischen Strömungen verschiedener Länder und Gemeinschaften existierten, ist es den fiktionellen Arbeiten und der vorbildlichen Karriere von Henry James zu verdanken, dass die ästhetische Bewegung auch in Amerika Fuß fassen konnte.7 In Boston formte sich eine Gruppe von Harvard Studenten, die sich selbst als Ästheten verstand. Sie behaupteten, dass ihr einziges Ziel sei, für die Sinne zu leben. Weiter im Westen Amerikas besaßen Städte wie Omaha oder Kansas City ihre eigenen Ruskin-Clubs, eigene Avantgarde Magazine und ihre eigenen rebellischen Schreiber, Dichter und Künstler.8 In Kürze befanden sich die Amerikaner inmitten ihres eigenen kommerziellen `aesthetic craze´, um es mit den Worten des Autors Freedman auszudrücken, allerdings schien sich dieser `craze´ eher auf eine Reform der Innenarchitektur zu beziehen, denn auf eine philosophische Denkweise.9 Das, was sich aus dem Britischen Ästhetizismus in Amerika entwickelte, ist nunmehr als House Beautiful bekannt. Das schöne Haus war etwas, nach dem man streben sollte, welches sorgfältig kreiert wurde, so dass das Haus selbst als Kunstwerk angesehen werden konnte und sollte.10
[...]
1 Nach: Freedman, Jonathan. Professions of Taste. Henry James, British Aestheticism, and Commodity Culture. Stanford, 1990. Seite 4.
2 Nach: Freedman, Jonathan. Professions of Taste. Henry James, British Aestheticism, and Commodity Culture. Stanford, 1990. Seite 5.
3 Nach: Freedman, Jonathan. Professions of Taste. Henry James, British Aestheticism, and Commodity Culture. Stanford, 1990. Seite 35.
4 Nach: Freedman, Jonathan. Professions of Taste. Henry James, British Aestheticism, and Commodity Culture. Stanford, 1990. Seite 8.
5 Nach: Freedman, Jonathan. Professions of Taste. Henry James, British Aestheticism, and Commodity Culture. Stanford, 1990. Seite 9.
6 Schulz, Georg-Michael. L’art pour l’art. In: Schweikle, Günther und Irmgard (Hrsg.). Metzler Literatur Lexikon. Stuttgart, 1990. Seite 60.
7 Nach: Freedman, Jonathan. Professions of Taste. Henry James, British Aestheticism, and Commodity Culture. Stanford, 1990. Seite 11.
8 Nach: Freedman, Jonathan. Professions of Taste. Henry James, British Aestheticism, and Commodity Culture. Stanford, 1990. Seite 79.
9 Nach: Freedman, Jonathan. Professions of Taste. Henry James, British Aestheticism, and Commodity Culture. Stanford, 1990. Seite 105.
10 Nach: Freedman, Jonathan. Professions of Taste. Henry James, British Aestheticism, and Commodity Culture. Stanford, 1990. Seite 106.
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