Möglichkeiten und Grenzen der Beurteilung mündlicher Leistungen close

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Details

Veranstaltung: Pädagogische Diagnostik
Institution/Hochschule: Universität des Saarlandes ( Philosophische Fakultät)
Tags: Möglichkeiten, Grenzen, Beurteilung, Leistungen, Pädagogische, Diagnostik
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 66
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 28  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 538 KB
Archivnummer: V63084
ISBN (E-Book): 978-3-638-56207-2
ISBN (Buch): 978-3-638-71016-9

Zusammenfassung / Abstract

Die Feststellung und Bewertung mündlich erbrachter Leistungen ist ein zentraler Bestandteil der schulischen Alltagspraxis und dient dem Lehrer dazu, Informationen über den aktuellen Leistungsstand und die Lernentwicklung des Schülers zu erhalten. Bislang existieren keine schulgesetzlichen Erlasse und Verordnungen, die diese Form der Leistungserbringung und –bewertung zwingend vorschreiben. Allerdings werden immer wieder Stimmen laut, die entgegen der bisherigen Praxis fordern, die mündlich erbrachten Leistungen in die Endbewertung und damit in die Zeugnisnote stärker einfließen zu lassen als die schriftlich erbrachten Leistungen. Grundlage für die Umsetzung dieser Forderungen sind eine planmäßige und systematische Erfassung, Dokumentation, Bewertung und Interpretation der mündlichen Leistungen, sowie eine Sicherstellung, dass die Erbringung und Bewertung mündlicher Leistungen für alle Schüler einer Klasse unter vergleichbaren Bedingungen durchgeführt werden kann. Bislang steht die geübte Praxis einer entsprechenden Regelung häufig diametral entgegen. Ziel dieser Arbeit ist es, auf der Grundlage eines einheitlichen Leistungsverständnisses und der Charakterisierung der mündlichen Leistung in Abgrenzung zur schriftlichen Leistung, die Chancen und möglichen Gefahren bei der Beurteilung mündlicher Leistungen einander gegenüberzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt insbesondere bei der Visualisierung dieser Herausforderungen anhand von Beispielen aus dem Bereich der beruflichen Schulen.

Textauszug (computergeneriert)

Seminararbeit in Wirtschaftspädagogik
Sommersemester 2006

Thema:

Möglichkeiten und Grenzen
der Beurteilung mündlicher Leistungen

Universität des Saarlandes
Fakultät 5: Philosophische Fakultät III
Fachrichtung 5.1: Erziehungswissenschaft
Veranstaltung: Pädagogische Diagnostik

bearbeitet von:

Martina Hugo

Datum der Abgabe: 15. September 2006

 

 

I. Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 6

2 Das Leistungsprinzip im schulischen Kontext 9
2.1 Der Leistungsbegriff 9
2.1.1 Definition 9
2.1.2 Merkmale der Leistungserbringung 10
2.2 Charakterisierung mündlicher Leistungen 13
2.2.1 Einordnung und Kategorisierung mündlicher Leistungen 13
2.2.2 Merkmale mündlicher Leistungen in Abgrenzung zu schriftli-chen Leistungen 15

3 Rahmenbedingungen der mündlichen Leistungsfeststellung 17
3.1 Der Istzustand in der Praxis 17
3.2 Schulrechtliche Aspekte 18
3.3 Gesellschaftliche und psychologische Aspekte 21
3.4 Pädagogische und didaktische Aspekte 24

4 Der Beurteilungsprozess mündlicher Leistungen 27
4.1 Beobachten und Wahrnehmen 27
4.2 Gütekriterien der Leistungsmessung 29
4.2.1 Objektivität 29
4.2.2 Reliabilität 30
4.2.3 Validität 31
4.3 Methoden der Leistungsdokumentation 32
4.3.1 Der Lehrer als Beobachter 32
4.3.2 Selbsteinschätzung durch den Schüler 34
4.4 Leistungsbewertung 35
4.4.1 Anforderungen 35
4.4.2 Bezugsnormen 36

5 Herausforderungen bei der Beurteilung mündlicher Leistungen 39
5.1 Mögliche Vorteile der mündlichen Leistungsfeststellung 39
5.2 Beurteilungsfehler 41
5.3 Reformperspektiven 44

6 Handlungsempfehlungen zur Ausschöpfung der Potenziale mündlicher Prüfungen 47
6.1 Charakterisierung der Prüfungssituation 47
6.1.1 Vorbemerkung 47
6.1.2 Subjektivität der mündlichen Prüfung 47
6.2 Kriterien einer zielführenden Vorbereitung 49
6.3 Gestaltungsfaktoren für die Durchführung der mündlichen Prüfung 53
6.3.1 Wirkung der räumlichen Umgebung 53
6.3.2 Bedeutung des Frage- und Feedbackverhaltens durch den Prüfer 55
6.3.3 Auswirkungen des Prüfungsstils 58
6.4 Möglichkeiten einer gütegerechten Beurteilung 59

7 Fazit 61

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bewertungskriterien für die Bezugsnormen der Leistungsbewertung 35
Abbildung 2: Sitzanordnung "am runden Tisch" 53
Abbildung 3: Sitzanordnung "gegenüber" 54
Abbildung 4: Sitzanordnung "U-Form" 54

 

 

1 Einleitung

„Die Feststellung und Bewertung mündlich erbrachter Leistungen ist untrennbar mit der [schulischen] Alltagspraxis verbunden und zählt somit zu einem gängigen Verfahren, um Informationen zum (aktuellen) Leistungsstand und zur (künftigen) Lernentwicklung von Schülerinnen und Schülern zu erhalten.“1

Diese mündliche Form der Leistungserbringung und –bewertung ist nicht nur durch schulgesetzlichen Erlassen und Verordnungen vorgeschrieben. Immer wieder werden Stimmen laut, die entgegen der bisherigen Praxis fordern, die mündlich erbrachte Leistung in die Endbewertung und damit in die Zeugnisnote einfließen zu lassen stärker als die schriftlich erbrachten Leistungen. Grundlage für die Umsetzung dieser Forderungen sind eine planmäßige und systematische Erfassung, Dokumentation, Bewertung und Interpretation der mündlichen Leistungen, die für die verschiedenen Schüler2 unter vergleichbaren Bedingungen durchgeführt werden.3 

Einer auf diese Weise zu kennzeichnenden Praxis steht bislang häufig die Beurteilung der mündlichen Leistungen im Schulalltag entgegen: „Stichprobenartig werden mehr oder weniger zufällig einzelne Schüler mit spontan und unsystematisch entwickelten Fragen des Lehrers konfrontiert. Zeitdruck, Prüfungsangst, Sprachscheu und Gelächter der Mitschüler und die ungeduldige Miene des Lehrers verschärfen die Situation. Was sagt schon eine unter diesen Umständen ausgeschriebene „mündliche“ Vier aus?“4

Die auf der Seite der Schüler angesprochenen Ängste sind insbesondere auch an beruflichen Schulen zu erwarten.

Es ist anzunehmen, dass das heterogene Leistungsniveau innerhalb der Klassen leistungsschwache Schüler eher bei der freiwilligen Erbringung mündlicher Leistungen hemmen wird, weil sie Angst vor der negativen Reaktion der leistungsstärkeren Klassenkameraden haben.5 Sprachscheue wird jedoch nicht nur bei der Gruppe der leistungsschwachen Schüler zu beobachten sein. Es kann vermutet werden, dass Nicht-Muttersprachler, die gerade in beruflichen Schulen stark6 vertreten sind, eher Hemmungen haben, vor der Klasse zu sprechen und die Mängel in ihrer Gesprächsfähigkeit ihre mündliche Leistung negativ beeinflussen. Wird die Hoffnung auf schulische Lernerfolge enttäuscht, so sind es gerade die soziokulturell benachteiligten Schüler, die aufgrund ihrer ungünstigeren Rahmenbedingungen davon betroffen sind.7 Solche hemmenden Rahmenbedingungen können beispielsweise sprachliche Barrieren sein. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte und empirischer Befunde, die die Güte der Beurteilung mündlicher Leistungen teilweise in Frage stellen, ist es nachvollziehbar, dass Kritiker fordern, die Beurteilung mündlicher Leistungen auf die sprachabhängigen Bereiche zu beschränken.8 

Ziel dieser Arbeit ist es, auf der Grundlage eines einheitlichen Leistungsverständnisses und der Charakterisierung der mündlichen Leistung in Abgrenzung zur schriftlichen Leistung (vgl. Kapitel 2), die Chancen und Gefahren bei der Beurteilung mündlicher Leistungen gegenüberzustellen.

Hierzu werden in Kapitel 3 zunächst die schulrechtlichen, gesellschaftlichen, psychologischen, pädagogischen und didaktischen Rahmenbedingungen für die Feststellung der mündlich erbrachten Leistungen geschildert.

Vor diesem Hintergrund wird in Kapitel 4 der Prozess der Leistungsbeurteilung als Abfolge von Wahrnehmung, Beobachtung, Dokumentation der beobachteten Leistung und der sich anschließenden Bewertung, unter Berücksichtigung der Güte dieses Prozesses, detailliert betrachtet.

In Kapitel 5 werden die mit dieser Form der Leistungskontrolle sowohl für den Schüler als auch für den Lehrer verbundenen Vorteile zusammengefasst und die möglichen Beurteilungsfehler von Seiten des Lehrers aufgezeigt, um auf dieser Grundlage Reformperspektiven abzuleiten.

Unter Berücksichtigung der Relevanz der mündlichen Abschlussprüfungen an beruflichen Schulen wird in Kapitel 6 der Fokus auf die mündliche Prüfung in Abgrenzung zu sonstigen mündlichen Leistungen im laufenden Unterricht gelegt. Ziel ist es, die in der Literatur gegebenen Handlungsempfehlungen für Prüfer, die der Ausschöpfung der Potenziale einer mündlichen Prüfung förderlich sein können und sollen, strukturiert darzustellen.

[....]


1 Jürgens (2005), S. 83

2 Mit dem Begriff des Schülers und analog dem Begriff des Lehrers werden im Folgenden aus Gründen der Sprachökonomie und besseren Lesbarkeit wertungsfrei sowohl männliche als auch weibliche Mitglieder der Klassengemeinschaft bzw. des Lehrerkollegiums bezeichnet.

3 Vgl. Jürgens (1995a), S. 53 f.; Jürgens (2005), S. 82

4 Sommerla (1979), S. 8

5 Gerade an beruflichen Schulen setzen sich Klassen aus Schülern mit den unterschiedlichsten Abschlüssen zusammen. So wird die Handelsschule beispielsweise von Schülern mit Hauptschulabschluss, mittlerer Reife oder absolviertem Berufsgrundbildungsjahr besucht. Dadurch ergibt sich insbesondere in der Unterstufe der Handelsschulen häufig ein heterogenes Leistungsniveau zwischen den Schülern derselben Handelsschulklasse.

6 Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (2006) besuchten im Jahr 2005 67.602 Auszubildende, die eine andere, als die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, berufliche Schulen in Deutschland. In demselben Jahr wurden die beruflichen Schulen von insgesamt 1.553.400 Auszubildenden besucht. Es ist davon auszugehen, dass für eine Mehrzahl der ausländischen Auszubildenden Deutsch Fremdsprache und nicht Muttersprache ist.

7 Vgl. Jürgens (2005), S. 33

8 Vgl. Ingenkamp/Lissmann (2005), S. 144

Kommentare

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