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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 31 Pages
Author: Anne Goldbach
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Details
Institution/College: University of Leipzig (Erziehungswissenschaftliche Fakultät Fachbereich Geistigbehindertenpädagogik)
Tags: Christliche, Ethik, Diskurs, Präimplantaionsdiagnostik, Ethische, Fragen, Lebensanfang
Year: 2004
Pages: 31
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-56220-1
File size: 220 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Leipzig Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Fachbereich Geistigbehindertenpädagogik
Seminar: Ethische Fragen am Lebensanfang
SoSe 2004, 6. Fachsemester
Christliche Ethik im Diskurs über die Präimplantaionsdiagnostik
von: Anne Goldbach
Inhaltsverzeichnis
Einleitung – INV, PND, PID und wie geht’s weiter? 3
Der Diskurs über die Präimplantationsdiagnostik: Inhalte christlicher Ethik 5
1 Das Verfahren der Präimplantationsdiagnostik 5
2 Der öffentliche Diskurs über das Verbot der Präimplantationsdiagnostik 7
2.1 Diskussionsentwurf zu einer Richtlinie zur Präimplantationsdiagnostik 7
2.2 Das Für und Wider der Präimplantationsdiagnostik 9
2.3 Argumente für die Einführung der Präimplantationsdiagnostik 9
2.4 Argumente wider der Einführung der Präimplantationsdiagnostik 10
2.5 Schlussfolgerungen aus beiden Standpunkten 12
2.6 Rechtliche Grundlagen 12
2.7 Was ist Menschenwürde? 15
2.8 Wann beginnt menschliches Leben? 17
3 Inhalte christlicher Ethik im Diskurs über die Präimplantationsdiagnostik 19
3.1 Das Menschenbild und die Würde des Menschen christlich begründet 19
3.2 Der Beginn menschlichen Lebens in der Geschichte des Christentums 21
3.3 Der Mensch als Schöpfer seiner selbst? 23
4 Welche Rolle spielt christliche Ethik im Diskurs über Präimplantationsdiagnostik 26
Schluss - Ein Gedicht zum Thema von Tatjana Muster 28
Literaturverzeichnis 30
Einleitung – INV, PND, PID und wie geht’s weiter?
Schon seit vielen Jahren ist der Mensch in seiner Forschung bestrebt, sich selbst als Wesen zu durchleuchten. Das Rätsel um seine Fortpflanzung faszinierte und fasziniert ihn noch heute am meisten. Nachdem durch die Einführung des Mikroskops die Identifizierung von Samenzellen möglich war, entdeckte Karl Ernst von Baer den Schlüssel zur Embryonalentwicklung, indem er 1827 die Eizelle als Ausgangsmaterial menschlichen Lebens ausfindig machte.1
Im 20sten Jahrhundert konnte der biochemische Regelkreis des weiblichen Körpers erforscht werden, es folgten Hormondiagnostik und Hormontherapie um den richtigen Zeitpunkt zur Entnahme der Eizelle festzustellen und die Befruchtung im Reagenzglas, das heißt in-vitro durchzuführen. In England kam 1978 das erste Kind durch In-Vitro-Fertilisation zur Welt. Seit dem etabliert sich die Reagenzglasbefruchtung sowohl in gesellschaftlichen als auch in medizinischen Kreisen immer mehr. Obwohl die Erfolgsrate einer künstlichen Befruchtung nur bei etwa 25 Prozent2 liegt und für die Frau eine psychische und physische Belastung darstellt, ist dieses Verfahren die einzige Möglichkeit für Paare mit Fruchtbarkeitsstörungen ein eigenes Kind zu bekommen.3 Ein weiterer Schritt der Forschung in Richtung der Enträtselung des Beginns menschlichen Lebens, war der Anfang einer pränatalen Diagnostik (PND), welche sich vor etwa 30 Jahren zu entwickeln begann. PND konnte und kann sowohl nicht invasiv, das heißt durch Blutanalysen bei der Mutter, durch Ultraschalluntersuchungen oder Echokardiographien, als auch invasiv, das heißt durch Fruchtwasserentnahme (Amniocentese) oder durch die Gewinnung von Zellmaterial der kindlichen Plazenta (Chorionzottenbiopsie) vorgenommen werden. Eine invasive PND untersucht immer Zellen fetalen Ursprungs, greift demzufolge in den Organismus ein und ist deshalb mit einem erhöhten Risiko verbunden.4 Einer „Richtlinie zur pränatalen Diagnostik von Krankheiten und Krankheitsdispositionen“ der Bundesärztekammer zufolge ist ein Ziel der PND die Klärung des Risikos spezifisch genetisch bedingter Erbkrankheiten. Durch PND ist es dem Menschen möglich geworden die pränatale Anonymität des Fetus aufzuheben, Chromosomenanomalien schon vor der Geburt zu erkennen und somit der Schwangeren eine Hilfestellung bei der Entscheidung über die Fortsetzung oder den Abbruch ihrer Schwangerschaft zu geben.5
„Nach jahrhundertlanger Unklarheit über die komplizierten Zusammenhänge bei der Fortpflanzung ist in den letzen Jahren ein solch ungeheurer Erkenntniszuwachs eingetreten, daß wir herausgefordert sind zu fragen, ob wir alles dürfen, was wir können.“6 Aus diesem Grunde wurden schon in der Debatte um die Einführung der vorgeburtlichen Diagnostik Stimmen laut, welche auf die Gefahr der Selektion hinwiesen. Diese Angst ist und wird in Deutschland aufgrund der historischen Vergangenheit immer wieder besonders geschürt. Trotz der Ängste einer Selektion von behindertem Leben Vorschub zu leisten, wurde die pränatale Diagnostik in Deutschland genehmigt. In der Öffentlichkeit stellt sich die Frage, wie sich diese Entwicklung fortsetzt. Noch ist die Präimplantationsdiagnostik in Deutschland verboten, aber der Mensch ist bisher noch nie hinter seinen erforschten Möglichkeiten zurückgeblieben. Das menschliche Genom ist entschlüsselt und es werden immer wieder fiktive Stimmen nach einem „Baby nach Maß“ laut. Politiker, Ethiker und Theologen äußern fortwährend Ängste in Hinblick auf die Genforschung. Die Bevölkerung hingegen verbindet mit ihr vorwiegend die große Hoffnung auf Heilung von Krankheiten und Beseitigung von Behinderungen. Währenddessen die Vorstellung von einem Desingerbaby und auch die Heilung von schweren genetischen Krankheiten noch Zukunftsvisionen sind, wird die Präimplantationsdiagnostik in einigen Ländern der Welt schon praktiziert. Der Diskurs in Deutschland hat jedoch bisher nur ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik zur Folge gehabt. In dieser Arbeit soll die vorwiegend ethische Auseinandersetzung mit der Problematik geschildert werden. Besondere Berücksichtigung wird dabei die Perspektive christlicher Ethik in diesem Diskurs finden. Um jedoch über die Gefahren, Ängste und Chancen einer Präimplantationsdiagnostik debattieren zu können, ist es als erstes von Nöten das Verfahren selbst zu beleuchten.
Der Diskurs über die Präimplantationsdiagnostik: Inhalte christlicher Ethik
1 Das Verfahren der Präimplantationsdiagnostik
Die Präimplantationsdiagnostik ist ein Verfahren, welches Zellen eines noch nicht in den Mutterleib eingepflanzten Embryos auf Chromosomenstörungen oder genetisch bedingte Erbkrankheiten hin untersucht. Voraussetzung für eine solche Analyse ist die vorherige Durchführung einer In-Vitro-Fertilisation. Da der weibliche Organismus selbstständig nur jeweils eine Eizelle zur Reifung führt, für eine In-Vitro-Fertilisation jedoch mindestens drei benötigt werden, muss sich die Frau einer Hormonbehandlung unterziehen, um die gleichzeitige Reifung mehrerer Eizellen zu ermöglichen. Schon diese Hormonbehandlung kann gesundheitliche Probleme mit sich bringen. „Die reifen Eizellen werden mit einer Hohlnadel unter Ultraschallkontrolle entnommen und anschließend im Labor mit dem Sperma des zukünftigen Vaters per ICSI (Intra Cystoplasmatische Spermieninjektion) befruchtet.“7
Drei bis fünf Prozent der Frauen erkranken an einem Hyperstimulationssyndrom, bei welchem die Eierstöcke bis zu Organgröße anschwellen können. Eine starke Ausprägung dieses Syndroms kann lebensbedrohlich sein. Weiterhin besteht durch Hormonbehandlungen ein erhöhtes Krebsrisiko, vaginale Blutungen und Darmverletzungen können auftreten. Die Möglichkeit auf eine Mehrfachgeburt steigt, diese wiederum kann erhöhte Komplikationen, eine Frühgeburt oder weitere Gesundheitsschäden zur Folge haben. Drei Tage nach der Befruchtung befindet sich der Embryo im Sechs- bis Zehnzellstadium, diese Zellen sind totipotent, das heißt dass es diesen Zellen noch möglich ist, sich zu einem vollkommenen menschlichen Organismus zu entwickeln, da sie noch nicht auf eine bestimmte Zellstruktur festgelegt sind. In dieser Phase werden dem Embryo zwei Zellen entnommen und auf ihre genetischen Merkmale hin überprüft.
[...]
1 Vgl. Thomas Wabel: „Der Lebensbeginn – eine Glaubensfrage“, S.20.
2 Vgl. „Ethische Überlegungen zum Umgang mit der Präimplantationsdiagnostik“, S.10.
3 Vgl. „Das manipulierte Schicksal“, S.17-19.
4 Vgl. „Ethik in der Humangenetik“, S.15.
5 Vgl. „Richtlinie zur pränatalen Diagnostik von Krankheiten und Krankheitsdispositionen“.
6 „Das manipulierte Schicksal“, S.3.
7 www.bpb.de/publikationen/SBY7R2,10.0,Zur_Problematik_der_Pr%E4implantationsdiagnostik.htm#art1
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