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Der 'New Negro' der Harlem Renaissance in den Gedichten Claude McKays

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 25 Pages
Author: Manuela Paul
Subject: Romance Languages - Other Languages

Details

Event: Literaturen und Kulturen der Karibik
Institution/College: Martin Luther University (Institut der Romanistik)
Tags: Negro, Harlem, Renaissance, Gedichten, Claude, McKays, Literaturen, Kulturen, Karibik
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 25
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V63141
ISBN (E-book): 978-3-638-56256-0
ISBN (Book): 978-3-638-66911-5
File size: 211 KB

Abstract

Einleitung Zu Beginn des 20. Jahrhunderts musste die schwarze Bevölkerung feststellen, dass sie zum Spielball der Geschichte geworden war und wenig bzw. gar keinen Einfluss auf ihre Stellung in der Gesellschaft besaß. Um sich als Individuum einen Platz in der Gesellschaft zu schaffen, mussten die Afroamerikaner zuerst ihre Selbstauffassung und ihr Selbstbild verändern. In diesen Jahren waren schwarze Intellektuelle überzeugt, dass das neue Bewusstsein des Negros eine Renaissance in der Geschichte der Afroamerikaner kennzeichnen würde. Die Entdeckung bzw. das Bewusstsein über eigene Werte, das neu erweckte Selbstvertrauen einerseits und die Suche nach Respekt und Anerkennung andererseits formten die Basis zur Schaffung einer neuen Identität der schwarzen Bevölkerung zu Beginn dieser Zeit. Damit verbundene Prozesse in Politik, Kunst und vor allem Literatur mobilisierten die schöpferischen Kräfte vieler Künstler, die damals vor allem in Harlem lebten. Zu Beginn dieser Arbeit werden Theorien von Booker T. Washington, W.E.B. Du Bois und Alain Locke, über den Begriff des New Negro betrachtet, um das veränderte Bewusstsein und die Seele des New Negro im Folgenden an ausgewählten Gedichten eines Vertreters, Claude McKay, zu verdeutlichen. Im Laufe der Arbeit werden so verschiedene Aspekte, die der New Negro der Harlem Renaissance verkörperte, in den Gedichten McKays aufgezeigt und hervorgehoben. Da seine Gedichte, die im Jahr 1917 veröffentlich wurden, sich schon mit der Thematik des New Negro beschäftigten, galt McKay bald als Vorreiter und neue Stimme der Negro Literatur bevor die Harlem Renaissance überhaupt begonnen hatte. Das neue Selbstbild der Afroamerikaner, welches auf dem Stolz über die eigene Rasse basierte, war jedoch nicht geschützt vor den ständigen Diskriminierungen der weißen Bevölkerung in Amerika. Die Ambivalenz zwischen dem Ideal und der Wirklichkeit in den Vereinigten Staaten schien kein anderer besser zu verkörpern und in seinen Gedichten verarbeiten zu können wie Claude McKay.


Excerpt (computer-generated)

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
FB Sprach- und Literaturwissenschaften
Hauptseminar: Kulturen und Literaturen der Karibik
Seminar im WS 2005/06, 5. Fachsemester

Der New Negro der Harlem Renaissance in den
Gedichten Claude McKays

von: Manuela Paul

 


Gliederung

1. Einleitung  3

2. Die Harlem Renaissance – Entstehungsgeschichte  4

2.1 Booker T. Washington und W.E.B. Du Bois über den Begriff des New Negro 6
2.2 Der New Negro nach Alain Locke  7

3. Der New Negro in McKays Gedichten  10

3.1 Der militante New Negro  10
3.2 McKays universale Anschauung der Rassenproblematik 12
3.3 Die Rückbesinnung auf afrikanische Traditionen  14
3.4 Zwischen den Identitäten  16

4. Fazit 19

5. Bibliografie  21

6. In der Arbeit verwendete Gedichte  22

 


 

1. Einleitung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts musste die schwarze Bevölkerung feststellen, dass sie zum Spielball der Geschichte geworden war und wenig bzw. gar keinen Einfluss auf ihre Stellung in der Gesellschaft besaß. Um sich als Individuum einen Platz in der Gesellschaft zu schaffen, mussten die Afroamerikaner zuerst ihre Selbstauffassung und ihr Selbstbild verändern. In diesen Jahren waren schwarze Intellektuelle überzeugt, dass das neue Bewusstsein des Negros eine Renaissance in der Geschichte der Afroamerikaner kennzeichnen würde.

Die Entdeckung bzw. das Bewusstsein über eigene Werte, das neu erweckte Selbstvertrauen einerseits und die Suche nach Respekt und Anerkennung andererseits formten die Basis zur Schaffung einer neuen Identität der schwarzen Bevölkerung zu Beginn dieser Zeit. Damit verbundene Prozesse in Politik, Kunst und vor allem Literatur mobilisierten die schöpferischen Kräfte vieler Künstler, die damals vor allem in Harlem lebten. Zu Beginn dieser Arbeit werden Theorien von Booker T. Washington, W.E.B. Du Bois und Alain Locke, über den Begriff des New Negro betrachtet, um das veränderte Bewusstsein und die Seele des New Negro im Folgenden an ausgewählten Gedichten eines Vertreters, Claude McKay, zu verdeutlichen. Im Laufe der Arbeit werden so verschiedene Aspekte, die der New Negro der Harlem Renaissance verkörperte, in den Gedichten McKays aufgezeigt und hervorgehoben. Da seine Gedichte, die im Jahr 1917 veröffentlich wurden, sich schon mit der Thematik des New Negro beschäftigten, galt McKay bald als Vorreiter und neue Stimme der Negro Literatur bevor die Harlem Renaissance überhaupt begonnen hatte. Das neue Selbstbild der Afroamerikaner, welches auf dem Stolz über die eigene Rasse basierte, war jedoch nicht geschützt vor den ständigen Diskriminierungen der weißen Bevölkerung in Amerika. Die Ambivalenz zwischen dem Ideal und der Wirklichkeit in den Vereinigten Staaten schien kein anderer besser zu verkörpern und in seinen Gedichten verarbeiten zu können wie Claude McKay.

2. Die Harlem Renaissance – Entstehungsgeschichte

The Harlem Renaissance was basically a psychology – a state of mind or an attitude – shared by a number of black writers and intellectuals who centered their activities around Harlem in the late 1920s and early 1930s.1

Nach Meinung dieses Zitates von Cary D. Wintz war die Harlem Renaissance mehr ein gedankliches Konstrukt, das in den Köpfen derer herrschte, die daran teilnahmen, als eine einheitliche Bewegung. Weder eine allgemeine politische Ideologie, gemeinsame Erfahrungen, eine gemeinsame Vergangenheit, noch eine einheitliche literarische Philosophie vereinte alle Vertreter. Viel eher rief ein gemeinsames Ziel der Bewegung ein Gefühl der Zusammengehörigkeit hervor: die Gleichstellung der Rassen.2 Die Gruppe der Harlem Renaissance bildete sich um einen Kreis von Intellektuellen (James Weldon Johnson, Alain Locke, W.E.B. Du Bois), die der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) oder der Urban League angehörten oder in Kontakt zu Zeitschriften von Schwarzen oder Universitäten standen. Diese Intellektuellen agierten als Kritiker oder Ratgeber der jungen Schriftsteller der Harlem Renaissance, unterstützten aber auch die Förderung dieser Schriftsteller indem sie für sie Kontakte zu weißen Verlegern und eventuellen Förderern herstellten.3

Das sogenannte Erwachen der schwarzen Kultur, dass sich in einer Fülle schwarzer Literatur, Kunst und Musik widerspiegelte, konzentrierte sich vor allem auf den Stadtteil Harlem in New York, woraus sich die spätere Bezeichnung der Bewegung „Harlem Renaissance“ ergab. In den Jahren zwischen 1915 und 1920 wuchs der Anteil schwarzer Bevölkerung in New York um 250% an. Die Welle der Migration in die Industriestädte des Nordens wurde durch die schlechte ökonomische Situation im Süden, nach einer zerstörten Baumwollernte im Jahr 1915 und Überflutungen im Jahr 1916, ausgelöst. Zudem lockten Zeitungen wie der Defender mit Inseraten, die der schwarzen Bevölkerung bessere Jobs und höhere Löhne versprachen.

Ein weiterer ausschlaggebender Punkt der Migration gen den Norden waren die sich stetig verschlechternden Bedingungen der schwarzen Bevölkerung im Süden, unter anderem durch die Doktrin Seperate but Equal und die damit verbundene Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen.4

Harlem wurde so, mit seinem hohen Anteil schwarzer Bevölkerung, durch eben diesen Migrationsboom von schwarzer Bevölkerung, zum Zentrum der Harlem Renaissance. Das alltägliche Leben im Stadtteil Harlem wurde in den Werken vieler Künstler, die sich von der Kulisse und den Charakteren der Straßen von Harlem inspirieren ließen, aufgegriffen. Folglich spiegelten sich in deren Kunstwerken auch die Misere und Armut wider, die der Wirklichkeit für die nach Harlem kommenden Massen entsprach. Harlem wurde so zum Symbol dessen, was Afroamerikaner in den 20er Jahren erlebten.5 Der Beginn der Harlem Renaissance und das damit veränderte Bewusstsein der schwarzen Bevölkerung wird mit zwei wichtigen Ereignissen in Zusammenhang gebracht: dem Ende des ersten Weltkrieges und den Race Riots, die im Jahr 1919 ihren Höhepunkt erreichten.

[...]


1 Wintz (1988), S. 2.

2 a.a.O., S. 2f.

3 ebda.

4 a.a.O., S. 14f.

5 Wintz (1988), S.3.


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