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Freundschaftsfähigkeit - Ein Literaturüberblick zum Zusammenhang von Freundschaft und Persönlichkeit

Thesis (M.A.), 2001, 83 Pages
Author: Petra Schima
Subject: Psychology - Social Psychology

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2001
Pages: 83
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V6315
ISBN (E-book): 978-3-638-13916-8
ISBN (Book): 978-3-638-69703-3
File size: 258 KB

Abstract

Freundschaft ist trotz seiner begrifflichen Schwer-Erfaßbarkeit zunehmend ein Gegenstand der sozialpsychologischen Forschung geworden. Zahlreiche Veröffentlichungen dokumentieren Theorien und Befunde insbesondere über die Entstehung zwischenmenschlicher Beziehungen, Attraktionsbedingungen und Funktionen von Freundschaft. Über den Zusammenhang von Freundschaft und Persönlichkeit gibt es bislang nur wenige Veröffentlichungen. Mit dem Begriff „Freundschaftsfähigkeit“ sollen hier diejenigen Persönlichkeitsvariablen und Verhaltensdispositionen zusammengefasst werden, die für Freundschaft relevant sind. Vorangestellt ist der Versuch, Freundschaft anhand der in der Literatur dargestellten Definitionen zu erklären. Einige theoretische Ansätze bieten hier ein Rahmengerüst zum Verständnis dieser Zusammenhänge. Ein kurzer Einblick in die differentialpsychologischen Aspekte von Freundschaft erläutert die grundlegenden Persönlichkeitseigenschaften, die in bezug auf die „Freundschaftsfähigkeit“ eines Individuums eine Rolle spielen. Zunächst einmal sollen aber die personellen Vorbedingungen, die für die Entstehung einer Freundschaft in Frage kommen, betrachtet werden. Hier ist das Selbstkonzept von besonderer Bedeutung, das einen gravierenden Einfluß auf die zwischenmenschliche Interaktion haben kann. In verschiedenen Publikationen ist die Persönlichkeitsähnlichkeit als Attraktionsbedingung hervorgehoben, wobei die Filtertheorie von Duck unter diesem Aspekt Aufschluß über den Prozeß des Kennenlernens gibt. Zahlreiche Untersuchungen beschäftigten sich mit den Variablen Alter und Geschlecht, wobei einmal die verschiedenen Phasen der Persönlichkeitsentwicklung sowie die entsprechende Auffassung von Freundschaft dargestellt werden. Die Vorstellungen vom idealen Freund sollen zeigen, welche Persönlichkeitseigenschaften von Erwachsenen diesbezüglich als wichtig empfunden werden. Abschließend werden einige aktuelle Publikationen sowie die Schwierigkeiten, die aufgrund der Differenzierteit dieses Themas auftauchen, diskutiert.


Excerpt (computer-generated)

Freundschaftsfähigkeit – Ein Literaturüberblick
zum Zusammenhang von Freundschaft und
Persönlichkeit

Magisterarbeit

angefertigt im Hauptfach
Soziale Verhaltenswissenschaften – LG Soziale Prozesse
FernUniversität Hagen

von
Petra Schima

Themenstellung am: 23.11.2000
Vorgelegt am: 26.03.2001

Inhalt

1 EINLEITUNG ... 3
    1.1 Ziel der vorliegenden Arbeit ... 3

2 DER ZUSAMMENHANG VON FREUNDSCHAFT UND
PERSÖNLICHKEIT ... 4
    2.1 Zum Begriff "Freundschaftsfähigkeit"“ ... 5
    2.2 Versuch einer Definition von Freundschaft ... 7

3 PERSÖNLICHKEIT IN DER FREUNDSCHAFTSFORSCHUNG ... 9
    3.1 Theoretische Erklärungsansätze ... 10
        3.1.1 Eysenck’s Persönlichkeitstheorie ... 10
        3.1.2 Die Theorie der persönlichen Konstrukte ... 11
        3.1.3 Die Austauschtheorie im Freundschaftskonzept ... 12
        3.1.4 Die Freundschaftstheorie von Wright ... 13
    3.2 Differentialpsychologische Aspekte von Freundschaft ... 15
        3.2.1 Eigenschaften und Attribution in der Freundschaft ... 16

4 PERSÖNLICHKEITSMERKMALE IM FREUNDSCHAFTSPROZEß ... 17
    4.1 Vorbedingungen für die Entstehung von Freundschaft ... 18
        4.1.2 Das Selbstkonzept ... 21
        4.1.3 Ähnlichkeit als Attraktionsbedingung ... 23
            4.1.3.1 Die Filtertheorie von Duck ... 26
            4.1.3.2 Die Locus-of-control-Variable ... 27
    4.2 Freundschaftsrelevante Variablen ... 28
        4.2.1 Alter ... 28
        4.2.2 Geschlecht ... 31
        4.2.3 Soziale Motive ... 34
    4.3 Die Entwicklung von Freundschaft ... 36
        4.3.1 Hilfsbereitschaft und soziale Unterstützung ... 36
        4.3.2 Soziale Fertigkeiten ... 38
            4.3.2.1 Widerstandsfähigkeit ... 39
            4.3.2.2 Kommunikationsfähigkeit ... 40
        4.3.3 Das Konzept des Self-Monitoring ... 41
    4.4 Die Aufrechterhaltung von Freundschaft ... 44
        4.4.1 Intimität und die Fähigkeit zur Selbstenthüllung ... 44
        4.4.2 Vertrauen als Persönlichkeitsvariable ... 46
    4.5 Isolierung und Einsamkeit ... 47
    4.6 Streit in der Freundschaft ... 52
        4.6.1 Das Ende einer Freundschaft ... 53

5 VORSTELLUNGEN VOM IDEALEN FREUND ... 55

6 ZUSAMMENFASSENDE BEWERTUNG DER LITERATUR ... 58
    6.1 Die Schwierigkeit einer Definition von Freundschaft ... 58
    6.2 Freundschaft und Persönlichkeit in der Forschungsliteratur ... 60
    6.3 Persönlichkeitsvariablen im Freundschaftsprozeß ... 68
    6.4 Abschließende Betrachtung ... 71
    6.5 Tabellarischer Überblick in chronologischer Reihenfolge ... 76

7 KURZZUSAMMENFASSUNG ... 77

8 LITERATUR ... 79


1 Einleitung
Der Mensch ist als „soziales Wesen“ (Lersch, 1964) darauf angewiesen, mit anderen Menschen zu interagieren. Diese Beziehungen zu anderen Individuen bilden für die meisten von uns einen wichtigen, wenn nicht sogar den wichtigsten Bestandteil unseres Lebens, wobei nicht nur die Beziehungen zur eigenen Familie eine Rolle spielen, sondern auch der Kontakt zu Freunden, Nachbarn oder Kollegen einen entscheidenden Einfluß auf das psychische Wohlbefinden des Menschen hat.

Lersch (1964) spricht in diesem Zusammenhang vom Gesellungsdrang, der jedem Menschen innewohnt, allerdings nicht in jedem mit der gleichen Stärke wirksam ist. Es gibt Individuen, die nicht nur ein stärkeres Bedürfnis haben, im dauernden Dialog mit anderen zu leben, sondern auch leichter mit anderen in Kontakt kommen können. Andere wiederum leben isoliert von ihren Mitmenschen, teilweise, weil sie das Miteinanderleben auf ein Minimum beschränken wollen und nur mit Auswahl gesellig sind (Lersch, 1964), teilweise aber auch, weil sie aufgrund ihres Wesens Schwierigkeiten haben, mit anderen Individuen Freundschaften zu schließen. Aber, wie Kon (1979, S.176) feststellte: „Alle Menschen brauchen Freunde“ .

Freundschaften nehmen im sozialen Miteinander der Menschen also einen besonderen Stellenwert ein, vor allem, wenn man bedenkt, wieviel Zeit man im Laufe seines Lebens mit Freunden verbringt. Kon (1979, S.8) bezeichnet Freundschaft zum Unterschied von den funktionellen oder geschäftlichen Beziehungen als ein „ganz und gar persönliches Verhältnis“ , in dem Freunde einander uneigennützig und von Herzen helfen.

1.1 Ziel der vorliegenden Arbeit
Freundschaft ist ein Begriff, der nicht mit einfachen Worten zu erklären ist. Jeder Mensch hat seine eigene Auffassung von den Bedingungen, die jemanden als Freund qualifizieren und von dem, was Freundschaft für ihn bedeutet. Doch trotz seiner begrifflichen Schwer-Erfaßbarkeit ist Freundschaft ein Thema, das in den vergangenen Jahren zum Gegenstand der sozialpsychologischen Forschung geworden ist. Diese relativ „junge Forschungsrichtung“ (Auhagen & Mikula 1988) hat erst in den letzten zehn Jahren, im Anschluß an die Kleingruppenforschung, die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern verschiedener Gebiete erregt. Insbesondere über die Entstehung zwischenmenschlicher Beziehungen, Attraktionsbedingungen und Funktionen von Freundschaft gibt es zahlreiche Veröffentlichungen und Versuche, das Phänomen „Freundschaft“ theoretisch zu strukturieren.

Da aber jeder Mensch eine eigene Persönlichkeit besitzt und infolgedessen auch individuelle Vorstellungen von Freundschaft entwickelt, erweist es sich dagegen hinsichtlich der Differenziertheit verschiedener Freundschaftsformen und –typen als schwierig, eine allgemeine Aussage zu diesem Thema zu machen. Angesichts der Tatsache, daß manche Menschen aufgrund ihres Wesens gesellig sind, andere wiederum, gewollt oder ungewollt, in Einsamkeit leben, stellt sich die Frage, inwieweit Persönlichkeitsmerkmale einen Einfluß auf die Gestaltung von Freundschaft haben bzw. welche Eigenschaften einen Menschen „freundschaftsfähig“ machen.

Anfang der siebziger Jahre kamen allerdings Zweifel auf, ob und wie man Persönlichkeitsvariablen zur Vorhersage sozialen Verhaltens nutzen kann. (Köhler, 1991) So stellen McAdams, Healy & Krause (1984) fest, daß die Freundschaftsliteratur im allgemeinen wenig zu sagen hat über die Beziehung zwischen individuellen Differenzen in Persönlichkeit und Freundschaft. Auch Auhagen (1991) betont, daß in den letzten zehn Jahren die Schwerpunkte der Forschung eher auf Unterschieden von  Persönlichkeitsvariablen und ihrem Zusammenhang mit Erleben und Verhalten in Freundschaften lagen, wobei Geschlechtsunterschiede das Hauptthema bildeten.

Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über Literatur geben, die in den letzten Jahren zum Zusammenhang von Freundschaft und Persönlichkeit erschienen ist. Zunächst einmal möchte ich versuchen, den Begriff „Freundschaftsfähigkeit“ verständlich zu machen und Freundschaft trotz seiner vielfältigen Erscheinungsformen zu definieren. Anhand von theoretischen Ansätzen und differentialpsychologischen Aspekten soll die Rolle der Persönlichkeit in der Freundschaftsforschung dargestellt werden. Den Einfluß verschiedener Persönlichkeitsvariablen auf die Entstehung, Entwicklung und Aufrechterhaltung von Freundschaft möchte ich mit Hilfe verschiedener Befunde und Konzepte verdeutlichen, so daß am Ende ein Überblick über die verschiedenen Veröffentlichungen zu den differenzierten Aspekten der Freundschaftsfähigkeit entsteht.

2 Der Zusammenhang von Freundschaft und Persönlichkeit
Jeder Mensch ist einzigartig in seinem Wesen und in seinem Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen. Diese Individualität macht es für die Forschung schwierig, eine einheitliche Definition für Freundschaft zu finden und eine allgemeine Aussage über den Zusammenhang von Freundschaft und Persönlichkeit zu machen. Die Psychologie der Persönlichkeit befaßt sich in erster Linie mit dem Einfluß der individuellen Eigenschaften der Freundeswahl und versucht zu erklären, wie diese Wahl vor sich geht und wodurch sie bevorzugt wird, während sich die Sozialpsychologie mit selektiven und Anpassungsprozessen im Zuge der Entstehung, Entwicklung und Fortdauer der Freundschaft beschäftigt (Kon 1979).


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