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Diplomarbeit, 1997, 936 Seiten
Autor: Mag. Manfred Wieninger
Fach: Germanistik - Linguistik
Details
Tags: Veränderungen, Straßennamenkorpus, Landeshauptstadt, Pölten
Jahr: 1997
Seiten: 936
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 250 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-56284-3
Dateigröße: 1820 KB
über 860 Seiten Anhang!
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Zusammenfassung / Abstract
Die vorliegende sprachwissenschaftliche Diplomarbeit mit dem Titel „Veränderungen im Straßennamenkorpus der Landeshauptstadt St. Pölten zwischen 1900 und 1996“ analysiert die St. Pöltner Straßennamengebung in den zeitgeschichtlichen Perioden zwischen 1900 und 1918, 1919 und 1933, 1934 und 1937, 1938 und 1944, 1945 und 1954, 1955 und 1996, das heißt längs der markanten staatspolitisch-gesellschaftlichen Brüche und Umbrüche 1918, 1934, 1938, 1945 und 1955, und bietet außerdem eine Aufstellung aller zwischen 1900 und 1996 auf- und abgekommenen Straßennamen in der nunmehrigen Hauptstadt des größten österreichischen Bundeslandes. Den Hauptteil der Arbeit bildet ein St. Pöltner Straßennamenlexikon, das für jeden einzelnen Straßennamen, der zwischen 1900 und 1996 in Gebrauch war bzw. noch heute ist, alle amtlichen Angaben zum Benennungs- bzw. Umbenennungs-Akt und-Datum, zur Bedeutung, zu Lage und Schreibung lexikographisch übersichtlich darbietet.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Wien
Institut für Germanistik
Veränderungen im Straßennamenkorpus der Landeshauptstadt St. Pölten zwischen 1900 und 1996
Diplomarbeit
vorgelegt von: Manfred Wieninger
Gliederung / Inhaltsverzeichnis
1) Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes ... 1
2) Versuch einer semantischen Klassifikation ... 10
3) Versuch einer morphologischen Klassifikation ... 19
4) St. Pöltner Straßennamengebung im 19. Jahrhundert ... 20
5) St. Pöltner Straßennamengebung im 20. Jahrhundert ... 28
5.1) Straßennamengebung in St. Pölten zwischen 1900 und 1918 ... 31
5.1.1) Datenteil (Straßennamengebung zwischen 1900 und 1918) ... 35
5.2) Straßennamengebung in St. Pölten zwischen 1919 und 1933 ... 38
5.2.1.) Datenteil (Straßennamengebung zwischen 1919 und 1933) ... 45
5.3) Straßennamengebung in St. Pölten zwischen 1934 und 1937 ... 48
5.3.1) Datenteil (Straßennamengebung zwischen 1934 und 1937) ... 50
5.4) Straßennamengebung in St. Pölten zwischen 1938 und 1944 ... 52
5.4.1) Datenteil (Straßennamengebung zwischen 1938 und 1944) ... 55
5.5) Straßennamengebung in St. Pölten zwischen 1945 und 1954 ... 57
5.5.1) Datenteil (Straßennamengebung zwischen 1945 und 1954) ... 59
5.6) Straßennamengebung in St. Pölten zwischen 1955 und 1996 ... 62
5.6.1) Datenteil (Straßennamengebung zwischen 1955 und 1996) ... 63
6) Analyse ausgewählter Korpora des 20. Jahrhunderts ... 68
Lexikon der St. Pöltner Straßennamen (1900-1996) ... 88
Schreibung: „Führerstrasse“ Stadtbauamt 1910, S. 14 ... 284
Bibliographie / Literaturverzeichnis ... 861
1) Primäre (= amtliche) Namenquellen ... 861
1.1) St. Pöltner Gemeinderatsprotokolle ... 861
1.2) St. Pöltner Amtsblatt ... 862
1.4) Straßenverzeichnisse ... 872
1.5) NÖ Landeskorrespondenz ... 875
1.6) Akten des Magistrates der Landeshauptstadt St. Pölten ... 875
2) Sekundäre (= nichtamtliche) Namenquellen ... 876
2.1) Stadtpläne ... 876
2.2) Sonstige sekundäre Namenquellen ... 878
3) Sekundärliteratur ... 881
3.1) Straßennamen ... 881
3.2) Onomastik allgemein ... 895
3.3) St. Pölteniensa ... 898
3.4) Geschichte ... 920
Verwendete Abkürzungen ... 921
Verzeichnis der Siglen (Hauptteil) ... 922
Verzeichnis der Siglen (Lexicon) ... 929
1) Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes
Gegenstand dieser Untersuchung sind die Veränderungen im Bestand der amtlichen St. Pöltner Straßennamen1 des 20. Jahrhunderts, das heißt, der von der jeweiligen Gemeindevertretung2 vergebenen bzw. wieder aus dem Korpus getilgten Straßenbezeichnungen. Denn spätestens seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erwächst auch in St. Pölten die Straßennamengebung nicht mehr aus dem Usus, sondern ist primär ein „Akt der kommunalen Selbstverwaltung“3.
„Nicht mehr der Sprachgebrauch der Allgemeinheit, sondern wenige damit beauftragte Männer entscheiden darüber, was als Name zu gelten hat. Das Resultat ihrer Beratungen wird aktenkundig, öffentlich bekanntgemacht und für die Einwohnerschaft verpflichtend, die so ihre Fähigkeit zur spontanen Neuschöpfung von Straßennamen einbüßt.“4
Gänzlich geschwunden dürfte diese Fähigkeit aber nicht sein, wie sich an vereinzelten Residuen zeigen läßt, so etwa an einem erst 1993 reportierten Beispiel aus der St. Pöltner Katastralgemeinde Radlberg:
„Brückenstraße: [...]. [...], wegen der vielen Anrainer mit dem Namen Ziegelwagner auch „Ziegelwagnergasse“ genannt.“5
Sehr oft sedimentiert sich auch aus der mündlichen Überlieferung stammendes Namenmaterial ein letztes Mal in der amtlichen, schriftlich fixierten Tradition, bevor es von dieser endgültig verdrängt wird:
„Gemeinderat Prugger: Meine Damen und Herren! Mir scheint, daß die Arbeit des Ausschusses, der sich mit der Benennung der Straßen beschäftigt, nicht hinlänglich ist. [...] In Radlberg wurde zum Beispiel bei der letzten Gemeinderatssitzung vom 21. November eine Strasse in Ober-Radlberg als Kraftgasse benannt und zwar läuft die von der Nr. 426/1 bis 426/2. Südlich davon ist ein kleines kurzes Anschlußstück bis zur Bahn, das ist bis jetzt nicht benannt. Das hätte ganz gut dazugenommen werden können. Nordwestlich von 426/2 entlang des Mühlbaches bis zum Gasthaus Kollonitsch ist ebenfalls ein kleines Anschlußstück, das jetzt noch immer lächerlicherweise Kuh- oder Saugassl heißt. Es wäre ganz gut, auch diese Straße mit in eine Namensnennung einzuschließen.“6
Anders als der Mainstream der modernen Linguistik, welcher der gesprochenen Sprache den Primat zuerkennt und sich vorrangig mit dieser zu beschäftigen sucht, setzen wir uns damit ausschließlich mit geschriebener Sprache, mit den Textzeugen der amtlichen Straßennamen auseinander, aus denen nur sehr sporadisch auch Rückschlüsse auf Mündliches zu gewinnen wären.
„Bürgermeister: [...]. Er [Weinheber] gehört zu den bedeutendsten Lyrikern, die wir in der letzten Zeit in der deutschsprechenden Welt gehabt haben. Er ist vor allem auch ein Österreicher und infolgedessen, glaube ich, können wir gar nicht anders, als daß wir diesen Antrag auf eine Weinhebergasse annehmen. Schließlich haben wir das getan, weil Weinheber es verdient, unter allen Dichtern genannt zu werden und dann ist leider der Jean Paul so unglücklich mit seinem Namen daran, daß, wenn man in diese Gegend gekommen ist, man die schrecklichsten verzerrten Namen gehört hat. Das hat uns bewogen, dieser unglücklich gewählten Jean Paul-Straße ein Ende zu machen und hier einen anderen Dichter, das ist Weinheber, einzusetzen.“7
Mittlerweile liegen für die Mehrheit der österreichischen Landeshauptstädte - bis auf St. Pölten, Eisenstadt und Graz8 - synchrone Straßennamenverzeichnisse mit Erklärung der Namenbedeutung als selbständige Publikationen vor.9 Diese Lücke, was die niederösterreichische Landeshauptstadt St. Pölten betrifft, zu schließen, war ein Hauptziel dieser Arbeit.
„Auf technischem Gebiet können nun alle lebenermöglichenden Werkzeuge mit Achtung rechnen. Nicht geringerer Respekt gebührt den gleicherweise notwendigen verbalen Hilfsmitteln. Stehen sie dazu noch im Ruf, Deutungspotential zu bergen, wie der Mensch sich Beheimatung verschafft hat, dann kann ein komplettes Korpus von Toponymen getrost „Schatz“ heißen. Ihn anzulegen und zu sichten ist ein unbezweifelbarer Wert.“10
Die oben erwähnten und in der Fußnote 9 angeführten Publikationen richten sich vorwiegend an ein heimatkundlich interessiertes Laienpublikum. Es gebricht ihnen daher in zweierlei Hinsicht an einer wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Darstellung, wie an einem beliebigen Lemma aus Simbrunners „Linz. Straßennamen von A bis Z“ zu zeigen sein wird. „Kampmüllerweg, (Pöstlingberg); nach einem früheren Adelsgeschlecht benannt“11
[...]
1 Unter Straßennamen verstehen wir in Anlehnung an FUCHSHUBER-WEISS „alle als EigenN [Eigennamen] dienenden Bezeichnungen für Straßen, Gassen, Wege, Plätze [...] innerhalb einer Siedlung“ (FUCHSHUBERWEISS 1996, S. 761). Ausgeschlossen sind damit per definitionem Viertelsbezeichnungen wie etwa in St. Pölten Kaiserwald oder Eisberg, die ein ganzes Gebiet mit mehreren darin liegenden Straßen bezeichnen. Nicht unter den Begriff Straßenname fallen auch die Bezeichnungen für - öffentliche wie private - Parkanlagen, die unseres Erachtens keine Verkehrs-, sondern primär Erholungsflächen darstellen.
2 Die hiezu befugten kommunalen Organe waren im Laufe unseres Jahrhunderts: Gemeinde-Ausschuss, zur einstweiligen Besorgung der Geschäfte der Stadt St. Pölten bestellter k. k. Statthaltereisekretär, Gemeinderat, Gemeindebeirat, Regierungskomissär, Gemeindetag, Bürgermeister, Oberbürgermeister, provisorischer Gemeinde-Ausschuß, Gemeinderat bzw. Bürgermeister.
3 FUCHSHUBER-WEISS 1996, S. 761
4 REUSSE 1966, S. 97 - 98
5 AG 1993, S. 144
6 Verhandlungsschrift aufgenommen in der Sitzung des Gemeinderates der Stadt St. Pölten am 16. Jänner 1956, S. 14 - 15. In: PdG 1956
Weitere in den amtlichen St. Pöltner Benennungsbeschlüssen aufgefundene Sedimente dieser Art:
„5.) Straßenbenennung
Der Berichterstatter beantragt, der Gemeinderat wolle beschließen: Der an der Kreuzung Mariazeller Straße - Schulring - Schießstattring entstehende Platz wird „Europaplatz“ bezeichnet.
Gemeinderat Helm: Hoher Gemeinderat, ich möchte gerne fragen, warum wir den Linzer Torplatz jetzt als Europaplatz bezeichnen. Wir haben eine Wiener-Tor - Ausfallstraße und eine Linzer-Tor - Ausfallstraße, die beide stadtbekannt sind. Warum wollen wir den Platz als Europaplatz bezeichnen?
Bürgermeister: Herr Gemeinderat, wir haben weder ein Linzer Tor noch ein Wiener Tor, sondern wir haben eine Linzer Straße, eine Wiener Straße und eine Kremser Gasse. Der Platz wurde auf Empfehlung der Bundesregierung, die allen Gemeinden empfohlen hat, man möge irgend einen besonderen Platz Europaplatz nennen, so benannt. Wir haben so einem Wunsche der Bundesregierung Rechnung getragen. Ich glaube, daß dieser Kreuzungspunkt, eigentlich die Hauptachse des Verkehres in Niederösterreich, mit Recht die Bezeichnung „Europaplatz“ tragen sollte.
Zwischenruf Stadtrat Käfer: Sie kennen die alte Geschichte nicht, Herr Bürgermeister!
Bürgermeister: Aber wir kennen die Wiener Straße und die Linzer Straße! Es gibt keinen Ausdruck Wiener Tor und Linzer Tor. Es gibt nicht einmal einen Linzer Torplatz, dieser Platz ist nur einfach so benannt worden in Ermangelung eines anderen Namens. Aber die Bezeichnung „Europaplatz“ ist wichtig, da der Name zeigen soll, daß wir die Bestrebungen ein „Vereinigtes Europa“ zu schaffen, als wirksamstes Mittel zum Frieden ansehen.
Gemeinderat Dotter: Herr Bürgermeister, als alter St. Pöltner kenne ich ein Linzer Tor und ein Wiener Tor...
Zwischenruf Bürgermeisterstellvertreter Laimer: Im Volksmund!
Gemeinderat Dotter: Unsere Fraktion stimmt dagegen, den Linzer Torplatz „Europaplatz“ zu benennen.......“
Verhandlungsschrift aufgenommen in der Sitzung des Gemeinderates der Stadt St. Pölten am
17. November 1958, S. 9 - 11. In: PdG 1958
„Schiffmannstraße: [...]; früher: nach Norden Salzerstraße, nach Süden Aufeldstraße [...]; noch
früher: „Schwarzer Weg“ (auch „Löschweg“)“ Hogl 1996, S. 132
„Der Gemeinderat wolle beschließen:
Die im nachstehenden Verzeichnis angeführten Neu- bzw. Umbenennungen von Straßen im Gemeindegebiet von St. Pölten [...] werden bewilligt.
[...]
Nr. Straßenname Straßenverlauf Kat.Gem.
[...]
20 Defreggerstraße ehem. „Schwarzer Weg“ östl. des Schrebergartens Oberwagram
und des Sportplatzes des St. Pöltner Sportklubs“
Antrag des Bauausschusses vom 24.10.1977, S. 1 u. 6. In: O2
7 Verhandlungsschrift aufgenommen in der Sitzung des Gemeinderates der Stadt St. Pölten am Montag, den 21. Nov. 1955, S. 50. In: Protokoll des Gemeinderates 1955
8 Für Graz liegt nur ein Straßenverzeichnis vor, das jedoch keine Namenerklärungen bietet: MAGISTRAT GRAZ, ABT. 10/6 STADTVERMESSUNGSAMT (Hg.): Alphabetisches Straßenverzeichnis der Stadt Graz. Stand: Juni 1992. Graz: Magistrat Graz s. a.
9 AMT DER LANDESHAUPTSTADT BREGENZ, AMT FÜR STATISTIK (Hg.): Straßenverzeichnis der Landeshauptstadt Bregenz. Stand: 1. Juli 1990. Beschlossen von der Stadtvertretung am 10. Juli 1990. Bregenz: Amt der Landeshauptstadt Bregenz 1990
GLATTAUER, Herbert O.: Innsbrucker Straßennamen erzählen. Innsbruck: Edition Löwenzahn, österreichischer StudienVerlag 1994
STADT INNSBRUCK (Hg.): Straßennamen in Innsbruck. Herausgegeben vom Amt für Statistik. Stand: 1995. Innsbruck: Stadt Innsbruck 1995
SCHNEIDER, Hermann Th.: Die Strassen und Plätze von Klagenfurt. 2., erweiterte und verbesserte Auflage. Eine Erklärung der Klagenfurter Strassennamen von Hermann Th. Schneider. Klagenfurt: Landeshauptstadt Klagenfurt s. a. [=1985]
MAYRHOFER, Fritz: Die Linzer Straßen. Stand 1. März 1994. Bearbeitet von Fritz Mayrhofer. 2., erweiterte Auflage. Linz: Magistrat der Landeshauptstadt Linz-Archiv der Stadt Linz 1994
SIMBRUNNER, Peter: Linz. Straßennamen von A bis Z. Zusammengestellt von Peter Simbrunner. Wien, Heidelberg: Ueberreuter 1988
MARTIN, Franz: Salzburger Straßennamen. Verzeichnis der Strassen, Gassen, Plätze, Wege, Tore und Brücken mit Erklärung ihrer Namen. 4., durchgesehene und wesentlich überarbeitete Auflage von Willa Leitner-Martin und Andreas Martin. Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 1995 (= Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde; 15)
AUTENGRUBER, Peter: Lexikon der Wiener Straßennamen nach amtlichen Unterlagen. Bedeutung, Herkunft. Hintergrundinformation, frühere Bezeichnung(en). Zusammengestellt von Dr. Peter Autengruber. 1. Aufl., Stand: 1.6.95. Wien, München, Zürich: Perlen-Reihe 1995 (= Perlen-Reihe; 1016)
PERGER, Richard: Straßen, Türme und Basteien. Das Straßennetz der Wiener City in seiner Entwicklung und seinen Namen. Ein Handbuch. Wien: Deuticke 1991 (= Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte; 22)
SIMBRUNNER, Peter: Wien: Straßennamen von A-Z. 4., völlig überarbeitete und neu gestaltete Ausgabe. Wien: Ueberreuter 1989
10 BERING 1994, S. 3
11 SIMBRUNNER 1988, S. 56
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