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Die Religionspolitik des Augustus

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 22 Pages
Author: Henriette Kunz
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Event: Der Principat des Augustus: Machtausbau und Machteinbau in traditionelle Formen.
Institution/College: Dresden Technical University (Institut für Geschichte)
Tags: Religionspolitik, Augustus, Principat, Augustus, Machtausbau, Machteinbau, Formen
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 31  Entries
Language: German
Archive No.: V63216
ISBN (E-book): 978-3-638-56316-1
ISBN (Book): 978-3-638-66918-4
File size: 205 KB

Abstract

Geprägt durch Bürgerkriege und Orientierungslosigkeit war die Zeit, die diesem Ereignis vorausging, für viele Zeitgenossen eine einschneidende Negativerfahrung. Als ein bedeutendes Element wurde dabei der Verfall, der sich in der späten Republik bezüglich der römischen Staatreligion beobachten lässt, angesehen, denn die politische Katastrophe führte man größtenteils auf den Zorn der Götter zurück, dem man sich hilflos ausgeliefert fühlte. Jener wiederum fand in der damaligen Meinung seine Ursache in der inkorrekten Befolgung des religiösen Rituals und dem Missbrauch der sakralen Ämter zu rein machtpolitischen Zwecken.


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Dresden, Institut für Geschichte
Hauptseminar: Der Principat des Augustus.
WS 2005/06, 5. Fachsemester

Die Religionspolitik des Augustus

von: Henriette Kunz

 


I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

I. Einleitung 3

II. Das persönliche Verhältnis Augustus’ zur Religion  6

III. Die Religionspolitik des Augustus 10

III. 1. Die Anknüpfung an Caesar und die mythologisch-genealogischen Grundlagen  10
III. 2. Apollo und die Verdrängung des kapitolinischen Kultes  14
III. 3. Die Restauration und Neuinterpretation der alten Tradition 15

V. Quellen- und Literaturverzeichnis 20

1. Quellen 20
2. Sekundärliteratur 21

 


 

I. Einleitung

„[T]he revival of the State religion by Augustus is at once the most remarkable event in the history of the Roman religion, and the almost unique in religious history.”1

Geprägt durch Bürgerkriege und Orientierungslosigkeit war die Zeit, die diesem Ereignis vorausging, für viele Zeitgenossen eine einschneidende Negativerfahrung. Als ein bedeutendes Element wurde dabei der Verfall, der sich in der späten Republik bezüglich der römischen Staatreligion beobachten lässt, angesehen, denn die politische Katastrophe führte man größtenteils auf den Zorn der Götter zurück, dem man sich hilflos ausgeliefert fühlte. Jener wiederum fand in der damaligen Meinung seine Ursache in der inkorrekten Befolgung des religiösen Rituals und dem Missbrauch der sakralen Ämter zu rein machtpolitischen Zwecken.2 Besonders eindringlich beschreibt Horaz die Verzweiflung und die Ängste, von denen die Menschen zu jener Zeit ergriffen wurden.3

Da Frömmigkeit und die regelrechte Ausübung der Riten im römischen Verständnis die Grundpfeiler für die Befriedung der Götter bildeten und damit gleichzeitig Garant für das Wohl des Staates waren, blieb es gängige Auffassung, dass, solange die pax deorum nicht wiederhergestellt war, keine Aussicht auf bessere Zeiten bestand.4 Vage Hoffnungen brachte allerdings der Sieg des jungen Octavian über Marcus Antonius und Kleopatra im Jahre 31 v. Chr. bei Actium, da sich hier erste Anzeichen für einen möglichen, dauerhaften Frieden und zudem eine klare politische Richtung erkennen ließen.5 Vor allem der römische Dichter Vergil feiert den Adoptivsohn Caesars in seinem Hauptwerk6 als einen neuen Aeneas, der auserwählt sei, anknüpfend an die großen Heroen der Republik, Rom in eine neue Epoche zu führen.7

Neben solch enthusiastischen Stimmen finden sich jedoch auch Auffassungen, die einer eher pessimistischen Rückschau Rechung tragen. So kann Livius’ Römische Geschichte8 trotz seiner malerischen Stilisierung einer vergangenen, traditionsbewussten Gesellschaft nicht als ein Plädoyer für eine Restauration jenes Ideals gelesen werden. Dennoch finden sich auch hier Anklänge, die Augustus in die Nähe der großen Gestalten der republikanischen Zeit rücken.9 Beiden gemeinsam ist demnach eine gewisse romantische Grundtendenz10, die sich sowohl in der Idealisierung der Vergangenheit als auch in der Hervorhebung der Person des Augustus äußerte. Während Livius einer Wiederbelebung der alten Kulte eher kritisch gegenübersteht, vermag dagegen die von der stoischen Philosophie der späten Republik beeinflusste Arbeit des Schriftstellers Varro über die Gesamtheit der römischen Religion11 durchaus als ein Einsatz für deren Restauration angesehen werden12, wie auch schon Cicero resümierte.13 Des Weiteren schaffte ebenso die allgemeine pro-religiöse Stimmung, die sich aus der radikalen Unsicherheit des Volkes heraus konstituierte, eine mögliche Basis für eine umfassende Reform der römischen Staatsreligion, wie sie sich unter dem Principat letztlich vollziehen sollte.14 Dabei ist jedoch zu betonen, dass es sich nicht um eine bloße Restauration handelte, die ausschließlich die Regeneration der alten Kulte im Blick hatte. Vielmehr brachte die Veränderung der Staatsform auch zwingend eine Umgestaltung des religiösen Systems mit sich, da im Hinblick auf die nunmehr stattfindende politische Zentralisierung auf die Person des Princeps Neuinterpretationen unumgänglich waren.15

Diese neuartige Konzentration muss das Interesse gleichwohl auch auf die persönliche Einstellung des Augustus selbst zur römischen Religion lenken. Mit jener kontrovers diskutierten Problematik beschäftigt sich das zweite Kapitel der vorliegenden Arbeit. Darüber hinaus wurde im dritten Teil die Darstellung wichtiger Aspekte der Augusteischen Religionspolitik realisiert, wobei der Fokus auf den mythologisch-genealogischen Grundlagen, der Bevorzugung des Apollo sowie der Wiederherstellung und der Neuinterpretation der alten Traditionen liegt.

Die Auswahl der antiken Quellen beschränkt sich dabei vorrangig auf Suetons Augustus-Vita16, die res gestae17 und die Römische Geschichte von Cassius Dio18. Seitens der Forschung ist das in den folgenden Ausführungen bearbeitete Feld sehr gut beleuchtet, sodass auf ein breites Spektrum an Sekundärliteratur zurückgegriffen werden konnte. Hauptsächlichen Einbezug fanden vor allem die Arbeiten Mary Beards19, Wolfgang Speyers20, John Scheids21, John Liebeschütz’22, Kurt Lattes23, Franz Altheims24 und die Beiträge des von Gerhard Binder herausgegebenen Sammelbandes25, wobei auch die bisweilen voneinander abweichenden Meinungen der einzelnen Autoren hinsichtlich spezieller Probleme berücksichtigt wurden. Bezüglich der Thematik des Mars-Ultor-Tempels waren besonders die Veröffentlichungen Paul Zankers26 und Joachim Ganzerts27 hilfreich. Ferner sind die Publikationen Robert Ogilvies28 und John North’29 zu erwähnen.

II. Das persönliche Verhältnis Augustus’ zur Religion

[...]


1 North, John A.: Religion and Politics, from Republic to Principate. In: JRS 76 (1986), S. 252.

2 Vgl. Altheim, Franz: Römische Religionsgeschichte. Bd. III: Die Kaiserzeit. Berlin, Leipzig 1933 (= Sammlung Göschen, Bd. 1072), S. 15-16; Bergemann, Claudia: Politik und Religion im spätrepublikanischen Rom. Stuttgart 1992 (= Palingenesia: Monographien und Texte zur Klassischen Altertumswissenschaft, Bd. 38), S. 87-150; Ogilvie, Robert M.: …und bauten die Tempel wieder auf. Die Römer und ihre Götter im Zeitalter des Augustus. München 1984, S. 119- 120.

3 Horatius Flaccus, Quintus: Odes and epodes. Ed. and transl. by Niall Rudd. Cambridge u.a. 2004 (= The Loeb classical library, Bd. 33).

4 Vgl. Liebeschuetz, John H.W.G.: Continuity and Change in Roman Religion. Oxford 1991, S. 55-56.

5 Vgl. ebd., S. 56; Ogilvie, Tempel, S. 119, Altheim, Religionsgeschichte III, S. 41.

6 Vergilius Maro, Publius: Aeneis. Lateinisch und deutsch. Eingel. u. übertr. von August Vezin. Münster 21956 (= Klassiker des Abendlandes).

7 Vgl. Altheim, Religionsgeschichte III, S. 27, 41.

8 Livius, Titus: Ab urbe condita. Bearb. von Andreas Hensel und Gerhard Fink. Göttingen 1998 (= Exempla, Bd. 17).

9 Vgl. Liebeschütz, Continuity and Change, S. 61-62.

10 Die romantische Grundtendenz der späten Republik erwähnt Speyer, W.: Das Verhältnis des Augustus zur Religion. In: ANRW II 16,3 (1986), S. 1786 (dort weitere Literaturangaben).

11 Cardauns, Burkhart: M. Terentius Varro, Antiquitates rerum divinarum. Band I: Die Fragmente. Wiesbaden 1976 (=Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz / Einzelveröffentlichung).

12 Vgl. Liebeschütz, Continuity and Change, S. 62; Altheim, Religionsgeschichte III, S. 22-24.

13 Vgl. Cic. Acad. post. 1, 9.

14 Vgl. Ogilvie, Tempel, S. 119-120.

15 Vgl. Beard, Mary: Kaiserzeit. In: Graf, Fritz (Hg.): Einleitung in die lateinische Philologie. Stuttgart, Leipzig 1997, S. 493.

16 Sueton: Augustus. Lateinisch / Deutsch. Hrsg. von D. Schmitz. Stuttgart 1988.

17 Augustus: Res gestae – Tatenbericht. Lateinisch/Griechisch/Deutsch. Hrsg. von M. Giebel. Stuttgart 1975.

18 Cassius Dio: Römische Geschichte. Band III: Bücher 44-50. Übers. von O. Veh. Zürich, München 1986; Cassius Dio: Römische Geschichte. Band IV: Bücher 51-60. Übers. von O. Veh. Zürich, München 1986.

19 Beard, Mary: Kaiserzeit. In: Graf, Fritz (Hg.): Einleitung in die lateinische Philologie. Stuttgart, Leipzig 1997, S. 492-519.

20 Speyer, W.: Das Verhältnis des Augustus zur Religion. In: ANRW II 16,3 (1986), S. 1777-1805.

21 Scheid, John: Augustus and Roman Religion: Continuity, Conservatism, and Innovation. In: The Cambridge Companion to the Age of Augustus. Cambridge 2005, S. 175-195.

22 Liebeschuetz, John H.W.G.: Continuity and Change in Roman Religion. Oxford 1991.

23 Latte, Kurt: Die augusteische Restauration. In: Binder, Gerhard (Hg.): Saeculum Augustum. Band II: Religion und Literatur. Darmstadt 1988 (= Wege der Forschung, Bd. 512), S. 21-51.

24 Altheim, Franz: Römische Religionsgeschichte. Bd. III: Die Kaiserzeit. Berlin, Leipzig 1933 (= Sammlung Göschen, Bd. 1072).

25 Gagè, Jean: Die Priesterämter des Augustus. In: Binder, Gerhard (Hg.): Saeculum Augustum. Band II: Religion und Literatur. Darmstadt 1988 (= Wege der Forschung, Bd. 512), S.52-87; Lambrechts, Pierre: Die „apollinische“ Politik des Augustus und der Kaiserkult. In: Binder, Gerhard (Hg.): Saeculum Augustum. Band II: Religion und Literatur. Darmstadt 1988 (= Wege der Forschung, Bd. 512), S. 88-107; Schilling, Robert: Der römische Hercules und die Religionsreform des Augustus. In: Binder, Gerhard (Hg.): Saeculum Augustum. Band II: Religion und Literatur. Darmstadt 1988 (= Wege der Forschung, Bd. 512), S. 108-142.

26 Zanker, Paul: Augustus und die Macht der Bilder. München 21990; Zanker, Paul: Forum Augustum. Das Bildprogramm. Tübingen 1972. (= Monumenta artis antiquae, Bd.5).

27 Ganzert, Joachim: Im Allerheiligsten des Augustusforums. Fokus „Oikoumenischer Akkulturation“. Mainz am Rhein 2000.

28 Ogilvie, Robert M.: …und bauten die Tempel wieder auf. Die Römer und ihre Götter im Zeitalter des Augustus. München 1984.

29 North, John A.: Religion and Politics, from Republic to Principate. In: JRS 76 (1986), S. 251-258.


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