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Rechnungslegung für Hochinflationsländer nach IFRS

Diploma Thesis, 2006, 108 Pages
Author: Yasmin Shoaib
Subject: Economics / Business: Accounting and Taxes

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2006
Pages: 108
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 47  Entries
Language: German
Archive No.: V63222
ISBN (E-book): 978-3-638-56321-5
ISBN (Book): 978-3-638-71021-3
File size: 1429 KB
Notes :
Nach einer kurzen themenbezogenen Einführung in die Rechnungslegung nach IFRS werden die Grundlagen der Währungsumrechnung behandelt. Anschließend werden die Standards IAS 21 und IAS 29 ausführlich besprochen. Im praktischen Teil wird beispielhaft anhand eines Abschlusses aus Zimbabwe eine Inflationsbereinigung durchgeführt und dieser anschließend in eine Hardwährung umgerechnet.


Abstract

Vor allem Konzerne agieren heute weltweit. Ihre Tochterunternehmen stellen Jahresabschlüsse in einer anderen als der Konzernberichtswährung auf. Sowohl das deutsche Handelsgesetzbuch als auch die internationalen Rechnungslegungsstandards des International Accounting Standards Board und des amerikanischen Financial Accounting Standards Board fordern eine Konsolidierung aller Tochterunternehmen im Konzernabschluss. Die Darstellung des Konzerns soll erfolgen, als ob es sich um ein einziges Unternehmen handelt. Um die Zusammenführung in einem Konzernabschluss zu ermöglichen ist es notwendig, die einzelnen Abschlüsse hinsichtlich der Recheneinheit zu vereinheitlichen. Die Rechnungslegung von Unternehmen, die in einer hochinflationären Volkswirtschaft agieren, unterliegt einer besonderen Problematik. Nominalwerte verlieren aufgrund der Geldentwertung schon nach kurzer Zeit ihre Aussagekraft. Da die Inflation in diesen Ländern häufig mit einer Preissteigerung einhergeht, werden zu Nominalwerten erfasste Posten je nach Verweildauer im Unternehmen stark unterbewertet. Die Relationen im Jahresabschluss werden also verzerrt ausgewiesen und vermitteln kein den Tatsachen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der berichtenden Unternehmen. Handelt es sich um Tochterunternehmen eines internationalen Konzerns wird auch der Konzernabschluss von diesen Verzerrungen betroffen sein, wenn der inflationsbehaftete Abschluss vor der Konsolidierung nicht von diesen Verzerrungen befreit wird. Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Regelungen im deutschen Handelsgesetzbuch, sind internationale Standards für die Behandlung dieser Problematik maßgebend. Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung der relevanten Standards des International Accounting Standards Board zur Behandlung von Abschlüssen, die in hochinflationären Währungen aufgestellt werden, sowie zur Umrechnung von in Fremdwährung aufgestellten Abschlüssen.


Excerpt (computer-generated)

Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

Diplomarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
Diplom-Kauffrau (FH)

Rechnungslegung für Hochinflationsländer nach IFRS

Yasmin Shoaib

 

Inhaltsverzeichnis


1. Problem- & Zielstellung dieser Arbeit ... 1

2. Zielstellung der IFRS-Rechnungslegung ... 3

2.1 Das International Accounting Standards Board (IASB) ... 3
2.2 Das Framework ... 3
2.2.1 Zweck und Verpflichtungsgrad des Framework ... 3
2.2.2 Inhalt des Framework ... 5
2.3 Zielsetzung von Abschlüssen und Rechnungslegungsgrundsätze ... 5
2.3.1 Ziele von Abschlüssen nach IFRS ... 5
2.3.2 Rechnungslegungsgrundsätze der IFRS ... 6
2.3.2.1 Underlying Assumptions (grundlegende Annahmen) ... 6
2.3.2.2 Qualitiative Characteristics (qualitative Anforderungen) ... 7
2.4 Abschlussposten nach IFRS ... 10
2.5 Konzernrechnungslegung nach IFRS ... 11

3. Grundlagen der Währungsumrechnung ... 13

3.1 Problemstellung der Währungsumrechnung ... 13
3.2 Wechselkurse ... 13
3.3 Umrechnungsmethoden ... 16
3.3.1 Ziele der Umrechnung ... 17
3.3.2 Die Stichtagskursmethode ... 18
3.3.3 Die Zeitbezugsmethode ... 21
3.4 Die Regelungen zur Währungsumrechnung in den IFRS ... 23
3.4.1 Die Entstehung des IAS 21 ... 23
3.4.2 Zielstellung des IAS 21 (revised 2003) ... 24
3.4.3 Umrechnung nach IAS 21 (revised 2003) ... 24
3.4.3.1 Bestimmung der funktionalen Währung ... 25
3.4.3.2 Umrechnung von Fremdwährungsgeschäften ... 26
3.4.3.3 Umrechnung von in Fremdwährung aufgestellten Abschlüssen ... 28
3.4.4 Angaben nach IAS 21 ... 31

4. Inflationsbereinigung von Abschlüssen aus Hochinflationsländern ... 32

4.1 Inflation ... 32
4.1.1 Definition von Inflation ... 32
4.1.2 Erscheinungsformen der Inflation ... 33
4.1.3 Indexierung ... 35
4.1.4 Auswirkungen von Hochinflation auf die Rechnungslegung ... 36
4.2 Hartwährungsabschlüsse ... 38
4.3 IAS 29 ... 39
4.3.1 Ziele des IAS 29 ... 39
4.3.2 Anwendungsbereich des IAS 29 ... 40
4.4 Anpassung des Abschlusses nach IAS 29 ... 41
4.4.1 Wahl des Preisindexes ... 41
4.4.2 Die Bilanz nach IAS 29 ... 42
4.4.2.1 Trennung von monetären und nicht-monetären Posten ... 42
4.4.2.2 Anpassung der nicht-monetären Posten ... 43
4.4.3 Die Gewinn- und Verlustrechnung nach IAS 29 ... 46
4.4.4 Gewinn oder Verlust aus der Nettoposition der monetären Posten ... 48
4.4.5 Die Kapitalflussrechnung nach IAS 29 ... 49
4.4.6 Vergleichszahlen nach IAS 29 ... 50
4.4.7 Angaben nach IAS 29 ... 50
4.5 Beendigung der Hochinflation in einer Volkswirtschaft ... 50

5. Rechnungslegung für Hochinflationsländer am Beispiel ... 52

5.1 Untersuchungsobjekte ... 52
5.2 IAS 29 ... 53
5.2.1 Trennung von monetären und nicht-monetären Posten ... 53
5.2.2 Gegenüberstellung der hisotrischen und inflationsbereinigten Vermögensstruktur ... 54
5.2.3 Beispielrechnung: Sachanlagevermögen und Wertminderungen ... 58
5.2.4 Beispielrechnung: Vorräte ... 62
5.3 IAS 21 ... 65
5.3.1 Umrechnung in Euro am Beispiel ... 65
5.3.2 Analyse von Anhangangaben deutscher Konzerne in Bezug auf IAS 21 ... 72

6. Schlussbetrachtung ... 79

Anhang ... 81

Quellenverzeichnis ... 94

 

 

1. Problem- und Zielstellung dieser Arbeit

Eine deutsche Fluggesellschaft kauft Flugzeuge in Frankreich, Treibstoff in Russland und die Innenausstattung der Flugzeuge in den USA. Dieses ist eines von vielen möglichen Beispielen zur Verdeutlichung der Internationalisierung von Unternehmen. Bezogen auf die Rechnungslegung dieser Unternehmen stellt sich die Frage, wie Geschäfte, die in einer anderen als der eigenen Berichtswährung abgewickelt werden, zu behandeln sind.

Vor allem Konzerne agieren heute weltweit. Die Volkswagen AG betreibt zum Beispiel Fertigungsstätten in Mexiko, BASF eine Vertriebsgesellschaft in Brasilien. Diese Tochterunternehmen stellen Jahresabschlüsse in einer anderen als der Konzernberichtswährung auf. Sowohl das deutsche Handelsgesetzbuch als auch die internationalen Rechnungslegungsstandards des International Accounting Standards Board und des amerikanischen Financial Accounting Standards Board fordern eine Konsolidierung aller Tochterunternehmen im Konzernabschluss.1 Die Darstellung des Konzerns soll erfolgen, als ob es sich um ein einziges Unternehmen handelt.2 Um die Zusammenführung in einem Konzernabschluss zu ermöglichen ist es notwendig, die einzelnen Abschlüsse hinsichtlich der Recheneinheit zu vereinheitlichen.

Die Rechnungslegung von Unternehmen, die in einer hochinflationären Volkswirtschaft agieren, unterliegt einer besonderen Problematik. Nominalwerte verlieren aufgrund der Geldentwertung schon nach kurzer Zeit ihre Aussagekraft. Da die Inflation in diesen Ländern häufig mit einer Preissteigerung einhergeht, werden zu Nominalwerten erfasste Posten je nach Verweildauer im Unternehmen stark unterbewertet. Die Relationen im Jahresabschluss werden also verzerrt ausgewiesen und vermitteln kein den Tatsachen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der berichtenden Unternehmen.3 Handelt es sich um Tochterunternehmen eines internationalen Konzerns wird auch der Konzernabschluss von diesen Verzerrungen betroffen sein, wenn der inflationsbehaftete Abschluss vor der Konsolidierung nicht von diesen Verzerrungen befreit wird.

Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Regelungen im deutschen Handelsgesetzbuch, sind internationale Standards für die Behandlung dieser Problematik maßgebend. Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung der relevanten Standards des International Accounting Standards Board zur Behandlung von Abschlüssen, die in hochinflationären Währungen aufgestellt werden, sowie zur Umrechnung von in Fremdwährung aufgestellten Abschlüssen.

Vor diesem Hintergrund wird im 2.Kapitel das Grundkonzept der Rechnungslegung nach International Financial Reporting Standards erläutert.

Im Anschluss wird im 3.Kapitel die aus dem Grundkonzept entstehende Pflicht zur Umrechnung und die Umrechnungsmethoden für Fremdwährungsgeschäfte und in Fremdwährung aufgestellte Abschlüsse herausgearbeitet.

Die daraus resultierende Verpflichtung zur Bereinigung von Abschlüssen aus Hochinflationsländern und deren Umsetzung wird in Kapitel 4 dargestellt.

Im 5. Kapitel wird die Anwendung der relevanten Standards anhand ausgewählter Beispiele analysiert.

Abschließend werden die wesentlichen Ergebnisse dieser Arbeit in Kapitel 6 zusammengefasst.


2. Zielstellung der IFRS-Rechnungslegung


2.1 Das International Accounting Standards Board (IASB)

Das International Accounting Standards Board (IASB), ist aus dem International Accounting Standards Committee (IASC) hervorgegangen.4 Das IASC wurde 1973 von Berufsverbänden, die sich mit Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung befassen, gegründet. Sein Ziel ist die Entwicklung und Veröffentlichung weltweit akzeptierter Rechnungslegungsgrundsätze.5 Im Jahre 2001 wurde das IASC neu geordnet. Als Dachorganisation wurde die International Accounting Standards Committee Foundation (IASCF) gegründet. Unter ihrer Aufsicht stehen die verschiedenen Organe, wie z.B. das IASB und das International Financial Reporting Interpretations Committee (IFRIC). Die Aufgabe des IASB ist die Verabschiedung von Exposure Drafts und Standards und die Genehmigung von Interpretationen, die vom IFRIC zu Fragen zu bestehenden Standards entwickelt werden.

Da bei der Gründung des IASC eine Mehrheit angelsächsisch orientierter Mitglieder bestand, folgen die International Accounting Standards (IAS) und die International Financial Reporting Standards (IFRS)6 im Gegensatz zum deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) dem Case Law.7


2.2 Das Framework


2.2.1 Zweck und Verpflichtungsgrad des Framework

Im Jahre 1989 hat das IASB ein grundsätzliches Rahmenprogramm veröffentlicht, das Framework for the Preparation and Presentation of Financial Statements (F), das den Rechnungslegungsstandards und Interpretationen als Hintergrund dient.8 Es verdeutlicht die Grundlagen für die Vorbereitung und Darstellung von Jahresabschlüssen für externe Adressaten.9

Die Zwecke, die das Framework verfolgt werden in F1 genannt. Es soll

  • das IASB bei der Entwicklung zukünftiger IFRS sowie bei der Überprüfung bereits bestehender IFRS unterstützen,
  • das IASB bei der Förderung der Harmonisierung von Vorschriften, Rechnungslegungsstandards und Verfahren hinsichtlich der Darstellung von Abschlüssen unterstützen,
  • nationale Standardsetter, wie z.B. das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e.V. (DRSC), bei der Entwicklung nationaler Standards unterstützen,
  • Personen, die mit der Aufstellung von Abschlüssen befasst sind, bei der Anwendung der bestehenden Standards und im Umgang mit noch nicht geregelten Themen helfen,
  • Abschlussprüfern helfen, zu beurteilen, ob ein Abschluss den IFRS entspricht,
  • den Adressaten des Jahresabschlusses bei der Interpretation der Informationen helfen und
  • die Basis für die Entwicklung der Standards verständlich zu machen.

 

[...]


1 Vgl. Pellens/Fülbier/Gassen (2004), S.119
2 Vgl. ebenda
3 Vgl. Wortmann (1992), S.13
4 Vgl. Pellens/Fulbier/Gassen (2004), S.73
5 Vgl. Buchholz (2004), S.7
6 Vgl. Pellens/Fulbier/Gassen (2004), S.77: Die Rechnungslegungsstandards des IASB werden seit 2001 als IFRS bezeichnet. Die bereits bestehenden IAS behalten ihre Gültigkeit, fallen aber unter den Oberbegriff der IFRS.
7 Vgl. Buchholz (2004), S.7
8 Vgl. a.a.O., S. 20
9 Vgl. Buchholz (2004), S.20


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