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Die Datierung der 2. Lautverschiebung anhand des proprialen Wortschatzes - Erörterung der Methoden und kritische Betrachtung der ersten Belege

Termpaper, 2005, 25 Pages
Author: M A. Florian Fix
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 25
Grade: 1
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V63302
ISBN (E-book): 978-3-638-56378-9
ISBN (Book): 978-3-638-66895-8
File size: 245 KB

Abstract

In diesem Werk möchte ich mich eingehender mit den aktuellen Ergebnissen zur Datierung der 2. Lautverschiebung beschäftigen sowie die ersten Belege des proprialen Wortschatzes für den Lautwandel bei den oberdeutschen Stämmen detailliert darstellen. Um dies zu leisten, soll zunächst ein Überblick über den derzeitigen Stand der Forschung gegeben und verschiedene Methoden zur Erforschung der 2. Lautverschiebung aufgezeigt und diskutiert werden. An dieser Stelle sollen auch die ersten bekannten Belege für die durchgeführte 2. Lautverschiebung genannt und bezüglich ihrer Aussagefähigkeit kategorisiert werden. Anschließend möchte ich anhand einer Referierung und Diskussion der Arbeiten Theodor Steches darstellen, auf welche Weise Personennamen zur Datierung der Lautverschiebung herangezogen werden können. Eine gesonderte Betrachtung soll dem kontrovers diskutierten, auch bei Steche erwähnten Namen Butilin anhängen. Nachfolgend sollen die Methoden und hypothetischen Ergebnisse sowohl von Stefan Sonderegger, der Ortsnamen der deutschsprachigen Schweiz bezüglich der 2. Lautverschiebung untersucht, als auch von Wolfgang Haubrichs, welcher anhand von Ortsnamen die Lautverschiebung im Langobardischen zeitlich zu bestimmen versucht, dargestellt und einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Das Hauptaugenmerk dieser Hausarbeit soll – wie schon aus dem Titel ersichtlich ist – auf einer Diskussion der Methoden einerseits, ferner jedoch auf einer kritischen Betrachtung der für die Namensforschung relevanten frühen Quellen liegen. Zu diesem Zwecke soll zuerst über die St. Gallener Urkunden und das Salzburger Verbrüderungsbuch referiert, anschließend die dort verzeichneten Namen nach lautverschobenen Konsonanten durchsucht werden, um schließlich eine Deutung in Bezug auf die 2. Lautverschiebung geben zu können. In allen Teilen der Hausarbeit soll immer wieder thematisiert werden, welche Problematik einer eindeutigen Datierung der 2. Lautverschiebung entgegensteht. Um dies zu leisten, soll einschlägige Forschungsliteratur verwendet werden, im Besonderen werde ich mich auf die Arbeiten zur 2. Lautverschiebung von Judith Schwerdt beziehen.


Excerpt (computer-generated)

Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Institut für Deutsche Sprache und Literatur II
Seminar "Lautwandel und Lautgeschichte"
Sommersemester 2005, 8. Fachsemester

Die Datierung der 2. Lautverschiebung anhand des proprialen Wortschatzes -
Erörterung der Methoden und kritische Betrachtung der ersten Belege

von: Florian Fix

 


Inhaltsverzeichnis

A) Einleitung 3

B) Hauptteil 4

1. Stand und Methoden der Forschung  4
2. Die Datierung mithilfe von Personennamen 7

2.1 Die Datierung nach Theodor Steche  7
2.2 Der Name des Alemannenherzogs Butilin 9

3. Die Datierung mithilfe der Ortsnamen 11

3.1. Stefan Sonderegger  11
3.2. Wolfgang Haubrichs  13

4. Erörterung der ersten Belege aus dem Bereich des proprialen Wortschatzes 15

4.1 Die St. Gallener Urkunden 15
4.2 Das Salzburger Verbrüderungsbuch  16

4.2.1. Belege für verschobene Medien 17
4.2.2. Belege für die Tenuesverschiebung  20
4.2.3 Zusammenfassung 21

C) Fazit 22

Literaturverzeichnis  24





 

A) Einleitung

In dieser Hausarbeit, welche im Rahmen des Seminars "Lautwandel und Lautgeschichte" vom Sommersemester 2005 entstanden ist, möchte ich mich eingehender mit den aktuellen Ergebnissen zur Datierung der 2. Lautverschiebung beschäftigen sowie die ersten Belege des proprialen Wortschatzes für den Lautwandel bei den oberdeutschen Stämmen detailliert darstellen. Um dies zu leisten, soll zunächst ein Überblick über den derzeitigen Stand der Forschung gegeben und verschiedene Methoden zur Erforschung der 2. Lautverschiebung aufgezeigt und diskutiert werden. An dieser Stelle sollen auch die ersten bekannten Belege für die durchgeführte 2. Lautverschiebung genannt und bezüglich ihrer Aussagefähigkeit kategorisiert werden.

Anschließend möchte ich anhand einer Referierung und Diskussion der Arbeiten Theodor Steches darstellen, auf welche Weise Personennamen zur Datierung der Lautverschiebung herangezogen werden können. Eine gesonderte Betrachtung soll dem kontrovers diskutierten, auch bei Steche erwähnten Namen Butilin anhängen. Nachfolgend sollen die Methoden und hypothetischen Ergebnisse sowohl von Stefan Sonderegger, der Ortsnamen der deutschsprachigen Schweiz bezüglich der 2. Lautverschiebung untersucht, als auch von Wolfgang Haubrichs, welcher anhand von Ortsnamen die Lautverschiebung im Langobardischen zeitlich zu bestimmen versucht, dargestellt und einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Das Hauptaugenmerk dieser Hausarbeit soll – wie schon aus dem Titel ersichtlich ist – auf einer Diskussion der Methoden einerseits, ferner jedoch auf einer kritischen Betrachtung der für die Namensforschung relevanten frühen Quellen liegen. Zu diesem Zwecke soll zuerst über die St. Gallener Urkunden und das Salzburger Verbrüderungsbuch referiert, anschließend die dort verzeichneten Namen nach lautverschobenen Konsonanten durchsucht werden, um schließlich eine Deutung in Bezug auf die 2. Lautverschiebung geben zu können.

In allen Teilen der Hausarbeit soll immer wieder thematisiert werden, welche Problematik einer eindeutigen Datierung der 2. Lautverschiebung entgegensteht. Um dies zu leisten, soll einschlägige Forschungsliteratur verwendet werden, im Besonderen werde ich mich auf die Arbeiten zur 2. Lautverschiebung von Judith Schwerdt beziehen.

B) Hauptteil

1. Stand und Methoden der Forschung

Während eine relative Chronologie der einzelnen Lautverschiebungsvorgänge rekonstruierbar ist1, bleibt die Suche nach dem Beginn der 2. Lautverschiebung problematisch. Die Forschung ist sich uneins, auf welche Weise der Lautwandel datiert werden sollte. Einige Philologen wie beispielsweise Mitzka oder Theodor Steche versuchen, den ungefähren Zeitraum des Lautwandels mithilfe früher schriftlicher Zeugnisse einzugrenzen, datieren den Eintritt der Lautverschiebung danach allerdings oft noch vor diese Zeit. Andere Argumentationen orientieren sich gar nicht erst an den Belegen, sondern basieren lediglich auf Vermutungen.

Um Spekulationen zu vermeiden, plädiert Schwerdt dafür, methodisch so vorzugehen, dass eine Datierung ausschließlich mithilfe der frühesten Belege durchzuführen sei, "die einer kritischen philologischen Prüfung standhalten".2 Das bedeutet, dass nur jene sprachlichen Zeugnisse Rückschlüsse auf das Eintreten der 2. Lautverschiebung zulassen, deren Entstehung und Überlieferung bekannt ist, folglich möglichst im Original vorliegen. Martina Pitz und Maria Vòllono stimmen einer quellenkritischen Methode zu, hingegen weisen sie darauf hin, dass der zeitliche Abstand zwischen dem Original und der Kopie eines Zeugnisses mit der Möglichkeit einer sprachlichen Veränderung der Vorlage "offenbar nicht allzu viel zu tun" habe, vielmehr seien es andere Faktoren, die das Textverhalten der Schreiber und Kopisten bestimmen.3 Sie halten prinzipielle Vorbehalte gegenüber überlieferten sprachlichen Zeugnissen für "nicht angebracht". Die kopial bezeugten Namen müssen jedoch kontrovers diskutiert werden, was im Rahmen dieser Hausarbeit nicht möglich sein kann. Aus diesem Grunde sollen hier nur im Original verzeichnete Namen zur Datierung der Lautverschiebung herangezogen werden.

Allerdings ist auf diese Weise lediglich der Eintritt der 2. Lautverschiebung in der Schriftlichkeit gesichert, "über den Eintritt in der gesprochenen Sprache" – welcher dem in der geschriebenen Sprache stets vorausgeht - kann nur spekuliert werden."4 Die Forschung geht jedoch davon aus, dass die 2. Lautverschiebung nicht schon Jahrhunderte - kaum Jahrzehnte - vor dem ersten Aufkommen in schriftlichen Zeugnissen in der Mündlichkeit bestanden habe. Haubrichs rechnet in diesem Zusammenhang eines "nicht-phonematischen Wandel[s], wie ihn die initialen Stadien der Lautverschiebung repräsentieren" mit "einem Nebeneinander der älteren und der neugebildeten Allophone für ein bis zwei Generationen".5

[...]


1 einen umfassenden Überblick, in welcher Zeit die einzelnen Teilerscheinungen der Lautverschiebung üblich wurden, gibt u. a. Goblirsch (2005).

2 Schwerdt (2000), 199.

3 Pitz/ Vòllono (2003), 327f.

4 Schwerdt (2002), 12.

5 Haubrichs (2002), 239.


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