Aspekt und Aktionsart beim deutschen Verb in Wechselwirkung mit adverbialen Anga... close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Aspekt und Aktionsart beim deutschen Verb in Wechselwirkung mit adverbialen Angaben

Autor: Magister Artium Zeno Wolze
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)

Lesen Sie im E-Book



Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 93
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 43  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 469 KB
Archivnummer: V63331
ISBN (E-Book): 978-3-638-56403-8
ISBN (Buch): 978-3-638-72506-4
Anmerkungen :
- Bedeutungsvariabilität (Polysemie) illustriert anhand eines examplarisch ausgewählten Bereichs der Sprache. - Semantische Organisation von Temporaladverbien in den unterschiedlichen syntagmatischen Kontexten

Zusammenfassung / Abstract

Diese Arbeit behandelt die Bedeutungsvariabilität (Polysemie) von sprachlichen Ausdrücken anhand eines exemplarischen Ausschnitts der Sprache – der Wechselwirkung zwischen Aspekt und der Aktionsart deutscher Verben auf der einen und adverbialen Angaben auf der anderen Seite. Bei der Interaktion sprachlicher Komponenten treten häufig nur Teilbereiche der Semantik dieser einzelnen Komponenten miteinander in Interaktion. Sind zwei sprachliche Ausdrücke innerhalb eines Syntagmas eigentlich nicht miteinander kompatibel oder sind zwei Ausdrücke innerhalb eines Paradigmas synonym, ändert sich in manchen Fällen die Bedeutung des einen Ausdrucks bzw. es tritt ein anderer semantischer Teilbereich in die Interaktion ein. Auf diese Weise werden ungrammatische oder synonyme Konstruktionen vermieden und die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten erweitert – eine effiziente semantische Organisation also, die als Teil des Ökonomieprinzips natürlicher Sprachen gesehen werden kann. Die vorliegende Arbeit hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Gesetzmäßigkeiten für einen Bereich der Sprache möglichst genau zu erfassen. Aus diesem Grunde wurde absichtlich ein relativ semantisch leerer Bereich ausgewählt und genau abgesteckt. Die Thesen, die in dieser Arbeit entwickelt werden, werden exemplarisch gestützt durch Beispiele, die einem Sprach-Korpus entnommen sind.

Textauszug (computergeneriert)

Technische Universität Berlin
Institut für Sprache und Kommunikation

Aspekt und Aktionsart beim deutschen Verb in Wechselwirkung mit adverbialen Angaben

Zeno Wolze

 

Inhaltsverzeichnis


0 Einleitung, Hintergrund und Gliederung der Arbeit ... 4

1 Situationsklassen ... 6

1.1 Thematische Eingrenzung und Begriffsklärungen ... 6
1.1.1 Tempus und Aspekt ... 7
1.1.2 Theoretische Vorüberlegungen zum Wesen interner temporaler Strukturen ... 9
1.2 Überblick über Ansätze zur Subklassifikation von Situationen ... 12
1.2.1 Übertragung der aristotelischen Handlungsklassifikation auf linguistische Strukturen – Vendler (1967) ... 12
1.2.2 Dekomposition in semantische Primitiva im Rahmen einer intervallbasierten Semantik – Dowty (1979) ... 14
1.2.3 Mereologische Relationen – Bach (1981, 1986) ... 20
1.2.3.1 Probleme von Teilbarkeit und Additivität ... 25
1.2.3.2 Einfluss der NP-Semantik auf den Telizitätsstatus ... 27
1.3 Telizität als Homomorphismus zwischen Vorgang und Individuum ... 29
1.3.1 Telizität und Verbsemantik ... 33
1.3.1.1 Verbale Polysemie und ihre Einflüsse auf den Telizitätsstatus ... 41
1.3.1.2 Generell atelisierende Einflüsse ... 43
1.4 Vorläufige Klassifikation der Situationen ... 45
1.4.1 Weitere syntaktische und semantische Evidenz für die Situationsklassen ... 48
1.4.1.1 Durativ-telische vs. (durativ-) atelische Situationen ... 48
1.4.1.2 Durativität vs. Punktualität ... 51
1.4.1.3 Statik vs. Dynamik ... 52
1.5 Generizität ... 53

2 Temporaladverbien ... 60

2.1 Subklassifikation und Wahl der Vertreter ... 61
2.1.1 Allgemeine semantische Eigenschaften der Temporaladverbien ... 62
2.2 Semantische Eigenschaften der einzelnen Subklassen ... 64
2.2.1 Durative Adverbien ... 64
2.2.2 Adverbien der Geschwindigkeit ... 65
2.3 Holistische und partielle Modifikation ... 66
2.3.1 Durative Adverbien ... 67
2.3.1.1 Zusätzliche semantische Bedingungen der Nachsituation ... 70
2.3.2 Adverbien der Geschwindigkeit ... 73
2.4 Semantische Relationen ... 77
2.4.1 Semantische Relationen zwischen den Adverbialklassen ... 78
2.4.2 Semantische Relationen innerhalb der Adverbialklassen ... 82
2.5 Semantische Anomalien ... 85

3 Fazit und Ausblick ... 89

4 Literatur ... 90

 

 

0 Einleitung, Hintergrund und Gliederung der Arbeit

Allgemeiner Hintergrund dieser Arbeit sind die Wechselwirkungen zweier in syntagmatischer Relation zueinander stehender Ausdrücke. Modifiziert ein Ausdruck einen anderen, so ist es oft der Fall, dass der modifizierte Ausdruck nicht als Ganzes, sondern lediglich ein Teil seines Bedeutungsumfanges von der Modifikation betroffen ist.
Dieses Phänomen, welches den Mittelpunkt dieser Arbeit bildet, bezeichne ich fortan als ‚partielle Modifikation’. Das folgende Beispiel zeigt einleitend zwei Fälle partieller Modifikation anhand von Adjektiv-Nomen-Verbindungen:

(1)
(a) Sie ist eine tolle Tänzerin.
(b) Sie ist eine schöne Tänzerin.

Während in Satz (a) auf die Art des Tanzens Bezug genommen wird, nimmt Satz (b) auf das Aussehen der Tänzerin, nicht aber auf ihre tänzerischen Fähigkeiten Bezug. Eine adäquate Paraphrase von (a) wäre von daher Sie tanzt toll und nicht Sie sieht toll aus, wohingegen (b) als Sie sieht schön aus und nicht als Sie tanzt schön paraphrasiert werden müsste. Der modifizierende Ausdruck greift hier also jeweils nur auf einen (jeweils unterschiedlichen) Teil des modifizierten Ausdrucks zu, er modifiziert ihn partiell. Da diese beiden Beispiele die gleiche syntaktische Struktur (oder zumindest die gleiche syntaktische Oberflächenstruktur) besitzen, kann das Wesen der partiellen Modifikation als eine Subebene der Syntax aufgefasst werden. Schließlich modifiziert ja nicht eine semantisch geschlossene Einheit eine andere, sondern lediglich einen Teil von ihr. Die interne Unterteilung eines Ausdrucks in modifizierbare Teile ist semantischer Natur.
Der partiellen Modifikationsart gegenüber steht theoretisch die holistische, bei der ein modifizierter Ausdruck als Ganzes von der Modifikation erfasst wird.

Die Gesetzmäßigkeiten der verschiedenen Modifikationsarten – insbesondere die potentieller Unterarten der partiellen Modifikation – dürften mit dem semantischen Gehalt der betrachteten Ausdrücke stark variieren. Um dieses Phänomen also konkret beschreiben zu können, ist es notwendig, die Betrachtungen auf einen Ausschnitt der Sprache zu beschränken. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf Phänomene partieller und holistischer Modifikationsart, die bei der Wechselwirkung zwischen Aspekt und Aktionsart des Verbs auf der einen und adverbialen Angaben auf der anderen Seite zu beobachten sind. Anders ausgedrückt, soll das Merkmal interner Temporalität, das in zwei miteinander wechselwirkenden Trägern vorhanden ist, isoliert betrachtet werden. Die hier zur Diskussion stehenden adverbialen Angaben sind von daher solche, die die interne Temporalität betreffen und der potentiell breit gefächerte Begriff der Aktionsart soll lediglich auf temporale Strukturen beschränkt verwendet werden.

Durch die Beschränkung auf einen Ausschnitt der Sprache liegt im Prinzip durchgängig partielle Modifikation vor, denn ein Temporaladverb modifiziert einen anderen Ausdruck ja lediglich hinsichtlich eines semantischen Aspekts, der Temporalität. Die Begriffe ‚holistische Modifikation’ und ‚partielle Modifikation’ werden in dieser Arbeit deswegen spezifischer – also nur auf den Bereich der Temporalität bezogen – gebraucht.
Aufgrund der relativen semantischen Transparenz, die sich aus der Isolation des Merkmals interner Temporalität ergibt, können umso genauere Aussagen über die Wechselwirkungen der zu betrachtenden Ausdrücke gemacht werden. Bedingt durch diese Wechselwirkungen ergeben sich außerdem Bedeutungsverschiebungen innerhalb der Ausdrücke, wodurch sich auch die semantischen Relationen der Ausdrücke zueinander verändern. Diese kontextuell variierenden semantischen Relationen beziehungsweise die semantische Organisation der Temporaladverbien ist zusätzlicher Betrachtungsgegenstand dieser Arbeit.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Hauptteile. Der erste Teil beschäftigt sich mit Subklassifizierungsmöglichkeiten von Verben, Verbphrasen bzw. Sätzen hinsichtlich ihrer internen temporalen Strukturen. Im zweiten Teil wird dann die Wechselwirkung dieser Klassen mit den Temporaladverbien untersucht. Um die zur Debatte stehenden Phänomene besser veranschaulichen zu können und um die eigenen Thesen durch realsprachliche Beispiele zu untermauern, werden im zweiten Teil Beispiele aus dem Mannheimer Korpus herangezogen.


1 Situationsklassen


1.1 Thematische Eingrenzung und Begriffsklärungen

Termini, durch die auf die internen temporalen Strukturen von Verben (bzw. Verbphrasen oder Sätzen) Bezug genommen wird, sind etwa ‚inherent lexical aspect’ (Fillip 1999), ‚eventuality types’ (Bach 1981, 1986), ‚Situationsklassen’ (Comrie 1976; Thieroff 1992), ‚Aktionsarten’ (z.B. Motsch et al. 1981) oder ‚qualitative aspect’ (Maslov 1985). Ich werde in dieser Arbeit den Begriff ‚Situationsklasse’ verwenden und zwar aus folgenden Gründen:
Zunächst einmal soll der Begriff ‚Aktionsart’ gemieden werden, weil er, wie bereits angedeutet, zum einen mehr als nur interne temporale Strukturen umfasst und weil zum anderen bei der Beschreibung von Aktionsarten meist von der morphologischen Seite ausgehend die semantische beschrieben wird. In dieser Arbeit wird sich der Fragestellung von der semantischen Seite her genähert, die morphologische Struktur von Verben bleibt so gut wie unberücksichtigt. Durch den Terminus ‚Situationsklasse’ soll deutlich gemacht werden, dass nicht nur Verben, sondern, vom Verb ausgehend, auch größere Einheiten mit in die Betrachtung einbezogen werden, was bei einer rein semantisch basierten Herangehensweise und für die Zwecke dieser Arbeit unumgänglich ist. Diese größeren Einheiten, die Situationen, sind allerdings auch nicht mit Sätzen gleichzusetzen, weil ein Satz auch aus mehreren Situationen bestehen kann. Der Aspekt soll in dieser Arbeit nur am Rande und idealisiert betrachtet werden. In dieser idealisierten Betrachtung soll er inhaltlich so klar wie möglich von den Situationen abgegrenzt werden, weswegen Termini, die das Wort ‚Aspekt’ einschließen, eher verwirrend wären. Schließlich möchte ich mich mit dem Begriff ‚Situationsklasse’, den Thieroff (ebd.) in Anlehnung an Comrie (ebd.) übernimmt, in die deutschsprachige Terminologie einreihen. Allerdings muss angemerkt werden, dass dieser Terminus dazu verleiten kann, mit ihm sowohl Sprachliches als auch Außersprachliches zu bezeichnen, was mitunter auch in der Fachliteratur geschieht (vgl. Dahl 1985:26). In dieser Arbeit wird der Begriff ‚Situation’ bzw. ‚Situationsklasse’ stets für Sprachliches, also für Versprachlichungen von Außersprachlichem gebraucht. Für Außersprachliches werden Begriffe wie ‚Sachverhalt’, ‚Ereignis’, ‚Vorgang’ und ‚Geschehen’ verwendet.

Der nächste Abschnitt dient dazu, vorweg kurz den Inhalt der Begriffe ‚Tempus’ und ‚Aspekt’ zu erläutern. Dies geschieht zum einen, um sie von dem der Situationsklasse abzugrenzen und zum anderen, weil auch sie eine Rolle spielen hinsichtlich der Relation zwischen Situationsklasse und Temporaladverb.


1.1.1 Tempus und Aspekt

 

[...]


Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/63331/