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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 29 Pages
Author: Roman Derneff
Subject: History - Early and Ancient History
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Alte Geschichte)
Tags: Athen, Demokratie, Perikles, Persien, Kimon, Eurymedon
Year: 2000
Pages: 29
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-13928-1
File size: 635 KB
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Excerpt (computer-generated)
Kallias und die Frage nach einem Frieden mit Persien
von Roman Derneff
Gliederung
I. Einleitung
II. Der Kallias-Frieden und die Überlieferung des 4. und 5. Jahrhunderts
1.) Die Überlieferung des 5. Jahrhunderts
2.) Die Überlieferung ab dem 4. Jahrhundert
III. Die Frage nach Existenz und Datierung des Kalliasfriedens
1.) Die Untersuchung von Klaus Meister
2.) Eine andere Theorie zum Kalliasfrieden
IV. Probleme der Chronologie in den athenisch-persischen Auseinandersetzungen
V. Fazit
VI. Quellennachweis und Literaturverzeichnis
I. Einleitung
Die Geschichte Griechenlands und seiner mächtigsten Poleis Athen und Sparta wurde seit dem gescheiterten Aufstand der kleinasiatischen Griechen unter Aristagoras von Milet 494 und dem Ausgreifen Persiens auf das griechische Mutterland über ein halbes Jahrhundert zunächst durch den Abwehrkampf gegen die persische Invasion und dann, ab 479 durch den athenischen Offensivkrieg gegen persische Außenposten bestimmt, bis der militärische Konflikt im Jahre 449/8 mit dem sogenannten Kalliasfrieden einschlief.
Doch gerade die Frage nach der Historizität dieses Friedens scheint in der heutigen Wissen-schaft mehr denn je umstritten.
Weshalb sollte die athenische Führung eine solche Einigung um oder vor 450 v.u.Z. mit Persien suchen? Der Hegemonialanspruch Athens im Seebund beruhte auf der strikten Bekämpfung der Perser. In diesem Zusammenhang ist für die Problematik des Kalliasfriedens ausschlaggebend, ob in Athen, entweder unter dem Einfluß des kimonischen Sieges am Eurymedon oder später, möglicherweise im Zusammenhang mit einem wachsenden Einfluß des Perikles, eine politische Umorientierung stattgefunden hat. Zielte Athens Politik nicht mehr auf die strikte Bekämpfung des persischen Erzfeindes, sondern auf eine, in friedlicher Koexistenz mit Persien basierende Neuorganisation des Seebundes?
Das Gros der wissenschaftlichen Darstellungen befürwortet ein persisch-athenisches Abkom-men im Jahr 449/48 v.u.Z. Klaus Meister sieht in dem Fortbestehen kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Persern und Athenern ein Indiz für die Nichtexistenz eines, wie auch immer gearteten Friedens in diesem Zeitraum. Nach detaillierter Auseinander-setzung mit der Problematik des Kalliasfriedens kam E. Badian zu dem Schluß einer mehrmaligen Übereinkunft zwischen Persern und Athenern. In diesem Zusammenhang unterzog Badian die Chronologie dieses Zeitraums (von der Schlacht am Eurymedon bis in die 40er Jahre) einer Revision, die grundlegend für die weitere Forschung wurde.
In diesem Beleg wird versucht, nach einer einführenden Darstellung der wichtigsten Quellen, die jüngsten Forschungsergebnisse inhaltlich zu beleuchten. Dazu erfolgt eine kurze Dar-stellung der neueren Thesen zum Kalliasfrieden (Meister & Badian) sowie eine Erörterung besonders strittiger Fragen in Bezug auf die Chronologie der athenisch-persischen Auseinandersetzungen und der damit verbundenen Entwicklung der attischen Herrschaft im Seebund.
II. Der Kallias-Frieden und die Überlieferung des 4. und 5. Jahrhunderts
Beim Betrachten der Quellenlage zum Kallias-Frieden lassen sich grundsätzlich zwei Fakten festhalten. In den Quellen des 5 Jh. findet sich kein einziger Hinweis für eine Historizität des Kalliasfriedens. Im Gegensatz dazu bieten die Quellen des 4. Jh. eine Fülle unterschiedlicher Darstellungen des chronologischen Ablaufs der Pentekontaetia und mit ihnen verschiedene Positionen zum Kallias-Frieden.
1.) Die Überlieferung des 5. Jahrhunderts
Mit den Darstellungen von Herodot und Thukydides besitzen wir zwei relativ zeitgenössische Überlieferungen für den Zeitraum des Kalliasfriedens. Um so erstaunlicher scheint die Tatsache, daß keiner von beiden einen Friedensschluß der Athener und Perser in seinem Werk erwähnt. Bei Herodot scheint dies auch nicht so problematisch, da seine Darstellungen jenen Zeitraum nur touchieren, jedoch bezeugen sie die Existenz einer Gesandtschaft der Athener am persischen Hof unter der Leitung des Kallias . Diese Erwähnung stellt jedoch nur eine Randnotiz von Herodot dar, die vor allem durch ihre eigentümliche Formulierung auffällt. Das eigentliche Thema des dort behandelten Abschnitts befaßt sich mit der zum gleichen Zeitpunkt am persischen Hof weilenden argivischen Gesandtschaft, die ihr unter Xerxes geschlossenes Bündnis mit dem neuen Herrscher Artaxerxes bestätigen läßt. Auffällig ist hier, daß Herodot den Grund der Anwesenheit der athenischen Gesandtschaft im Ungewissen beläßt. Kallias war zur selben Zeit in, wie Herodot sagt, "einer anderen Angelegenheit" dort.
[...]
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